Lebensdaten
1811 bis 1893
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Landschaftsmaler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118584057 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morgenstern, Karl

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Zitierweise

Morgenstern, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118584057.html [20.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Friedrich (1777–1844), Maler, Radierer u. Lithograph (s. ADB 22; ThB), S d. Johann Ludwig Ernst (1738–1819), Maler, Radierer u. Bilderrestaurator (s. ADB 22; ThB);
    M Maria Magdalena Bansa;
    Ur-Gvv Johann Christoph (1697–1767), seit 1736 fürstl. Hofmaler in Rudolstadt;
    Gr-Ov Friedrich Wilhelm Christoph (1736–98), fürstl. Hof- u. Kabinettmaler in Rudolstadt (beide s. ThB);
    1845 Luise Marianne Cleophea (1824–1913), T d. August Christian Bansa (1792–1855), Bankier u. Weinhändler in F., u. d. Maria Cleophea Schmid (1793–1875), Schriftst. (s. Frankfurter Biogr.);
    3 S, u. a. Friedrich Ernst (1853–1919), Landschafts- u. Marinemaler (s. DBJ II, Tl.; ThB), 1 T; N d. Ehefrau Victor Müller (1830–71), Maler (s- NDB 18).

  • Leben

    M. besuchte bis 1827 die Musterschule seiner Vaterstadt und wurde anschließend von seinem Vater im Zeichnen und Malen unterrichtet. Die Ausbildung orientierte sich an der niederländ. Malerei des 17. Jh. und an Studien vor der Natur. Seit 1830 begann M. Bilder an Sammler und Kunsthändler zu veräußern und sich mit Erfolg an Kunstvereinsausstellungen zu beteiligen. 1832 ging er zum Weiterstudium nach München, wo er sich unabhängig von der Akademie im Kontakt mit den Freilichtmalern um Heinrich Bürkel fortbildete. Carl Rottmann und Christian Morgenstern berieten M. bei seiner Atelierarbeit und stellten ihm ihre eigenen Werke vor, wobei vor allem die großzügigen Landschaften des Namensvetters den Jüngeren beeindruckten.

    Im Herbst 1834 bot sich eine Mitreisegelegenheit nach Rom. Im folgenden Sommer arbeitete M. einige Wochen in Tivoli, im Juli/August reiste er gemeinsam mit Malerfreunden über Pompeji, Neapel, Paestum und Amalfi nach Sizilien. 1836 folgte ein längerer Studienaufenthalt in Terracina sowie in den Sabiner und Albaner Bergen. Der Ausbruch der Cholera zwang M., Rom im Juli 1837 überstürzt zu verlassen; über Venedig und die oberital. Seen kehrte er 1837 nach Hause zurück. Die reiche Ausbeute dieser Jahre – fast 300 Zeichnungen und Ölstudien von einer neuen, lichten Farbigkeit und einer realistischen, gelegentlich nahezu impressionistischen Sicht- und Darstellungsweise – diente in den folgenden eineinhalb Jahrzehnten als Grundlage zahlreicher Atelierkompositionen. Diese ital. Landschaften, die Rhein- und Mainansichten sowie die späteren Schweizer Ansichten wurden vom Publikum besonders geschätzt. Die erfolgreichsten Motive nahm er daher immer wieder auf, wiederholte und variierte sie. Im Mai 1841 brach M. erneut zu einer größeren Studienfahrt nach Frankreich und an die franz. und ital. Riviera auf, von der er jedoch nur Zeichnungen mitbrachte. Vergeblich sucht man nach einem Niederschlag seines Parisbesuchs im Juli 1844 – wahrscheinlich sagte M. die anders geartete Landschaftsauffassung der franz. Maler nicht zu. 1846 zog es M. nochmals nach Venedig, in den Sommern 1849 und 1851 bereiste er die Schweiz. Mit den Auftragsbildern 1862 für die Sammlung des Grafen Schack in München war M. auf dem Höhepunkt seines Ruhmes angelangt. In den letzten 25 Schaffensjahren versiegte jedoch die Kraft, neue Anregungen aufzunehmen und zu verarbeiten. M. wurde von Depressionen und Krankheiten heimgesucht und mußte sich darauf beschränken, bewährte Motive zu wiederholen. Seine eigentliche künstlerische Leistung liegt in den kleinformatigen Ölstudien, die er während seiner Münchner Zeit und in Italien, der Schweiz und im Taunus angefertigt und zeitlebens nicht ausgestellt hatte. Für diese, teilweise sehr frei angelegten Studien war nach seiner Einschätzung die Zeit noch nicht reif gewesen – inzwischen haben sie Eingang in viele deutsche Museen gefunden.|

  • Auszeichnungen

    Prof.titel (1866).

  • Werke

    über 400 Ölgem., u. a. Capri b. Sonnenaufgang, 1836;
    Kapuzinerkloster b. Amalfi, 1840;
    Bucht v. Palermo, 1840;
    Schiffswerft v. Lerici, 1843;
    Ansicht Frankfurts v. d. Maininsel aus, 1850 (alle Priv.bes.);
    Bucht v. Villafranca;
    Haus d. Tasso in Sorrent;
    Ansicht v. Capri, 1862 (alle Schack-Gal., München). – Ölstudien, u. a. im Städel, Frankfurt;
    Kunsthallen Bremen, Karlsruhe, Hamburg;
    Nat.gal. Berlin;
    Kunstslg. Veste Coburg;
    Kunstmus. Riga;
    Priv.bes.

  • Literatur

    ADB 52;
    I. Eichler, C. M., unter bes. Berücksichtigung seiner Schaffensphase von 1826-1846, 1976 (W-Verz., L, P);
    dies., Schweizer Landschaftsdarst. d. Frankfurter Malers C. M., in: Zs. f. Archäol. u. Kunstgesch. d. Schweiz 31, 1974, S. 258-74;
    dies., Die Auftragsgem. C. M.s f. d. Gf. Schack, in: Städel Jb. 5, 1975 (NF), S. 135-58;
    Die Frankfurter Malerfam. M. in fünf Generationen, hrsg. v. d. Museumsges. Kronberg, 1982;
    C. M., Ausst.kat. d. Kunsthandlung I. P. Schneider jr., Frankfurt, mit e. Vorwort v. K. u. C. Andreas, 1993 (Abb. d. Ölstudien, L-Verz.);
    Frankfurter Biogr. II (P);
    ThB.

  • Autor

    Inge Eichler
  • Empfohlene Zitierweise

    Eichler, Inge, "Morgenstern, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 109 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118584057.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Morgenstern: Karl M., Landschaftsmaler, kgl. Professor, geboren in Frankfurt a. M. am 25. October 1811, ebenda am 10. Januar 1893.

    M. entstammte einer thüringischen Künstlerfamilie, die seit dem 18. Jahrhundert in Frankfurt ansässig geworden war. Hier hatten sich durch ihre Malerei schon vor ihm sein Großvater und sein Vater, Johann Friedrich M., einen geachteten Namen erworben. In der väterlichen Werkstatt wurde ihm die erste künstlerische Unterweisung zu Theil. Von Bedeutung wurde später für ihn ein Studienaufenthalt in München (1832 und 1833) und eine daran anschließende längere Reise nach Italien (1834 bis 1837). Sie lenkten ihn zwar in etwas von der ererbten Kunstweise des Vaters ab, trugen jedoch auf der anderen Seite dazu bei, ihn mit der Zeit Schritt halten und seine persönliche Eigenart in ihm ausreifen zu lassen.

    Die Frankfurter Malerkunst des 18. Jahrhunderts lebte von der Ueberlieferung der niederländischen Schule. Die scharfgeprägte Realistik der Niederländer, Hand in Hand mit einer achtbaren handwerklichen Routine, kennzeichnet die gediegene, wenngleich etwas spießbürgerliche Altfrankfurter Kunst jener Zeit. Auf ihrer Tradition fußte auch die Malerei der beiden älteren Träger des Namens Morgenstern, und noch die ersten selbständigen Leistungen von|Karl M. erinnern stark an Ruisdael und Hobbema. In München, wo seit der Thronbesteigung König Ludwig's I. der romantische Classicismus mit dem Kunstwesen der vorangegangenen Zeit energisch aufgeräumt hatte, sah sich der junge Frankfurter in einen völlig anders gearteten geistigen Horizont hineingestellt. Hier stand im Gebiet der Landschaftsmalerei Karl Rottmann an der Spitze einer Bewegung, die einem neuen Idealstil in glänzender Raumentfaltung und mit den Mitteln einer reicheren Palette zustrebte, und die vornehmlich die klaren, großen Erscheinungsformen der südlichen Landschaft als den ihr am meisten zusagenden Gegenstand der Darstellung erwählt hatte. Rottmann's Persönlichkeit hat auf Karl M. damals einen tiefen Eindruck gemacht. Daß er sich entschloß, von München nach Italien zu gehen, um sich dem Studium der classischen Landschaft an Ort und Stelle hinzugeben, war die gegebene Consequenz dieses Einflusses. Zwar wirkte dort die alteinheimische Gewöhnung des Sehens und Gestaltens in ihm noch immer mit solcher Stärke nach, daß es ihn anfänglich hart ankam, der neuen Aufgabe auch eine neue, ihrem besonderen Charakter entsprechende Form der Behandlung abzugewinnen. Und er hatte einen um so schwereren Stand, als er den Ehrgeiz hatte, Mittel und Wege dafür, ohne sich an Andere anzulehnen, ganz aus eigenem Vermögen zu finden. Aber das Ergebniß lohnte die Mühe. Nicht nur die wundervollen Studien, die er später aus den Sabinerbergen, aus dem Umkreise von Neapel und Sicilien mitbrachte, auch die zahlreichen Staffeleigemälde, die daraus hervorgingen, lassen eine charaktervolle und durchaus persönliche Interpretation der italienischen Landschaft und ihrer Schönheiten erkennen, die zu erreichen ihm gelungen ist. Und während die ersten Eindrücke des Südens ihn eher enttäuscht als erbaut hatten, lebte er sich später in die italienischen Motive, auch auf erneuten Reisen, derart ein, daß sie in dem Gesammtertrage seiner langen und von außergewöhnlichem Erfolge begleiteten Künstlerlaufbahn geradezu den Hauptinhalt bilden. Er hat nach der Rückkehr in seine Frankfurter Heimath, wo er 1845 zur Gründung des eigenen Hausstandes gelangte, zwar auch in der Beschränkung auf den näher gelegenen Umkreis des Main- und Rheingebietes dankbare und reizvolle Gegenstände seines künstlerischen Wirkens aufzufinden verstanden, hat auch durch Reisen in die Schweiz und nach Frankreich, Belgien und Holland seinen Gesichtskreis unermüdlich zu erweitern gesucht. Aber mit Vorliebe pflegte er doch die italienische Landschaft und diese Seite seiner Thätigkeit ist es wol auch, die ihn außerhalb seiner engeren Heimath am meisten bekannt werden ließ.

    Das Gepräge seiner Kunst ist allerdings in etwas immer das der bürgerlichen Kleinkunst des 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts geblieben, und die gesellschaftlichen Kreise der alten Reichsstadt, in denen seine Werke hauptsächlich Absatz fanden, mögen durch die ihnen eigene Geschmacksbildung ihn darin, ob auch vielleicht unbewußt bestärkt haben. So hat er sich denn auch den ins Große gehenden stilistischen Bestrebungen der eigentlichen romantischen Landschaftsmalerei, die ihn eine Zeitlang beschäftigt hatten, je länger je mehr entfremdet. Was er schuf, das sind im allgemeinen heitere sonnige Existenzbilder von zarter und lichter Haltung in Form und Farbe. Den Rang der vollwerthigen künstlerischen Leistung erlangen sie nicht durch starke Mittel der Wirkung, auch nicht durch solche, wie sie heute bevorzugt werden; ihr Reiz liegt in der liebevollen inneren Anschauung, in der Form und Sorgfalt der Wiedergabe, nicht am wenigsten auch in der Reinheit, mit der die technische Handhabung der Farbmittel beobachtet ist. In großer Zahl sind seine Bilder in Frankfurter Privatbesitz zu finden; werthvolle Erzeugnisse seiner Kunst besitzen ferner die Gemäldesammlung des Städel'schen Kunstinstituts in Frankfurt a. M. und die Schack-Galerie in München.

    • Literatur

      Reisebriefe von Karl Morgenstern im Besitz der Familie und mündliche Mittheilungen aus demselben Kreise. — Kaulen, Freud' und Leid im Leben deutscher Künstler (1878), S. 147 ff. — A. F. Graf v. Schack, Meine Gemäldesammlung (VII. Aufl., 1894), S. 229. — Lebensabriß i. d. Frankf. Zeitung 1893, Nr. 90.

  • Autor

    H. Weizsäcker.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weizsäcker, Heinrich, "Morgenstern, Carl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 478-480 unter Morgenstern, Karl [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118584057.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA