Lebensdaten
1890 bis 1928
Geburtsort
Burgdorf Kanton Bern
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118584081 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morgenthaler, Hamo (Pseudonym)
  • Hamo (Pseudonym)
  • Morgenthaler, Hans
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Zitierweise

Morgenthaler, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584081.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Linie Vorderes Mösli;
    V Otto (1861–1940), Rechtsanwalt u. Politiker in Burgdorf, Mitgl. d. Großen Rats 1902–22, Präs. 1910, S d. Jacob Andreas (1823–1901), Rechtsanwalt in Burgdorf, Mitgl. d. Großen Rats 1874–82, Präs. 1870–80;
    M Meta Luise Rau (1866–1902);
    B Max (s. 7);
    N. N.;
    2 S.

  • Leben

    Nach dem Maturexamen 1909 immatrikulierte sich M. an der ETH Zürich. Das Studium der Botanik und Zoologie schloß er 1913 mit dem Lehrerexamen ab, 1914 beendete er seine Dissertation über die Birke (1915). 1911 war er dem akademischen Alpenclub beigetreten und hatte als begeisterter Bergsteiger zahlreiche Gipfel bestiegen, obgleich er anläßlich einer Besteigung des Tödi bereits im März 1911 schwere Erfrierungen erlitten hatte, die eine Amputation fast aller vorderen Fingerglieder nötig machten. Da er es ablehnte, als Lehrer zu arbeiten, gestaltete sich die Berufswahl schwierig. Während längerer Zeit arbeitslos, hielt er gelegentlich Vorträge über seine Bergtouren, woraus 1916 sein Buch „Ihr Berge“ entstand. Er nahm schließlich in Bern ein Zweitstudium der Geologie auf und verfaßte „Studien über das Aarmassiv“ (1920). 1917 gelang ihm der erwünschte Ausbruch: Er wurde von einer Prospektionsfirma mit geologischen Untersuchungen in Siam beauftragt. Die Jahre 1917-21 im tropischen Urwald waren die glücklichsten seines Lebens. Eine Malariaerkrankung zwang ihn zur Rückkehr. Dank einiger Ersparnisse konnte er sich in der folgenden Zeit, allerdings auf bescheidenem Niveau, ganz auf seine schriftstellerische Tätigkeit konzentrieren. Als er wieder die geliebten Berge aufsuchte, mußte er den einsetzenden Massentourismus zur Kenntnis nehmen: Angewidert versenkte er seine Bergausrüstung in einer Gletscherspalte und verzichtete fortan auf alpinistische Unternehmungen. 1920 und 1922 erschienen noch zwei wissenschaftliche Arbeiten, doch seine Hauptarbeit galt den Erinnerungsbüchern über seinen Tropenaufenthalt: „Matahari“ erschien 1921, „Gatscha Puti“ 1929 (postum). 1922 traf er mit Robert Walser zusammen, im Sommer besuchte er in Montagnola Hermann Hesse, den er in den folgenden Jahren wiederholt traf. Eine psychoanalytische Behandlung mißlang. Im Juli 1922 diagnostizierte man Tuberkulose. Auf einer Reihe von Kuraufenthalten suchte er bis zuletzt Erleichterung. Die Spuren einer kurzen Affäre mit Lizzy Quarles v. Ufford im April 1923 finden sich im Roman „Woly, Ein Sommer im Süden“ (1924). Eine kurze Beziehung zu der Frau seines Kollegen Jakob Bührer, der Schriftstellerin Elisabeth Thommen, führte zu einer Verzweiflungstat: M. zertrümmerte deren Wohnung, worauf er zu seinem Onkel, dem Psychiater Walter Morgenthaler, floh, der ihn in die Klinik Waldau einwies. Anschließend machten sich bei ihm aufgrund unmäßigen Alkohol- und Nikotingenusses Schreibhemmungen bemerkbar. Eine Ablehnung zweier Manuskripte durch den Orell Füssli-Verlag traf ihn hart. Ein erneuter Nervenzusammenbruch mit anschließendem Selbstmordversuch machte eine Einweisung in die tessinische Klinik Casvegno nötig. Da nahm sich 1926 die ehemalige Frau seines Studien- und Bergfreundes Walter Burger, die Zahnärztin Marguerite Schmid, seiner an. Sie richtete ihm 1927 eine kleine Wohnung in Bern ein, doch die ständigen finanziellen Sorgen setzten ihm zu. Zuletzt malte und zeichnete er nur noch. Eine erneute psychoanalytische Behandlung schien einige Linderung zu versprechen, doch sein Gesundheitszustand verschlechterte sich unaufhaltsam.

    Das schwierige Leben M.s spiegelt sich in der Disparität seines Werkes, das sich von den poetischen Beschreibungen des siames. Dschungellebens über die rückhaltlose Konfession des Romans „In der Stadt“ bis zu den furios-zerstörerischen Selbstanklagen des verzweifelnden Briefschreibers erstreckt, den Hermann Hesse als wahlverwandten „Steppenwolf“ anerkannte. M. zählt zu den „Dichtern im Abseits“ (Fringeli), die erfolglos „jene behagliche und dennoch nicht bürgerliche Ruhe“ suchten, aufgrund derer sie ihre Not „zu einem Kunstwerk formen könnten“ („Woly“). In seiner Radikalität steht M. Singulär da in der Schweizer Literatur jener Zeit.

  • Werke

    Ihr Berge, Stimmungsbilder aus e. Bergsteiger-Tagebuch, mit 35 Federzeichnungen d. Verf., 1916, 31936;
    Matahari, Stimmungsbilder aus d. Malayisch-Siamesischen Dschungel, mit 24 Federzeichungen v. Vf., 1921, 1923 (auch holländ. u. engl.);
    Ich selbst, Gefühle, 1923, 1931;
    Woly, Sommer im Süden, 1924, 21934 (u. d. T. „Ein Mädchen will nicht Frau sein“), 31981;
    Gatscha Puti, Ein Minenabenteuer, 1929 (franz. 1932);
    Das Ende v. Lied, Lyr. Testament e. Schwindsüchtigen, mit 4 Originallith. v. Ernst Morgenthaler, 1930;
    In der Stadt, Die Beichte d. Karl v. Allmen, Aus d. Nachlaß, hrsg. v. O. Zinniker, 1950, neu hrsg. v. R. Perret|1981;
    Totenjodel, hrsg. v. K. Marti, 1970 (Gedichtausw.);
    Ein H. (Hamo) M.-Brevier, mit 4 Lith. v. Vf., hrsg. v. G. Ammann, 1977;
    Hamo, der letzte fromme Europäer, Ein Lesebuch, hrsg. v. R. Perret, 1982;
    Der kuriose Dichter H. M., Briefwechsel mit E. Morgenthaler u. H. Hesse, hrsg. v. R. Perret, 1983 (W-Verz., L, P).

  • Literatur

    E. Thommen, in: Individualität 3, 1928, H. 1/2, S. 183-66;
    K. Marti, Die Schweiz u. ihre Schriftst. – d. Schriftst. u. ihre Schweiz, 1966, S. 9 f.;
    ders., Nachwort in: Totenjodel (s. W), S. 55-61;
    ders., H. M., in: Woly, Sommer im Süden, 1982, S. 198-220;
    D. Fringeli, Bekenntnisse e. Stadtwahnsinnigen od. d. Philos. d. Sichbescheidens, Zu H. M.s Vermächtnis, in: Dichter im Abseits, Schweizer Autoren v. Glauser bis Hohl, 1974, S. 79-88;
    F. Müller, Der Fluch d. Stadt, in: Schweizer Rdsch. 77, 1978, H. 8, S. 11-13 (P);
    R. Perret, H. M., in: Helvet. Steckbriefe, 47 Schriftst. aus d. dt. Schweiz seit 1800, hrsg. v. W. Weber, 1981, S. 138-43;
    H. P. Gansner, Die Schuldberge, Versuch üb. H. M., in: Drehpunkt 14, 1982, Nr. 53, S. 39-48 (P);
    R. Luck, Hermann Hesse u. H. M., Steppenwolf u. Maulwurf, in: H. Hesses literar. Zeitgenossen, 1982, S. 95-109;
    Ch. Siegrist, Vom armen H. M., gen. Hamo, in: Badener Tagbl. v. 29.1.1983;
    M. Zingg, Der letzte fromme Europäer, Zu H. M., in: Allmende, 1985, H. 10, S. 108-17;
    Kosen, Lit.-Lex3;
    Killy.

  • Portraits

    Radierung v. G. Rabinovitch (1923), Abb. in: Der kuriose Dichter H. M. (s. W);
    Gem. u. Zeichnungen v. Ernst Morgenthaler (1925), Abb. ebd.;
    Holzschn. v. I. Epper (1924). Abb. ebd.;
    Kohlezeichnung v. dems., Abb. in: Du 8, 1948, H. 9, S. 21.

  • Autor/in

    Christoph Siegrist
  • Empfohlene Zitierweise

    Siegrist, Christoph, "Morgenthaler, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 120 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584081.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA