Lebensdaten
1884 bis 1956
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Münster
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Philosoph ; Mathematiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118610384 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scholz, Heinrich
  • Scholtz, Heinrich

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Zitierweise

Scholz, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610384.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (s. 1);
    M Martha Jäschke;
    1) Berlin 1917 Elisabeth (1893–1924), T d. Ludwig v. Orth (1862–1921), Dr. phil., Ing. in B., u. d. Marie Eulenstein (1864–1924), 2) 1930 Erna Koch; Schwägerinnen Maria v. Orth (* 1888, Werner Buddecke, 1887–1967, Dr. phil., Bibl.rat an d. Univ.bibl. Göttingen, s. A. Habermann u. a., Lex. dt. wiss. Bibliothekare 1925-1980, 1985), Charlotte v. Orth (* 1890, Günther Goldschmidt, 1894–1980, Dr. phil., Bibl.rat an d. Staats- u. Univ.bibl. Königsberg, in Münster, an d. Univ.bibl. Basel u. an d. Zentralbibl. Zürich, Schriftst., s. Wi. 1971; A. Habermann u. a., Lex. dt. wiss. Bibliothekare 1925-1980, 1985), Gertrud (* 1894, Konstantin Andreevic Ligskij, * 1882?, russ. Gen.konsul in Tokio).

  • Leben

    S. besuchte das Berliner Gymnasium zum Grauen Kloster, studierte seit 1903 in Berlin ev. Theologie und Philosophie, u. a. bei Adolf v. Harnack (1851–1930) und Alois Riehl (1844–1924), und wurde mit einer Arbeit über Schleiermacher (Christentum u. Wiss. in Schleiermachers Glaubenslehre, 1909) zum Lic. theol. promoviert. 1910 habilitierte er sich in Berlin mit einem Kommentar zu Augustinus' „De Civitate Dei“ (Glaube u. Unglaube in d. Weltgesch., 1911) für Religionsphilosophie und systematische Theologie. 1913 wurde er in Erlangen mit der Studie „Schleiermacher und Goethe“ zum Dr. phil. promoviert.

    1917 folgte S. einem Ruf als o. Prof. für Religionsphilosophie und systematische Theologie nach Breslau. 1919 wechselte er nach Kiel, wo er bis 1928 einen Lehrstuhl für Philosophie innehatte. 1928-43 war er in Münster Professor für Philosophie, 1943-52 für mathematische Logik.

    Ansehen erlangte S. mit seinen Schriften „Der Unsterblichkeitsgedanke als philosophisches Problem“ (1920, 21922), „Zum Untergang des Abendlandes, Eine Auseinandersetzung mit Oswald Spengler“ (1920, 21921) sowie v. a. mit seinem frühen Hauptwerk, der „Religionsphilosophie“ (1921, 21922, Nachdr. 1974). In diesem Werk versucht S. zu zeigen, daß sich diejenigen Annahmen, welche die (von ihm so genannten) „erlebbaren“ bzw. „ponderablen“ Religionen bezüglich der Existenz und des Wesens Gottes machen, verifizieren lassen.

    Die Lektüre von Bertrand Russells und Alfred N. Whiteheads „Principia Mathematica“ (3 Bde., 1910–13) 1921 weckte S.s Begeisterung für Mathematik und Logik. Bereits Professor, absolvierte er 1922-29 ein komplettes Studium der Mathematik und der theoretischen Physik. Zu einer zentralen Gestalt der mathematischen Grundlagenforschung in Deutschland wurde S. durch seine späten Hauptwerke, insbesondere die Aufsatzsammlung „Mathesis Universalis, Abhandlungen zur Philosophie als strenger Wissenschaft“ (hg. v. H. Hermes u. a., 1961). Anhaltende Bedeutung erlangte er aber v. a. aufgrund seines institutionellen Wirkens. Unter widrigen Umständen gelang es S. 1943, seinen Münsteraner Lehrstuhl für Philosophie in ein Ordinariat für mathematische Logik und Grundlagenforschung umzuwandeln. Aus diesem Ordinariat ging 1946 das Münsteraner Institut für Mathematische Logik und Grundlagenforschung, das erste seiner Art in Deutschland, hervor. 1935 erwarb S. den Nachlaß Gottlob Freges (1848–1925). Zu S.s Leistungen zählt auch der Aufbau wissenschaftlicher Kontakte mit den führenden Logikern seiner Zeit (z. B. den Mitgll. d. Schule v. Princeton u. d. Lwów-Warschau-Schule sowie den Begründern d. math. Intuitionismus). Während des 2. Weltkriegs setzte sich S. für poln. Kollegen ein und ermöglichte Jan Lukasiewicz (1878–1956) 1944 die Ausreise von Warschau nach Münster. Seine bekanntesten Schüler sind Gisbert Hasenjaeger, Hans Hermes und Karl Schröter.

  • Auszeichnungen

    D. theol. h. c. (Berlin 1917).

  • Werke

    Glaube u. Unglaube in d. Weltgesch., 1911, 21922, Nachdr. 1982;
    Gesch. d. Logik, 1931, 31967, Nachdr. 1980;
    Metaphysik als strenge Wiss., 1941, Nachdr. 1965;
    Vorlesungen über d. Grundzüge d. math. Logik, 2 T., 1950/51;
    Grundzüge d. math. Logik, 1961 (mit G. Hasenjaeger);
    Hg.:
    F. Schleiermacher, Kurze Darst. d. theol. Studiums, 1910, Nachdr. 1982;
    Forschungen z. Logistik u. z. Grundlegung d. exakten Wiss. (1934–43);
    Bibliogr.:
    H. S., Mathesis Universalis, Abhh. z. Phil. als strenger Wiss., hg. v. H. Hermes u. a., 1961, S. 453-69;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ. Münster, Inst. f. math. Logik u. Grundlagenforsch.

  • Literatur

    H. Luthe, Die Rel.philos. v. H. S., 1961;
    M. Fallenstein, Rel. als phil. Problem., 1981;
    Logik u. Grundlagenforsch., Festkolloquium z. 100. Geb.tag v. H. S., 1986;
    E. Stock, Die Konzeption e. Metaphysik im Denken v. H. S., 1987;
    A. L. Molendijk, Aus d. Dunkeln ins Helle, Wiss. u. Theol. im Denken v. H. S., 1991;
    G. Pfleiderer, Theol. als Wirklichkeitswiss., Stud. z. Rel.begriff b. Georg Wobbermin, Rudolf Otto. H. S. u. Max Scheler, 1992;
    M. F. Köck, Die Bedingungen d. Gotteserfahrung nach H. S., 1998;
    H.-C. Schmidt am Busch u. K. F. Wehmeier (Hg.), H. S., Logiker, Philos., Theol., 2005 (P);
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Ziegenfuß (W);
    Pogg. VI;
    LThK3;
    RGG2-4;
    TRE 30;
    BBKL (W, L);
    Nordrhein-Westfalen.

  • Autor/in

    Hans-Christoph Schmidt am Busch
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt am Busch, Hans-Christoph, "Scholz, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 454-455 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610384.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA