Lebensdaten
1810 bis 1884
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Tänzerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118688863 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Elßler, Franziska
  • Veron, Franziska (verheiratete)
  • Elßler, Fanny
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Zitierweise

Elßler, Fanny, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118688863.html [17.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1769–1843), S des Joseph ( 1782), beide Bedienstete bei Fürst Esterházy in Eisenstadt u. Notenschreiber für Jos. Haydn;
    M Therese ( 1832), Stickerin, T des Joh. Prinster aus Meran, Gipsgießer in Wien;
    Ov Joseph (1767–1843), Kopist u. Mitglied der Esterházyschen Kapelle;
    B Joseph, Franziskanermönch, Johann, Chordirektor der Oper in Berlin;
    Schw Anna, Schauspielerin am Kärntnertor-Theater, Therese (seit 1850 v. Barnim, 1808–78, [morganatisch] 1850 Prinz Adalbert v. Preußen, 1873, Admiral, s. NDB I), Tänzerin am Kärntnertor-Theater (s. ÖBL);
    1834 (⚮) Louis Veron, Dir. der ital. Oper in Paris; mit Prinz Leopold v. Bourbon-Sizilien 1 S, mit Anton Stuhlmüller, Solotänzer der Berliner Oper 1 T.

  • Leben

    E., wie ihre Schwester Therese Schülerin des Ballettmeisters J. Aumer, tanzte seit ihrem 7. Jahre nach den Gesetzen des klassischen französischen Stiles im Kärntnertor-Theater und wurde am 22.3.1823 zum ersten Male in Bäuerles Theaterzeitung erwähnt. Ihre Erfolge in „Der Taucher“, „Die Fee und der Ritter“, „Eleonora“ und andere veranlaßten den italienischen Impresario Domenico Barbarja, das talentierte Kind 1824 zur weiteren Ausbildung nach Italien mitzunehmen. Als Schülerin Giojas in Neapel lernte E. zur Plastik und Würde der französischen Schule die Freiheit des mimischen Ausdrucks, die Darstellung der Leidenschaften, das eigentlich Schauspielerische hinzu. Nach ihrer Rückkehr konnte sie in Wien nicht festen Fuß fassen. Ihren Ruhm begründete erst ein von Rahel Varnhagen und ihrem Freundeskreis warm gefördertes Gastspiel in Berlin (Oktober 1830), wie das spätere in Paris gemeinsam mit der Schwester Therese unternommen, deren stattlicher, junonischer Erscheinung bei aller Beherrschung der französischen Technik doch die liebreizende Grazie E.s fehlte. Kurz vorher hatte diese die Bekanntschaft des Politikers F. Gentz gemacht. Ihre Zuneigung wurde das späte Glück des geistreichen Mannes, für sie aber entsprang aus diesem Zusammenleben die harmonische Ausbildung ihrer geistigen Fähigkeiten, die Möglichkeit, sich in allen Gesellschaftskreisen sicher zu bewegen. Hingegen ist ihre Verbindung mit dem Herzog von Reichstadt frei erfunden. Nach einem kurzen Aufenthalt in London verpflichtete sie 1834 Louis Veron an die Pariser Oper, wo sich durch die Kunst der Maria Taglioni der Sieg des romantischen Balletts über Klassizismus und Rokoko bereits vollzogen hatte. Trotz dieser Rivalin feierte sie Triumphe als Fee Alcine in „Der Sturm“, vor allem aber als Florinde im „Hinkenden Teufel“. Ihre „Cachucha“ wurde weltberühmt (1836). „Nathalie oder das Schweizer Milchmädchen“, „Das schlecht behütete Mädchen“, „Die Stumme von Portici“, „Die Nachtwandlerin“, „Aschenbrödel“, „Die Spiele des Paris“ ergänzten ihr Repertoire. Mit der Schwester Therese wurde sie zu den Krönungsfeierlichkeiten der Königin Victoria an „Her Majestys theatre“ in London verpflichtet und erhielt von der Universität Oxford 1843 den Titel „Doktor der Tanzkunst“. Als sie, nach Paris zurückgekehrt, endgültig das Erbe der nach Rußland abgewanderten Taglioni in der „Sylphide“ und „Tochter der Donau“ antrat, kam es zwischen den Anhängern beider Parteien zu einer wahren Theaterschlacht. 1840 schiffte sie sich nach Amerika ein, wo sie in 2 Jahren 199mal auftrat, davon 21mal zu wohltätigen Zwecken, und einen Fond für alte Schauspieler begründete. Mit einem Reingewinn von 742 000 Franken kehrte sie nach Wien zurück. Durch ihren Kontraktbruch mit der Pariser Oper infolge Urlaubs- überschreitung konnte sie zuerst nur in anderen Städten Europas auftreten und bereiste in den folgenden 9 Jahren die übrigen Hauptstädte, wobei ihr besonders Moskau einen triumphalen Empfang bereitete. Bis 1848 war sie trotz aller politischen Gegensätze zwischen Österreich und Italien ein gern gesehener Gast der Mailänder Scala. Am 21.6.1851 nahm sie in Wien, noch in der Vollkraft ihres Könnens, in dem Ballett „Faust“ für immer von der Bühne Abschied. Nach 4jährigem Aufenthalt in Hamburg kehrte sie endgültig nach Wien zurück und blieb hier noch viele Jahre ein Liebling der Gesellschaft, die gütige Beraterin der Schauspielerinnen des Burgtheaters, ebenso geachtet wie geehrt. Ein mit großem Heroismus ertragenes Krebsleiden führte den Tod dieser selten harmonischen und genialen Künstlerin herbei.

  • Werke

    The Letters and journal of F. E., written before and after her operatic campaign in the United States, Including her letters from New York, London, Paris, Havanna etc., New York 1843. – Zu Schw Therese: La volière ou les oiseaux de Boccace, 1838 (Ballett).

  • Literatur

    ADB 48;
    [F. Gentz], Briefe d. Liebe an e. berühmte Künstlerin…, Aus d. Franz. übertragen v. F. W. Wolff, 1841;
    C. Cerri, An F. E., Eine Apotheose, Nach d. Ital. d. G. Prati frei bearb. u. ergänzt, 1851;
    A. Ehrhard, F. E., Paris 1909, dt. Ausg. v. M. Necker, 1910 (P);
    I. Linden, F. E. …, Nach Briefen u. zeitgenöss. Berr., 1921;
    C. W. Beaumont, F. E., London 1931;
    E. Harder, Privat-Kat. d. F. E.-Gedächtnisausstellung…, 1935 (ungedr., Nat.-Bibl. Wien);
    E. Pirchan, F. E., 1940 (mit 150 Abb.);
    Wurzbach IV;
    – Die Tänzerin F. E., Operette in 3 Akten, Text v. H. Adler, Musik v. J. Strauß, 1935;
    E. H. Raintaler, Walzer im Mondschein, 1942 (Roman). – Zu V Joh., Ov Jos. u. GVV Jos.: H. C. R. Landon, in: MGG III, Sp. 1316-19;
    Riemann.

  • Portraits

    Lith. v. J. Kriehuber, 1830 u. 1845 (Städt. Slgg. Wien);
    Lith. v. F. Krüger (ebd. u. Theatermus. München);
    Ölbild v. F. Waldmüller, 1832 (Slg. Eichinger, Wien);
    Lith. mit Schw Therese nach e. Zeichnung v. C. Brand (Nat.-Bibl. Wien u. Theatermus. München);
    Bronzemedaille v. F. Gaul d. Ä. (Münzslg. Wien).

  • Autor/in

    Gertrud Doublier
  • Empfohlene Zitierweise

    Doublier, Gertrud, "Elßler, Fanny" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 467-468 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118688863.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Elßler: Fanny E., Tänzerin, wurde im J. 1812, nach einer anderen Angabe am 23. Juni 1810 zu Wien als Tochter eines von Joseph Haydn vielfach beschäftigten Copisten geboren. Schon als Kind trat sie mit ihrer Schwester Therese, der nachmaligen Gemahlin des Prinzen Adalbert von Preußen in das Kinderballett von Horschelt ein, nach dessen Auflösung im J. 1817 sie am Kärntnerthortheater tanzte. Ihre eigentliche Ausbildung für das Ballet erhielt sie in Neapel. Hierauf begab sie sich mit ihrer Schwester Therese auf eine Kunstreise durch Italien und Deutschland, auf der sie im J. 1830 nach Berlin kam. Sie feierte in Berlin große Triumphe, und wurde auch in Paris, wo sie im J. 1834 auftrat, begeistert aufgenommen. Sie vermählte sich damals mit dem Director der Großen Oper, trennte sich aber bald wieder von ihm, da er ihrer nicht würdig war, und|tanzte nach wie vor unter ihrem Mädchennamen, sodaß die Welt kaum erfuhr, daß sie verheirathet war. In den Jahren 1841 und 1842 gastirte sie unter nicht endenwollendem Enthusiasmus des Publicums in den verschiedensten Städten Nordamerikas. Dann wandte sie sich nach St. Petersburg und wieder nach Wien, wo sie sich im J. 1851 in dem Ballet: „Faust“ von der Bühne verabschiedete. Sie lebte seitdem im Genuß ihres erworbenen Vermögens in ihrer Vaterstadt und starb dort am 26. oder 27. November 1884.

    • Literatur

      Vgl. Wurzbach IV, 27—29. Wien 1858. — Bühnen-Almanach. 50. Jahrg. Hsg. von Th. Entsch. Berlin 1886, S. 387—390. —
      Almanach der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger. Hsg. von Ernst Gettke. 14. Jahrg. 1886. Kassel und Leipzig o. J., S. 86, 88. — Lebenserinnerungen von Agnes Wallner. Berlin 1900. (Register.)

  • Autor/in

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lier, Hermann Arthur, "Elßler, Fanny" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 340-341 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118688863.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA