Lebensdaten
1890 bis 1985
Geburtsort
Überlingen/Bodensee
Sterbeort
Hohensachsen bei Heidelberg
Beruf/Funktion
Mineraloge
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118598082 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ramdohr, Paul

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Ramdohr, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598082.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit etwa 1389 in Aschersleben nachweisbarer Fam.;
    V Paul, Apotheker;
    M Louise Göbel;
    Aachen 1931 Anne Sofie, T d. Laurenz Souheur, Bergwerksdir., u. d. Sofie Wennberg;
    4 S, 1 T.

  • Leben

    Im Alter von elf Jahren kam R. nach Darmstadt, wo er 1909 das Abitur ablegte. Nach dem durch den Kriegsdienst als Frontsoldat unterbrochen Studium der Geologie und Mineralogie in Heidelberg und Göttingen, wurde er 1919 bei Otto Mügge (1858–1932) in Göttingen promoviert (Über d. blaue Kuppe b. Eschwege u. benachbarte Basaltvorkommen). 1919-21 Assistent an der TH Darmstadt, wechselte R. im Herbst 1921 an die Bergakademie Clausthal, wo er sich 1922 habilitierte. In dieser Zeit stand die Gesteinsmetamorphose im Mittelpunkt seines Interesses, darunter einige ungewöhnliche Silikatparagenesen. In Clausthal setzte sein Interesse an der Lagerstättenkunde, insbes. an der Untersuchung von Erzen im Anschliff ein, und er begann die Auflichtmethode für die Erzmikroskopie zu einem aussagekräftigen Hilfsmittel auszubauen.

    1926 folgte R. einem Ruf auf das Ordinariat für Mineralogie, Petrographie und Lagerstättenkunde an der TH Aachen. Dort begann er die Arbeit an dem Lehrbuch der Erzmikroskopie und beendete 1928 die erste, groß angelegte Studie über den Rammelsberg bei Goslar, der 1953 eine ergänzende zweite folgen sollte, die erstmals die Genese dieser komplizierten Lagerstätte beschrieb (Mineralbestand, Strukturen u. Genesis d. Rammelsberg-Lagerstätte, in: Geolog. Jb. 67, 1953, S. 367-494). Auf ausgedehnten Reisen u. a. nach Südafrika und in die USA sammelte R. eine Fülle von Material, dessen Untersuchung zu zahlreichen Veröffentlichungen führte. 1934 folgte er einem Ruf an die Univ. Berlin, wo ihm die größte mineralogische Sammlung Deutschlands zur Verfügung stand. R. untersuchte in den folgenden Jahren verschiedene skandinav. Lagerstätten. 1950 nahm er einen Ruf nach Heidelberg an (1959 em.). In diese Zeit fielen u. a. Untersuchungen zur Entstehung der Erze des Witwatersrand in Südafrika. Die Beschäftigung mit den Uranerzen des Rammelsbergs regte ihn dazu an, radioaktive Höfe und andere Einwirkungen radioaktiver Stoffe auf Mineralien zu untersuchen. Dabei sind die „Pronto-Reaktion“ (Branneritbildung) und die geologische Altersbestimmung besonders erwähnenswert.

    Nach 1959 arbeitete R. mehrmals am Geophysical Laboratory in Washington sowie an der New South Wales University in Sidney. Nun rückten erzmikroskopische Beobachtungen an Meteoriten in den Mittelpunkt, wobei ihm die zerstörungsfreie Elektronenstrahl-Mikrosonde als notwendige Ergänzung diente. Nach Heidelberg zurückgekehrt, erhielt R. einen Arbeitsplatz am Mineralogischen Institut und dann am MPI für Kernphysik, wo er zu den wenigen dt. Wissenschaftlern zählte, die Gesteinsproben vom Mond untersuchen konnten.|

  • Auszeichnungen

    Gr. BVK mit Stern; Dr. h. c. (TU Berlin 1955, TH Aachen 1960, Nancy 1968, TU Clausthal 1969, Madrid 1973); Mitgl. d. Leopoldina (1936), d. preuß. Ak. d. Wiss. (1937) u. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1951); korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. in Wien, Helsinki u. Zagreb.

  • Werke

    u. a. Lehrb. d. Erzmikroskopie (mit H. Schneiderhöhn), I/1, 1934;
    Die Erzmineralien u. ihre Verwachsungen, 1950, 41975;
    Die Uran- u. Goldlagerstätten Witwatersrand, Blind River District, Dominion Reef, Serra de Jacobina, Erzmikroskop. Unterss. u. e. geolog. Vergleich, 1958;
    Einiges über d. Opakerze in Achondriten u. Enstatitchondriten, 1964;
    Zur Mineral, d. Mondes, 1973;
    The opaque minerals in stony meteorites, 1973. – Neubearb.: W. Bruhns, Krisiallogr., 21926, 61965;
    ders., Petrogr., 21926, 71971;
    Klockmanns Lehrb. d. Mineralogie, 111936;
    161978 (mit H. Strunz);
    H. Huttenlocher, Mineral- u. Erzlagerstättenkunde, Bde. 1 u. 2, 21965.

  • Literatur

    F. Buschendorf, in: Neues Jb. f. Mineral. 94, 1960, S. 1-29 (W-Verz., P);
    Ansprachen z. 80. Geb.-tag v. P. R., in: Ruperto-Carola 22, 1970 (Beiheft);
    D. Schachner, ebd. 33, 1981, S. 98-102;
    W. Schreyer, in: Fortschritte d. Mineral. 63, 1985, S. 189-205 (W, P);
    ders., in: American Mineralogist 71, 1986, S. 839 f.;
    G. Friedrich, in: Erzmetall 43, 1990, S. 261-64;
    Pogg. VI, VIIa.

  • Portraits

    Büste v. H. Kindermann (RWTH Aachen).

  • Autor/in

    Michael Engel
  • Empfohlene Zitierweise

    Engel, Michael, "Ramdohr, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 130 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598082.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA