Lebensdaten
1811 bis 1855
Geburtsort
Mannheim
Sterbeort
Mannheim
Beruf/Funktion
Politiker ; Kaufmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118653415 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bassermann, Friedrich Daniel
  • Bassermann, Friedrich
  • Bassermann, Friedrich Daniel
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Zitierweise

Bassermann, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118653415.html [18.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Ludwig Bassermann (1782–1865), Bankier, bayerischer Konsul in Mannheim, Oberstleutnant der Bürgerkavallerie;
    M Wilhelmine (1787–1869), T des Mannheimer Oberbürgermeisters Johann Wilhelm Reinhardt, aus Neuwieder Familie;
    Gvv Friedrich Daniel Bassermann, Gastwirt in Heidelberg;
    9.(5.?)5.1834 Emilie (1811–1872), T des Mannheimer Pfarrers Karbach;
    4 S, u. a. Emil Bassermann-Jordan (1835–1915, Auguste Jordan), Weingutsbesitzer und Mitbegründer mehrerer Banken, Heinrich Bassermann (1849–1909), Professor der Theologie in Heidelberg, bekannter Prediger;
    E Ernst von Bassermann-Jordan (s. 4).

  • Leben

    Nach kaufmännischer Ausbildung, Auslandsreisen und naturwissenschaftlichen sowie historischen Studien in Heidelberg (Friedrich Christoph Schlosser) betrieb B. 1833-41 ein Drogengeschäft und gründete 1843 mit seinem Freunde Karl Mathy einen Verlag, in dem u. a. 1847/48 die von Georg Gottfried Gervinus redigierte „Deutsche Zeitung“ als Organ des preußenfreundlichen gemäßigten Liberalismus erschien. Nach reger kommunalpolitischer Tätigkeit wurde er 1841 in die II. Kammer des badischen Landtags gewählt, wo er, ein ungewöhnlich geschickter Redner, sich bald einen Namen machte als einer der gemäßigten und doch entschiedenen Führer der Opposition („Urlaubsstreit“, Militärverfassung, Steuerreform). Auf einer Versammlung süd- und westdeutscher Liberaler in Heppenheim (10.10.1847) vertrat er, in der Erwartung einer baldigen Krise, gegen David Hansemann und Mathy, die den Ausbau des Zollvereins wünschten, das Programm einer Umwandlung des Deutschen Bundes in einen konstitutionellen Bundesstaat; in diesem Sinne begründete er dann am 12.2.1848 im badischen Landtag seine berühmte Motion auf „Vertretung der deutschen Ständekammern am Bundestage“. B., der seit dem Aufkommen des Radikalismus in Baden immer mehr nach rechts neigte, aber doch an den liberalen Forderungen festhielt, wurde im März 1848 als badischer Vertrauensmann in den zur Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfes bestimmten 17er-Ausschuß beim Frankfurter Bundestag entsandt. Als Abgeordneter im Vorparlament, im 50er-Ausschuß und in der Nationalversammlung (Vorsitzender des Verfassungsausschusses) sowie als Unterstaatssekretär im Reichsministerium des Inneren suchte er im Sinne der „Kasinopartei“ bzw. der „Erbkaiserlichen“ zu wirken. Im November 1848 war B. als Reichskommissar in Berlin, um die preußische Regierung zum Zusammengehen mit der Zentralgewalt zu bestimmen; an seinen Bericht in der Paulskirche, in dem er von unheimlichen Gestalten gesprochen hatte, die in Berlin das Straßenbild bestimmten, knüpft das geflügelte Wort von den „B.schen Gestalten“ an. Eine zweite Reise Ende April 1849 diente dem vergeblichen Versuch, Friedrich Wilhelm IV. zur Annahme der Reichsverfassung und der Kaiserkrone zu bewegen. Nach dem Scheitern der Nationalversammlung und des Erfurter Parlaments, dem er ebenfalls angehört hatte, zog sich B. enttäuscht ins Privatleben zurück und beging schließlich unter dem Eindruck eines langwierigen konstitutiven Nervenleidens Selbstmord.

  • Werke

    Denkwürdigkeiten, 1811–1851, hrsg. v. F. u. E. Bassermann-Jordan, 1926 (P); Briefe in: Dt. Revue, hrsg. v. R. Fleischer, Jg. 7, 1882, Bd. 1, S. 180 f., 185 f., 277-79, Jg. 33, 1908. Bd. 2, S. 276-81, u. b. Harnack (s. L); Hrsg.: Dtld. u. Rußland, 1839 (mit L. Ladenburg u. a.).

  • Literatur

    ADB II;
    Dt. Mschr. f. Politik, Wiss., Kunst u. Leben, hrsg. v. A. Kolatschek, 1850, I, S. 357-65 (anonym, v. Standpunkt d. äußersten Linken);
    L. Mathy, Aus d. Nachlaß v. K. Mathy, 1898;
    Leonhard Müller, Die polit. Sturm- u. Drangperiode Badens, 2 Bde., 1905/06 (P);
    E. Brandenburg, Unterss. u. Aktenstücke z. Gesch. d. Reichsgründung, 1916;
    A. v. Harnack, F. D. B. u. d. dt. Revolution v. 1848/49, = Hist. Bibl., Bd. 44, 1920 (L);
    V. Valentin, Gesch. d. dt. Revolution v. 1848 bis 1849, 2 Bde., 1930/31 (s. a. die dort verz. reiche monograph. u. Memoirenlit.);
    L. Bergsträßer, Die Heidelberger „Dt. Ztg.“ u. ihre Mitarbeiter, in: HV, Jg. 31, 1937;
    P. Wentzcke, F. B.s letzte polit. Sendung, Btrr. z. Verständnis d. Endkampfes zw. Preußen u. d. Paulskirche, in: ZGORh, Bd. 101, 1953;
    L. Häußer, B., in: K. v. Rotteck-K. Welcker, Das Staats-Lex. II, 31858, S. 354-70;
    A. Thorbecke, in: Bad. Biogrr. I, 1875, S. 37-45.

  • Portraits

    Gem. v. Ph.Daniel Winterwerl, Abb. in: F. Bassermann, Chronik u. Stammbaum d. Fam. B. …, 1895, S. 26;
    Holzschnitt in: LIZ, Bd. 2, 1844, S. 149;
    s. a. Harnack (s. L), S. 10 Anm. 4, 84 Anm. 1.

  • Autor/in

    Erich Angermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Angermann, Erich, "Bassermann, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 624 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118653415.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bassermann: Friedrich Daniel B., geb. zu Mannheim 24. Febr. 1811, 1855, widmete sich dem Kaufmannsstande, besuchte in den J. 1829—31 die Universität Heidelberg und begründete sodann in seiner Vaterstadt ein Geschäft. Durch Betheiligung an den Gemeindeangelegenheiten in weiteren Kreisen bekannt geworden, wurde er im J. 1841 in die badische zweite Kammer gewählt und nahm lebhaften Antheil an dem heftigen Kampfe der liberalen Partei gegen das Ministerium Blittersdorff. In der Session von 1847—48 war es B., der am 12. Febr. 1848 die vielbesprochenen Motion auf Begründung einer deutschen Nationalvertretung stellte, die eigentlich der Ausgangspunkt der deutschen Bewegung wurde. Nachdem ihn die badische Regierung im März 1848 als Vertrauensmann in den Bundestag geschickt hatte, wurde er in das Parlament gewählt, wo er seine Stellung mit Entschiedenheit auf der Seite der gemäßigten Liberalen nahm. Aus jener Zeit rührt das mit seinem Namen verbundene Wort von den „Gestalten“ her, deren verdächtiges Treiben ihn beunruhigte. Im August trat B. in das Reichsministerium ein, in dem er bis zum Abgange Gagern's als Unterstaatssecretär im Ministerium des Innern verblieb. Er war einer der eifrigsten Verfechter der Idee eines dem preußischen Königshause zu übertragenden deutschen Kaiserthumes, und wollte, als diese gescheitert war, von keiner Neugestaltung Deutschlands ohne Führung Preußens wissen. In Erfurt vertrat er einen rheinpreußischen Wahlbezirk.

    Durch seine Thätigkeit in der badischen zweiten Kammer war er mit Karl Mathy in nahe Berührung gekommen und begründete in Gemeinschaft mit diesem zu Mannheim eine Verlagsbuchhandlung, in der außer verschiedenen Werken aus den Kreisen des „ganzen Deutschland“ auch die ersten Schriften von Berthold Auerbach erschienen. Auch die Deutsche Zeitung erschien in diesem Verlage. Dem frischen, enthusiastischen, darum leicht niedergebeugten Manne war ein trauriges Ende beschieden: einem längeren Nervenleiden machte er am 29. Juli 1855 ein plötzliches Ende.

  • Autor/in

    v. Weech.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weech, Friedrich von, "Bassermann, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 127 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118653415.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA