Lebensdaten
1829 bis 1910
Geburtsort
Wiesbaden
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118563629 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knaus, Ludwig

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Zitierweise

Knaus, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563629.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Friedrich (1790–1872), Optiker in W., S d. Chirurgen Matthäus in Waiblingen u. d. Maria Elisabeth Knaus;
    M Anna Maria (1797–1859), T d. Pulvermeisters Georg Philipp Schell in Obernhof b. Nassau/Lahn u. d. Clara Schill;
    Wiesbaden 1859 Henriette (* 1840), T d. Gastwirts Philipp Christian Hoffmann in Wiesbaden u. d. Marie Anne Katharina Dresde;
    1 S, 3 T, u. a. Otto (* 1877), Architekt (s. ThB), Johanna (⚭ Fritz Dönhoff, * 1863, Staatssekr. im preuß. Handelsmin., s. Rhdb.).

  • Leben

    K. ging 1843 nach Abschluß der Lateinschule zu dem Lackierer Jumeau in die Lehre. Da er schon früh Talent zum Zeichnen zeigte, erhielt er 1844-46 von dem Landschaftsmaler Otto Reinhard Jacobi den ersten Zeichenunterricht. 1846-48 besuchte er die Akademie in Düsseldorf, wo er bei Carl Friedr. Sohn seine Studien begann. 1847 wurde er zusammen mit Anselm Feuerbach in die Meisterklasse Wilhelm von Schadows aufgenommen. Da K. sich jedoch weit mehr zur niederländischen Sittenmalerei und zu den Genrebildern der älteren Düsseldorfer Malerschule hingezogen fühlte als zu Schadows nazarenisch-katholischem Stil, kam es bald zu heftigen Kontroversen zwischen Lehrer und Schüler. 1848 verließ K. die Düsseldorfer Akademie, weil ihm Schadow die Modellunterstützung mit der Begründung verweigert hatte, ein solcher Zuschuß werde nur begabten Schülern gewährt.

    Im folgenden Jahr reiste K. zusammen mit seinem Freund Adolf Schreyer erstmals nach Willinghausen in der Schwalm (Hessen). Hier|wollte er, dem Vorbild Jakob Beckers und Jakob Dielmanns folgend, das bäuerliche Leben beobachten und Studien nach der Natur zeichnen. Dieser Aufenthalt prägte sein Schaffen grundlegend, denn von nun an waren der bäuerliche Mensch und seine Umgebung das Zentralthema seiner Arbeit. Das im Winter 1849/50 entstandene Gemälde „Bauernkirmes in Hessen“ (Städtische Gemäldegalerie Wiesbaden) zeigt ihn als scharf beobachtenden, unsentimentalen Realisten. Schon in seinen frühen Werken unterscheidet er sich von der Genremalerei der älteren Düsseldorfer Maler – zum Beispiel eines Adolph Schrödter und Johann Peter Hasenclever – durch eine reiche, nuancierte Farbskala und den völligen Mangel an gemütsbetonter Beschaulichkeit. Sein 1850 in der Berliner Akademie ausgestellter „Leichenzug im Walde“ ist ein Zeugnis für seine physiognomische und psychologische Charakterisierungskunst. 1851 entstand neben zahlreichen Porträts – unter anderem von den Eltern (1851) und von seinem Freund, dem Kunsthändler Barthold Suermondt (1852) – das Gemälde „Die Falschspieler“ (Kunstmuseum der Stadt Düsseldorf). Das Bild, von der damaligen Kritik als ein epochemachendes Werk begrüßt, ist typisch für K. Frühstil: In Anlehnung an die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts erzählt er einen anekdotisch-moralisierenden Inhalt verbindlich und humorvoll, ohne verletzenden Realismus und ohne Sarkasmus.

    Im Oktober 1852 reiste K. mit dem Vorsatz nach Paris, dort in wenigen Monaten sein technisches Können zu verbessern. Doch erst im Jahre 1861 kehrte er endgültig nach Deutschland zurück. Nachdem er bereits bei der Frühjahrsausstellung 1853 in Wiesbaden mit seinem Gemälde „Morgen nach der Kirchweih“ Aufsehen erregt und die Goldene Medaille erhalten hatte, beschickte er 1854 erstmals den Pariser Salon mit dem Bild „Schwarzwälder Bauern in der Schenke“ (1853, Montpellier, Museum Fabre). In den folgenden Jahren unternahm K. zahlreiche Studienreisen: 1853 fuhr er mit Vautier in den Schwarzwald und in die Schweiz, 1856 nach England, 1857/58 mit den Brüdern Louis und Gustav Spangenberg sowie mit Valton nach Italien, 1859 mit Suermondt nach Belgien und Holland. Dazwischen lagen mehrwöchige Aufenthalte in Deutschland. Seine Beobachtungen und Eindrücke flössen in das Schaffen dieser Jahre ein. 1855 war K. auf der Pariser Weltausstellung mit 4 Bildern vertreten und erhielt, wie auch Kaulbach und Achenbach, eine goldene Medaille. Die französische Kritik, darunter Th. Gautier und Eduard Goncourt, lobten ihn überschwänglich, und Kaiserin Eugénie erwarb sein Bild „Spaziergang im Tuileriengarten“ (heute Gemäldegalerie Wiesbaden). Für sein im Salon 1858 ausgestelltes Bild „Die goldene Hochzeit“ erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion. Trotz der Anerkennung durch das Publikum und der zahlreichen Ehrungen sehnte sich K. immer mehr in seine Heimat zurück, da ihm, wie er 1858 in einem Brief bekennt, das „gemütliche deutsche Genre“ mehr zusage. In Frankreich wurde seine Arbeit trotz eines längeren Aufenthaltes in Barbizon kaum von dem Schaffen zeitgenössischer französischer Maler geprägt. K. hingegen beeinflußte die Pariser Künstler und das Pariser Publikum nachhaltig. „Er war es, der den Franzosen das deutsche Sittenbild schmackhaft machte“ (C. Gurlitt).

    1860 baute er sich auf dem Gaisberg in Wiesbaden ein Atelier, beschloß aber gleichzeitig eine Übersiedlung nach Berlin, wo er einen günstigeren Markt für seine Bilder vermutete. Bis zu seiner endgültigen Niederlassung in Berlin 1874 verbrachte er dort den Winter, den Sommer jedoch in seinem Atelier auf dem Gaisberg. In Berlin verkehrte er mit W. Amberg, L. und G. Spannenberg, R. Henneberg, O. Wiesnieski, O. Knille und W. Gentz. 1864-70 stand K. auf der Höhe seines Ruhms. Die Kunstkritik stellte ihn gleichrangig neben Menzel und erklärte ihn zum führenden Repräsentanten der deutschen Malerei. Es entstanden die Bilder „Geistliche Ermahnung“, „Seine Hoheit auf Reisen“ (1867), „Das Kinderfest“ (1869), „Leichenbegängnis im Winter“ (1871) und „Hanauer Bauernberatung“ (1873). Als K. sich 1867 zusammen mit Menzel in Paris aufhielt, wurde er für das Gemälde „Seine Hoheit auf Reisen“, das auf der Frühjahrsausstellung in Paris zu sehen war, in Gegenwart des französischen Kaisers mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Zwar bevorzugte K. in diesen Jahren noch immer das Bauernbild, das humorvolle oder ethisch getragene Genrebild und das Porträt, doch zeigt er in diesen Werken immer mehr die Tendenz, sich dem allgemeinen Publikumsgeschmack anzupassen. Seit 1868 malte er häufig Kinderbilder. In ihnen bekundet er eine Neigung zum novellistisch-anekdotischen Plaudern, zum Niedlichen und Gefälligen.

    Nachdem er 1874 zum Mitglied der Sachverständigenkommission der Gemäldegalerie ernannt worden war, zog K. endgültig nach Berlin. Gleichzeitig erhielt er den Auftrag, die Meisterklasse an der Akademie zu leiten. Diesen Posten hatte er bis 1882 inne. Seit den 70erjahren ließ seine künstlerische Schaffenskraft nach. K. variierte nur noch|einige seiner Standardthemen und beschränkte sich schließlich auf Charakterstudien, die jedoch recht klischeehaft sind und den moralisierenden Aspekt betonen: „Vor und hinter dem Vorhang“ (1880), „Kirchweihfest“ (1883), „Försterheim“ (1886), „Der Starost“ (1887), „Kartoffelernte im Schwarzwald“ (1888), „Ich kann warten“. Auch seine späten Porträts zeigen ihn nicht mehr auf seiner früheren künstlerischen Höhe. Auf den Porträts Mommsens und H. von Helmholtz' (1881), die K. im Auftrag der Nationalgalerie anfertigte, werden die dargestellten Personen von anekdotischem Beiwerk erdrückt. Auch die wenigen Gemälde religiösen Inhalts („Madonna“, 1875, „Heilige Familie“, 1876) fanden keine Anerkennung. Obwohl die Kunstkritik sich immer mehr von K. abwandte, erhielt er bis ins hohe Alter hinein Auszeichnungen und Ehrungen. 1904 wurde er Mitglied des Institut de France und 1905 Ehrenmitglied des Senats der Künste in Berlin. Ausstellungen von 1889, 1900 und 1911 in der Berliner Akademie sowie von 1911 im Wiesbadener Kunstverein boten einen Überblick über K. Werk. Die Reaktion auf sein Alterswerk beeinträchtigte jedoch die Wertung seines Gesamtschaffens. Das mag erklären, warum bislang eine ausführliche Monographie und ein zuverlässiges Oeuvreverzeichnis fehlen, und warum seine Bilder sich zum großen Teil in Privatbesitz oder in den Magazinen von Gemäldesammlungen befinden.|

  • Auszeichnungen

    Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1873); Dr. phil. h. c. (Marburg 1874).

  • Literatur

    L. Pietsch, L. K., 1896;
    ders., Kat. d. Gedächtnisausstellung d. Gal. Heinemann in München, 1912 (P);
    F. Schaarschmidt, Zur Gesch. d. Düsseldorfer Kunst, 1902;
    C. Gurlitt, Die dt. Kunst d. 19. Jh., 1907, S. 351 ff.;
    E. A. Seemanns Meister d. Farbe XII, 1915, S. 9-24 (mit Briefen an Barth. Suermondt);
    W. Zils, L. K., 1919 (mit fehlerhaftem W-Verz.);
    J. Harms, in: Nassau. Lb. II, 1943, S. 244-56 (W, L, P);
    W. Hütt, Die Düsseldorfer Malerschule 1819–69, 1964;
    Th. B. Brumbaugh, Lost in Storage, L. K. in American Collections, in: Art Journal 27, 1968, S. 262-65 (P);
    Kunstmus. Düsseldorf: Die Düsseldorfer Malerschule, 1969, S. 177-83;
    ThB (W, L).

  • Portraits

    Selbstbildnis, 1858, Öl, 1877, Abb. in: Werkmeister.

  • Autor/in

    Eva-Suzanne Bayer-Klötzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bayer-Klötzer, Eva-Suzanne, "Knaus, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 165-167 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563629.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA