Lebensdaten
1834 bis 1913
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Pathologe
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118723421 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klebs, Edwin

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Zitierweise

Klebs, Edwin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723421.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich ( vor 1851), Land- u. Stadtgerichtsrat, S d. Emil (s. 2);
    M Sophie Reich;
    Ov Georg (s. 2);
    - (1866?) Rosa Großenbacher;
    K.

  • Leben

    K. studierte in Königsberg, Würzburg, Jena und Berlin Medizin, war zunächst als praktischer Arzt in Königsberg tätig, war 1859 Assistent von W. von Wittich und 1861-66 von Virchow. K. erhielt 1866 einen Ruf als außerordentlicher Professor für pathologische Anatomie nach Bern und wurde kurz darauf Ordinarius. Im Krieg 1870/71 war er in Lazaretten tätig. 1872 ging er als ordentlicher Professor der allgemeinen und pathologischen Anatomie nach Würzburg, wechselte bereits 1873 nach Prag, wo er ein Vorkämpfer der deutschen Universität war, und folgte 1882 einem Ruf nach Zürich. Sein Amt legte er 1893 nieder und führte nun ein Wanderleben, das ihn zunächst nach Karlsruhe und Straßburg brachte. 1894 ging er in die USA und übernahm die Leitung einer Heilanstalt und eines Laboratoriums für bakterielle Heilstoffe in Asherville (North Carolina) und später in Alabama, 1896 wurde er Professor am Rush Medical College in Chicago. 1900 kehrte er nach Deutschland zurück, praktizierte in Hannover, arbeitete in Berlin, ging 1911 nach Lausanne und 1913 nach Bern. – K. versuchte, pathologisch-anatomische und mikrobiologische Fragestellungen als Einheit zu erfassen und zu bearbeiten. Sein besonderes Interesse galt den Infektionskrankheiten. Er bearbeitete unter anderem Probleme der Pyelonephritis, der Wundinfektionen, der Diphtherie, der Syphilis und besonders der Tuberkulose. Mit Ideenreichtum regte er die Forschung an, konnte sich aber mit seinen Methoden, die noch im Vorfeld der modernen Bakteriologie lagen, nicht durchsetzen. Er vertrat in der „Vor-Koch-Ära“ die vor allem von Virchow angegriffene und zum Teil widerlegte Krankheitserregertheorie. Virchow verteidigte damit elementare Prinzipien seiner Zellularpathologie, weil K. behauptete, daß nur die Bazillen selbst (zum Beispiel Tuberkelbazillen) die Krankheit darstellten. K.sche Tuberkuloseheilmittel waren Antiphthisin, Selenin, Tuberkelprotein Hpp. und Tuberkel-Sozin. 1879 übertrug er die Syphilis auf Affen, was, wie viele seiner Beobachtungen, kaum beachtet wurde. So erkannte er auch 1883 den Diphtherie-Bazillus (K.scher beziehungsweise K.-Löffler-Bazillus). – Organisatorisch tat er sich durch die Gründung des „Correspondenzblattes für Schweizer Ärzte“, des Zentralvereins deutscher Ärzte in Böhmen, der „Prager medicinischen Wochenschrift“ sowie – zusammen mit Naunyn und Schmiedeberg – des „Archivs für experimentelle Pathologie und Pharmakologie“ hervor. In Chicago entfaltete er Aktivitäten für die Deutsche medizinische Gesellschaft. Sein Wirken stellte ein belebendes Element in der Medizin der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts dar.

  • Werke

    Weitere W u. a. Hdb. d. patholog. Anatomie, 1869-76 (S. 644-48 Beschreibung d. K.-Krankheit: Glomerulonephritis);
    Btrr. z. patholog. Anatomie d. Schußwunden, 1872;
    Stud. üb. d. Verbreitung d. Cretinismus in Österreich, 1877;
    Über d. Aufgaben u. d. Bedeutung d. experimentellen Pathol., 1882;
    Über Diphtherie, in: Verhh. d. Congreß f. innere Med. 2, 1883, S. 139-54;
    Ein Btr. z. Pathol. d. Riesenwuchses, 1884 (mit Fritsche);
    Die Trinkwasserversorgung d. Stadt Zürich u. ihrer Ausgemeinden, 1885;
    Die allg. Pathol. od. d. Lehre v. d. Ursachen u. d. Wesen d. Krankheitsprozesse, 1887-89;
    Die Behandlung d. Tuberkulose mit Tuberkulocidin, 1892; Bibliogr.:
    Die wiss. Arbb. v. E. K. 1857-1913 systemat. u. chronolog. geordnet v. Arnold C. Klebs, in: Verhh. d. Dt. Patholog. Ges., 17. Tagung, 1914, S. 590-97. -
    Hrsg.: Mitt. aus d. Patholog. Inst. in Prag;
    Zs. f. Heilkde.;
    Die kausale Therapie.

  • Literatur

    J. Hlava, in: Dt. Med. Wschr. 39, 1913, S. 2518;
    H. Beitzke, in: Berliner Klin. Wschr. 50, 1913, S. 2263;
    P. Ernst, in: Münchener Med. Wschr. 61, 1914, S. 193-96, 251-54;
    H. Strasser, in: Corr.-Bl. f. Schweizer Ärzte 43, 1913, S. 1721-24 (P);
    K. Doepfner, ebd., S. 1725-29;
    W. Weber, Die Gesch. d. patholog. Anatomie d. Dt. Karls-Univ. zu Prag, med. Diss. Prag 1945;
    W. Fischer u. G. B. Gruber, 50 J. Pathol. in Dtld., 1949;
    E. H. Ackerknecht, Rud. Virchow, 1957;
    O. M. Röthlin, E. K., Ein früher Vorkämpfer u. s. Irrfahrten, 1962;
    K. Hübschmann, Die fast vergessenen Btrr. d. Prager Med. z. experimentellen Syphilis u. zu d. Grundlagen d. Bakteriol., in: Hautarzt 14, 1963, S. 273-75;
    E. Lesky, Die Wiener med. Schule im 19. Jh., 1965;
    W. Koerting, Notwendige Richtigstellung e. Diss. üb. E. K., in: Bayer. Ärztebl. 20, 1965, S. 297-301, 400-03, 467-73, 533-39, 593-97, 668-76;
    ders., Die dt. Univ. in Prag, Die letzten 100 J. ihrer Med. Fak., 1968;
    E. K. (1834-1913) peripatetic bacteriologist, in: Journal of the American Medical Association 204, 1968, S. 729 f.;
    H. Cottier, Die Pathol. in Bern, in: Verhh. d. Dt. Ges f. Pathol. 58, 1974, S. XXI-XXIII;
    BJ 18 (Tl.);
    BLÄ.

  • Autor/in

    Manfred Stürzbecher
  • Empfohlene Zitierweise

    Stürzbecher, Manfred, "Klebs, Edwin" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 719-720 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723421.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA