Lebensdaten
1903 bis 1945
Geburtsort
München
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Geograph ; Politiker ; Lyriker ; Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118709216 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haushofer, Albrecht Georg
  • Werdenfels, Jörg (selten benutztes Pseudonym)
  • Haushofer, Albrecht
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Zitierweise

Haushofer, Albrecht, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118709216.html [12.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (s. 2); ledig.

  • Leben

    H. studierte Geschichte und Geographie und promovierte 1924 in München bei E. von Drygalski. 1925 ging er als Assistent von A. Penck nach Berlin und übernahm kurz darauf bis 1940 das Generalsekretariat der „Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin“, zugleich als verantwortlicher Herausgeber ihrer Zeitschrift. 1933 wurde er – aus politischen Gründen mit innerem Widerstreben – Dozent an der Berliner Hochschule für Politik und 1940 Professor für Geographie an der Berliner Universität. Stärker noch als zu wissenschaftlicher Forschung fühlte er sich zu politischem Wirken berufen. Vor 1933 stand er der Deutschen Volkspartei nahe. Auf Grund der persönlichen Bekanntschaft seines Vaters mit Rudolf Heß wurde er 1934 Berater und freier Mitarbeiter in der Dienststelle Ribbentrop. Geheime politische Missionen unverbindlichen Charakters führten ihn nach Großbritannien, Südosteuropa und 1937 nach Japan. Zugleich bemühte er sich um die Erhaltung der deutschen Volksgruppen im Ausland. Nach dem Bruch mit Ribbentrop arbeitete er seit 1938 noch nebenamtlich in der Informationsabteilung des Auswärtigen Amtes. Nach dem Englandflug von Heß wurde er 1941 aus dieser Tätigkeit entlassen und kurzfristig verhaftet, weil er an den Vorbereitungen zu diesem Unternehmen mit beteiligt gewesen war. Schon vorher hatte er seine Verbindungen zur Widerstandsbewegung verstärkt und stellte Popitz und Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg seine Beziehungen zu England zur Verfügung. Nach dem 20. Juli 1944 konnte er sich in seiner bayrischen Heimat verbergen. Im Dezember wurde er verhaftet und nach Berlin gebracht. Hier im Gefängnis Moabit entstanden die „Moabiter Sonette“, Resumé seines Lebens und Ausdruck überwundener Verzweiflung. In der Nacht vom 23. zum 24.4.1945 wurde er zusammen mit anderen Häftlingen von einem SS-Kommando ermordet. H. hatte niemals ein offizielles politisches Amt inne. Als politischer Berater, Mitarbeiter und Kommentator versuchte er, die Katastrophe, in die die Politik des Nationalsozialismus führte und die er frühzeitig voraussah, lenkend abzuwenden. Dieser Versuch mußte scheitern. – In seiner wissenschaftlichen Arbeit bemühte er sich, die Geopolitik als eine der Grundlagen politischen Denkens und Handelns wissenschaftlich zu fundieren. Dieser Plan blieb Fragment. – Seine formstrengen Dramen geben in historischer Verkleidung eine kritische Deutung des politischen Zeitgeschehens. Sie blieben weitgehend unbekannt.

  • Werke

    Paß-Staaten in d. Alpen, Diss. München 1924;
    Weltpol. Umschau (fortlaufende Monatsberr.), in: Volk u. Reich, pol. Mhh., 1927-31;
    Zwangsläufigkeiten u. Ziele, Grundsätzliches zu e. dt. Pol. in Europa, ebd. 3, 1929, H. 4;
    Mitteleuropa u. d. Anschluß, in: Die Anschlußfrage, 1930;
    Landeskde. d. Vereinigten Staaten v. Amerika, in: Hdb. d. Amerikakde. VI, 1931;
    Berichterstattung a. d. atlant. Welt (fortlaufende Monatsberr.), in: Zs. f. Geopol., 1932-39;
    Zur Problematik d. Raumbegriffs, ebd. 9, 1932, H. 12, u. in: Schrr. z. Geopolpol., H. 2, 1935;
    Englands Einbruch in China, 1940;
    Allg. pol. Geogr. u. Geopol. I, 1935 (als Ms. gedr. 1944);
    Römertrilogie: Scipio, 1934, Sulla, 1936, Augustus, 1939;
    Chines. Legende, 1949;
    Moabiter Sonette, 1949.

  • Literatur

    R. Italiaander (Hrsg.), In memoriam A. H., Gedenkworte v. A. Grimme, C. F. v. Weizsäcker, W. Stubbe, 1948 (P);
    R. Italiaander, Besiegeltes Leben, 1949;
    R. Hildebrandt, Wir sind d. Letzten, 1949;
    Heinz Haushofer, Souvenir sur mon frère, in: Verger, première année, H. 5, 1954;
    E. Preis, A. H., Versuch e. Monogr., Diss. Wien 1957 (ungedr.);
    W. Stubbe, In memoriam A. H., in: Vj.hh. f. Zeitgesch., 1960, H. 3;
    G. L. Weinberg, Secret Hitler-Benes Negotiations, in: Journal of Central European Affairs, Boulder/Col. 1960;
    H. Heimpel, Worte d. Gedenkens an A. H., in: Neue Slg. 5, 1965, S. 336-42;
    U. Michel, A. H. u. d. Nationalsozialismus, Ein Btr. z. Zeitgesch., Diss. Kiel 1964 (ungedr.).

  • Portraits

    Phot. in: H. Royce, 20. Juli 1944, 31960, S. 331;
    Portraitskizze v. A. Klingler, Abb. b. Italiaander, s. L;
    v. O. v. Kursell, in: A. H., Programmh. z. Aufführung d. „Chines. Legende“ in Köln, 1962.

  • Autor/in

    Ursula Michel
  • Empfohlene Zitierweise

    Michel, Ursula, "Haushofer, Albrecht" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 120-121 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118709216.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA