Lebensdaten
1902 bis 1956
Geburtsort
Bonn
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Oberbürgermeister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11871371X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kolb, Walter
  • Kolb, W.
  • Colb, Walter
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Objekt/Werk(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Kolb, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871371X.html [14.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard (1865–1943), Waren-Agent, aus Kleinbauernfam. im Westerwald;
    M Clementine Richter (1866–1933);
    Anna (Änne), T d. Landrats Peter Trimborn in Opladen;
    1 S.

  • Leben

    K. wurde als Abiturient Mitglied der SPD, war aber geprägt von dem von linksbürgerlichen Gruppen der Jugendbewegung gebildeten Leuchtenburgkreis, der ebenso den lebensreformerischen Impulsen des Wandervogels wie einem religiösen Sozialismus nahestand. In Bonn und München studierte er 1920-24 Rechts- und Staatswissenschaften. Er gründete den Republikanischen Studentenbund, wurde 1923 dessen Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender. Er gehörte 1924 zu den Mitbegründern des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, dessen Bundesvorstand er seitdem angehörte. 1924 legte er in Köln das Referendarexamen, 1928 in Berlin die 2. juristische Staatsprüfung ab und wurde in den preußischen Verwaltungsdienst übernommen. Bei den Landratsämtern in Bielefeld und Geldern erwarb er 1928-30 erste kommunalpolitische Erfahrungen, unter anderem als kommissarischer Bürgermeister der Stadt Walbeck. 1931 wurde K. in das Preußische Ministerium für Landwirtschaft berufen und in der Abteilung II, die die Staatsdomänen verwaltete, beschäftigt. In jenen Jahren ist er auch als gelegentlicher Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung hervorgetreten. Im Februar 1932 wurde er von Innenminister Severing kommissarisch mit der Verwaltung des Kreises Schmalkalden beauftragt und am 1.6.1932 dort Landrat, nach dem Staatsstreich von Papen aber bereits am 26.8.1932 mit Wirkung vom 1.10.1932 in den einstweiligen Ruhestand versetzt, dann beim Regierungspräsidenten in Arnsberg beschäftigt. Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 wurde er entlassen und vorübergebend inhaftiert.

    K. ließ sich 1934 in Bonn als Rechtsanwalt nieder und spezialisierte sich auf das Steuerrecht. In diesem Fach war er auch publizistisch tätig und erlangte durch die Bestellung zum Verwaltungsrechtsrat beim OVG Bonn öffentliche Anerkennung, er konnte sich der aus politischen Gründen oder um ihrer Rasse willen Verfolgten annehmen. 1941 wurde er zur Flak einberufen und kam 1943 zur Militärverwaltung Nordfrankreich. Am 20.7.1944 wurde er von der Gestapo verhaftet und erst bei Kriegsende befreit. Die britische Militärverwaltung bestellte ihn zum Regierungs-Vizepräsidenten in Düsseldorf, am 1.10.1945 zum Oberbürgermeister der Stadt und am 1.2.1946 zu deren Oberstadtdirektor. In diesen Eigenschaften war K. auch Mitglied des Rheinischen Provinzialrates und des Wirtschaftsrates für die britische Zone. Durch seine Tatkraft erwarb er sich Ansehen im ganzen Westen Deutschlands. Auf Vorschlag der SPD wurde er von der Stadtverordneten-Versammlung in Frankfurt am Main zum Oberbürgermeister gewählt und trat dieses Amt am 1.10.1946 an.

    In der in ihrem Kern 1944 fast völlig zerstörten Stadt begann K. mit einer großangelegten Aktion zur Trümmerbeseitigung unter persönlichem Einsatz den Wiederaufbau. Er nahm sich der zügigen Behebung des Wohnungsmangels durch ausgedehnte Siedlungen an. Mit Tatkraft und Optimismus hat er das Flüchtlingsproblem angepackt. Hand in Hand mit seinem Stellvertreter Walter Leiske und dem Hessischen Finanzminister Werner Hilpert, beide Mitglieder der CDU, gelang es K., dem seit 1948 einsetzenden Aufstieg der|Stadt zum Zentrum des Wirtschaftslebens der Bundesrepublik die entscheidenden Voraussetzungen zu schaffen. Das alles hat ihn, im Verein mit seiner unbekümmert fröhlichen Art des Auftretens, rasch populär gemacht. Er rief die deutschen Städte zum Wiederaufbau der Paulskirche bis zur Jahrhundertfeier der 1. Deutschen Nationalversammlung im Mai 1948 auf. Die Absicht, Frankfurt zur provisorischen Hauptstadt der Bundesrepublik zu machen, scheiterte freilich. Es gelangen ihm aber die Neubelebung des Frankfurter Goethe-Preises, die Wiederaufnahme der Arbeiten an der damals noch von der Stadt getragenen Universität, die Neubegründung der Frankfurter Messe, der internationalen Buchmesse und der Ausbau des Flughafens Rhein-Main. Schon sehr früh trat er für die Idee der internationalen Städtepartnerschaften ein und bereitete beispielhaft die 1960 abgeschlossene Verbindung mit Lyon vor.

    K. war seit 1947 Vorsitzender des Hessischen Städtetages und trat 1948 in das Präsidium des Deutschen Städtetages ein. Im gleichen Jahr übernahm er die Leitung des Deutschen Tierschutzbundes sowie den Bundesvorsitz im Deutschen Turnerbund. Er nahm diese Aufgaben wie die Mitarbeit in vielen anderen Gremien sehr ernst, so daß er sich in rastloser Tätigkeit rasch verzehrte. Ein Herzinfarkt im Sommer 1956 warf den äußerlich robusten Mann schwer nieder. Kaum genesen, stürzte er sich wieder in die Arbeit und erlag wenige Wochen später einem zweiten Infarkt.|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (Frankfurt 1948).

  • Werke

    Bonner Wanderbuch, 21935;
    Ansprache z. Verleihung d. Goethepreises an H. Hesse, 1946;
    Wille z. Tat, 1947;
    Tätige Stadt Frankfurt, 1948;
    Ansprache anläßl. d. Grundsteinlegung f. d. neuen Messebauten in Frankfurt a. M., 1952;
    Rede z. Heimkehr Fritz v. Unruhs, 1953.

  • Literatur

    L. Brandt, W. Emrich u. a., W. K., in: Köpfe d. Zeit, 1953;
    H. Knoll, W. K., 1956;
    B. Reifenberg, Die Aera K., in: Die Gegenwart 11, 1956, S. 638 ff.;
    Frankfurt am Main 1945–65, Ein 20-Jber. d. Stadtverwaltung, 1965;
    F. Borinski, H. Grimm u. a., Jugend im pol. Protest, Der Leuchtenburgkreis, 1977.

  • Portraits

    Gem. v. W. Runze (Frankfurt, Römer).

  • Autor/in

    Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Kolb, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 444 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871371X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA