Lebensdaten
1486 oder 1485 bis 1546
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Lyon
Beruf/Funktion
Kaufmann ; Philanthrop
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135806046 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kleeberger, Hans
  • Kleeberger, Johann
  • Kleberger, Johann
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Zitierweise

Kleberger, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135806046.html [26.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Nürnberger Handwerkerfam.;
    V Hans Scheuchenpflug gen. K., Harnischmacher, trieb dann Handelsgeschäfte, erwarb aus d. Überschüssen Hypotheken, 1512 Genannter d. Gr. Rats in N., 1500 Wappenbrief;
    M Agatha Zeitler;
    1) 1528 Felicitas, Wwe d. Hans Imhof ( 1526), T d. Humanisten Willibald Pirckheimer ( 1530), 2) Pelonne de Bonzin aus Tournai, Wwe e. in Paris hingerichteten Lutheraners;
    S David, Kaufm.;
    Stief-S Willibald Imhof ( 1580), Kaufm., Kunstsammler (s. NDB X).

  • Leben

    K. war zunächst bei der Handelsgesellschaft der Imhoff angestellt und unter anderem in Bern und Lyon tätig. In Bern betätigte er sich als Berater in Münzfragen und machte sich selbständig, hier erwarb er das Bürgerrecht, das er bis zu seinem Tod beibehielt. Sein Hauptbetätigungsfeld wurde jedoch Lyon, das damals mit seinen Messen ein wichtiger Stützpunkt für den südwesteuropäischen Handel der Oberdeutschen und der Hauptfinanzplatz in Frankreich war. Seine kaufmännische Gewandtheit und offensichtlich auch seine Kenntnisse im Französischen ermöglichten es ihm, zwischen den Oberdeutschen und den maßgeblichen französischen Kreisen als Vermittler zu wirken. So brachte er bereits 1522 eine Anleihe für König Franz I. von Frankreich zustande, deren Rückzahlung sich allerdings bis 1533 verzögerte. Wegen dieser Verzögerung wurden ihm 1526 die Treidelgebühren der Rhoneschiffer verpfändet. Im Juni 1527 erwarb er, inzwischen zu Reichtum gelangt, ein Haus in Genf. Seine Verbindungen zu Nürnberg werden aus der Tatsache ersichtlich, daß ihn 1526 Dürer porträtierte. Im Oktober 1527 wurde K. Bürger von Nürnberg und schloß mit den Brüdern Endres und Gabriel Imhoff eine Handelsgesellschaft. Gegen den anfänglichen Widerstand von Willibald Pirckheimer heiratete K. dessen Tochter Felicitas. Die Ehe kam unter der Bedingung zustande, daß das Paar weiterhin in Nürnberg leben sollte. Doch kränkelte K.s Gattin. K. verkaufte den Grundbesitz, zu dem er inzwischen in Nürnberg gelangt war, und gab trotz Gegenbemühungen Pirckheimers das Nürnberger Bürgerrecht auf. Kurz darauf starb seine Frau, worauf Pirckheimer den Schwiegersohn des Giftmords zieh, ihn als Wucherer und Atheisten verunglimpfte und die Nachricht verbreitete, er stamme von einem Wechsler Scheuenpflug, der wegen seiner Schulden aus der Stadt entwichen sei. Künftig war K. vor allem in Lyon tätig, wo er 1535 das französische Staatsbürgerrecht erwarb. 1543 wurde er Valet de Chambre des Königs. In Lyon besaß er ein stattliches Anwesen nahe der Porte de la Lanterne. Außerhalb der Stadt erwarb er 3 adlige Herrschaften. Im Dezember 1545 wurde er in Lyon zum Schöffen gewählt; damals befand er sich mit einer geschätzten Steuersumme von 1000 Livres unter den 10 reichsten Bürgern der Stadt. Für die oberdeutschen Kaufleute wirkte K. als Vermittler namentlich bei den Schwierigkeiten, die sich seit 1540 aus den zugunsten der Lyoner Seidenindustrie errichteten Zöllen ergaben, ferner bei der Erneuerung der den Oberdeutschen bewilligten Privilegien und im Zusammenhang mit den Darlehen, die der französische König teilweise unter Zwang bei den Oberdeutschen aufnahm.

    Nach K.s Tod wurde sein Vermögen von den Zeitgenossen auf rund 100 000 Kronen geschätzt. Seine Witwe konnte 14 Herrschaften erwerben. Sein Sohn und Haupterbe David befand sich allerdings 1563 bereits in Geldnot. In seinem Testament bedachte K. das 1533 in Lyon begründete „Große Almosen“, wie die Hospitäler in Genf und Bern, die er schon zu Lebzeiten beschenkt hatte, und in Lyon wahrte ihm die Nachwelt den ehrvollen Beinamen des „bon Allemand“, den er sich erworben hatte, als er 1531 anläßlich einer Pestepidemie für verlassene Kinder als ungenannter deutscher Kaufmann 500 Livres gespendet hatte.

    Das Porträt Dürers von 1526 zeigt K. als energischen und stolzen Repräsentanten der Renaissance. Als Geschäftsmann waren ihm alle Mittel und Wege recht. Klug verstand er sich den Umständen anzupassen; in 2. Ehe heiratete er zwar die Witwe eines Blutzeugen der Reformation, aber er selbst starb als Katholik. Ebenso fühlte er sich, wie seine Äußerungen zeigen, zwischen den Nationen. So machte er auf viele einen zwiespältigen Eindruck, wie Gabriel Tucher sich ausdrückte, „ein seltzam man, heut mochtz im gefallen, morgen nit“. Andererseits rühmte kein Geringerer als Erasmus seine „Humanität“, und seine vielfach erwiesene Wohltätigkeit sprach ebenfalls zu Gunsten des in seiner Vaterstadt Gemiedenen.

  • Literatur

    ADB 16;
    E. Vial, in: Revue d'Hist. de Lyon, 1912/13;
    A. Kleinclaucz, Hist. de Lyon I, Des origines à 1595, 1939;
    G. Pfeiffer, in: Nürnberger Gestalten aus 9 Jhh., 1950, S. 87-91 (L, P);
    ders., Die Bemühungen d. oberdt. Kaufleute um d. Privilegierung ihres Handels in Lyon, in: Btrr. z. Wirtsch.gesch. Nürnbergs I, 1967;
    R. Gascon, Grand commerce et vie urbaine au XVIe siècle. Lyon et ses marchands, 2 Bde., 1971;
    H. Kellenbenz, Nürnberger Wirtsch.leben im Za. v. Willibald Pirckheimer, in: Jb. f. Fränk. Landesforschung 31, 1971.

  • Portraits

    Ölgem. v. A. Dürer, 1526 (Wien, Kunsthist. Mus.), Abb. b. Pfeiffer, s. L.

  • Autor/in

    Hermann Kellenbenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Kellenbenz, Hermann, "Kleberger, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 718 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135806046.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kleeberger: Johann K. (Cleberger), geb. 1485 oder 86 in Nürnberg, am 5. Sept, 1546 zu Lyon. Sein Vater, ein angesehener Bürger in Nürnberg, hieß ebenfalls Hans K., seine Mutter, Agathe, war eine geborene Zeidler. Er kam früh als Handelsmann nach Bern und siedelte vor 1527 nach Lyon über, wo die Imhof aus Nürnberg ein Handelshaus hatten. In Nürnberg verheirathete er sich 1528 mit Felicitas Pirckheimer, geb. 1497, der Wittwe Hans Imhof's des Jüngeren. In Lyon vermählte er sich zum zweiten Male 1535 mit einer Wittwe de la Forge, geb. Pelonne von Bonzin oder Bauzin aus Doornik (Tournay) in Flandern, genannt la belle Allemande. Aus dieser Ehe entsprang ein Sohn David, mit dessen beiden Söhnen der Name K. in Lyon erlosch. Johann K. war ein sehr gebildeter Mann, er stand mit Erasmus in Briefwechsel, Besitzer großen, selbst erworbenen Reichthums und sehr wohlthätig. Er hatte große Summen an König Franz I. geliehen und hinterließ 14 Herrschaften. Schon bei Lebzeiten hatte er dem Versorgungshaus zu Lyon (Hospice de la charité) bedeutende Geschenke gemacht, in seinem am 25. August 1546 errichteten Testament aber hinterließ er den Armen noch 4000 Livres und errichtete eine Stiftung zur Ausstattung dürftiger Mädchen in der Vorstadt Bourgneuf. Auch in Genf, wo er eine Besitzung hatte (Clebergues, an welche noch heute die Namen: Vorstadt und Hôtel des Bergues erinnern), machte K. wohlthätige Stiftungen, ebenso bedachte er die Städte Ulm, Augsburg, Straßburg, Bern und Zürich. Auch in Lyon ist sein Andenken nicht erloschen. Ihm errichtete das dankbare Volk auf dem Uferdamm von Bourgneuf eine einfache Bildsäule von Holz, ein vergängliches Denkmal, das aber 3 Jahrhunderte hindurch, so oft es durch die Unbilden des Wetters zerstört war, von|der handarbeitenden Classe wieder erneuert wurde. Es hieß: le bon Allemand oder l'Homme de la Roche, erst 1820 wurde der richtige Name K. festgestellt und auch eine Straße und ein Platz jener Gegend nach ihm genannt. 1842 bildete sich zu Lyon ein Verein, um ihm ein würdiges Denkmal zu setzen, welches am 17. Sept. 1849 feierlich enthüllt wurde.

    • Literatur

      Grenus, Fragmens biographiques et historiques, Genève 1815. Derselbe, Fragmens historiques sur Genève avant la réforme, Genève 1823. Galiffe, Matériaux pour l'histoire de Genève, 1830, II. W. Stricker, Germania, Archiv zur Kenntniß des deutschen Elements in allen Ländern der Erde, Franks. 1848. II. S. 179; III, 1849. S. 252.

  • Autor/in

    W. Stricker.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stricker, W., "Kleberger, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 72 unter Kleeberger, Johann [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135806046.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA