Lebensdaten
1870 bis 1931
Geburtsort
Gardelegen (Altmark)
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Varietékünstler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118600028 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfützenreuter, Otto
  • Reutter, Otto
  • Pfützenreuter, Otto

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Reutter, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118600028.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Andreas ( 1899), Hausierhändler, aus Breitenbach (Eichsfeld);
    M Emilie Fischer (1845–95), unehel. T e. Köchin;
    1) 1896 Olga Nock (1877–1910), T e. Lokomotivführers in Karlsruhe, 2) Berlin 1919 Evi Bendrien ( 1950, im stalinist. Lager Sachsenhausen ermordet), R.s Sekretärin;
    1 S aus 1) Otto (1896–1916, als Kriegsfreiwilliger b. Verdun).

  • Leben

    Aus einfachen Verhältnissen stammend, sollte R. Kaufmann werden; er entfloh aber seinem Elternhaus, um zum Theater zu gehen. Sein erstes Engagement erhielt er 1889 am Berliner American Theater. 1890 schloß er sich den Karlsruher Volkssängern an und ging mit eigener Truppe auf Tournee. Bereits 1894 hatte er beachtliche Erfolge als Salonhumorist mit einem selbst geschriebenen Repertoire. Sein erstes Engagement am Varieté bekam er 1895 am Metropoltheater in Bern, 1896 folgte das Apollo-Theater in Berlin. 1899 begann seine Karriere am Berliner Wintergarten, dem größten Etablissement seiner Art in Europa, welchem er mehr als 30 Jahre verbunden blieb. 1915 war er kurzzeitig Direktor des Palast-Theaters am Zoo in Berlin.

    Als Autodidakt zur Bühne gekommen und in den Traditionen des Volkssängertums des 19. Jh. wurzelnd, gilt R. als Klassiker des humoristisch volkstümlichen Couplets. Seine literarischen Vorbilder sah er in Fritz Reuter (1810–74) und Wilhelm Busch (1832–1908), Anregung gaben ihm satirische Witzblätter wie „Simplicissimus“ und „Kladderadatsch“, die Berliner Possendichter um David Kalisch (1820–72), die Bänkelsänger, das Kabarett sowie die großen Komiker von|Bühne und Film. Lehrmeister für seinen Vortragsstil waren insbesondere das „Berliner Original“ Martin Bendix (1843–1915), Robert Steidl (1865–1927) vom Apollo Theater und der Münchener Gesangshumorist Karl Maxstadt (1853–1930).

    Neue Wege beschritt R., indem er den Coupletvortrag auf schauspielerische Grundlagen stellte. Natürlichkeit und Urwüchsigkeit, die Gabe zur bündigen Formulierung sowie gedankliche Substanz waren Charakteristika des R.schen Repertoires, das mehr als 1000 Couplets umfasste. Seinen Erfolg verdankt R. wesentlich seinem schlagfertigen Witz, seinen volkstümlichen Redewendungen und nicht zuletzt dem realistischen Einbezug des Tagesgeschehens in seinen Vortrag (Ick wundre mir über jarnischt mehr (1918], In fünfzig Jahren ist alles vorbei [1919], Der gewissenhafte Maurer [1919], Der Blusenkauf [1923], Der Überzieher [1925], Nehm'n Se 'n Alten [1926]). In seinen späten Couplets verbindet sich Schopenhauerische Lebensphilosophie mit melancholisch-skeptischem Blick auf die Menschen und die Zeiten (Mit der Uhr in der Hand [1927], Wir lieben uns zu sehr [1930]). Damit galt er zu Lebzeiten schon unbestritten als „Philosoph unter den Humoristen“, hochverehrt u. a. von Karl Valentin und Kurt Tucholsky.

  • Werke

    W-Ausgg. (Teilslgg.) Couplet-Schlager, I-IV, 1912-17;
    25 neue R.-Schlager, 1913;
    O. R.s neuste Texte, 1920;
    Unsterbliche R.-Vorträge, I-VI, o. J.;
    H. Bemmann (Hg.), Alles wegen de Leut', 1969 (Notenanhang, P);
    dies. (Hg.), Kinder, Kinder, was sind heut' f. Zeiten, 1991 (Lebenstafel, Notenanhang, P).

  • Literatur

    K. Tucholsky, in: Weltbühne, 6.1.1921, 16.2.1932;
    Wintergarten-Magazin, O. R. z. 60. Geb.tag, 1930 (P);
    Th. Oppermann, O. R., Ein Gedenkbuch über sein Leben u. Schaffen, 1931 (P);
    B. Wiesner, O. R. hinter d. Kulissen, 1931 (P);
    Gedenktage d. mitteldt. Raumes 1970;
    H. Greul, Bretter, die d. Zeit bedeuten, 21971;
    H. Bemmann, Ick wundre mir über jarnischt mehr, 1977 (Notenanhang, P);
    dies., O. R., Biogr., 1996 (Lebenstafel, W-Verz., Liedertexte, zeitgenössische Stimmen, P);
    H. Becker, O. R., Gardelegener Heimatgesch., 1982;
    Metzler Kabarett-Lex.;
    Kosch, Lit.-Lex3.

  • Portraits

    Karikatur v. P. Richards, 1909, Abb. in: Bemmann, 1977 (s. L): Karikatur v. W. Trier, ca. 1928, Abb. in: Bemmann, 1996 (s. L) u. Metzler Kabarett-Lex.

  • Autor/in

    Helga Bemmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Bemmann, Helga, "Reutter, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 473-474 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118600028.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA