Lebensdaten
1881 bis 1955
Geburtsort
Zwickau (Sachsen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner ; Gebrauchskünstler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118592335 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pechstein, Hermann Max
  • Pechstein, Max
  • Pechstein, Hermann Max
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Pechstein, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592335.html [26.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Hermann (1857–1938), aus Werdau, Appretur-Arbeiter in e. Textilfabr. in Z., dann in Ekkersbach b. Z., S d. Friedrich ( vor 1879), Hufschmied in Trünzig (Sachsen), u. d. Wilhelmine Schubert ( vor 1904);
    M Pauline (Lina) (* 1858), aus Reinsdorf b. Z., T d. Carl Eduard Richter, Bergarbeiter in Bockwa, u. d. Wilhelmine Tröger;
    4 B (1 ⚔), 1 Schw;
    - 1) Berlin 1911 ( 1921) Charlotte (Lotte) Kaprolat, 2) Leba (Pommern) 1923 Mart(h)a Möller;
    1 S aus 1), 1 S aus 2).

  • Leben

    Nach einer Lehre als Dekorationsmaler in Zwickau begann P. im Oktober 1900 eine Ausbildung bei Wilhelm Kreis (1873–1955) an der Kunstgewerbeschule in Dresden.|1903-06 Meisterschüler Otto Gußmanns (1869–1926) an der Kunstakademie, entwarf er im eigenen Atelier Glasfenster, Mosaike und Wandbilder. 1906 lernte P. Erich Heckel (1883–1970) kennen und schloß sich der kurz zuvor gegründeten Künstlergemeinschaft „Brücke“ an. Der erste Holzschnitt entstand, 1907 die erste Plastik, 1908 folgten erste Lithographien und Radierungen. 1907 ermöglichte ihm der sächs. Staatspreis für Malerei, der sog. Rompreis (Glasfenster f. d. Rathaus in Eibenstock [Erzgebirge]), eine erste Reise nach Italien, wo er v. a. Fra Angelico, Giotto, etruskische und ravennatische Kunst studierte. Seit Dezember 1907 rezipierte P. in Paris neben der mittelalterlichen Baukunst die zeitgenössischen Strömungen der Fauves, Nabis und der Neoimpressionisten. Nach seiner Rückkehr nach Berlin im September 1908 wurde er 1909 Mitglied der Berliner Secession, die aber 1910 seine Bilder zurückwies. P. beteiligte sich daraufhin maßgeblich an der Gründung der Neuen Secession, deren Präsident er zeitweilig war. Während der Sommermonate 1909 und 1910 entstand im gemeinsamen Leben und Arbeiten mit Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) und Heckel an den Moritzburger Seen der typische „Brücke“-Stil: Ausgehend von van Gogh und beeinflußt von sog. primitiver Kunst suchte die „Brücke“ nach neuen Ausdrucksformen, deren wesentlicher Bedeutungsträger die Farbe war. Das mit Kirchner gegründete MUIM-Institut (Moderner Unterricht in Malerei) hatte nur kurz Bestand. Im Sommer 1912 stellte P. – entgegen der „Brücke“-Übereinkunft – als einziger in der Berliner Secession aus, was seinen Ausschluß aus der „Brücke“ zur Folge hatte. Seit 1908 lebte er im Winter in Berlin und im Sommer in Nidden, seit 1921 in Leba (Ostpommern). Finanziert von dem Galeristen Wolfgang Gurlitt (1888–1965), reiste er 1913 nach Palau im mikrones. Archipel, um dort mit den Eingeborenen ein Leben im Einklang mit der Natur zu führen; nach Ausbruch des 1. Weltkriegs geriet er in japan. Gefangenschaft und verlor fast alle Bilder aus Palau. Erst 1915 kehrte er über die Philippinen und die USA nach Deutschland zurück und leistete 1915/16 Militärdienst an der Westfront.

    Nach der Novemberrevolution gründete P. mit Georg Tappert (1880–1957) die Novembergruppe und den Arbeitsrat für Künstlerische Gestaltung und entwarf Plakate für eine sozialdemokratische Republik. Nach der Auszeichnung durch das Carnegie-Institut 1926 gestaltete er im Auftrag der deutschen Regierung Glasfenster für das Internationale Arbeitsamt in Genf, die als einzige seiner Glasentwürfe erhalten sind. 1937 wurden 326 seiner Werke als „entartet“ aus den deutschen Museen entfernt und gelten seither großenteils als verschollen. Am 6. Sept. desselben Jahres wurde P. wegen seiner prokommunistischen Haltung (Mitgl. in d. „Liga f. Menschenrechte“ u. im „Bund d. Freunde d. Sowjetunion“) aus der Akademie der Bildenden Künste in Berlin ausgeschlossen. Er zog sich bis 1945 fast völlig nach Leba zurück, wo er von Verkäufen seiner Werke im Ausland lebte. Nach Volkssturmeinsatz und Reichsarbeitsdienst geriet er mit seiner Frau kurzzeitig in russ. Kriegsgefangenschaft, bis er 1945 in sein zerstörtes Berliner Atelier zurückkehren konnte. Noch im selben Jahr wurde er wieder als Lehrer an die Hochschule der Bildenden Künste in Berlin zurückgeholt, starb jedoch, bevor eine breite Rezeption seines stark dezimierten Werkes begann.

    P., der als einziger „Brücke“-Maler aus der Arbeiterschaft kam, hatte mit neoimpressionistisch-symbolistischen Bildern (Die Quelle, 1906) neben einer vielfältigen, als Broterwerb ausgeübten Tätigkeit als Werbegraphiker begonnen. Auf der Suche nach einer neuen revolutionären, antiakademischen Kunst verzichtete er auf die Illusion der Dreidimensionalität und eine naturalistische Farbgebung zugunsten eines spontanen Ausdrucks innerer Befindlichkeiten. Dank seiner handwerklichen Begabung und seines Hangs zum Dekorativen setzte sich P. als erstes „Brücke“-Mitglied schon vor 1910 durch. Bedeutsam für die „Brücke“ wurde P. als Vermittler wichtiger Kontakte, z. B. zum „Blauen Reiter“ und den Fauves, deren neuen Rhythmus und gerundetere Formensprache er aus Paris mitbrachte. In seinen Sommeraufenthalten am Meer suchte P. die Verbindung des Menschen in Harmonie oder im Kampf mit der Natur darzustellen, während er sich mit dem Großstadtleben nur in wenigen Tanz- und Varietészenen auseinandersetzte. Nach der Auflösung der „Brücke“ 1912 experimentierte er mit neusachlichen und kubistischen Elementen, blieb aber gegenständlich. Seine besten Werke schuf er im unmittelbaren Umsetzen der aufgenommenen Sinneseindrücke, während die aus der Erinnerung gestalteten Gemälde (z. B. das Palautriptychon) häufig steif und schematisch wirken. Unter den Arbeiten der „Brücke“-Maler sind diejenigen P.s die farbsprühendsten. Seine immense zeichnerische Begabung und sein sicheres Gespür für Farbe kommen auch in den ca. 850 noch erhaltenen Lithographien und Aquarellen, Holzschnitten und Radierungen|zur Geltung. Das plastische Werk muß fast zur Gänze als verloren gelten.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Künste (1922); Preuß. Staatspreis (1928); Dt. Staatspreis (1931/32); Ehrenbürger v. Zwickau (1947); Ehrensenator d. Hochschule f. Bildende Kunst, Berlin (1951); Gr. BVK (1952); Kunstpreis d. Senats u. d. Stadt Berlin (1954); – Max-Pechstein-Ehrenpreis d. Stadt Zwickau (seit 1947).

  • Werke

    Eliasfriedhof in Dresden, 1906;
    Junges Mädchen in Rot, 1908;
    Das gelbschwarze Trikot, 1909;
    Fischerboot, 1913;
    Ital. Steinträger, 1925;
    Nach Sonnenuntergang, Aquarell, 1925 (alle Berlin, Brücke-Mus.);
    Freilicht (Moritzburg), 1910 (Duisburg, Wilhelm Lehmbruck-Mus);
    Pferdemarkt in Moritzburg, 1910 (Madrid, Slg. Thyssen-Bornemisza);
    Akt im Zelt, 1911 (München, Staatsgal. mod. Kunst);
    Stilleben mit exot. Schale, 1913 (Karlsruhe, Staatl. Kunsthalle);
    Zurückgekehrte Kähne, 1919 (Halle, Moritzburg-Mus.);
    Selbstbildnis 1917 (München, Bayer. Staatsgem.slgg.);
    Bildnis Paul Fechter, 1921 (verschollen);
    Nordweststurm, 1927;
    Fischerkaten, Rowe, 1932;
    Stilleben mit Äpfeln u. Flasche, 1941 (alle Privatbes.). – Schn.: Aufruf an alle Künstler, 1919;
    Erinnerungen, mit e. Vorwort v. L. Reidemeister, 1960, Neuausg. mit e. Nachwort v. K. v. Maur, 1993.

  • Literatur

    W. Heymann, M. P., 1916;
    G. Biermann, M. P, 21920;
    M. Osborn, M. P, 1922;
    P. Fechter, Das graph. Werk M. P.s, 1921;
    K. Lemmer (Hg.), M. P. u. d. Beginn d. Expressionismus, 1949;
    E. Roters, Der Holzschnitt d. „Brücke“, Diss. Berlin (FU) 1956 (ungedr.);
    G. Krüger, Die Jahreszeiten, Ein Glasfensterzyklus v. M. P, in: Zs. d. dt. Ver. f. Kunstwiss. 19, 1965, S. 77-94;
    ders., Der Maler M. P. als Graphiker, ebd. 40. H. 1-4, 1986, S. 115-35;
    ders., Das druckgraph. Werk M. P.s, 1988;
    M. P. 1881-1955, Zeichnungen u. Aquarelle, Stationen seines Lebens, Ausst.kat. Brücke-Mus. Berlin 1981;
    W. Timm, M. P., Ostseebilder, Gem., Zeichnungen, Photogrr., Ausst.kat. Regensburg 1981;
    St. Barron (Hg.), Skulptur d. Expressionismus, Ausst.kat. Köln 1984;
    H. Jähner, Künstlergruppe Brücke, Gesch. e. Gemeinschaft u. d. Lebenswerk ihrer Repräsentanten, 1984, 51996;
    Das MUIM-Inst. im Spiegel d. Archivalien, in: Expressionisten, Die Avantgarde in Dtld. 1905-1920, 1986, S. 103 f., J. Schilling (Hg.), M. P. – Zeichnungen u. Aquarelle, Ausst.kat. Wolfsburg, Bremen, Salzburg 1987/88;
    ders. (Hg.), M. P, Ausst.kat. Schloß Cappenberg 1989;
    E. Steneberg, Arbeitsrat f. Kunst Berlin 1918-1921, 1987;
    J. Lloyd, German expressionism, Primitivism and modernity, 1991;
    M. Moeller (Hg.), Aquarelle der „Brücke“, Ausst.kat. Berlin 1995;
    V. Billig, Künstler d. Brücke in Moritzburg, Ausst.kat. Mus. Schloß Moritzburg 1995;
    M. P, Das ferne Paradies, Ausst.kat. Reutlingen, Zwickau 1995;
    Von d. Brücke zum Blauen Reiter, Farbe, Form u. Ausdruck in d. dt. Kunst 1905-1914, Ausst.kat. Dortmund 21996;
    W. Rubin (Hg.), Primitivismus in d. Kunst d. zwanzigsten Jh., 31996;
    M. M. Moeller (Hg.), M. P., Sein malerisches Werk, 1996;
    Chr. Vogel, „Mein lieber Ede …“, Künstlerpost v. M. P. an Eduard Plietzsch, Ausst.kat. Hamburg 1996;
    Frauen in Kunst u. Leben d. „Brücke“, hg. v. H. Gerlinger u. H. Guratzsch, Ausst.kat Schloß Gottorf 2000;
    Rhdb. (P);
    ThB;
    Vollmer;
    Klimesch (P);
    KML;
    Dict. of Art.

  • Portraits

    Schlafender P., v. E. Heckel, 1910 (Feldafing, Slg. Buchheim);
    Selbstbildnis mit Hut u. Pfeife, 1918 (Zürich, Kunsthalle);
    Selbstbildnis im Atelier, Holzschnitt, 1921 (Privatbes.).

  • Autor/in

    Eva Chrambach
  • Empfohlene Zitierweise

    Chrambach, Eva, "Pechstein, Max" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 154-156 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592335.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA