Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Adelsfamilie
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119187434 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Revetlo, Grafen zu
  • Revetlou
  • Reventlou
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Orte

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Zitierweise

Reventlow, Grafen zu, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119187434.html [18.09.2019].

CC0

  • Leben

    Mit hoher Wahrscheinlichkeit war die später in mehrere Zweige aufgeteilte Familie zunächst in Dithmarschen ansässig. Anfang des 13. Jh. sind die R. in Ostholstein nachweisbar, wo sie zu den Adligen zählten, die an der|Ostsiedlung teilnahmen und von den Holsteiner Grafen mit beträchtlichem grundherrschaftlichen Besitz belehnt wurden. Die Besitzungen der zu den „Originarii“ (18. Jh.) zählenden R.s lagen südlich des Selenter Sees. Von dem 1223-47 urkundlich bezeugten Ritter Gottschalk (Godescalcus de Revetlo) leitet sich die holstein. Linie der R. her, die u. a. mit Hartwig ( um 1350), einem engen Gefolgsmann Gf. Gerhards III. v. Holstein, für die gfl. Machtentfaltung eine wichtige Rolle spielten. Um die Wende zur Neuzeit traten zwei Brüder besonders hervor: Detlev (um 1485–1536, s. ADB V; Gatz III), letzter kath. Bischof von Lübeck, konnte dank seiner engen Bindung an Kg. Christian III. von Dänemark auch nach der Reformation das Kirchengut bewahren. 1535 setzte er in Eutin die ersten ev. Prediger ein. Sein Bruder Iven (um 1495–1569) vertrat als Landmarschall die Interessen der Ritterschaft. Als er die dynastische Landesteilung 1544 nicht zu verhindern vermochte, brach er mit Kg. Christian III. und trat in die Dienste von dessen Bruder, Hzg. Hans. Ein Vetter der beiden Brüder war der wissenschaftlich gelehrte Lüder (um 1470-um 1547), der ein unstetes Leben führte und zuletzt Astrologe am Hof Ks. Karls V. war. Letzter männlicher Vertreter der holstein. Linie war der Landrat Detlev (1698–1783), Amtmann von Husum und Oberstaller von Eiderstedt.

    Der Begründer der mecklenburg. Linie, Ritter Detlev (erw. 1236-61) war vielleicht ein Bruder des Ritters Gottschalk (s. o.). Von Detlevs Nachfahren Henning (erw. 1494-1558) stammen die heute lebenden R. ab. Sein Enkel Henning (1551–1624) trat als erster mecklenburg. R. in den Dienst der dän. Könige. Mit seinem Sohn Detlev (1600–64) wurde diese Linie durch Erwerb der Güter Futterkamp und Neudorf wieder in Holstein ansässig. Während des 30jährigen Kriegs war er außenpolitischer Berater und Diplomat für Hzg. Friedrich III. von Gottorf, dann für Kg. Christian IV. von Dänemark und verhandelte als dessen Dt. Kanzler erfolgreich über die Erbfrage in Oldenburg und Delmenhorst. Von seinen Söhnen traten vier in der Dienst der dän. Könige, Henning (1640–1705) als Amtmann, die jüngeren Friedrich (1649–1728) und Detlev (1654–1701) als Landräte. Conrad (1644–1708) wurde 1673 in den erblichen Grafenstand erhoben und leitete seit 1699 als Großkanzler die Dän. Kanzlei in Kopenhagen. Er besaß mehrere Güter in Schleswig-Holstein und Dänemark; sein Gut auf Sundewitt in Nordschleswig wurde 1685 zur Lehnsgrafschaft Reventlow erhoben.

    Es waren in erster Linie die Nachkommen von Henning und Conrad, die im dän. Gesamtstaat des 18. und 19. Jh. bedeutende Positionen einnahmen: Ein Enkel des Erstgenannten war Detlev (1712–83), Erzieher Kg. Christians VII., 1763 dessen Oberhofmeister und 1767 in den dän. Lehnsgrafenstand erhoben. Seit 1773 bekleidete er das Amt des Kurators der Univ. Kiel, deren Ausbau er, unterstützt von seinem Gönner Andreas Peter Bernstorff, betrieb. Sein Sohn Cay (1753–1834), auf Altenhof, leitete 1797-1802 als Nachfolger seines Schwiegervaters A. P. Bernstorff die Dt. Kanzlei und damit die dän. Außenpolitik. Der zweite Sohn Fritz (1755–1828, s. ADB 28) gestaltete zusammen mit seiner Frau Julia geb. Schimmelmann (1763–1816, s. Kosch, Lit.-Lex.3), sein Gut Emkendorf zu einem renommierten geistig-kulturellen Zentrum mit orthodox luth., antiaufklärerischer Ausrichtung. Gegenüber der Krone verfocht er die überlieferten Rechte der Ritterschaft. Die jüngeren Söhne Detlevs, Christian (1759–1819) und Heinrich (1763–1848), machten als dän. Offiziere Karriere.

    Cay R.s Sohn Eugen (1798–1885), 1828-46 dän. Gesandter in Berlin, wurde nach der Einverleibung Schleswig-Holsteins in Preußen 1867 zum Mitglied des Herrenhauses ernannt. Sein Bruder Theodor (1801–73), auf Jersbek, leitete 1848/49 während der schleswig-holstein. Erhebung die Gemeinsame Regierung der Herzogtümer. Heinrichs Sohn Friedrich Reventlou (1797–1874, s. ADB 28) machte sich im nationalen Konflikt um das Hzgt. Schleswig den Rechtsstandpunkt der dt. Schleswig-Holsteiner zu eigen, zu deren politischer Führung er gehörte. 1848 war er Mitglied der Provisorischen Regierung und 1849-51 mit Wilhelm Beseler Statthalter in den Herzogtümern. Sein Bruder Ernst (1799–1873) war 1848-51 in diplomatischen Missionen für die Herzogtümer tätig. 1867 ernannte ihn Kg. Wilhelm I. ebenfalls zum Mitglied des preuß. Herrenhauses. Friedrichs Sohn Kurt Gf.Graf v.von Reventlou (1834–1914), seit 1867 Landrat v. Guben, kehrte 1877 in seine Heimat zurück, wurde 1888 Landtagsmarschall und 1889 erster Vorsitzender des Landtags und des Provinzialausschusses; kraft Amtes gehörte er seit 1890 dem preuß. Herrenhaus an (s. Biogr. Hdb. Preuß. Abg.-haus;DBJ I, Tl.).

    Fritz, auf Emkendorf, dessen Ehen kinderlos blieben, adoptierte 1815 zwei Neffen seiner ersten Frau Julia; sie wurden als Grafen Reventlow-Criminil in den Grafenstand erhoben. Joseph R.-C. (1797–1850), 1842-46 enger Berater Kg. Christians VIII., stieg zum Präsidenten der Schleswig-Holsteinisch-Lauenburg. Kanzlei auf, verlor aber bald das Vertrauen des Monarchen. Sein Bruder Heinrich R.-C. (1798–1869), 1842-48 dän. Außenminister, hielt dagegen am Ziel fest, den Gesamtstaat zu erhalten.

    In der dän. Geschichte spielten die Nachkommen des Großkanzlers Conrad (1644–1708) eine bedeutsame Rolle. Seine jüngste Tochter Anne Sophie (1693–1743) wurde die zweite Frau Kg. Friedrichs IV. (1671–1730, s. NDB V). Sein Sohn Christian Detlev (1671–1738) war Begründer der Gfsch. Christiansborg/Christianssæde (Lolland) sowie der Baronie Brahetrolleborg (Fünen). Sein Enkel Christian Detlev (1748–1827) reformierte als Geh. Staatsminister und Präsident der Rentekammer das dän. Forstwesen und gestaltete die Agrarreformen, namentlich die Bauernbefreiung. Sein Bruder Ludwig (1751–1801) ordnete das Schulwesen in Dänemark neu.

    Nachkommen des Rentekammerpräsidenten traten in Schleswig-Holstein politisch hervor, so die Enkel Arthur (1817–78) als Offizier und Beamter, und Ludwig (1824–93), zunächst als Anhänger des Herzogs v. Augustenburg, dann als preußenfreundlicher Landrat des Kr. Husum. Dessen Sohn Ludwig (1864–1906, s. BJ 11, Tl.) setzte sich zunächst für die Sozialisten, dann für die wirtschaftlichen Ansprüche der dt. Landwirte ein. Seine Geschwister waren Ernst (1869–1943, s. 1) und Fanny (gen. Franziska) (1871-1918, s. 2). Ihr Sohn aus erster Ehe Rolf (1897–1981, s. BHdE I) mußte 1933 emigrieren, nahm am span. Bürgerkrieg teil und kehrte 1953 nach Deutschland zurück.

  • Literatur

    L. Gf. zu Reventlow, Das Geschl. d. R., in: Zs. d. Ges. f. Schleswig-Holstein. Gesch. 22, 1892, S. 1-158;
    L. Bobé (Hg.), Efterladte Papirer fra den Reventlowske Familiekreds i Tidsrummet 1770-1827, 10 Bde., 1895-1931;
    W. Klüver, Die R. in d. Gesch. Schleswig-Holsteins, in: Nordelbingen 26, 1958, S. 210-17;
    H. v. Rumohr, Über d. holstein. Uradel, Die sog. Originarii, in: Dat se bliven ewich tosamende ungedelt, FS d. Schleswig-Holstein. Ritterschaft, 1960, S. 118-24;
    Danmarks Adels Årbog 1939, T. 2, S. 1-92;
    Dansk Leks. 19, S. 417-70;
    Dansk Leks.312, S. 159-88;
    GHdA Gfl. Häuser A 2, 1953, S. 354-63;
    Biogr. Lex. Schleswig-Holstein VII, 1985, S. 190-252;
    GHdA Adelslex. XI, 2001, S. 353-56.

  • Autor/in

    Manfred Jessen-Klingenberg
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Jessen-Klingenberg, Manfred, "Reventlow, Grafen zu" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 474-76 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119187434.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA