Lebensdaten
1897 bis 1958
Geburtsort
Niederhollabrunn (Niederösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Lyriker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118715461 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kramer, Theodor
  • Cramer, Theodor
  • Kramer, Teodor
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Kramer, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118715461.html [16.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Max, Dr. med., Gemeindearzt;
    M N. N. ( 1944 KZ Theresienstadt);
    1933 Inge Halberstam ( 1969), Schauspielerin u. Rezitatorin.

  • Leben

    Nach dem Abitur (1914) an einer Wiener Realschule war K. von Oktober 1915 bis zum Kriegsende Frontsoldat. Im Juni 1916 wurde er in Wolhynien schwer verwundet und diente dann in Italien als Offizier. Nach kurzem Studium an der Universität Wien war er hauptsächlich im Buchhandel tätig. Seit seiner Jugend dichtend, wurde K. Mitarbeiter|mehrerer Zeitschriften und Zeitungen und erhielt einige Förderungspreise. Seiner ersten Lyriksammlung, „Die Gaunerzinke“ (1929), folgten 1930 „Kalendarium“ und 1931 „Wir lagen in Wolhynien im Morast“. Eine schwere Erkrankung veranlaßte K. 1931, hinfort als freier Schriftsteller zu leben. 1936 erschien „Mit der Ziehharmonika“. Im Sommer 1939 mußte er seiner jüdischen Abstammung wegen mit seiner (später von ihm getrennt lebenden) Frau nach England auswandern, wo er im Mai 1940 auf der Insel Man interniert wurde. Seit Januar 1943 war er als Bibliothekar am County Technical College in Guildford (Surrey) tätig. 1943 erschien (in London) „Verbannt aus Österreich“ und 1946 „Wien 1938 – Die grünen Kader“ und „Die untere Schenke“. Die im selben Jahr fertiggestellte Sammlung „Lob der Verzweiflung“, die K. als sein „bisher bestes, reifstes und wichtigstes Werk“ bezeichnet hatte, kam erst 1972 heraus. 1956 gab Michael Guttenbrunner („Vom schwarzen Wein“), 1960 Erwin Chvojka einen Auswahlband („Einer bezeugt es“) heraus. K. wurde ständig von Krankheit und existentieller Angst gequält; seine Exiljahre wurden immer freudloser. Im September 1957 kehrte er nach Wien zurück („Erst in der Heimat bin ich wirklich fremd“), wo er ein halbes Jahr später starb.

    K., ein eigenwilliger Nurlyriker, schrieb etwa 10 000 Gedichte, von denen weniger als 1000 im Druck erschienen sind. Er sprach „für die, die ohne Stimme sind“ und schuf eine figurenreiche dichterische Enzyklopädie der Außenseiter, der vom Schicksal Entmündigten, Ausgestoßenen, Besitz- und Heimatlosen. Bänkelsängerisch auf einer „Orgel aus Staub“ musizierend, gab er ein unsentimentales, lebenswahres Bild seines Heimatlandes, insbesondere des Burgenlandes, und später seiner Wahlheimat. Seine gereimten, formal meist einfachen Gedichte sind herbe Erlebnis- und Gebrauchslyrik, stark soziopsychologisch orientierte und mit Umgangssprache gespickte, mitunter zyklisch geformte Landschafts- (oder „Stadtschafts“-) und Milieudichtung. K. war bestrebt, „in volksliedhafter Weise das Komplizierteste und Abseitigste zum Tönen zu bringen“. Trotz der Schwerblütigkeit und Schwermut, mit der er Verwesung, Verfall, Gebrechlichkeit und Einsamkeit besingt, bringen seine Gedichte oft epigrammatisch-didaktisch eine grundsätzlich positive Einstellung zum Leben zum Ausdruck und wirken nicht selten wie Trostgedichte. Aus manchen düsteren, im Unmutston geschriebenen Gedichten spricht des Dichters Liebe zu aller Kreatur.

  • Literatur

    E. Lissauer, Ein neuer Lyriker, in: Die Lit. 31, 1929, S. 451 ff.;
    ders., T. K.s Kriegsgedichte, ebd. 34, 1931 f., S. 21 ff.;
    M. Guttenbrunner, in: Frankfurter Hh. 8, 1953, S. 458-61;
    ders., in: Forum 2, 1955, S. 25 f.;
    ders., ebd. 16, 1969, S. 748 f.;
    H. Zohn, T. K., Poet in Exile, in: Books Abroad 29, 1955, S. 43 f.;
    ders., T. K., Neglected Austrian Poet, in: German Life and Letters 9, 1956, S. 118-24;
    ders., in: Dt. Rdsch. 84, 1958, S. 616 f.;
    ders., T. K.s letzte J., in: Wiener Juden in d. dt. Lit., 1964, S. 73-82;
    ders., in: Der Bund (Bern) v. 2.5.1958, S. 6;
    ders., in: Modern Austrian Lit. 6, 1973, S. 211-16;
    W. Schmied, in: Wort in d. Zeit 3, 1957, S. 1-16;
    E. Fitzbauer, in: Der Mittelschullehrer u. d. Mittelschule 5, 1958, S. 123 f.;
    C. Zuckmayer, in: Forum 6, 1959, S. 272 f.;
    E. Chvojka, in: Akzente 9, 1962, S. 143-57;
    H. Pataki, in: Das jüd. Echo 29, 1975, S. 57;
    K. Klinger, Lebenslängl. Isolation, in: Die zeitgenöss. Lit. Österreichs, hrsg. v. H. Spiel, 1976, S. 352-57;
    Enc. Jud. X.

  • Autor/in

    Harry Zohn
  • Empfohlene Zitierweise

    Zohn, Harry, "Kramer, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 669 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118715461.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA