Lebensdaten
1882 – 1964
Geburtsort
Neubrandenburg (Mecklenburg)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker ; Orientalist ; Indologe
Konfession
mehrkonfessionell
Normdaten
GND: 118725068 | OGND | VIAF: 47556974
Namensvarianten
  • Kühnel, Paul Ernst Wilhelm Arthur
  • Kühnel, Ernst
  • Kühnel, Paul Ernst Wilhelm Arthur
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Zitierweise

Kühnel, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118725068.html [20.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Paul (1849–1924), Oberlehrer (Altphilol., Slavist, Übersetzer v. chines. u. japan. Dichtung), aus schles. u. sudetendt. Fam. (s. L);
    M Eva-Hedwig Braun ( 1885), deren Mutter stammte aus Salzburger Emigrantenfam.;
    1937 Irene Kunze (* 1899), Dr. phil., Prof., Kunsthistorikerin, 1949-56 Referent d. Abt. Volksbildung b. Magistrat/Senat Berlin-West.

  • Biographie

    Seit 1901 studierte K. zunächst Rechtswissenschaft für eine Laufbahn im diplomatischen Dienst in Paris, Wien (auch an der Konsularakademie) und München. Hier hörte er seit 1902 Kunstgeschichte und Archäologie bei C. Voll und A. Furtwängler. Anschließend war er in Heidelberg, wo er 1906 bei H. Thode mit einer Arbeit über den Maler Francesco Botticini promoviert wurde. 1906-09 unternahm er Studienreisen nach Italien, Nordafrika und Spanien. Aus dem gesammelten Material entstanden populärwissenschaftliche Bücher. Daraus ergaben sich auch die ersten Aufsätze über islam. Kunst in Spanien (Alhambraprobleme, in: Mhh. f. Kunstwiss., 1908). 1909 ging K. an das Kunstgewerbemuseum der staatl. Museen in Berlin unter O. v. Falke und arbeitete an Ausstellungsprojekten mit, darunter bei F. Sarre an der ersten großen internationalen islam. Ausstellung in München, „Meisterwerke islam. Kunst“, 1910 (Katalog 1912). 1911 wurde er Mitarbeiter der von Sarre geleiteten islam. Abteilung der Berliner Museen (1922 Kustos, 1931 Direktor). 1912 begleitete er Sarre zu den Ausgrabungen in Samarra (Mesopotamien). Seine erste bedeutende Veröffentlichung wurde die Neuauflage des 1901 von Bode herausgebrachten Buches „Vorderasiat. Knüpfteppiche aus älterer Zeit“ (1914, als „Bode-Kühnel“ 1922, ³1958, engl.).

    1915 wurde K. mit einem politischen Sonderauftrag der deutschen Reichsregierung nach Marokko geschickt und hielt sich dort bis Kriegsende auf. Anschließend mußte er noch einige Zeit in Spanien verbringen. Seither bildete die maurische Kunst Spaniens einen Schwerpunkt seiner Forschungen. K. hielt mehrfach Vorlesungen an span. Universitäten. Als weitgreifender Überblick erschien hierzu später sein Aufsatz „Antike und Orient als Quellen der span.-islam. Kunst“ (Madrider Mitt. 1, 1960). Weitere enge Verbindungen hatte K. zu Ägypten, wo er in den 30er bis 40er Jahren als Gastprofessor lehrte. An der Berliner Universität unterrichtete er seit 1930 (1935 Honorarprofessor, 1946 o. Professor, em. 1954). Mit den Wissenschaftlern in den USA hatte er seit seiner Teilnahme an den Ausgrabungen in Ktesiphon 1928/29 (dt. Leitung) und der Kampagneleitung von 1931/32 (dt.-amerikan. Grabung) enge Verbindungen; von 1952 an untersuchte und katalogisierte er islam. Stoffe und Teppiche des „Textile Museum“ in Washington. Als Leiter der islam. Abteilung der Berliner Museen besorgte K. 1931/32 die Neuaufstellung dieser Abteilung im Südflügel des Pergamonmuseums nach historischen und wissenschaftlichen Gesichtspunkten in vorbildlicher Weise und machte die Sammlung zu einer internationalen Zentralstelle für die Erforschung islam. Kunst. Nach den Zerstörungen im 2. Weltkrieg war er bis 1952 mit der Wiederherstellung der Sammlung beschäftigt. Als nach der Spaltung Berlins die Museumsbestände in den 50er Jahren nach West-Berlin zurückgegeben wurden, besorgte K. hier die Einrichtung der islam. Abteilung (bis 1958) im Museum Dahlem, seit 1968 „Museum für islam. Kunst“.

    K. gilt als Altmeister der islam. Kunstgeschichte und Archäologie. Seine Forschungen betrafen nahezu alle Arten islam. Kunsterzeugnisse. Hier gelangen ihm viele grundlegende Datierungen und Lokalisierungen. Neben zahlreichen Einzelforschungen hat K. zusammenfassende Werke veröffentlicht, in denen er weiteren Kreisen die Grundlagen islam. Kunst erschloß. Als erstes erschien 1922 die „Miniaturmalerei im islam. Orient“ (franz. 1924, türk. 1954). In Einzeluntersuchungen hat er verschiedene Malernamen festgestellt, zuletzt 1959 in den „Saray-Alben“ der Berliner Staatsbibliothek. Auch für zahlreiche Enzyklopädien bearbeitete er die einschlägigen Stichworte. Seine „Islam. Schriftkunst“ (1942, Neuaufl. 1972) ist ein Beispiel meisterhaft kurzer Darstellung. Das Ornament und ikonographische Besonderheiten haben ihn ebenso dauerhaft beschäftigt. Als letztes großes Werk verfaßte er den 7. Band des Corpus der Mittelalterlichen Elfenbeinskulpturen (1971), in dem er seine Auffassung über die Herkunft der Elfenbeinhörner und der sarazenischen Kästen sowie über die arabischen Werkstätten in Spanien niederlegte. Über die reine Kenntnis der Objekte hinausgehend, hat er sich von Anfang an immer mit der Frage nach den Beziehungen der islam. zur europ. Kunst beschäftigt.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. zahlr. dt. u. ausländ. Akademien u. Gesellschaften;
    Ch. L. Freer Medal (Washington 1960);
    Vors. d. Dt. Orient-Ges.

  • Werke

    Weitere W u. a. Maur. Kunst, 1909;
    Die oriental. Olifanthörner, in: Kunstchronik, NF 22, 1921;
    Kunst d. Orients, 1924;
    Islam. Kleinkunst, 1925, ²1963 (engl. 1963);
    Die islam. Kunst, in: Springers Hdb. d. Kunstgesch. IV, 1929, Einzelausg. 1962 (ital., arab., pers. Überss.);
    Die Ausgrabungen der 2. Ktesiphon-Expedition, Vorl. Ber., 1933;
    Die islam. Kunstabt. in ihren neuen Räumen, in: Berliner Museen 54, 1933;
    Miniaturmalerei u. -
    zeichnung, in: A. Pope, Survey of Persian Art, 1939;
    Islam. Schriftkunst, 1942, Neuaufl. 1972;
    Die Arabeske, Sinn u. Wandlung e. Ornaments, 1949, Neuaufl. 1977 (engl. Übers.);
    Die Moschee, 1949, ²1974;
    Cat. of dated Tiraz fabrics, 1952;
    Cat. of Spanish rugs, 12th-19th Century, 1953;
    Islam. Abt., in: Ehem. Staatl. Museen Berlin, Die Berliner Museen, 1953, S. 35-41;
    Cairene rugs and others technically related, 15th-17th Century, 1957;
    Die sarazen. Olifanthörner, in: Jb. d. Berliner Museen, NF 1, 1959;
    Arte de Oriente Islâmico, 1963. -
    Hrsg.: Kunst d. Orients 1 ff., 1950 ff.;
    Mithrsg.: Pantheon.

  • Literatur

    K. Erdmann, in: Ars Orientalis 1, 1954, S. 195-208 (W); Festschr.: Aus d. Welt d. Islam. Kunst, 1959 (W-Verz., P);
    F. Babinger, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 115, 1965, H. 1, S. 1-13 (W, P; auch f. V Paul);
    ders., in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1965, S. 175-82 (P);
    R. Ettinghausen, in: Madrider Mitt. 6, 1965, S. 215-27 (P);
    R. Anthes, in: Jb. d. Stiftung Preuß. Kulturbes. 3, 1964/65, S. 33-37;
    K. Brisch, R. Ettinghausen, E. Grube (Hrsg.), in: Kunst d. Orients 5, 1968, H. 5, S. 5-9 (L-Verz.).

  • Porträts

    Bildnisbüste v. M. Hoene (Berlin, Dt. Archäolog. Inst.), Abb. in: W. Hoepfner u. F. Neumeyer, Das Haus Wiegand v. Peter Behrens in Berlin-Dahlem, 1979, S. 135, Nr. 29.

  • Autor/in

    Irene Kühnel-Kunze
  • Zitierweise

    Kühnel-Kunze, Irene, "Kühnel, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 203-205 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118725068.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA