Lebensdaten
um 1455 bis um 1490 oder 1488
Geburtsort
Utrecht
Beruf/Funktion
Maler ; Formschneider ; Drucker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11859897X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rewich, Erhard (genannt)
  • Renwich, Erhard (genannt)
  • Rewig, Erhard (genannt)
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Zitierweise

Reuwich, Erhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11859897X.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V evtl. Hillebrant van Reewijk, Maler in U., tätig ca. 1450-70.

  • Leben

    Über R.s künstlerischen Werdegang ist nichts bekannt. Er stand im Dienst des Mainzer Domdekans Bernhard v. Breidenbach (um 1440–97) und begleitete diesen 1483/84 zusammen mit Gf. Johann zu Solms-Lich und Rr. Philipp v. Bicken auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem. Im Mai 1484 als „Herrn Bernharts meler und snytzer“ erwähnt, schuf R. im Anschluß an die Reise die Illustrationen zum Reisebericht Breidenbachs, den „Peregrinationes in Terram Sanctam“. Die 1486 erschienene, sehr populäre Reisebeschreibung enthielt neben dem Bericht Breidenbachs Holzschnitte von R. mit Darstellungen der Einwohner des Hl. Landes, erlangte aber v. a. Berühmtheit wegen R.s Städteansichten z. B. von Venedig und Jerusalem, die zu den ersten topographisch getreuen Städtepanoramen zählen. In ihrer Naturtreue und Sicherheit des Schnittes dokumentieren sie den künstlerischen Höhepunkt der Mainzer Buchillustration im 15. Jh.

    Die außergewöhnliche Qualität der Illustrationen R.s hat manche Forscher veranlaßt, ihn mit dem anonymen Hausbuch-Meister zu identifizieren, doch spricht die unterschiedliche perspektivische Auffassung in den Städteansichten R.s und den Blättern des Hausbuch-Meisters gegen eine solche These. Auch die vorgeschlagene Identifizierung mit einem „Meister Erhard der Maler“ aus Mainz, der 1486 vier Glasfenster für die Mainzer Amtskellerei in Amorbach lieferte, hat sich nicht durchgesetzt. Neben den Holzschnitten zu den „Peregrinationes“ schuf R. auch den größten Teil der Illustrationen zum „Gart der Gesundheit“, das erste, möglicherweise von R. gedruckte Kräuterbuch in dt. Sprache, das 1485 in Mainz erschien.

  • Literatur

    ADB 28;
    E. Gf. zu Solms-Laubach, Der Hausbuch-Meister, in: Städel-Jb. IX, 1935, S. 13-93;
    L. Behling, Der Hausbuchmeister – E. R., in: Zs. f. Kunstwiss. 5, 1951, S. 179-90;
    R. W. Fuchs, Die Mainzer Frühdrucke mit Buchholzschnitten 1480-1500, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens II, 1958, S. 1-129;
    J. P. Filedt Kok, Livelier than Life: the Master of the Amsterdam Cabinet or the Housebook Master, Ausst.kat. Amsterdam 1985, S. 17-20, 49-60, 274 f., 278-84;
    D. Hess, Meister um d., ma. Hausbuch', Stud. z. Hausbuchmeisterfrage, 1994, S. 35-37, 58-67;
    ThB (unter Reeuwich);
    Dict. of Art.

  • Autor/in

    Peter Prange
  • Empfohlene Zitierweise

    Prange, Peter, "Reuwich, Erhard" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 474 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11859897X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rewich: Erhard R. (auch Reuwich, Renwich. Rewig genannt), hervorragender Maler. Formschneider und Buchdrucker, war aus Utrecht gebürtig. Als im J. 1483 Bernhard v. Breydenbach (s. A. D. B. III, 285) mit dem Grafen zu Solms und Ritter Philipp v. Bicken eine Reise nach Palästina und Aegypten unternahm, begleitete diese drei Pilger R. auf Kosten Breydenbach's, um Städteansichten, Trachten. Thiere und Pflanzen abzumalen und später in Holz zu schneiden. Im J. 1484 kehrte die Gesellschaft nach Mainz zurück, wo Breydenbach unter seinem Namen ein Werk über ihre Reise, die erste gedruckte Reisebeschreibung, vorbereitete. R. hatte unterdessen seine Bilder in Holz geschnitten, die Holzschnitte vermuthlich auch selbst illuminirt, und erwarb nun von Peter Schöffer einen größeren Vorrath von Lettern, der ihm jedenfalls auch die Presse dazu aufstellte. Das Werk erschien dann 1486 zuerst in lateinischer|Sprache unter dem Titel: „Opusculum sanctarum Peregrinationum ad sepulcrnm Christi in Jierusalem“ und einige Monate später auch in deutscher Sprache. Wie aus diesem „B. v. Breydenbach's keylige reyssen gen Iherusalem“ hervorgeht, war es R., „der all dis gemelt in diesem buch hat gemalet, vnd die Druckerey in seinem huß volfuret“, auch findet sich am Schlusse Rewich's Firma als Drucker. Das Buch ist mit der ersten rein deutschen Schrift, der sogenannten „Schwabacher“, gedruckt, die Schöffer zum erstenmale in dem Werk „Johannes v. Cuba: Hortus sanitatis vff teutsch eyn gart der gesundheit“ 1485 angewendet hat. Wie dieses Buch sehr schöne Holzschnitte enthält, deren Hersteller wahrscheinlich R. war, so ist auch das Reisewerk Breydenbach's durch die vielen Holzschnitte von R., die eine für jene Zeit ungewöhnliche technische Leistung genannt werden müssen, ganz besonders werthvoll. Das Werk erregte damals solches Aufsehen, daß bald darauf Uebersetzungen in die französische, spanische und niederländische Sprache nöthig wurden, an welchen R. neben der lateinischen und deutschen Ausgabe auch jene in holländischer Sprache unter dem Titel: „Die heylighe beuaerden tot dat heylighe grafft in iherusalem“ druckte, und zwar in dem gleichen Jahre 1488, in dem auch Anton Sorg zu Augsburg die deutsche Ausgabe nachdruckte. Aus der Stadtbibliothek zu Elbing befindet sich noch eine andere deutsche Ausgabe mit ausführlicherem Titel und ohne Druckort, Firma und Jahreszahl, es scheint demnach noch von anderer Seite nachgedruckt worden zu sein, wie dies auch 1487 von Prüß in Straßburg geschehen ist. Da außer diesen drei Ausgaben der Breydenbach'schen Reise ein anderer Druck Rewich's nicht bekannt ist, nimmt man an, daß er die Lettern von Schöffer nur entliehen hat, die Herstellung aber jedenfalls „in seinem Haus zu Mainz“ vornehmen ließ. Ueber eine anderweitige Thätigkeit, sowie über seine Lebensverhältnisse ist nichts bekannt.

    • Literatur

      Nagler, Künstlerlexikon XIII, S. 55. — Zapf, Geschichte S. 94 ff. —
      Schaab, Geschichte I, S. 530, 632; III, S. 422. —
      Faulmann, Geschichte S. 172, 203, 207, 220. —
      Lorck, Geschichte S. 41. —
      Falkenstein. Gesch. S. 149. —
      Kapp, Geschichte S. 78. —
      Klemm. Katalog S. 32, 33, 429. —
      Passavant, Peintregraveur I, S. 63. —
      Naumann. Archiv III. S. 221. —
      Serapeum 1842, S. 56 ff., 65 ff., 81 ff.; 1861. S. 231. —
      Panzer, Annalen I, S. 63, 64. —
      Rumohr, Formschneidekunst S. 77. — Lempertz, Beiträge I. u. s. w.

  • Autor/in

    J. Braun.
  • Empfohlene Zitierweise

    Braun, J., "Reuwich, Erhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 347-348 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11859897X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA