Lebensdaten
um 1580 bis 1639
Geburtsort
Zittau
Sterbeort
Coburg
Beruf/Funktion
Komponist ; Hofkapellmeister
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11869250X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Frank, Melchior
  • Franck, Melchior
  • Frank, Melchior
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Franck, Melchior, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869250X.html [14.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V (?) Hans, Maler in Z., S d. Röhrmeisters Michael ( 1588);
    M (?) Sara ( 1603);
    Coburg 17.11.1607 Susanna ( 1634), T d. hzgl. Obermundkochs Alexius Ziegler;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Das früher angenommene Geburtsdatum (um 1573) ist nach neueren Forschungen nicht mehr haltbar. F. hat wahrscheinlich in Zittau und nachweislich in Augsburg die Schule besucht. Daß er hier Kompositionsschüler von H. L. Haßler gewesen ist, kann als gesichert gelten. Vermutlich ging er mit seinem Lehrer im Dezember 1601 nach Nürnberg, wo er 1602 als Schuldiener bei Sankt Egidien angestellt wurde. Da er sich im Januar 1603 als „Sächsisch Coburgischer Capelnmeister“ bezeichnete, hat er sein neues Amt, das er bis zu seinem Tode innehatte, vielleicht schon Ende 1602 angetreten. Unter dem musikliebenden Herzog Johann Casimir ergaben sich für F. zunächst sehr gute Wirkungsmöglichkeiten. 1632 wurde Coburg jedoch von Kriegsereignissen und F. durch den Verlust von Frau und Tochter betroffen. Nach dem Tode Johann Casimirs konnte er zwar durch eine Verfügung des Herzogs Johann Ernst vor der Entlassung bewahrt werden, aber schwere wirtschaftliche Sorgen drückten ihn in den letzten Lebensjahren, wie aus 2 Eingaben von 1635 und 1638 hervorgeht. – F. hat ein Werk von erstaunlichem Umfang hinterlassen, von dem der größte Teil auf die vokale Kirchenmusik entfällt. Daneben hat er zahlreiche geistliche Gelegenheitskompositionen, mehrstimmige weltliche Lieder und Instrumentalwerke geschrieben. Vieles ist leider unvollständig erhalten oder als verloren anzusehen. Dennoch ist sein Schaffen bisher nur zu einem kleineren Teil erforscht. Als Motettenkomponist schloß sich F. zunächst an Haßler und L. Lechner an, bis sich seine subjektiv-erregte Schreibweise seit etwa 1616 zu einem akkordbetont-homorhythmischen, aber durch die Spannung von liedhaftem und deklamatorischem Prinzip belebten Satz abklärte. Dem entspricht auf dem Gebiet der Choralbearbeitung die Wendung vom kontrapunktischen Stil zum Kantionalsatz. Zeitbedingte Erwägungen mögen F. bestimmt haben, schon bald deutsche statt lateinische Texte zu verwenden und zunehmend für einfachere Bedürfnisse zu schreiben. Hierin dürfte vor allem die Beliebtheit und Verbreitung der meisten geistlichen Werke F.s zu ihrer Zeit begründet sein. Dem solistisch-konzertierenden Vokalstil hat er sich erst um 1630 zugewandt. Auch seine weltlichen Lieder und Instrumentalstücke sind durch Gegensätzlichkeit von hohem Kunststreben und Volkstümlichkeit bestimmt, ohne daß die Entwicklung hier vom Komplizierten zum Einfachen verlaufen wäre. Zum Teil erklären sich die Gegensätze durch den Verwendungszweck und die Anlehnung an verschiedene nationale Stilvorbilder: die bürgerlichen Persönlichkeiten gewidmeten deutschen Tänze sind von einfacherer Art als die an fürstliche Kenner adressierten fremdländischen. Als Liedkomponist ist F., im Gegensatz zu Haßler, dort am sichersten, wo er sich nicht an italienischen Vorbilder gehalten hat. Mehr als andere Komponisten seiner Zeit war er an Brauchtum und älterem Volkslied interessiert. Das zeigen vor allem seine für die musikalische Volkskunde so ergiebigen humorvollen Quodlibets. Es ist eine Folge der ungewöhnlichen Produktivität F.s, daß sein Werk nicht frei von Mittelmäßigkeit ist. Wo er jedoch die Höhe seiner Meisterschaft erreicht hat, steht er in unmittelbarer Nähe zu seinen großen Generationsgenossen H. Schütz und J. H. Schein.

  • Werke

    W Verz. sämtl. W mit vollst. Titeln s. Eitner u. MGG (s. L). Hier nur d. abgekürzten Titel d. vollst. erhaltenen Slgg. mit Komp. v. F., Druckorte meist Coburg u. Nürnberg: Geistl. Komp.: Slgg. Sacrae melodiae I (4-8stg), 1601;
    desgl. II (4-12stg.), 1604;
    desgl. III (3-4stg.), 1604;
    desgl. IV (5-12stg.), 1607;
    Contrapuncti compositi (4stg.), 1602;
    Geistl. Gesänge u. Melodeyen … aus d. Hohenlied Salomonis (5-8stg.), 1608;
    Viridarium musicum (5-10stg.), 1613;
    Geistl. musical. Lustgarten (4-9stg.), 1616;
    Laudes Dei vespertinae I (4stg.), 1622;
    desgl. II (5stg.), 1622;
    desgl. III (6stg.), 1622;
    desgl. IV (8stg.), 1622;
    Gemmulae Evangeliorum musicae (4stg.), 1623;
    Rosetulum musicum (4-8stg. u. Bc.), 1627 f.;
    Dulces mundani exilii deliciae (1-8stg. u. Bc), 1631;
    Psalmodia sacra I (4-5stg.), 1631;
    Paradisus musicus I (2-4stg. u. Bc.), 1636;
    desgl. II (2-4stg. u. Bc.), 1636. – Weltl. W u. Instrumentalkomp.: Musical. Bergkreyen (4stg.), 1602;
    Opusculum etlicher … Reuterliedlein (4stg.), 1603;
    Newe Pavanen, Galliarden u. Intraden (4-6stg.), 1603;
    Neue musical. Intraden (6stg.), 1608;
    Tricinia nova (3stg.), 1611;
    Newes teutsches … Convivium (4-8stg.), 1621;
    Musical. Grillenvertreiber (4-6stg.), 1622 (enthält 10 v. 11 Quodlibets, die zw. 1602 u. 1619 erschienen sind);
    Viertzig newe deutzsche … Täntze (4-6stg.), 1623.

  • Literatur

    ADB VII;
    C. v. Winterfeld, Der ev. Kirchengesang II, 1843, S. 50-78;
    R. Eitner, M. F., in: Mh. f. Musikgesch. 17, 1885 (W);
    A. Obrist, M. F., e. Btr. z. Gesch. d. weltl. Comp. in Dtld. in d. Zeit|vor d. 30j. Krieg, Diss. Berlin 1892;
    A. A. Abert, Die Stilist. Voraussetzungen d. Cantiones sacrae v. H. Schütz, 1935;
    H. J. Moser, M. F. als Förderer d. musikal. Volkskde., in: Germanien, Mh. f. Germanenkde., 1939;
    F. Peters-Marquardt, M. F., e. Altmeister dt. Musikschaffens, in: Oberfränk. Heimatkal., 1954;
    H. Zirnbauer, Drei unbek. Briefe d. … M. F., in: Jb. d. Coburger Landesstiftung, 1959, S. 197-208;
    K. Gudewill, M. F. u. d. geistl. Konzert, in: Ber. üb. d. 7. internat. Kongreß Köln 1958, 1959;
    ders., in: MGG IV, Sp. 664-79 (W, L);
    W. Rogge, Stud. z. d. Quodlibets v. M. F. u. ihrer Vorgesch., Diss. Kiel 1960 (ungedr.).

  • Autor/in

    Kurt Gudewill
  • Empfohlene Zitierweise

    Gudewill, Kurt, "Franck, Melchior" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 319 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869250X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Franck: Melchior F. (Frank), bedeutender und vielseitiger deutscher Componist, geb. gegen 1580 in Zittau (er nennt sich selbst Silesius Zittanus), lebte um 1600 in Nürnberg, wurde drei Jahre später Kapellmeister des Herzogs Johann Casimir von Coburg und starb dort 1. Juni 1639. F. hat eine große Anzahl geistlicher und weltlicher Compositionen herausgegeben, die in den Jahren 1602—1636 erschienen und welche Gerber (Neues histor.-biograph. Lexicon der Tonkünstler, Thl. II.) und Becker (Tonwerke des 16. und 17. Jahrhunderts) verzeichnet haben. Es sind darunter deutsche Psalmen, deutsche und italienische geistliche Gesänge und Melodien, deutsche Concerte, Grabgesänge, deutsche Magnificats, musikalische Vergnügen, deutsche weltliche Gesänge und Tänze, neue und alte Reiterliedlein, Hochzeitsgesänge, Quodlibets, musikalische Intraden für allerhand Instrumente etc. F., der auf dem Gebiete des religiösen Kunstgesanges Bedeutendes geleistet hat, unterlag namentlich in seinen Bearbeitungen der Volkslieder schon dem Einfluß der Italiener; es macht sich dies durch reiches Verzieren der Melodie bemerkbar, wodurch diese ihre ursprüngliche Bedeutung fast ganz verliert. Von Wichtigkeit war er für die Entwicklung des Liedes im modernen Sinne. In dieser Beziehung ist namentlich auf seine Reiter- und Tanzlieder hinzuweisen. In denselben ist die Gliederung in kurze melodische Phrasen und damit die knappe Liedform deutlich zu erkennen. F. war übrigens einer der ersten Componisten, welcher der Instrumentalbegleitung eine selbständige Stellung anwies. Von seinen Choralmelodien sind noch jetzt einige in Gebrauch. Aufschluß hierüber gibt am besten das Verzeichniß neuer Ausgaben alter Musikwerke etc. von R. Eitner ("Monatshefte für Musikgeschichte“, Jahrgang 2 u. 3) und Winterfeld ("Der evangelische Kirchengesang“, Thl. II.).

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Franck, Melchior" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 213 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869250X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA