Lebensdaten
1896 bis 1983
Geburtsort
Bielefeld
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Musikwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118590510 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Osthoff, Helmuth

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Zitierweise

Osthoff, Helmuth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118590510.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1856–1922), Vorst. d. Westfäl. Bank in B., S d. Franz Heinrich (1829–85), Pferdehändler, später Bankier, u. d. Wilhelmine Pooss (1821–93);
    M Berta (1862–1942), T d. Albert Tepel (1835–1900), Kanzleirat in Bad Pyrmont, u. d. Isabella Leusmann (1835–1905);
    Heidi (1902–94), T d. Gustav Heidsieck (1862–1926), RA in B., u. d. Margarete Bachmann (1880–1965);
    1 S Wolfgang (* 1927), Prof. f. Musikwiss. in Würzburg (s. New Grove, L), 1 T.

  • Leben

    Während seiner Gymnasialzeit in Bielefeld und unmittelbar danach erhielt O. Musikunterricht (Klavier, Theorie, Partiturspiel u. Komposition) bei Otto Wetzel und Wilhelm Niessen in Münster. Nach der Teilnahme am 1. Weltkrieg (1915–18) studierte er 1919 an der Univ. Münster und seit 1920 an der Univ. Berlin Musikwissenschaft mit den Nebenfächern Kunstgeschichte und Philosophie. Als Schüler von Johannes Wolf, der sein Interesse an der älteren Musikgeschichte weckte, wurde er 1922 in Berlin mit einer Dissertation über Santino Garsi da Parma zum Dr. phil. promoviert. Während des Universitätsstudiums und anschließend setzte O. seine musikalische Ausbildung fort, teils privat, teils am Sternschen Konservatorium bei Wilhelm Klatte (Komposition), James Quast (Klavier) und Gustav Brecher (Dirigieren). Unter Generalmusikdirektor Brecher war er 1923-26 an der Leipziger Oper als Assistent und Korrepetitor tätig. 1926 wurde O. an der Univ. Halle musikwissenschaftlicher Assistent bei Arnold Schering (1877–1941), der ihn 1928 auch an die Univ. Berlin mitnahm. Von Schering empfing O. entscheidende ideelle und praktische Impulse. 1932 habilitierte er sich in Berlin mit einer Arbeit über die Niederländer und das deutsche Lied. 1935 übernahm er an der Univ. Berlin das Lektorat für Musik. Nachdem er seit Ende 1937 die Musikwissenschaft an der Univ. Frankfurt/M. vertreten hatte, wurde er 1938 als apl. Professor ( 1950 persönl. Ordinarius, 1959 o. Professor) Direktor des dortigen Musikwissenschaftlichen Instituts und Universitätsmusikdirektor. Als solcher dirigierte er bis 1963 das Collegium musicum.

    1939/40 leistete er als Reserveoffizier Dienst in der Wehrmacht. Im Zuge der nach dem Frankreichfeldzug einsetzenden zahlreichen Entlassungen aus der Wehrmacht konnte auch O. schon im Laufe des Wintersemesters 1940/41 seine Universitätstätigkeit wieder aufnehmen. Eine Nachfolge Scherings auf das Berliner Ordinariat scheiterte 1942 an der illoyalen Personalpolitik des Kultusministeriums (Ruferteilung an O. u. fast gleichzeitig an e. anderen Musikwissenschaftler), die damals von Kollegen wie dem Mittellateiner Otto Schumann als Skandal empfunden wurde (Lehrstuhlbesetzung erst 1946).

    1948 konnte O., der 1937 oder 1938 Parteimitglied geworden war, aufgrund der Entlastung durch die Spruchkammer seine Funktionen wieder aufnehmen und bis zur Emeritierung 1964 ausüben. Die Ergebnisse ausgedehnter Forschungsreisen nach Frankreich, Belgien und Italien 1953-56 schlugen sich in zahlreichen Einzelstudien und in seiner bis heute gültigen, wenn auch in Einzelheiten überholten Standardmonographie über Josquin Desprez nieder. 1973 siedelte O. nach Würzburg über, wo er vor allem an einem Kantatenband der Neuen Bach-Ausgabe arbeitete, der kurz vor seinem Tod als seine letzte große Arbeit erschien.

    Auch als Wissenschaftler blieb O. stets unmittelbar mit der Musik verbunden, sowohl reproduktiv als auch kompositorisch (Lieder,|Kantaten, Streichquartett). Frühe prägende Eindrücke erhielt er durch Werke von Richard Strauss, Max Reger und Gustav Mahler. Seine wichtigsten Forschungsleistungen betreffen die sog. Niederländer (Franko-Flamen) des 15. und 16. Jh. und vor allem Josquin Desprez. Auch viele der von ihm in Frankfurt betreuten Dissertationen stellen wertvolle Beiträge zu diesem Gebiet der Musikgeschichte dar. O. betrachtete diese als das zentrale Fach der Musikwissenschaft, das die Aufgabe habe, alle Fragen aufzuhellen, die mit der Aufassung des Kunstwerks verknüpft sind. In diesem Sinne interpretierte er in seinen Arbeiten die einzelnen Tonschöpfungen als den gültigsten Ausdruck des musikkünstlerischen Wollens einer jeweiligen Zeit.

  • Werke

    Monogrr.: Der Lautenist Santino Garsi da Parma, 1926, 21973;
    A. Krieger, 1929, 21970;
    Die Niederländer u. d. dt. Lied (1400–1640), 1938, 21967;
    Josquin Desprez, 2 Bde., 1962/65. – Aufss. u. a.: Die Anfänge d. Musikgesch.schreibung in Dtld., in: Acta musicologica V, 1933, S. 97-107;
    Einwirkungen d. Gegenref. auf d. Musik d. 16. Jh., in: Jb. Peters f. 1934, S. 32-50;
    Friedrich d. Gr. als Komp., in: Zs. f. Musik 103, 1936, S. 917-20, wieder in: Friedrich d. Gr., Herrscher zw. Tradition u. Fortschritt, 1985, S. 179 ff.;
    Dt. Liedweisen u. Wechselgesänge im ma. Drama, in: Archiv f. Musikforsch. VI, 1942, S. 65-81;
    Die Musik im Drama d. dt. MA, in: Dt. Musikkultur 1943, S. 29-40;
    Mozarts Einfluß auf Richard Strauss, in: Schweizer. Musikztg. 98, 1958, S. 409-17;
    Der Durchbruch z. musikal. Humanismus, Kongreßber. New York 1961, in: Internat. Musicological Soc., II, 1962, S. 31-39;
    Zu Gustav Mahlers Erster Symphonie, in: Archiv f. Musikwiss. 28, 1971, S. 217-27;
    zahlr. Spezialstud. z. Josquin Desprez. – Hg.: FS Johannes Wolf, 1929 (mit W. Lott u. W. Wolffheim);
    FS Arnold Schering, 1937 (mit W. Serauky u. A. Adrio), Nachdr. 1973;
    Kongreß-Ber. d. Ges. f. Musikforsch. Lüneburg 1950, 1950 (mit H. Albrecht u. W. Wiora);
    Arnold Schering, Humor, Heldentum, Tragik b. Beethoven, 1955. – Editionen (Auswahl): Rogier Michael, Die Geburt unseres Herren Jesu Christi 1602, 1937;
    ders., Die Empfängnis unseres Herren Jesu Christi 1602, 1937 (beides auch in: Hdb. d. dt. ev. Kirchenmusik, 1935 ff.);
    Johann Sigismund Kusser, Arien, Duette u. Chöre aus „Erindo“, in: Das Erbe dt. Musik, Landschaftsdenkmale Schleswig-Holstein u. Hansestädte III, 1938;
    Das dt. Chorlied v. 16. Jh. bis z. Gegenwart, in: Das Musikwerk, hg. v. K. G. Fellerer, H. 10, 1955;
    J. S. Bach, Neue Ausg. sämtl. Werke I/23: Kantaten z. 16. u. 17. Sonntag nach Trinitatis, 1982 (eine d. Kantaten hg. v. R. Hallmark).

  • Literatur

    L. Hoffmann-Erbrecht u. H. Hucke (Hg.), FS H. O. z. 65. Geb.tag, 1961 (Bibliogr., P);
    U. Aarburg u. P. Cahn (Hg.), H. O. z. seinem 70. Geb.tag, 1969 (Bibliogr., P);
    L. Finscher (Hg.), Renaissance-Stud., H. O. z. 80. Geb.tag, 1979;
    ders., in: FAZ v. 19.2.1983;
    L. Hoffmann-Erbrecht, in: Die Musikforsch. 36, 1983, S. 66 ff.;
    MGG;
    Riemann mit Erg.bd.;
    New Grove. – Zu Wolfgang: Liedstudien, FS f. W. O. zum 60. Geb.tag, 1989 (Bibliogr., P).

  • Autor/in

    Wolfgang Osthoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Osthoff, Wolfgang, "Osthoff, Helmuth" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 626 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118590510.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA