Lebensdaten
1849 bis 1938
Geburtsort
Niendorf (Kreis Segeberg, Holstein)
Sterbeort
Hagen (Westfalen)
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118602217 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rohlfs, Christian
  • Rohlfs, Christian Friedrich

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Zitierweise

Rohlfs, Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602217.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (1816–1902), aus Glückstadt (Holstein), Inste (Kleinbauer) in N., zuletzt in Fredesdorf b. Leezen, S e. dän. Unteroffz.;
    M Magaretha (1810–79, 1] Claus Hinrich Harm, Inste in N.), T d. Hans Casper Finnern, Kätner in Oering (Kr. Sülfeld b. Oldesloe);
    Hagen 1918 Helene (1892–1990), T d. Heinrich Vogt (1849–1930), Kaufm. in Hamm, u. d. Emma Nagel (1857–1948), Apothekerin; kinderlos.

  • Leben

    R. besuchte die einklassige Dorfschule in Fredesdorf. Da er wegen einer Gehbehinderung den elterlichen Hof nicht übernehmen konnte, durfte er 1866-69 eine weiterführende Schule in Segeberg besuchen. Durch die Bemühungen des Hausarztes der Familie, Ernst Stolle, und dessen Schwagers Theodor Storm erhielt R. eine Freistelle an der großhzgl. Kunstschule in Weimar. Hier nahm er 1870 die traditionelle Ausbildung in Figuren-, Akt- und Genremalerei auf, bis er 1871 erneut erkrankte; 1874 wurde das rechte Bein amputiert. Im Oktober desselben Jahres führte er das Studium fort und wandte sich der realistischen Landschaftsmalerei zu. Im Juni 1890 erstmals mit Werken von Monet konfrontiert, zeigte R. in seinem umfangreichen malerischen Werk bis 1900 alle Stadien der Entwicklung vom Realismus bis zur damals aktuellen Freilichtmalerei. 1901 wurde R. auf Empfehlung Henry van de Veldes von Karl Ernst Osthaus (1874–1921) nach Hagen geholt, wo er bei den Planungen für das entstehende Folkwang-Museum Arbeiten von van Gogh, Gauguin, Matisse kennenlernte wie auch die jungen Brücke-Künstler, die mit ihm befreundet blieben. Auch aus der Bekanntschaft mit Emil Nolde (1867–1956), 1906 in Soest begonnen, erwuchs eine lebenslange Freundschaft. In den folgenden Jahren suchte R. nach einer eigenen Formensprache (bemerkenswert die Werkgruppe „Soest“ 1905/06), die er nach verschiedensten stilistischen Experimenten zwischen 1910 und 1912 in München fand.

    Mit den während des Kriegs entstandenen Gemälden und Holzschnitten expressiver religiöser Thematik wurde R. auch einem größeren Publikum bekannt. Die Ausstellung zum 70. Geburtstag 1919 in der Berliner Nationalgalerie brachte die öffentliche Anerkennung sowie zahlreiche Folgeausstellungen im In- und Ausland. R. galt fortan als bedeutender Vertreter der klassischen Moderne in Deutschland und erhielt zahlreiche Ehrungen.

    In den 20er Jahren unternahm R. mehrere Reisen, malte in Holstein und an der Ostsee, in Süddeutschland und in den bayer. Alpen. Die hier geschaffenen Werke sind kraftvoll farbige, großformatige Arbeiten in Wassertemperatechnik auf Papier; die Malerei auf Leinwand trat dagegen allmählich zurück. Die erste Begegnung mit südlichem Licht 1927 in Ascona im Schweizer Tessin, wo sich|R. bis zu seinem Tod fortan überwiegend aufhielt, steigerte seine schöpferische Kraft noch im hohen Alter. Sein Spätwerk, fast ausschließlich Wassertemperaarbeiten von teils gemäldehafter Größe, entstand in einer Zeit, in der R. bereits als „entartet“ diffamiert wurde (1937 Beschlagnahme von 412 Werken) und Ausstellungsverbot erhalten hatte. R.s letzte Arbeiten, vorwiegend Bilder von Landschaften und Blumen, sind von lichter, harmonischer Farbigkeit.|

  • Auszeichnungen

    sachsen-weimar. Prof. (1902); Mitgl. d. Neuen Berliner Sezession (1911); Mitgl. d. Freien Sezession Berlin (1914); ao. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Künste in Berlin (1924); Dr.-Ing. E. h. (TH Aachen 1922); Dr. phil. h. c. (Kiel 1925); Ehrenbürger d. Stadt Hagen (1924), die 1929 e. Mus. gründete, heute Karl-Ernst Osthaus-Mus.

  • Werke

    Schneidemühle an d. Ilm in Ehringsdorf, 1883 (Weimar, Kunstslgg.);
    Sternbrücke in Weimar, um 1887 (Hagen, K.-E. Osthaus-Mus.);
    Straße in Weimar, 1889 (Kiel, Kunsthalle);
    Weg nach Gelmeroda, 1893 (Berlin, Nat.gal.);
    Sonnige Häuser, 1894 (Düsseldorf, Kunstmus.);
    Friedhofsmauer in Weimar, 1899 (Kiel, Kunsthalle);
    Goethes Gartenhaus im Weimarer Park, 1902 (Düsseldorf, Gal. Paffrath);
    St. Patrokli in Soest, um 1906 (Essen, Mus. Folkwang);
    Buchen im Herbst, 1910 (Düsseldorf, Kunstmus.);
    Rote Dächer unter Bäumen (Karlsruhe, Staatl. Kunsthalle);
    Rückkehr d. verlorenen Sohnes, 1914 (Essen, Mus. Folkwang);
    Stadttor in Dinkelsbühl, 1924 (Wuppertal, Von der Heydt Mus.);
    Die Heiligen Drei Könige, 1928 (Rom, Vatikan, Istituto per le Opere di Religione);
    Wassertemperaarbeiten:
    Dom u. Severi, Erfurt, 1924 (Erfurt, Angermus.);
    Sonnenuntergang an d. Ostsee, 1926 (Schleswig, Schleswig-Holstein. Landesmus.);
    Magnolie v. San Materno, 1937 (Privatbes.). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Helene Rohlfs-Stiftung im Mus. Folkwang Essen.

  • Literatur

    P. Vogt, Ch. R., Aquarelle u. Zeichnungen, 1958;
    ders., Ch. R., Das graph. Werk, 1960;
    ders., Ch. R., o. J. [1967];
    ders. (Hg.), Ch. R., Œuvre-Kat. d. Gem., W-Verz. v. U. Köcke, 1978;
    ders. (Hg.), Dt. Expressionismus 1905-1920, erw. dt. Ausg. d. Ausst.kat. New York u. San Francisco, 1980/81, 1981;
    W. Scheidig, Die Gesch. d. Weimarer Malerschule 1860-1900, 1971;
    Ausst.kat. Ch. R., Das druckgraph. Gesamtwerk, Dortmund 1987/88, Essen 1988;
    Ausst.kat. Ch. R., Aquarelle u. Gem. v. 1919 bis 1937 aus Slgg. d. DDR, Nat.gal. Berlin 1988;
    St. Barron, „Entartete Kunst“, Das Schicksal d. Avantgarde im Nazi-Dtld., 1992 (P);
    Ausst.kat. Ch. R., hg. v. R. Happel, Braunschweig, Rostock, Moritzburg, Halle 1993 (Bibliogr.);
    Ausst.kat. Ch. R., München u. Wuppertal 1996 (Bibliogr.);
    R. Paczkowski, in: Biogr. Lex. Schleswig-Holstein X, 1994 (W, L, Qu, P);
    ThB;
    Vollmer;
    Dict. of Art;
    BBKL (L).

  • Portraits

    Selbstbildnis (Öl/Lwd.), 1918 (Essen, Mus. Folkwang).

  • Autor/in

    Paul Vogt
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogt, Paul, "Rohlfs, Christian" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 769-770 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602217.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA