Lebensdaten
1889 bis 1953
Geburtsort
Lissa (Provinz Posen)
Sterbeort
Berlin (Ost)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118727559 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leonhard, Rudolf
  • Lanzer, Robert
  • Lanzer, Rudolf
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Zitierweise

Leonhard, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727559.html [22.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Rechtsanwalt;
    M N. N.;
    1) 1918 ( 1919) Susanne Köhler (1895–1984), Juristen-T aus Oschatz (Sachsen), Publizistin (s. L), 2) vermutl. n. 1927 Yvette N. N.;
    1 S aus 1) Wolfgang (* 1921), pol. Publizist.

  • Leben

    L. studierte nach dem Besuch des Gymnasiums Philologie und Jura in Berlin und Göttingen. Bei Kriegsausbruch 1914 meldete er sich als Freiwilliger, wandelte sich jedoch binnen Monaten zum Pazifisten und wurde vor ein Kriegsgericht gestellt. Die meiste Zeit des Krieges verbrachte er in Lazaretten und Irrenanstalten. 1918/19 bekannte er sich zur Spartakusbewegung und nahm aktiv an der Novemberrevolution teil. Danach lebte er als freier Schriftsteller in Berlin, war Mitarbeiter der „Weltbühne“ und anderer Zeitschriften, Mitbegründer des Theaters „Die Tribüne“ und arbeitete seit 1923 als Lektor im Verlag „Die Schmiede“, in dem er u. a. die Reihe „Außenseiter der Gesellschaft“ betreute. Enttäuscht von der politischen Entwicklung der Weimarer Republik und speziell vom literarischen Betrieb in Berlin, ging er 1927 auf Einladung Walter Hasenclevers nach Paris. Nach 1933 war L. einer der energischsten Aktivisten des antifaschistischen Exils und seiner verschiedenen Organisationen in Frankreich. 1937 besuchte er mit einer Delegation die Front der antifrancistischen Truppen in Spanien. Von Okt. 1939 bis Nov. 1940 war er im Pyrenäenlager Le Vernet interniert, anschließend im Lager Les Milles. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch wurde er erneut in Le Vernet eingeliefert. Im Dez. 1941 wurde L. in das Auslieferungslager Castres überführt, von wo ihm am 22.9.1943 die Flucht gelang. Anschließend lebte er versteckt in Marseille und beteiligte sich am Kampf der franz. Résistance(sein Nom de guerre: Raoul Lombat). Unter dem Pseudonym Robert Lanzer (= Landser) veröffentlichte er 1944 ein an die deutschen Soldaten gerichtetes Bändchen Gedichte „Deutschland muß leben … !“ Im selben Jahr kehrte er nach Paris zurück. 1947 nahm L. am 1. Deutschen Schriftstellerkongreß in Berlin teil. Seine geplante endgültige Übersiedlung nach Ost-Berlin verzögerte sich einer schweren Krankheit wegen bis 1950.

    L.s literarische Bedeutung liegt zunächst in der Phase seiner expressionistischen Lyrik zwischen 1912 und 1919, die Eingang in alle wichtigen Anthologien der Zeit (u. a. „Menschheitsdämmerung“, 1919) fand. Sie vereinigt in sich alle Merkmale des sog. messianischen Expressionismus mit seinem „O Mensch“-Pathos, das von der kommenden Revolution vorwiegend als von einer geistig-seelischen spricht. Gleichwohl sind L. einzelne bemerkenswerte Gedichte gelungen, die durch ihr poetisches Verfahren beeindrucken, die in tödlicher Starre befindlichen Ding- und Lebenswelten seiner Zeit anthropomorphisierend zu verlebendigen und in Bewegung zu setzen. L.s Lyrikbände „Polnische Gedichte“ (1918) und „Spartakussonette“ (1921) sind vor allem von politischem Interesse: ersterer als damals singuläres Plädoyer für das Selbstbestimmungsrecht des poln. Volkes, letzterer als Bekenntnis zur sozialistisch-revolutionären Gewalt. Aus der ungemein reichen literarischen Produktion L.s aus späteren Jahren sind sein 1925 an der Berliner Volksbühne erfolgreich aufgeführtes Theaterstück „Segel am Horizont“ (über Konflikte im jungen Sowjet-Rußland), seine Beiträge zur neuen literarischen Gattung Hörspiel 1927-32 („Orpheus“; „Krise“; „Wettlauf“; „Stierkampf“) und die Résistance-Tragödie „Geiseln“ (geschrieben in Le Vernet 1941), die von der Erschießung 10 franz. Geiseln durch die Nazis handelt, hervorzuheben. L.s Exillyrik – der 1938 als Tarnschrift erschienene Band „Gedichte“, die genannte Broschüre von 1944 und der 1961 postum veröffentlichte Band „Le Vernet“, der aus ca. 640 im gleichnamigen Lager entstandenen Gedichten auswählt – ist mehr von zeitgeschichtlichem als von literarischem Interesse. Überhaupt liegt die Bedeutung L.s seit 1933 eindeutig auf dem Feld der Literaturpolitik: Als Vorsitzender des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller (SDS) im Ausland seit Herbst 1933, als Sekretär des Vorläufigen Ausschusses zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront, als Mitherausgeber der Deutschen Freiheitsbibliothek sowie in verschiedenen anderen Funktionen hat L. die Aktivitäten des politisch-literarischen Exils in Frankreich über ein Jahrzehnt maßgeblich mitbestimmt, ja, er verkörpert sie geradezu in ihrer Vielfalt wie in ihrem Scheitern.

  • Werke

    Weitere W u. a. Gedichte: Angelische Strophen, 1913;
    Der Weg durch d. Wald. 1913;
    Barbaren, 1914 (Balladen);
    Über d. Schlachten. 1914;
    Katilinar. Pilgerschaft, 1919;
    Briefe an Margit. 1919: Das Chaos, 1919;
    Die Prophezeihung, 1922;
    Die Insel, 1923;
    Das nackte Leben, 1925 (Sonette): Span. Gedichte u. Tagebuchblätter, 1938;
    Dt. Gedichte, 1947. -
    Abhh. u. Reden: Bemerkungen z. Reichsjugendwehrgesetz, 1917;
    Kampf gegen d. Waffe! 1919;
    Die Ewigkeit dieser Zeit, Eine Rhapsodie gegen Europa, 1924;
    Comment organiser la collaboration franco-allemande? 1930;
    L'Allemagne et la Paix, 1932;
    Das Wort, Versuch e. sinnl. Wb. d. dt. Sprache, 1932;
    Confiance en Hitler? 1934;
    Plaidoyer pour la démocratie allemande, 1947;
    Unsere Republik, 1951 (u. Gedichte);
    Hölderlin, Étude et présentation, 1953. -
    Hörspiele: Die Stimme gegen den Krieg, 1951. -
    | Weitere W Schrr.: Äonen d. Fegefeuers, Aphorismen, 1917;
    Beate u. d. große Pan, Ein Roman. 1918;
    Alles u. Nichts, Aphorismen, 1920;
    Tragödie v. heute, 1927;
    Führer u. Co., Pol. Komödie, 1936;
    Der Tod d. Don Quijote, Geschichten aus d. span. Bürgerkriege, 1938, 21951. -
    Ausgew. Werke in Einzelausgg., 4 Bde., 1961-70 (in I als Erstveröff.: Le Vernet [P], II mit Bibliogr. d. dramat. Arbb.). - W-Verz.:
    B. Melzwig, Dt. Sozialist. Lit. 1918–45, Bibliogr. d. Buchveröff., 1975, S. 231-39. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Berlin, Ak. d. Künste d. DDR.

  • Literatur

    M. Scheer (Hrsg.), Freunde üb. R. L., 1958 (W);
    R. Stöber, R. L., Seine literar. u. weltanschaul. Entwicklung, Diss. Halle 1963 (ungedr.);
    Gesch. d. dt. Lit. IX, 1974, S. 410-12, X, 1973, S. 181 f., 634 f.;
    E. Bauroth, Das Menschenbild in R. L.s dramat. Schaffen, Diss. Jena 1976 (ungedr.);
    U. Langkau-Alex, Volksfront f. Dtld.? I, 1977;
    A. Kantorowicz, Pol. u. Lit. im Exil, 1978;
    Les Barbelés de l'exil, 1979;
    D. Schiller u. a., Exil in Frankreich, 1981, S. 252-58, 448-53;
    Lex. d. sozialist. dt. Lit., 1961;
    I. Bode, Die Autobiogrr. z. dt. Lit., Kunst u. Musik, 1966;
    Internat. Bibliogr. z. Gesch. d. dt. Lit., II, 2, 1972, S. 407 f.;
    BHdE II;
    B. Jentzsch, R. L., „Gedichteträumer“, 1984 (W. L, P). - Zur 1. Ehefrau: W. Sternfeld u. E. Tiedemann, Dt. Exillit. 1933–45, 21970;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    BHdE I.

  • Autor/in

    Wolfgang Emmerich
  • Empfohlene Zitierweise

    Emmerich, Wolfgang, "Leonhard, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 251-253 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727559.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA