Lebensdaten
1871 bis 1953
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118725432 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kunschak, Leopold
  • Cunschak, Leopold

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Zitierweise

Kunschak, Leopold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118725432.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Paul, Fuhrwerker in W., S d. Tagelöhners Matthias in Wileny (Mähren) u. d. Josepha Stoklas;
    M Katharina, T d. Häuslers Paul Ruschka in Wileny u. d. Elisabeth Lang;
    B Paul, Politiker; - ledig.

  • Leben

    K.s Lebensweg wurde von bedrückenden Kindheits- und Jugenderlebnissen in einem Wiener Armeleuteviertel bestimmt. Eine Kaufmanns- und eine Setzerlehre wurden abgebrochen. Schließlich erwarb K. den Sattler-Gesellenbrief. 1889 wurden er und sein Bruder während eines Streiks der Tramwayer als unbeteiligte Zuschauer von der Polizei festgenommen; K.s Bruder wurde verurteilt. Das Erlebnis dieser Ungerechtigkeit führte K. zu dem Entschluß, sich sozial zu engagieren. Er wollte für alle Werktätigen, die aus weltanschaulichen Gründen den Sozialdemokraten fernstanden, eine christliche Arbeiterbewegung gründen. Zunächst schloß er sich dem „Verein der berufsgenossenschaftlichen Handwerker und Arbeiter“ des Jesuitenpaters Heinrich Abel an, dessen Gründung jedoch beim klassenbewußten Proletariat ohne Widerhall blieb. Im Sept. 1892 gründete dann K. selbst einen „Christlich-sozialen Arbeiterverein“, der sich rasch von Wien aus nach Niederösterreich und in die benachbarten Kronländer ausbreitete und später in der Christlich-sozialen Partei aufging. 1893 wurde für die noch nicht 24jährigen christlichen Arbeiter der nichtpolitische Verein „Austria“ gegründet. Seit Ende 1895 gab K. eine „Christliche Arbeiterzeitung“ heraus, die „Freiheit“. Er allein besorgte Redaktion, Verwaltung und Versand. 1900 wurde das Blatt in „Christlich-soziale Arbeiterzeitung“ umbenannt; 1908 erreichte diese eine Auflage von 20 000 Exemplaren.

    K. war maßgeblich an der Gründung der Christlich-sozialen Arbeiterpartei beteiligt, deren erster Parteitag im Jan. 1896 einberufen wurde und die schon ein Jahr später 100 000 Arbeiter vertrat und bei den Reichstagswahlen vom März 1897 26 Mandate errang. Die angestrebte Zusammenarbeit mit den Bürgerlichen scheiterte jedoch. K. selbst wurde 1904 Wiener Gemeinderat, 1907 Reichstagsabgeordneter und 1908 niederösterr. Landtagsabgeordneter. Als Parlamentarier war er u. a. beim Gesetz über die Maximalarbeitszeit in Berg- und Hüttenbetrieben und beim Wehrgesetz beteiligt, in dem er soziale Verbesserungen anstrebte. Weiter widmete er sich der Armenfürsorge, der Aufbesserung der Pensionen, der Kranken- und Altersversorgung, aber auch Steuer-, Zoll- und allgemeinen Wirtschaftsfragen. Problematisch blieb die Frage der Eigenständigkeit der Arbeitervereine innerhalb der Christlich-sozialen Bewegung, wobei vor allem in der Wahlrechtsfrage Meinungsverschiedenheiten bestanden. Der gleichzeitig anhaltende Konflikt mit den Sozialdemokraten erhitzte die Gemüter so sehr, daß K.s Bruder 1913 auf den populären sozialistischen Abgeordneten Franz Schuhmeier ein Attentat verübte, was K. politisch sehr schadete.

    Im 1. Weltkrieg widmete sich K. vor allem Versorgungsfragen und solchen der Verfassungsreform. Seit Herbst 1917 trat er für einen sofortigen Friedensschluß ein. In der 1. Republik gehörte er der Konstituierenden Nationalversammlung und dem Parlament an. Im Wiener Rathaus führte er die christlich-soziale Opposition gegen die Sozialdemokraten an. Ein Jahr lang war er Obmann der Christlich-sozialen Partei, die in Schwierigkeiten geraten war und die er zu einer Volkspartei auszubauen versuchte. K. besaß maßgeblichen Anteil an der Sprengung der schwarz-roten Koalition, ebnete hierdurch Seipels Weg zur Kanzlerschaft und zog sich den Haß der radikalen Linken zu, so daß ein Mordanschlag auf ihn unternommen wurde. In der Zeit der Regierungen Dollfuß und Schuschnigg war K. Mitglied des Staatsrates. Vergeblich protestierte er gegen die Auflösung zunächst der sozialdemokratischen und dann der christlichen Gewerkschaften zugunsten einer staatlichen Einheitsorganisation. Unter dem Nationalsozialismus war er kurze Zeit inhaftiert. Am 27.4.1945 unterzeichnete K. gemeinsam mit Karl Renner die Proklamation, mit der die Wiederherstellung eines unabhängigen demokratischen Österreichs vollzogen wurde. Der neukonstituierte Nationalrat wählte ihn zum Ersten Präsidenten. K. hatte dieses Amt bis zu seinem Tode inne.

  • Werke

    Reden anläßlich d. Prakt.-soz. Kurses: Josef Beck, Carl Lueger, August Piegor u. a., 1899;
    Unsere Organisation (Rede), 1921;
    Der Katholik im öffentl. Leben (Rede), 1923;
    Aus d. Werden d. christl. Arbeiterbewegung Österreichs, in: Volkswohl, Jg. 1923;
    Volkstum u. Arbeiterschaft (Referat), 1928;
    Das Verbrechen an Wien, Die Steuerpol. d. Gemeinde (Rede), 1929;
    Der Wirtsch.mord d. Wiener Rathauses (Rede auf d. 10. Wiener christl.-soz. Parteitag), 1930;
    Gott schütze Österreich! Gott schütze unser Volk! Rede üb. d. Lausanner Abkommen in d. Nationalratssitzung v. 29.7.1932, 1932;
    Ein freies Volk im freien Land, 1933;
    Österreich 1918-34, 1934, 21955;
    Werden u. Reifen d. ständ. Idee, 1936;
    Die Gründungs- u. Jugendzeit d. „Österr. Arbeiterztg.“, erz. v. ihrem Gründer, 1936;
    Zur Frauenfrage, 1937;
    45 J. Christl.soz. Arbeitender., 1937;
    Steinchen vom Wege (Autobiograph. Notizen), 1937, 21952;
    Stenograph. Protokoll d. Festsitzung d. Nat.schutzes v. 17.6.1947, Festrede K.s: 40 J. allg. gleiches u. direktes Wahlrecht, 1947. -
    Hrsg.: Neue Ordnung (Mschr.), 1936-38.

  • Literatur

    F. Hemala, Gesch. d. Gewerkschaften, 1922;
    ders., Ihrem Führer L. K. d. christl. Arbeiterschaft, 1931;
    (Ph. Knab), Gott schütze Österreich! Gott schütze unser Volk! Nieder mit Lausanne! Offener Brief an Herrn Abgeordneten L. K., 1932;
    L. K., der getreue Ekkehart d. Demokratie, im Lichtkegel d. öffentl. Meinung, 1947;
    H. Saßmann, Der Kampf um d. allg. Wahlrecht u. d. christl.-soz. Partei, Diss. Wien 1948 (ungedr.);
    F. Bauer, L. K. als Politiker, Von s. Anfängen b. z. J. 1934, Diss. Wien 1950 (ungedr.);
    F. Stamprech, L. K., Porträt e. christl. Arbeiterführers, 1953;
    ders., in: NÖB 14 (P);
    Trauerfeier f. d. Präs. d. Nat.rates L. K., 1953;
    F. Funder, Von Gestern ins Heute, 1954;
    G. Blenk, L. K. u. s. Zeit, Porträt e. christl. Arbeiterführers, 1966;
    H. Schambeck, L. K. u. unsere Zeit (Rede auf d. ÖVP-Landesparteileitungstag aus Anlaß d. 100. Geb.tages), 1972.

  • Portraits

    Zeichnung v. R. Fuchs, Abb. in: NÖB 14.

  • Autor/in

    Gustav Otruba
  • Empfohlene Zitierweise

    Otruba, Gustav, "Kunschak, Leopold" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 301-302 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118725432.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA