Lebensdaten
1644 bis nach 1700
Geburtsort
Unterschwaningen
Beruf/Funktion
Komponist ; Arzt ; Dramatiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118684418 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Francke, Johann Wolfgang
  • Frank, Johann Wolfgang
  • Franck, Johann Wolfgang
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Zitierweise

Franck, Johann Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118684418.html [12.12.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Martin ( 1645), ansbach. Vogt u. Kastner;
    M Maria Marg. (* 1614), T d. Samuel Regius, Maler u. Ratsherr in Ansbach (s. ThB);
    Schwäb. Hall 16.1.1666 Anna Sus. (1648–1722), T d. Gg. Bernh. Wibel (1623–1707), Mag., Dekan in Schwäb. Hall, u. d. Sus. Agnes Gräter aus Schwäb. Haller Theologenfam.;
    3 S, 7 T, u. a. Joh. Frdr. (1674–1719), Kanzlei- u. Hofger.advokat, Oberauditor in Tübingen.

  • Leben

    F. verbrachte die Jugendjahre vermutlich in Ansbach, wo er auch die erste musikalische Ausbildung erhielt. 1665/66 war er als Hofmusicus, Fräulein-Informator und Kammerregistratur-Adjunktus am Markgrafenhof angestellt. Zwischen 1668 und 1672 legen verschiedene Umstände einen Italienaufenthalt (vermutlich Venedig) nahe. 1673 erfolgte die Ernennung zum Hofkapellmeister und Operndirektor in Ansbach. Bis 1679 entstanden|während dieser Tätigkeit seine ersten deutschen Opern: Andromeda (1676), Föbus (1678) und Cecrops (1679). – Ein aus Eifersucht 1679 verübter Mord führte zu überstürzter Flucht nach Hamburg. Dort wurden bis 1686 an der Oper am Gänsemarkt 17 Opern von F. herausgebracht, darunter 1682 die bedeutendste, Diokletian. F.s Schaffen vermochte in Hamburg Meister wie J. Theile, N. A. Strungk und J. Ph. Förtsch in den Hintergrund zu drängen. Nach Ostern 1682 wurde F. der Nachfolger Strungks in der Leitung der Dommusik, was wohl auch das nunmehr stärkere Hervortreten eigener kirchenmusikalischer Werke bedingte. In enger Zusammenarbeit mit Pastor H. Elmenhorst entstanden die berühmten „Geistlichen Lieder“. Im Sommer 1687 hat sich F. von seiner Familie getrennt. Während diese nach Schwäbisch Hall zurückkehrte, trat F. 1690-96 in London mit Konzerten im Covent-Garden, unter Mitwirken von Robert King, dem Kammermusiker König Karls II. und Wilhelms III., in Erscheinung. F.s Ende liegt im Dunkel. Merkwürdig ist, daß seine Ehefrau im Stadtsteuerbuch zu Schwäbisch Hall 1719 erstmals als Witwe geführt wird. Mollers Hinweis (Cimbria litterata, Kopenhagen 1744), F. sei in Spanien ermordet worden, weil er die Gunst des Königs besaß, scheint jedoch nicht richtig zu sein, da das Material der spanischen Archive ziemlich vollständig ist, jedoch keinen Hinweis auf F. verzeichnet. Nachdem F. in seinen letzten bekannten Werken, wie Remedium Melancholiae (London 1690) oder seinem letzten Song „Go home, unhappy wretsch“ (1696), tiefen Pessimismus zeigt, deutet das völlige Versiegen der Nachrichten über sein Leben wohl mehr darauf hin, daß F. sich völlig von der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. – F.s Bedeutung liegt einerseits auf dem Gebiet der frühdeutschen Oper, deren frühestes vollständig erhaltenes Denkmal seine Oper „Die drey Töchter des Cecrops“ ist. Die Gesamtanlage ist in ihrer harmonischen Struktur bereits nach den dramatisch-wichtigen Gesichtspunkten gestaltet. Außerdem löst F. als erster die Rezitativbehandlung von der bisher fast sklavischen Bindung an den Reimzeilenschluß durch eine Gliederung nach inhaltlich-dramatischen Gesichtspunkten. Nicht zuletzt ist die Dacapo-Arie mit konträrem Mittelteil weitgehend und fortschrittlich ausgebildet – alles dies schon 1679. Außerdem führte F. auch das geistliche Lied in Form und Ausdruck auf eine Höhe, von der schon H. Kretzschmar sagt (Geschichte des deutschen Liedes, 1911, S. 137): „Bei den geistlichen Liedern F.s stehen wir vor fertiger, reicher Musik, die in ihrer Art ebenso klassisch ist wie die der Bachschen Fugen und Beethovenschen Symphonien.“ Bekannt geworden ist vor allem „O bittre Trauerzeit“ durch Bachs Bearbeitung im Schemellischen Gesangbuch.

  • Literatur

    ADB VII;
    Günther Schmidt, in: MGG V, Sp. 657-64 (vollst. W-Verz., L).

  • Autor

    Günther Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Günther, "Franck, Johann Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 317 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118684418.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Franck: Johann Wolfgang F. (Francke, Frank), geb. 1641 in Hamburg, war Arzt, machte sich aber namentlich durch seine dramatischen Compositionen sehr bekannt. In Hamburg wurden folgende 13 Opern von ihm aufgeführt, deren Partituren leider sämmtlich verloren gegangen sind: "Michael und|David", 1679; "Andromeda und Perseus", 1679; "Die maccabäische Mutter", 1679; "Don Pedro", 1679; "Alceste", 1680; "Aeneas", 1680; "Sein Selbstgefangener oder Jodelet", 1680; "Semele", 1681; "Hannibal", 1681; "Charitine", 1681; "Diocletianus", 1682; "Attila", 1682; "Vesperianus", 1683; "Cara Mustapha", 1. und 2. Theil 1686. Von Alceste, Charitine, Attila und Vesperianus erschienen in Hamburg die Arien gedruckt. Die genaueren Titel der Opern Franck's theilt Ernst Otto Lindner in seinem Buche "Die erste stehende deutsche Oper" (Berlin 1855) mit. Ueber die oben erwähnten gedruckten Arien Franck's vergl. desselben Verfassers "Nachträge zur Geschichte der ersten stehenden deutschen Oper" (Zur Tonkunst. Abhandlungen, Berlin 1864). Außer diesen dramatischen Werken erschienen von F. noch bei Roger in Amsterdam: "Sonate à 2 Violini e Basso continuo". op. 1. Auch als Componist geistlicher Lieder ward er bekannt. Zu einer derartigen Sammlung von dem bekannten Prediger Heinrich Elmenhorst, die 1681 bei Georg Rebenlein in Hamburg erschien, schrieb er die Melodien. Eine zweite Sammlung oder vielleicht nur eine zweite vermehrte Auflage der geistlichen Lieder von Elmenhorst, die 1700 bei Joh. Stern in Lüneburg durch Mag. Joh. Christoph Jauch herausgegeben wurde, enthält Melodien von G. Böhme, J. W. Francke und P. L. Mockenfuß. Um 1688 ging F. nach Spanien und errang dort die Gunst des Königs, doch kostete ihm dieser Glücksumstand das Leben; er soll an Gift gestorben sein.

    • Literatur

      Winterfeld, Der evangelische Kirchengesang. II. 500.

    • Korrektur

      |Vgl. jetzt Friedr. Zelle: Joh. Wolfg. Franck, ein Beitrag z. Gesch. der ältesten D. Oper. Wissensch. Beil. zum Progr. des Humboldtgymnas. in Berlin. Ostern 1889.

  • Autor

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Franck, Johann Wolfgang" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 212-213 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118684418.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA