Lebensdaten
1879 – 1966
Geburtsort
Glatz (Schlesien, heute Kłodzko, Polen)
Sterbeort
Schmalenbeck (Großhansdorf, Holstein)
Beruf/Funktion
Anthropologe ; Ethnologe
Konfession
evangelisch-uniert, später Mitglied der Deutschen Glaubensbewegung
Normdaten
GND: 118598791 | OGND | VIAF: 119847648
Namensvarianten
  • Reche, Karl Otto
  • Reche, Otto
  • Reche, Karl Otto
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Reche, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598791.html [24.06.2024].

CC0

  • Otto Reche wirkte als Anthropologe und Ethnologe in leitender Position an der Universität Wien und von 1927 bis 1945 an der Universität Leipzig. Völkisch-national orientiert, stellte er seit 1933 seine „rassenkundliche“ Forschung in den Dienst des NS-Regimes. Der von ihm 1925/26 entwickelte anthropologische Vaterschaftsnachweis wurde im „Dritten Reich“ zur Erstellung von Abstammungsgutachten bzw. „Ariernachweisen“ herangezogen.

    Lebensdaten

    Geboren am 24. Mai 1879 in Glatz (Schlesien, heute Kłodzko, Polen)
    Gestorben am 23. März 1966 in Schmalenbeck (Großhansdorf, Holstein)
    Grabstätte Friedhof in Schmalenbeck
    Konfession evangelisch-uniert, später Mitglied der Deutschen Glaubensbewegung
    Otto Reche, BArch / Bildarchiv (InC)
    Otto Reche, BArch / Bildarchiv (InC)
  • Lebenslauf

    24. Mai 1879 - Glatz (Schlesien, heute Kłodzko, Polen)

    1887 - 1901 - Breslau (Schlesien, heute Wrocław, Polen)

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    König-Wilhelm-Gymnasium

    1901 - 1902 - Breslau

    Studium der Medizin (ohne Abschluss)

    Universität

    Frühjahr 1902 - Herbst 1902 - Jena

    Studium u. a. der Geologie, Paläontologie und Zoologie

    Universität

    1902 - 1904 - Breslau

    Studium der Naturwissenschaften

    Universität

    Juli 1904 - Dezember 1904 - Breslau

    Volontär; Hilfsarbeiter

    Schlesisches Museum für Altertümer

    Dezember 1904 - Breslau

    Promotion (Dr. phil.)

    Universität

    April 1905 - Juni 1906 - Berlin

    Volontär in der prähistorischen und afrikanisch-ozeanischen Abteilung

    Museum für Völkerkunde

    Juli 1906 - April 1908 - Hamburg

    wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in der anthropologischen Abteilung; Dozent

    Museum für Völkerkunde (heute Museum am Rothenbaum)

    Mai 1908 - September 1909 - Neuguinea; Melanesien

    Teilnehmer

    Südsee-Expedition der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung

    Ende 1909 - 1919 - Hamburg

    Dozent

    Hamburgisches Kolonialinstitut

    Oktober 1910 - Juni 1924 - Hamburg

    Leiter der Afrika-Abteilung (Juni 1911 Verbeamtung als Kustos)

    Museum für Völkerkunde

    April 1911 - September 1918 - Hamburg

    wissenschaftlicher Assistent

    Museum für Völkerkunde

    ca. 1913

    Mitglied

    Alldeutscher Verband

    Juli 1914 - Oktober 1917 - Ostfront

    Kriegsdienst (Januar 1915 Oberleutnant, Juni 1917 Hauptmann der Landwehrinfanterie)

    Oktober 1918 - Hamburg

    nichtplanmäßiger außerordentlicher Professor für Anthropologie und Ethnologie

    Universität

    November 1919 - Hamburg

    Habilitation für Ethnologie und Anthropologie

    Universität

    1919

    Mitglied

    Deutschnationale Volkspartei

    Juni 1921

    Mitgründer

    Bund völkischer Lehrer Deutschlands

    September 1924 - August 1927 - Wien

    ordentlicher Professor für Anthropologie und Ethnologie; Direktor des Anthropologisch-ethnographischen Instituts

    Universität

    1924 - 1927 - Wien

    Dozent für Kriminalanthropologie

    Kriminalistisches Institut der Polizeidirektion

    1926 - Wien

    Mitgründer

    Deutsche Gesellschaft für Blutgruppenforschung

    September 1927 - Mai 1945 - Leipzig

    ordentlicher Professor für Anthropologie und Ethnologie; Direktor des Anthropologisch-ethnologischen Instituts (seit 1933 Institut für Rassen- und Völkerkunde)

    Universität

    1927 - 1936 - Leipzig

    Direktor (bis zur Auflösung der Forschungsinstitute)

    Staatlich sächsisches Forschungs-Institut für Völkerkunde

    Juni 1934 - 1945

    Mitglied

    Nationalsozialistischer Lehrerbund

    1.5.1937 - 1945

    Mitglied (beantragt am 10.6.1937)

    NSDAP

    Juni 1945 - November 1946 - Ludwigsburg; Kornwestheim (Württemberg)

    US-amerikanische Gefangenschaft

    Internierungslager

    15.4.1948 - Hamburg

    Einstufung als „unbelastet“ (Kategorie V)

    Fachausschuss für die Ausschaltung von Nationalsozialisten, Hochschulabteilung Hamburg

    Anfang der 1950er Jahre - Hamburg

    Sachverständiger für anthropologisch-erbbiologische Vaterschaftsgutachten

    1.4.1958 - Hamburg

    entpflichteter Hochschullehrer

    Universität

    23. März 1966 - Schmalenbeck (Großhansdorf, Holstein)
  • Genealogie

    Vater Paul Gustav Reche 1848–1938 Dr. phil.; Apotheker, 1877–1884 Inhaber der „Mohrenapotheke“ in Glatz (Schlesien, heute Kłodzko, Polen)
    Großvater väterlicherseits Carl Robert Julius Reche 1807–1881 Apothekenbesitzer in Gleiwitz (Schlesien, heute Gliwice, Polen)
    Großmutter väterlicherseits Ida Mathilde Reche, geb. Kopisch 1808–1860
    Mutter Johanna Frederike Luise Reche, geb. Seyffert 1850–1925
    Großvater mütterlicherseits Otto Theodor Seyffert 1819–1894 Ingenieur; Fabrikdirektor in Magdeburg, Schladen (Harz), Ilsenburg (Harz) und St. Petersburg
    Großmutter mütterlicherseits Friederike Luise Seyffert, geb. Reiff 1824–1898
    Bruder Waldemar Reche 1881–1958 Verwaltungsjurist; 1914–1934 Bürgermeister in Kreuzburg (Schlesien, heute Kluczbork, Polen); 1934–1945 zweiter Bürgermeister, Stadtkämmerer, dann Oberbürgermeister in Brieg (Schlesien, heute Brzeg, Polen)
    Neffe Roland Reche 1922–2017 Ehrenbürger und ehemaliger Stadtvorsteher von Plön; Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Kiel e. V.
    1. Heirat 27.3.1911 in Hamburg
    Ehefrau Margarethe Anna Emilie Reche, geb. Wehmeyer 1885–1946
    Schwiegervater Albert Friedrich Wehmeyer 1850–1918 Kaffee-Import-Kaufmann in Hamburg
    Schwiegermutter Anna Wehmeyer, geb. Marquardt 1859–1942
    Tochter Hertha Irmgard Reche 1911–1997
    Tochter Ilse Hildegunt Reche geb. 1918
    Sohn Siegfried Reche 1921–1921
    Sohn Otto ReinhartWaldemarFranz Reche geb. 1924
    2. Heirat 10.2.1951 in Ahrensbök (Holstein)
    Ehefrau Hildegard Reche, geb. Eschenburg geb. 1904
    Schwiegervater Johann Georg Gustav Eschenburg geb. 1874 Holz-Import-Kaufmann in Lübeck
    Schwiegermutter Mathilde Eschenburg, geb. Buck 1880–1954
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Reche, Otto (1879 – 1966)

    • Vater

      Paul Reche

      1848–1938

      Dr. phil.; Apotheker, 1877–1884 Inhaber der „Mohrenapotheke“ in Glatz (Schlesien, heute Kłodzko, Polen)

      • Großvater väterlicherseits

        Carl Reche

        1807–1881

        Apothekenbesitzer in Gleiwitz (Schlesien, heute Gliwice, Polen)

      • Großmutter väterlicherseits

        Ida Reche

        1808–1860

    • Mutter

      Luise Reche

      1850–1925

      • Großvater mütterlicherseits

        Otto Seyffert

        1819–1894

        Ingenieur; Fabrikdirektor in Magdeburg, Schladen (Harz), Ilsenburg (Harz) und St.·Petersburg

      • Großmutter mütterlicherseits

        Friederike Seyffert

        1824–1898

    • Bruder

      Waldemar Reche

      1881–1958

      Verwaltungsjurist; 1914–1934 Bürgermeister in Kreuzburg (Schlesien, heute Kluczbork, Polen); 1934–1945 zweiter Bürgermeister, Stadtkämmerer, dann Oberbürgermeister in Brieg (Schlesien, heute Brzeg, Polen)

    • 1.·Heirat

      in

      Hamburg

      • Ehefrau

        Margarethe Reche

        1885–1946

    • 2.·Heirat

      in

      Ahrensbök (Holstein)

      • Ehefrau

        Margarethe Reche

        1885–1946

  • Biografie

    Reche besuchte seit 1887 das König-Wilhelm-Gymnasium in Breslau (Schlesien, heute Wrocław, Polen), wo er 1901 das Abitur ablegte, um anschließend hier und in Jena v. a. Paläontologie, Geologie, Frühgeschichte und Zoologie zu studieren. Seine prägenden Lehrer waren der Zoologe Ernst Haeckel (1834–1919) sowie der Professor für Anthropologie und Ethnologie Georg Thilenius (1868–1937), der Reches weitere Karriere förderte. Während eines Volontariats am Schlesischen Museum für Altertümer und Kunstgewerbe unter dem Prähistoriker Hans Seger (1864–1943) verfasste Reche 1904 seine Dissertation „Über Form und Funktion der Halswirbelsäule der Wale”, mit der er bei Willy Kükenthal (1861–1922) zum Dr. phil. promoviert wurde und die er in der „Jenaischen Zeitung für Naturwissenschaft“ veröffentlichte.

    Seit April 1905 Volontärassistent am Berliner Museum für Völkerkunde unter Felix von Luschan (1854–1924), wechselte Reche im Juli 1906 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an das von Thilenius geleitete Museum für Völkerkunde in Hamburg. 1908/09 nahm er an der Südsee-Expedition der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung nach Neuguinea und Melanesien teil, bei der er sich neben geologischen und geografischen Studien der Untersuchung menschlicher Überreste widmete. Zahlreiche dieser Überreste, v. a. mehrere hundert Schädel, eignete sich Reche an und brachte sie nach Hamburg. Er war davon überzeugt, aus Schädeln eine „Rassenzugehörigkeit“ sowie Charakteristika der jeweiligen „Rasse“, ihre soziale Stellung und historische Abläufe ableiten zu können. Auf der Grundlage derartiger Untersuchungen in Zentraleuropa wollte er Gebietsansprüche des Deutschen Reichs legitimieren. Seit Ende 1909 gab Reche Vorlesungen in Anthropologie und Ethnologie am Kolonialinstitut in Hamburg und übernahm im Oktober 1910 am Museum für Völkerkunde die Leitung der Afrika-Abteilung.

    Seit ca. 1913 Mitglied des Alldeutschen Verbands, leistete Reche von August 1914 bis Herbst 1917 Kriegsdienst als Frontsoldat. Danach führte er im Auftrag von Luschan anthropologische Untersuchungen in einem Kriegsgefangenenlager bei Güstrow (Mecklenburg) durch. Dies war Teil einer größer angelegten anthropologischen Erhebung unter Kriegsgefangenen, von der sich Luschan erhoffte, Zusammenhänge zwischen menschlichen Bevölkerungsgruppen aufdecken zu können. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs engagierte sich Reche in völkisch-nationalistischen Gruppierungen, u. a. in dem von Hermann Ehrhardt (1881–1971) gegründeten Bund Wiking. Im November 1919 wurde Reche auf Empfehlung von Thilenius an der Universität Hamburg für Ethnologie und Anthropologie habilitiert. Im September 1924 zum ordentlichen Professor für Anthropologie und Ethnologie und Direktor des Anthropologisch-ethnographischen Instituts der Universität Wien berufen, gründete Reche im selben Jahr mit dem Anthropologen Gustav Kraitschek (1870–1927) die Wiener Gesellschaft für Rassenpflege, deren Vorstand er bis 1927 war. Anschließend fungierte er als Ehrenvorsitzender und plädierte in diesen Funktionen für eine Eugenik auf „rassischer“ Grundlage. Beeinflusst u. a. durch die Schriften Ludwig Wilsers (1850–1923) und Ludwig Woltmanns (1871–1907), dessen Werk er 1936 postum herausgab, war Reche zufolge jede „Rasse“ mit relativ konstanten physischen und mit psychischen Eigenschaften ausgestattet, die durch „Rassenmischung“ gefährdet würden. Charakter und Lebensstil waren für ihn besonders wichtige „rassische“ Merkmale.

    1927 folgte Reche einem Ruf als ordentlicher Professor für Anthropologie und Ethnologie an die Universität Leipzig, wo er die Leitung des Ethnographischen Seminars übernahm, das er umgehend in Anthropologisch-ethnologisches Institut und 1933 in Institut für Rassen- und Völkerkunde umbenennen ließ. Reche war von 1927 bis 1936 zudem Direktor des Staatlich-Sächsischen Forschungsinstituts für Völkerkunde sowie 1932 Gründungsmitglied und erster Vorsitzender der Ortsgruppe Leipzig der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme trat er u. a. der NS-Kulturgemeinde, der NS-Volkswohlfahrt und dem NS-Lehrerbund bei, im Juni 1937 wurde er – mit rückwirkender Datierung auf den 1. Mai – Mitglied der NSDAP.

    Erstmals 1926 stellte Reche in der „Österreichischen Richterzeitung“ eine Methode zur Erstellung anthropologisch-erbbiologischer Abstammungs- und Identitätsgutachten vor, für das neben den Blutgruppen auch äußerliche körperliche Merkmale berücksichtigt wurden. 1934 wies er u. a. den „Sachverständigen für Rassenforschung“ im Reichsministerium des Innern, Achim Gercke (1902–1997), darauf hin, dass seine Methode in erweiterter Form für die vom NS-Regime eingeforderten „Ariernachweise“ verwendet werden könne. Im Auftrag des „Sachverständigen für Rassenforschung“, seit 1935 der Reichsstelle für Sippenforschung, erstellte das Leipziger Institut für Rassen- und Völkerkunde neben anderen vom Reichsjustizministerium benannten Instituten entsprechende „rassenkundliche“ Abstammungsgutachten. Seit 1936 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, veranlasste Reche deren Umbenennung zu Deutsche Gesellschaft für Rassenforschung und forcierte die Zusammenarbeit mit dem von Walter Groß (1904–1945) geführten Rassenpolitischen Amt der NSDAP. Als Vorstandsmitglied des Reichsbunds für Biologie stand er zudem in enger Verbindung mit der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe der SS.

    Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs warb Reche u. a. über das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und Reichsminister Rudolf Heß (1894–1987) für seine Mitwirkung bei der „Umvolkung“ und „Germanisierung“ in den von Deutschland besetzten Ostgebieten. Ende September 1939 legte er dem Historiker und führenden Vertreter der NS-Ostforschung, Albert Brackmann (1871–1952), „Leitsätze zur bevölkerungspolitischen Sicherung des deutschen Ostens“ vor, die dieser an das Reichsministerium des Innern weitergab. Darin forderte Reche die Vertreibung der in den annektierten Gebieten lebenden Juden, „Zigeuner“ und ihrer „Mischlinge“ sowie großer Teile der polnischen Bevölkerung, an deren Stelle v. a. „Auslandsdeutsche“ aus der Ukraine und dem Kaukasus angesiedelt werden sollten.

    Nach Kriegsende befand sich Reche von Juni 1945 bis November 1946 in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft und wurde am 15. April 1948 in seinem Entnazifizierungsverfahren als „unbelastet“ (Kategorie V) eingestuft. Kurz darauf wurde er als Sachverständiger für anthropologisch-erbbiologische Vaterschaftsgutachten in Hamburg tätig. Als Gutachter in dem Prozess um die Fabrikarbeiterin Anna Anderson (1896–1984) bestätigte er 1961 fälschlicherweise ihre Behauptung, sie sei die überlebende russische Zarentochter Anastasia (1902–1918). Bis kurz vor seinem Tod publizierte Reche mehrere Schriften, u. a., „Nova Britannia“ (1954) in der Reihe „Ergebnisse der Südsee-Expedition 1908–1910“. In den meisten seiner Veröffentlichungen nach 1945 widmete er sich dem anthropologisch-erbbiologischen Abstammungs- und Identitätsgutachten.

  • Auszeichnungen

    1905 Mitglied der Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Berlin
    1924–1927 Vizepräsident der Anthropologischen Gesellschaft, Wien (1959 Ehrenmitglied)
    1924 Gründungsmitglied der Gesellschaft für Rassenpflege (Rassenhygiene), Wien (1924–1927 1. Vorsitzender; seit 1927 Ehrenvorsitzender)
    1925 Vizepräsident des Deutschen Clubs, Wien
    1926 Gründungsmitglied und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Blutgruppenforschung
    1926 Ehrenvorsitzender des Instituts für Deutsches Wissen des Kulturamts des Kreises VIII der Deutschen Studentenschaft
    1928 Beiratsmitglied der Stiftung für Volks- und Kulturbodenforschung, Leipzig
    1929 Mitglied der Gesellschaft für Völkerkunde (seit 1938 Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde, heute Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie) (1934 vorübergehend ausgetreten)
    1932 Gründungsmitglied und 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Eugenik (Ortsgruppe Leipzig) der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene
    1934 1. Vorsitzender der Gesellschaft für physische Anthropologie, (seit 1936 2. Vorsitzender; 1937 Umbenennung in Deutsche Gesellschaft für Rassenforschung)
    1939 Vorstandsmitglied des Reichsbunds für Biologie (seit 1939 an die Forschungsstätte für Biologie im SS-Ahnenerbe angegliedert)
    1942 Mitglied des Reichsbunds Deutsche Familie
    1942 Beirats-Mitglied der Ernst-Haeckel-Gesellschaft, Jena
    1944 Ehrenmitglied der Medizinischen Gesellschaft, Wien
    1958 Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie
    1965 Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse
  • Quellen

    Nachlass:

    Museum am Rothenbaum, Hamburg. (weiterführende Informationen)

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, R 4901/13 274 (Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung); R 9 361-II/1046 769 (Personenbezogene Unterlagen der NSDAP / Parteikorrespondenz); R 73/13 816 (Deutsche Forschungsgemeinschaft).

    Staatsarchiv Hamburg; 361-6 IV 1435. (Personalakte)

    Universitätsarchiv Wien; PH PA 2982. (Personalakte)

    Universitätsarchiv Leipzig; PA 831 (Personalakte); Ethnologie (Bestand des ehemaligen Archivs des Instituts für Ethnologie).

  • Werke

    Monografien und Broschüren:

    Der Kaiserin-Augusta-Fluß. Ergebnisse der Südsee-Expedition 1908–1910 der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung, 1913, Nachdr. 2009.

    Zur Ethnographie des abflußlosen Gebietes Deutsch-Ostafrikas. Auf Grund der Sammlung der Ostafrika-Expedition (Dr. E. Obst) der Geographischen Gesellschaft in Hamburg, 1914.

    Das abia-Glücksspiel der Jaunde und die Darstellungen auf den Spielmarken, 1924.

    Die Bedeutung der Rassenpflege für die Zukunft unseres Volkes, 1925, Nachdr. 1938.

    Johann Nestler/Otto Reche, Das frühneolithische Skelett von Groß-Tinz in Schlesien, 1933.

    Die Rassen des deutschen Volkes. Zugleich Erläuterung zu den Wandtafeln „Bilder deutscher Rassen“, 1933.

    Kaiser Karls Gesetz. Zur politischen und religiösen Unterwerfung Sachsens, 1935, Nachdr. 1982.

    Rasse und Heimat der Indogermanen, 1936.

    Die Rassenmischung beim Menschen, 1936.

    Verbreitung der Menschenrassen, 1938.

    Nova Britannia. Ergebnisse der Südsee-Expedition 1908–1910 der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung, Bd. 2, 1954.

    Aufsätze und Artikel:

    Über Form und Funktion der Halswirbelsäule der Wale, in: Jenaische Zeitung für Naturwissenschaft 40 (1905), S. 149–252. (Diss. phil.)

    Längen-Breiten-Index und Schädellänge, in: Archiv für Anthropologie N. F. 10 (1911), S. 74–90.

    Rasse und Sprache, in: Archiv für Anthropologie N. F. 18 (1921), S. 208–218.

    Die Menschenrassen der Gegenwart, in: Karl Kraepelin, Einführung in die Biologie. Zum Gebrauch an höheren Schulen und zum Selbstunterricht, 5. verb. Aufl. bearb. v. Cäsar Schäffer, 1921, S. 311–327.

    Anthropologische Beweisführung in Vaterschaftsprozessen, in: Österreichische Richterzeitung 19 (1926), S. 157–159.

    Das rassische Werden des deutschen Volkes im Lauf der Jahrtausende, in: Zeitschrift für Volksaufartung und Erbkunde 2 (1927), S. 38–41 u. 52–57.

    Blutgruppen und Rassenforschung, in: Vorträge des Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien 67 (1927), S. 21–29.

    Natur- und Kulturgeschichte des Menschen in ihren gegenseitigen Beziehungen, in: Volk und Rasse 3 (1928), S. 65–81.

    Zur Rassenkunde einiger Völker am oberen Nil, in: Hugo Adolf Bernatzik (Hg.), Zwischen weissem Nil und Belgisch-Kongo, 1929, S. 99–123.

    Die Schädel aus der Ancylus-Zeit vom Pritzerber See und ihre Beziehungen zu den steinzeitlichen Rassen Europas, in: Archiv für Anthropologie 49 (1930), S. 122–190.

    Blut und Rasse, in: Charlotte Köhn-Behrens, Was ist Rasse? Gespräch mit den größten deutschen Forschern der Gegenwart, 1934, S. 95–102.

    Entstehung des Menschen und seiner Rassen, in: Ernst Wegner (Hg.), Rassenhygiene für Jedermann, 21935, S. 11–29.

    Das Rassebild des deutschen Volkes, in: ebd., S. 30–43.

    Rasse und Kultur, in: ebd., S. 44–57.

    Zur Geschichte des biologischen Abstammungsnachweises in Deutschland, in: Volk und Rasse 13 (1938), S. 369–375.

    Stärke und Herkunft des Anteils Nordischer Rasse bei den Westslaven, in: Hermann Aubin/Otto Brunner/Wolfgang Kohte/Johannes Papritz (Hg.), Deutsche Ostforschung. Ergebnisse und Aufgaben seit dem ersten Weltkrieg, Bd. 1, 1942, S. 58–89.

    Wolfgang Lehmann/Otto Reche, Die Genetik der Rassenbildung beim Menschen, in: Gerhard Heberer (Hg.), Die Evolution der Organismen. Ergebnisse und Probleme der Abstammungslehre, 21959, S. 1143–1191.

    Die ersten erbbiologisch-anthropologischen Abstammungsgutachten, in: Zeitschrift für Niederdeutsche Familienkunde 38 (1963), S. 73–77.

    Ahnenliste der Sippe Reche, Seyffert, Kopisch und Reiff, in: Gerhard Geßner (Hg.), Deutsches Familienarchiv. Ein genealogisches Sammelwerk, Bd. 22, 1963, S. 247–314.

    Otto Reche/Anton Rolleder, Zur Entstehungsgeschichte der ersten exakt wissenschaftlichen erbbiologisch-anthropologischen Abstammungsgutachten. Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. Eugen Fischer zum 90. Geburtstag gewidmet, in: Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie 55 (1964), S. 283–293.

    Herausgeberschaften:

    Günther Tessmann, Die Bubi auf Fernando Poo. Völkerkundliche Einzelbeschreibung eines westafrikanischen Negerstammes. 1923.

    In Memoriam Karl Weule. Beiträge zur Völkerkunde und Vorgeschichte, 1929.

    Walter Frenzel/Werner Radig/Otto Reche (Hg.), Grundriß der Vorgeschichte Sachsens, 1935.

    [Ludwig] Woltmanns Werk, 3 Bde., 1936.

    Außereuropäische Menschenrassen. Zwei farbige Schulwandtafeln mit Textheft, 1941.

    Bibliografie:

    Katja Geisenhainer, „Rasse ist Schicksal“. Otto Reche (1879–1966). Ein Leben als Anthropologe und Völkerkundler, 2002, S. 497514.

  • Literatur

    Monografien:

    Katja Geisenhainer, „Rasse ist Schicksal“. Otto Reche (1879–1966). Ein Leben als Anthropologe und Völkerkundler, 2002. (Qu, W, P)

    Aufsätze und Artikel:

    Hans Fischer, Die Hamburger Südsee-Expedition. Über Ethnographie und Kolonialismus, 1981, S. 70 f.

    Michael Burleigh, Germany Turns Eastwards. A Study of Ostforschung in the Third Reich, 1988, bes. S. 166–176.

    Georg Lilienthal, Arier oder Jude? Die Geschichte des erb- und rassenkundlichen Abstammungsgutachtens, in: Peter Propping/Heinz Schott (Hg.), Wissenschaft auf Irrwegen. Biologismus – Rassenhygiene – Eugenik, 1992, S. 66–84.

    Michael Burleigh, Die Stunde der Experten, in: Mechtild Rössler/Sabine Schleiermacher/Cordula Tollmien (Hg.), Der „Generalplan Ost“. Hauptlinien der nationalsozialistischen Planungs- und Vernichtungspolitik, 1993, S. 346–350.

    Katja Geisenhainer, Otto Reches Verhältnis zur sogenannten Rassenhygiene, in: Anthropos. Internationale Zeitschrift für Völker- und Sprachenkunde 91 (1996), S. 495–512.

    Hans Peter Kröner, Von der Vaterschaftsbestimmung zum Rassegutachten. Der erbbiologische Ähnlichkeitsvergleich als „österreichisch-deutsches Projekt“ 1926–1945, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 22 (1999), S. 257–264.

    Katja Geisenhainer, Otto Reches Rassenkunde zwischen Metaphorik und Metatheorie, in: Bernhard Streck (Hg.), Ethnologie und Nationalsozialismus, 2000, S. 83-100.

    Susanne Grunwald, Rassenkundliche Kooperation. Zur Zusammenarbeit von Otto Reche und Walter Frenzel in der Oberlausitz, in: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift 49 (2008/09), H. 4, S. 499–517.

    Katja Geisenhainer, „War in Particular Offers Exceptionally Favourable Opportunities for Surveying Foreign Racial Material“. The Effects of World Wars on Anthropologist Otto Reche’s Activities, in: Anthropological Notebook 15 (2009), S. 35–48. (Onlineressource)

    Katja Geisenhainer, Otto Reches Rassenkunde als Leitwissenschaft und Basis seines Engagements für den NS-Staat, in: Michael Fahlbusch/Ingo Haar (Hg.), Völkische Wissenschaften und Politikberatung im 20. Jahrhundert. Wissenschaftliche Expertise und Praxis, 2010, S. 199–233.

    Katja Geisenhainer, Otto Reche, in: Michael Fahlbusch/Ingo Haar/Alexander Pinwinkler (Hg.), Handbuch der völkischen Wissenschaften, 22017, Bd. 1, S. 616–620.

    Katja Geisenhainer, Institut für Rassen- und Völkerkunde der Universität Leipzig, in: Michael Fahlbusch/Ingo Haar/Alexander Pinwinkler (Hg.), Handbuch der völkischen Wissenschaften, 22017, Bd. 2, S. 1445–1454.

    Amir Teicher, Father of the Bride or the Biologization of Social Animosity in Nazi Germany, 1937–1941, in: German History 38 (2020), H. 2, S. 263–289.

    Katja Geisenhainer, „Rassenkunde“ und „Rassenhygiene“ an der Philosophischen Fakultät in Wien 1923–1938, in: Andre Gingrich/Peter Rohrbacher (Hg.), Völkerkunde zur NS-Zeit aus Wien (1938–1945). Institutionen, Praktiken und Biographie-zentrierte Netzwerke, 2021, S. 85–128.

    Katja Geisenhainer, Gescheiterte Interventionen. Otto Reche und seine Wiener Nachfolge 1926–1928, in: ebd., S. 129–152. (Onlineressource)

    Katja Geisenhainer, Auseinandersetzungen um die institutionelle Verortung von „Rassenkunde“ und „Rassenhygiene“ (1938–1945), in: ebd., S. 927–965. (Onlineressource)

    Festschrift:

    Michael Hesch/Günther Spannaus (Hg.), Kultur und Rasse. Otto Reche zum 60. Geburtstag, 1939.

    Würdigungen und Nachrufe:

    Michael Hesch, Otto Reche zum 80. Geburtstag. in: Anthropologischer Anzeiger 23 (1959), S. 91 f.

    Michael Hesch, Otto Reche, 1879–1966, in: Anthropologischer Anzeiger 30 (1966), S. 90 f.

    Josef Wastl, Otto Reche, in: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien 96/97 (1967), S. 5–9.

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Fotografien, 1882–1965, Abbildung in: Katja Geisenhainer, „Rasse ist Schicksal“. Otto Reche (1879–1966). Ein Leben als Anthropologe und Völkerkundler, 2002, S. 415–419.

    Fotografien, 1882–1962, Abbildung in: Otto Reche, Ahnenliste der Sippe Reche, Seyffert, Kopisch und Reiff, in: Gerhard Geßner (Hg.), Deutsches Familienarchiv. Ein genealogisches Sammelwerk, Bd. 22, 1963, unpaginiert (zwischen S. 256 u. 261).

    Fotografie, ca. 1927, Abbildung in: Professorenkatalog der Universität Leipzig (Onlineressource)

  • Autor/in

    Katja Geisenhainer (Frankfurt am Main)

  • Zitierweise

    Geisenhainer, Katja, „Reche, Otto“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2024, zuletzt geändert am 15.01.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118598791.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA