Lebensdaten
1898 bis 1979
Geburtsort
Stettin
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Philosoph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118601199 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rintelen, Fritz Joachim von

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Rintelen, Fritz Joachim von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601199.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1855–1938, preuß. Adel 1913), aus Dortmund, preuß. Gen.lt., S d. Viktor R. (s. 1);
    M Hedwig (1865–1953), T d. Emil Russell (1835–1907), Bankier, Syndikus, Bgm. v. Papenburg, Inh. d. Disconto-Ges. in Berlin-Charlottenburg, rumän. Gen.konsul (s. E. Wagner, in: Jb. d. Emsländ. Heimatbundes 31, 1985; Biogr. Hdb. Osnabrück; Emsländ. Lb.), u. d. Angelina Beckering (1840–77);
    Geschw Viktor (* 1887), Dr. iur., preuß. Ger.assessor, Dir. d. Dt. Bank u. Discont-Ges. in München, Kurt (1889–1914, ⚔), Enno (1891–1971), Gen. d. Inf., Angelina (Ina) (* 1893, Conrad Pochhammer, 1873–1932, Dr. med., Prof., Chefarzt d. Chirurg. Abt. d. St.-Josephs-Krankenhauses in Potsdam), Emil (1897–1981), 1923-28 Legationssekr. b. d. dt. Botschaft in Paris, 1929-32 Gesandtschaftsrat in Warschau (s. Wi. 1935); – ledig.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Straßburg, Küstrin und Potsdam (Abitur 1917) nahm R. am Feldzug in Rumänien und Frankreich teil. 1919-25/26 studierte er Theologie und Philosophie in Berlin, Innsbruck, Bonn und zuletzt in München, wo er als Schüler Clemens Baeumkers, Erich Bechers und Joseph Geysers 1922 mit einer Arbeit über die Philosophie Eduard v. Hartmanns zum Dr. phil. promoviert wurde. Nach der Habilitation für Philosophie und Pädagogik 1928 wurde R. 1932 apl. Prof. in München, 1934 o. Prof. für Philosophie, Pädagogik und Geschichte in Bonn, 1936 für Philosophie in München. Als er 1941 aus politischen Gründen relegiert wurde, bekundete ein studentischer Demonstrationszug, an dem u. a. Hans Scholl (1918–43) teilnahm, vor seiner Wohnung Sympathie für ihn. 1941-45 lebte er als Privatgelehrter in Deidesheim. 1946 wurde R. o. Prof. für Philosophie in Mainz als einer der Gründungsväter der Universität (em. 1966); zu den bedeutendsten Vertretern seines Fachs in Deutschland zählend, trug er dazu bei, daß die dt. Philosophie wieder internationales Renommee erlangte.

    Aus seiner Beschäftigung mit Hartmann und Troeltsch entwickelte sich R.s besonderes Interesse für Geistesgeschichte. Seit 1930 baute er eine in Fachkreisen weithin anerkannte historische und systematische Wertphilosophie auf. Sein Werk „Der Wertgedanke in der europ. Geistesentwicklung“ (1932), die erste grundlegende ideengeschichtliche Darstellung des Wertaspekts in der Tradition der philosophia perennis, verbindet das abendländisch-christliche Denken mit modernen Strömungen der Wertphilosophie. Im Zuge dieser historisch entwickelten Denkrichtung und in Auseinandersetzung mit der Lebens- und Existenzphilosophie bzw. der Wertphänomenologie begründete R. den sog. Wertrealismus. Dieser versteht sich als denkende Durchdringung der Zeit in realistischer Annäherung an die gegebene Wirklichkeit, um in den Grundzügen des gegenwärtigen Zeitalters Sinn- und Werthaftes aufzuspüren, welches sich in der Geschichte der Ideen und Werte als lebendiger Geist entfaltet und erhellt. R. sah in Goethe einen Wegbereiter dieses Denkens. Mit „Der Rang des Geistes, J. W. v. Goethes Weltverständnis“ (1955) und „J. W. v. Goethe – Sinnerfahrung und Daseinsdeutung“ (1968, span. 1966) machte sich R. einen Namen als Goethe-Interpret. Zeitlebens aufgeschlossen für eine ganzheitliche Betrachtung geistiger Zusammenhänge, bemühte er sich, gegen das einseitig existenzialistisch-biologisch begründete Menschenbild die klassische Lehre vom Rang des Geistes neu zu begründen und seine dauernde Gültigkeit aufzuzeigen. Von R.s internationaler Bedeutung zeugen Gastprofessuren in Córdoba (Argentinien, 1950/51), Los Angeles (1957), Tokio (1972) und Chicago (1973) sowie ausgedehnte Vortragsreisen durch Nord- und Südamerika, Israel, Iran, Japan und Indien.|

  • Auszeichnungen

    Dr. litt. h. c. (Lima 1949); Dr. en artes h. c. (Santiago de Chile 1949); Dr. phil.|h. c. (Códoba 1963); Präs. d. Allg. Ges. f. Philos. in Dtld. (1948–51), d. Inst. internat. des Etudes Européenes, Bozen (1974) u. d. World Soc. of the Humanities, Atlanta/USA (1973); Ehrenmitgl. zahlr. phil. Ges.; BVK I. Kl. (1978).

  • Werke

    Weitere W Pessimist. Rel.philos. d. Gegenwart, Unterss. z. rel.phil. Problemstellung b. E. v. Hartmann, Diss. 1924;
    Der Versuch e. Überwindung d. Historismus b. Ernst Troeltsch, 1929;
    Albert d. Dt. u. wir, 1935;
    Idealismus – Realismus?, 1941 (mit C. Ottaviano);
    Die Dämonie d. Willens, 1948;
    Von Dionysos zu Apollon, 1949;
    Philos. d. Endlichkeit als Spiegel d. Gegenwart, 1951, 1960;
    Der europ. Mensch, 1957;
    Philos. d. lebendigen Geistes, 1975, bearb. Neuaufl. u. d. T: Philos. d. lebendigen Geistes in d. Krise d. Gegenwart, 1977;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Dr. Enno v. Rintelen, Wiesbaden; Univ.archiv Mainz (P).

  • Literatur

    R. Wisser (Hg.), Sinn u. Sein, 1960 (Bibliogr.);
    J. Kopper, in: JOGU, Zs. d. Univ. Mainz 8, 1979, Nr. 62;
    Emil v. Rintelen, in: Nachrr.bl. d. Fam.verbandes d. Rintelen, H. 75, Jan. 1980;
    Viktor Rintelen, Philos. d. Sehnsucht in d. Verlassenheit d. Moderne, ebd. H. 99, Nov. 1998;
    Ziegenfuß;
    Wi. 1967/68;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Munzinger (W); – zur Fam.:
    Dt.GB 82, 1934. bes. S. 469;
    – Eigene Archivstudien:
    Bayer. HStA, München (Personalakte);
    Auskunft Prof. Dr. K.-A. Sprengard, Mainz.

  • Autor/in

    Eckhard Wendt
  • Empfohlene Zitierweise

    Wendt, Eckhard, "Rintelen, Fritz Joachim von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 643-644 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601199.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA