Lebensdaten
1881 bis 1944
Geburtsort
Wiesbaden
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118591673 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Paquet, Alfons

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Zitierweise

Paquet, Alfons, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118591673.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. väterlicherseits stammt ursprüngl. aus Grenoble;
    V Jean (1852–1913), aus Köln, Handschuhfabr. in W.;
    M Friederike Burger (1852–1906, beide baptist.), aus Heilbronn;
    Om Benjamin Rouse, Tuchhändler in London;
    1910 Marie Henriette (1881–1958), Malerin, T d. Wilhelm Steinhausen (1846–1924), D. theol., Maler u. Graphiker (s. Frankfurter Biogr), u. d. Ida Wöhler (1851–1923), aus Berlin;
    2 S (1 ⚔), 4 T, u. a. Barbara (* 1916, Max Frhr. v. Brück, 1904–88, Dr. iur., Korrespondent d. WDR u. NDR).

  • Leben

    P. begann 1896 eine kaufmännische Lehre im Tuchgeschäft seines Onkels Benjamin Rouse in London. Bereits während seiner Lehrzeit verfaßte er Gedichte und Erzählungen. Nach verschiedenen redaktionellen Tätigkeiten studierte P. seit 1902 Volkswirtschaft, Jura, Geographie und Philosophie in Heidelberg, später in München und Jena und promovierte 1908 zum Doktor der Staatswissenschaft mit dem Thema „Das Ausstellungsproblem in der Volkswirtschaft“. Im selben Jahr arbeitete P. am „Wilhelm-Merton-Institut für Gemeinwohl und Gemeinschaft“ in Frankfurt, 1911-14 bei den „Deutschen Werkstätten“ in Hellerau. Seit 1904, verstärkt seit 1916 war P. in verschiedenen Funktionen für die Frankfurter Zeitung (FZ) tätig (Korrespondent, Redaktion des Stadtblattes und des Feuilletons), bis diese 1943 ihr Erscheinen einstellen mußte. In das literarische Leben der Zeit war P. durch seinen Vorsitz im „Bund rhein. Dichter“, durch seine Arbeit als Sekretär des Goethepreis-Kuratoriums und 1932 durch die Wahl in die Preuß. Akademie der Künste, Sektion für Dichtkunst, eingebunden (Antrittsrede: Der Weg e. Schriftstellers). Ein Jahr später trat er wieder aus, da er sich weigerte, die Solidaritätserklärung für das NS-Regime zu unterzeichnen. P. war in der Folgezeit Repressalien ausgesetzt, eine Verhaftung während einer Reise nach Schweden 1935 wurde durch die Intervention des Auswärtigen Amtes, in dem Freunde aus früheren Jahren tätig waren, aufgehoben. Seine guten, langjährigen Verbindungen zur FZ ermöglichten ihm eine publizistische Arbeit in|engen Grenzen; politische Themen sparte er aus.

    Das schriftstellerische Werk von P. umfaßt Gedichte (u. a.: Auf Erden, 1906; Held Namenlos, 1912; Drei Balladen, 1922), Erzählungen, Romane (u. a.: Kamerad Fleming, 1911, 21921, Neuaufl. 1926), Theaterstücke (u. a.: Fahnen, 1923; Sturmflut, 1926), Reisebeschreibungen, Reportagen, Essays und Vorträge. Es ist geprägt von poetischer Sachlichkeit, in der Lyrik gelegentlich Hymnik und Realismus verbindend, von Humanität, sozialer Christlichkeit und einem ausgeprägten Interesse am Menschen als soziales und politisches Wesen. In allen Werken, vor allem in den Reisebeschreibungen, macht P. historisch-politische, soziale und geographischwirtschaftliche Zusammenhänge sichtbar. Dreimal bereiste P. Asien (Sibirien, China 1903/08/10), ebenso häufig den Vorderen Orient und Kleinasien (1905/13/21), zweimal Amerika (1904/37). In Moskau wurde P. 1918 Augenzeuge der russ. Revolution und berichtete darüber in „Der Geist der russ. Revolution“ (1919). Das in dieser Zeit geführte Tagebuch wurde Grundlage des Romans „Von November bis November“ (Ms. im Nachlaß). Inspiriert von den Erfahrungen in Amerika und ausgehend von der Idee eines die angrenzenden Länder vereinenden Rheinlands, entwickelte P. die Vision der Vereinigten Staaten von Europa und einer europ. Friedensordnung (Der Rhein als Schicksal, 1920; Antwort des Rheines, 1928).

  • Werke

    Weitere W u. a. Schutzmann Mentrup u. anderes – Erzz., 1901;
    Lieder u. Gesänge, 1902;
    Asiat. Reibungen – Polit. Stud., 1909;
    Südsibirien u. die Nordwestmongolei – Reiseber., 1909;
    Li od. im neuen Osten, 1912;
    Der Kaisergedanke, 1915;
    In Palästina, 1915, Neuaufl. 1923;
    Im kommunist. Rußland, Briefe aus Moskau, 1919;
    Delph. Wanderungen, 1922;
    Der Rhein, e. Reise, 1923;
    Amerika. Hymnen, Gedichte, 1925;
    William Penn – Schauspiel, 1927, Städte, Landschaften u. ewige Bewegung, 1927;
    Besuch am Gr. Hirschgraben, 1932;
    Und Berlin?, 1934;
    Fluggast üb. Europa, 1935;
    Der Frankfurter Rundhorizont, 1937;
    Amerika unter d. Regenbogen, 1938;
    Der Rhein, Vision u. Wirklichkeit, 1940;
    Die Botschaft d. Rheins, 1941;
    Ges. Werke, 3 Bde., 1970. – Aufss., Vorträge, Reden: u. a. in FZ 1904-43;
    Skizze zu e. Selbstbildnis, in: Der eiserne Steg, 1925;
    Die Katastrophe (postum), in: Die Gegenwart, April 1946. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Stadt- u. Univ.-bibl. Frankfurt/M.

  • Literatur

    Bibliogr. A. P., 1958 (P);
    V. Niebuhr, in: Archiv f. Frankfurter Gesch. u. Kunst, H. 57, 1980;
    A. P., 1881-1944, Begleith. z. Ausst. 1981, Neuaufl. 1994;
    K. Korn, in: Rhein. Profile, 1988;
    G. Cepl-Kaufmann, Ein paar Tropfen Rheinwasser, in: Lit. Schreiben aus regionaler Erfahrung, 1996;
    dies., Phoenix aus d. Asche, in: Eurovisionèn, 1996;
    G. Koenen, Vom Geist d. russ. Rev., in: Dtld. u. d. russ. Rev., 1998;
    Nassau. Biogr.;
    Frankfurter Biogr. (P);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy.

  • Autor/in

    Bernhard Koßmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Koßmann, Bernhard, "Paquet, Alfons" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 59 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118591673.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA