Lebensdaten
1858 bis 1944
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Hartenstein (Sachsen)
Beruf/Funktion
österreichischer Minister für Landesverteidigung ; k. u. k. Generaloberst
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135929059 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schönburg-Hartenstein, Eduard Aloys Maria Alexander Konrad Fürst von
  • Schönburg-Hartenstein, Aloys Fürst von
  • Schönburg-Hartenstein, Eduard Aloys Maria Alexander Konrad Fürst von
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Zitierweise

Schönburg-Hartenstein, Aloys Fürst von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135929059.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alexander 3. Fürst v. S.-H. (1826–96), österr. Dipl. (s. Forsch. u. Mitt. d. Österr. Inst. f. Geneal. u. Wappenkunde 1, H. 2, 1927, S. 22; ÖBL), S d. Eduard 2. Fürst v. S.-H. (1787–1872), erbl. Mitgl. d. Herrenhauses d. österr. RR (s. G. Kugler, Staatskanzler Metternich u. seine Gäste, 1991; Wurzbach);
    M Karoline (1836–85), T d. Aloys II. Fürst v. u. zu Liechtenstein (1796–1858) u. d. Franziska Gfn. Kinsky (1813–81);
    Gr-Ov Alfred 1. Fürst v. S.-H. (1786–1840), österr. Dipl. (s. G. Kugler, Staalskanzler Motturnich u. seine Gäste, 1991; Wurzbach);
    B Johannes Prinz (1864–1937, ⚭ Sophie Prn. zu Oettingen-Oettingen, 1878–1944), österr. Dipl., 1911-19 Botschafterb. Hl. Stuhl, Ballei u. Ehrengroßkreuz d. Malteserritterordens, Rr. d. Ordens v. Goldenen Vlies (s. ÖBL);
    Schw Maria (1861–1945, ⚭ Eduard Fürst v. Auersperg, 1863–1956);
    Wien 1887 Johanna Gfn. v. Colloredo-Mannsfeld (1867–1938);
    1 S Alexander 5. Fürst (1888–1956, ⚭ Agathe Prn. v. Auersperg, 1888–1973), Dr. iur., 5 T, u. a. Aglaë (* 1891, ⚭ Franz Josef 10. Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, 1894–1970), Karoline (* 1892, 1) Constantin Frhr. Economo v. San Serff, 1876–1931, Prof. f. Med. in Wien, 2) Dr. phil. Hennann Oherhummer, 1888–1963), Margarethe (1897–1980, ⚭ Alain Fürst Rohan, 1893–1976, Dr. iur., auf Polaun).

  • Leben

    S. absolvierte private Mittelschulen, dann Militärschulen in Dresden und Wien und trat 1877 ins k. u. k. Dragoner-Rgt. 14 ein (1878 Lt.). Nach der Ausbildung zum Generalstabsoffizier war er 1891-93 im Evidenzbüro des k. u. k. Generalstabs (= zentraler Kundschaftsdienst) in Wien tätig, ging 1895 als österr.-ungar. Militärbevollmächtigter nach Berlin und quittierte 1897 als Oberstleutnant im Generalstabskorps den Dienst, um sich nach dem Tod des Vaters um die Verwaltung der Güter in Böhmen, Mähren und Sachsen zu kümmern. Bei Beginn des 1. Weltkriegs war S. als Kommandant der 88. Landesschützenbrigade an der Räumung von Lemberg (Ostgalizien) beteiligt. Im XIV. Korps zeichnete er sich in der Schlacht bei Limanowa-Lapanow besonders aus, als er im Dez. 1914 vor Krakau mithalf, die auf Schlesien zielende russ. Armee entscheidend zurückzuschlagen (1915 FML). 1915 kämpfte er als Divisionskommandant um den Karpatenkamm gegen die russ. Armee und seit Herbst 1915 als General an der Tirolerfront. Nach der gescheiterten Südtiroloffensive im Frühjahr 1916 übernahm S. das österr. Elite-Armeekorps, das XX. („Edelweiß“-)Korps. Mit diesem hatte er an der Verteidigung Südtirols, v. a. aber an der 11. Isonzoschlacht (Verteidigung Triests) und der 12. Isonzoschlacht im Herbst 1917 (Durchbruch zum Fluß Piave) großen Anteil. Da er einer der populärsten Feldherren war, schlug Außenminister Ottokar Gf. Gzernin im Jan. 1918 angesichts der großen Hungerstreiks in Österreich seine Ernennung zum „Ernährungsdiktator“ vor, was Ks. Karl durch eine vorläufige Ernennung S.s zum „Generalinspektor für die Truppen im Hinterland“ verhinderte. S. kehrte noch im Frühjahr an die Front zurück und war bei Kriegsende als k.u.k. Generaloberst Kommandant der 6. Armee in Oberitalien.

    Nach dem Ende der Monarchie zog er sich auf seine Güter zurück. Das Angebot Leopold Kunschaks (1871–1953) von 1920, die Führung der „Heimwehren“ zu übernehmen, lehnte er ab, förderte jedoch den Aufbau von Kameradschaftsvereinigungen und engagierte sich im „Verein der kath. Edelleute“. Er forderte wiederholt eine Revision der Landesverweisung und Enteignung der Familie Habsburg-Lothringen. Bei der Großjährig-keitserklärung des Thronprätendenten Otto von Habsburg in Steenockerzeel bei Brüssel am 20.11.1930 gehörte er zu den prominentesten Gästen.

    Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892–1934), der im Sept. 1933 auch die Leitung des Heerressorts übernahm, um den Einfluß des „Heimatschutzes“ zurückzudrängen, bot S. die Stelle eines Staatssekretärs an (21.9.1933). In seinem ersten Tagesbefehl erklärte dieser „politisierende Heere“ für „eine Gefahr“. Er erreichte eine höhere finanzielle Dotierung des Heerwesens und trieb die Motorisierung voran. Er ordnete die Niederschlagung des Aufstands des „Republikanischen Schutzbundes“, des bewaffneten Armes der österr. Sozialdemokratie, durch das Bundesheer an, trat aber auch besonders für einen Amnestieerlaß ein. Durch die Führung|des „Heimatschutzes“ unter Druck gesetzt, übernahm Dollfuß am 11.6.1934 wieder selbst die Kontrolle über das Heeresressort, das S. seit dem 12. März als Ministers geleitet hatte. Nach der Ermordung des Bundeskanzlers durch österr. Nationalsozialisten in den neu gebildeten, wenig einflußreichen Staatsrat berufen (31.10.1934-5.5.1936), trat S. in der Öffentlichkeit nur mehr wenig hervor.

  • Auszeichnungen

    k. u. k. GR u. Kammerherr; Vizepräs. d. Herrenhauses d. österr. RR; Rr. d. Ordens v. Goldenen Vließ; Kommandeur d. Militär-Maria-Theresien-Ordens.

  • Literatur

    L. Jedlicka, Pol. Parteien, Heeru. Staat in Österr. 1918-1938, in: H. Fürlinger (Hg.), Unser Heer, 1963, S. 315-41;
    E. Holub, Fürst A. S.-H., mit bes. Berücks. d. J. 1918-1938, Diss. Wien 1964 (ungedr.);
    P. Broucek (Hg.), Ein Gen. im Zwielicht, Die Erinnerungen Edmund Glaises v. Horstenau, 3 Bde., 1980-88 (s. die Register);
    ÖBL;
    Mandatare im Ständestaat (P); |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Memoiren (masch.) im Fam.bes. (Oberhummer, Wien): Fam.archiv im Tschech. StA, Außenstelle Třeboňn (Wittingau) (u. a. Nachlaß d. Johannes).

  • Autor/in

    Peter Broucek
  • Empfohlene Zitierweise

    Broucek, Peter, "Schönburg-Hartenstein, Aloys Fürst von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 401-402 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135929059.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA