Lebensdaten
1846 bis 1917
Geburtsort
Philadelphia
Sterbeort
Neuchâtel-sur-Aisne (Frankreich)
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
französisch-reformiert
Normdaten
GND: 118718746 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gregory, Caspar René
  • gregory, caspar rene
  • Gregory, Caspar R.
  • mehr

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Gregory, Caspar René, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118718746.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus franz. Fam.; der Ur-Gvv René ( 1797) hatte sich 1779 als franz. Offizier begeistert Lafayettes Hilfsheer f. d. amerikan. Unabhängigkeitskrieg angeschlossen u. war infolge Heirat in Nordamerika geblieben;
    V Henry Duval, Leiter u. Bes. e. angesehenen Privatschule, später Konrektor am Girardgymnasium in Ph., war in puritan. Strenge ref. Presbyterianer, sparte prinzipiell nicht u. unterstützte dafür christl. Liebeswerke, bes. d. Äußere Mission, S d. Kapitäns u. Reeders Caspar Ramsay;
    M Mary Jones, Engländerin, übte ihr wohltätiges, ein wenig gesetzl. Christentum;
    Cambridge/Mass. 1886 Lucy Watson, T d. Jos. Henry Thayer (1828–1901), amerikan. Theol. (NT), mit Abbot befreundet, u. d. Martha Caldwell Davis;
    1 S, 3 T.

  • Leben

    G. besuchte zunächst die Schule seines Vaters und studierte dann Theologie an den beiden Seminaren der Presbyterianer, 1865-67 in|Philadelphia und 1867-73 in Princeton. Mit achtzehn Jahren übte er begeistert für den Sklavenbefreiungskrieg bei der Miliz einige Monate als Fußsoldat und bei der Artillerie, bis zum siegreichen Frieden. „Seltsam ist, daß der gute Christ, von dem sein Freund Harnack später sagte: ‚Niemals habe ich einen Mann gesehen, der so wie er die Nachfolge Christi übte', vorerst nur aus Liebe zu seinen Eltern Theologe wurde“ (Friedrich, S. 11). Seine theologisch konservativen Lehrer waren der mit Tholuck befreundete Charles Hodge, dessen calvinistisch bestimmte „Systematische Theologie“ 1872 mit G.s Assistenz herauskam, und besonders Ezra Abbot, der gelehrte Orientalist und Textforscher, der G. auf K. von Tischendorf hinwies. G. konnte, frei geworden von dem Dogma der Verbalinspiration, nicht Pfarrer in seiner Kirche werden und ging 1873 nach Europa, über England nach Deutschland, nach Leipzig, zu Tischendorf, den er nicht mehr lebend antraf; dafür trat G. aber in engen Verkehr mit Luthardt, Delitzsch und Fricke und zugleich mit O. von Gebhardt und A. Harnack. 1876 wurde G. Dr. phil. Als ihm Tischendorfs Nachlaß anvertraut wurde, trat G. dessen Erbe in der Orientierung über die handschriftliche Überlieferung des Neuen Testamentes an und erarbeitete 1876-1894, unterstützt von Abbot, die lateinische Einleitung zu Tischendorfs in 2 Bänden 1864-1872 erschienener editio octava critica maior als Band III, „Prolegomena“, in 3 Abteilungen 1884, 1890 und 1894. Nach seiner 1884 erfolgten Habilitierung wurde G. 1889 außerordentlicher Professor und 1891 ordentlicher Honorarprofessor für neutestamentliche Textkritik in Leipzig.

    G. war in Leipzig volkstümlich bekannt und beliebt durch seine hilfreiche Menschenfreundlichkeit und „reine Neutestamentlichkeit“ (Friedrich Naumann). Auf vielen Reisen orientierte G. sich und seine Spezialwissenschaft über zahlreiche neutestamentliche Handschriften. Zwei seiner Publikationen widmete er 1908 und 1913 zwei bedeutsamen Handschriften, der mit dem „Freer-Logion“ und der mit den aus Armenien stammenden „Koridethi-Evangelien“. In sozialer Hinsicht war G. der treue und eifrige Teilnehmer an den Tagungen des Evangelisch-Sozialen Kongresses; ebenso gehörte er mit Fr. Naumann zu den Christlich-Sozialen, gemäß dem „Grundton seines Lebens“: „Der Hauptteil des Evangeliums liegt in der vollen Hingabe des Menschen an das Reich Gottes.“ Er folgte Fr. Naumann dann im „Nationalsozialen Verein“, wobei dieser Name auf Grund des von G. gemeinsam mit dem Frankfurter Pfarrer Battenberg gestellten Antrages gewählt wurde. Persönlich war G. in seiner einfachen Lebensführung Vegetarier, Abstinenzler und Nichtraucher, aber kein Asket. – Als der Weltkrieg 1914 ausbrach, meldete sich der Deutsch-Amerikaner G., der seit 1881 sächsischer Staatsbürger war, mit fast 68 Jahren als Kriegsfreiwilliger und bemerkte dazu rückblickend November 1916 auf Anfrage: „Ich bin Soldat geworden, weil ich es für meine Pflicht hielt“, nicht zuletzt im Hinblick auf Englands Politik und auf G.s deutsche Arbeiterfreunde. In unermüdlicher Dienstbereitschaft, meist in den Schützengräben, wurde er am 16.11.1916 Leutnant und fiel an der Westfront am Ostermontag 1917. Seines Soldatentodes wurde in etwa 200 Blättern aller Richtungen ehrend gedacht.

    Gegen Hermann von Soden trat er 1908 und 1911 für die von ihm verbesserte bewährte neutestamentliche Handschriftenliste ein, nachdem er 1900-09 die erweiterte und verdeutschte Neubearbeitung seines Tischendorf-Bandes III als „Textkritik des Neuen Testamentes“ in 3 Bänden herausgegeben hatte. In der eigentlichen theologischen und exegetischen Arbeit blieb G., ähnlich wie Tischendorf, auffällig traditionell-konservativ. In seiner „Einleitung in das Neue Testament“ (1909) bejahte er, bis auf den 2. Petrusbrief, für alle neutestamentlichen Schriften die altkirchliche Überlieferung und wandte sich in dem Vortrage: „Wellhausen und Johannes“ 1910 gegen Wellhausens johanneische Kritik (vergleichend Brückners scharfe Urteile darüber im Theologischen Jahresbericht 1910, 30, I, S. 281). Neben der weithin statistischen Orientierung über den handschriftlichen Textbefund des Neuen Testamentes hat G. weniger theologisch als durch seine eigenartige Persönlichkeit, Christlichkeit und Menschlichkeit gewirkt, auf den kleinen Hörerkreis seines Spezialgebietes, auf weitere Kreise seiner Umgebungen und sozialen Arbeitsgebiete und zuletzt auf die Öffentlichkeit seines zweiten Vaterlandes, dem er mit aller Hingabe gedient hat. In diesem Sinne ist Friedrichs bereits 1917 erschienene Biographie weniger dem Theologen als dem deutschen Christenmenschen G. gewidmet.

  • Werke

    Weitere W Grégoire, the Priest and the Revolutionist, Diss. Leipzig 1876;
    Canon and Text of the New Testament, Edinburgh 1907;
    Die griech. Hss. d. NT, 1908;
    Vorschläge f. e. krit. Ausg. d. griech. NT, 1911;
    Zu Fuß in Bibellanden, 1919 (aus d. Nachlaß hrsg. v. Guthe);
    wiss. Nachlaß in d. Univ.bibl. Leipzig.

  • Literatur

    K. J. Friedrich, Prof. G., Amerikaner, Christ, Volksfreund, dt. Held, 1917 (P), 41941;
    ders., in: Sächs. Lb. I, 1930, S. 125-31 (P);
    H. Frankfurth, C. R. G., ein Bekenner, in: Zeitwende 2, 1926, 2,|S. 113-36;
    G. Schulze-Pfälzer, Ein Herz f. uns, 1937 (W, L); zahlr. Nachrufe, u. a.
    v. A. Harnack, F. Naumann, H. Barge, E. v. Dobschütz, J. Herz;
    DBJ II (Tl. 1917, W, L);
    Dict. Am. Biogr.;
    RGG

  • Autor/in

    Ernst Barnikol
  • Empfohlene Zitierweise

    Barnikol, Ernst, "Gregory, Caspar René" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 27-29 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118718746.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA