Lebensdaten
1521 bis 1603
Geburtsort
Mecheln (Flandern)
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11858362X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Berge, Filippo van
  • Berghe, Filippo van den
  • Monte, Philippe van
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Zitierweise

Monte, Filippo di, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858362X.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    M., üb. dessen Eltern nichts bekannt ist, nannte sich selbst überwiegend „di Monte“; d. Variationen „van den Berghe“, „van Berge“ wurden v. Doorslaer (s. L) vorgeschlagen. – N Jacob ( 1594), Maler. In ihm vermutete d. ältere Forschung e. Bruder d. Bildhauers Johannes Mont (1545-85, s. ThB).

  • Leben

    M. zählt mit Orlando di Lasso und Giaches de Wert zu den bedeutendsten Komponisten aus dem Norden Europas, die in Italien im 16. Jh. gewirkt haben. Alle drei haben eine ideale Mischung der franko-fläm. polyphonen Musik mit den verschiedenen Gattungen in ital. Sprache erreicht. Das Jahr 1568 bildet einen markanten Einschnitt in M.s Leben. Zu diesem Zeitpunkt wurde er als Hofkapellmeister von Kaiser Maximilian II. nach Wien berufen. Fast alles, was man von M.s frühen Jahren weiß, geht aus den Widmungsvorreden zu seinen gedruckten Werken hervor. Hier berichtet er, viele Jahre seiner Jugend im Dienst des genues. Bankiers Cosimo Pinelli in Neapel verbracht zu haben. 1547 erscheint M. aber als „petit vicaire“ an der Kathedrale von Cambrai. Seine Beziehung zu Cambrai scheint nie ganz abgebrochen zu sein. 1555 war er Mitglied der Kapelle Kg. Philipps II., als dieser bei seiner Gemahlin, Maria der Katholischen, in England weilte. M. verließ diese Stelle nach wenigen Monaten, angeblich weil er der einzige Nicht-Spanier in der Kapelle war. 1555 war M. wieder in Cambrai, mußte aber aus Krankheitsgründen seine Stelle als „petit vicaire“ bald verlassen. Um 1557 ging er nach Italien.

    1554 erschienen M.s erste gedruckte Werke – ein Buch ital. Madrigale für 5 Stimmen – in Rom, was als Hinweis auf seine dortige Anwesenheit zu diesem Zeitpunkt verstanden werden kann. Er dürfte Werke für 6 Stimmen für die Hochzeit von Paolo Giordano Orsini und Isabella de Medici (1558) beigesteuert haben. 1562 hat man ihn als Nachfolger von Willaert für die Stelle des Kapellmeisters in San Marco in Venedig vorgeschlagen; sein früherer Schüler, der Humanist Gianvincenzo Pinelli, lebte seit 1557 in Padua. M.s erstes Buch von Madrigalen für 6 Stimmen ist in Venedig um 1560 erschienen, so daß er zu diesem Zeitpunkt kein Unbekannter in Musikkreisen der Lagunenstadt gewesen sein kann. Als er 1568 nach Wien berufen wurde, wirkte er jedoch in Neapel; deswegen schlug der kaiserl. Gesandte in Rom zunächst Giovanni Luigi da Palestrina für die Stelle vor.

    M.s Aufgaben am Kaiserhof ließen ihm offensichtlich genug Zeit, um zu komponieren; die Mehrzahl seiner Werke entstand in diesen Jahren. Er unternahm Reisen im Gefolge des Kaisers (Reichstage Speyer 1570, Regensburg 1576 und 1594, Augsburg 1582; Krönungen in Preßburg 1572, Prag und Regensburg 1575) und steuerte Musik zu festlichen Anlässen bei. 1572 belohnte Kaiser Maximilian II. M. mit der reichen Pfründe des Schatzmeisters an der Kathedrale von Cambrai. Anfang der 1580er Jahre wurde M. in einen Streit über den musikalischen Geschmack verwickelt; zu einer schöpferischen Krise kam es jedoch nicht. Von den Kompositionen dieser Zeit waren viele genau so fortschrittlich wie die seiner jüngeren Zeitgenossen, etwa des Italieners Marenzio oder des am Kaiserhof wirkenden Franko-Flamen Regnart; auch die Textauswahl blieb verblüffend modern. Obwohl die Gicht M. gegen Ende seines Lebens wahrscheinlich sehr zu schaffen machte, brach der Strom von gedruckten Werken bis zu seinem Sterbejahr nicht ab. Sein Wohnhaus in Prag diente nach wie vor als als musikalischer Treffpunkt.

    Während Orlando di Lasso die verschiedensten Kompositionsarten hervorbrachte, widmete sich M. fast ausschließlich den ital. Madrigalen. Diese ragen nicht nur aufgrund ihrer Quantität, sondern auch wegen ihrer hohen Qualität hervor. Seit 1581 ließ er auch geistliche Madrigale, eine typische gegenreformatorische Erscheinung, als quasi-devotionale Unterhaltung erscheinen, die sogar Lasso zur Nachahmung empfohlen wurden. M. mußte selbstverständlich geistliche Werke in lat. Sprache (Motetten und Messen) für den Kaiserhof liefern, komponierte aber auch eine Sammlung franz. Chansons. In den fast 35 Jahren, die er am Kaiserhof wirkte, weitete er seinen Ruf als Meister des Madrigals mit vielen Musikdrucken in den führenden Verlagshäusern Venedigs (Gardano, Scotto) aus. Nur seine Messen ließ er nördlich der Alpen drucken, und zwar in seiner Heimat Antwerpen (Plantin).

  • Werke

    Gedruckte W: Ital. Madrigale: 1 Buch zu 3 Stimmen, 4 Bücher zu 4 Stimmen, 19 zu 5 Stimmen, 9 zu 6 Stimmen, 2 zu 7 Stimmen;
    Geistl. Madrigale: 2 Bücher zu 5 Stimmen, 2 zu 6 Stimmen, 1 zu 6 u. 7 Stimmen;
    Franz. Chansons: 1 Buch zu 5, 6 u. 7 Stimmen;
    Motetten: 1 Buch zu 4 Stimmen, 7 Bücher zu 5 Stimmen, 2 zu 6 Stimmen;
    1 Buch mit Messen zu 5, 6 u. 7 Stimmen, 1 Messe zu 5 Stimmen in e. Sammelwerk. – Mss.: Im wesentlichen geistl. Werke, Chorbücher d. kaiserl. Hofmusikkapelle in Wien. – Werkausgaben: P. de M., Opera Omnia, hrsg. v. Ch. van den Borren, J. van Nuffel u. G. van Doorslaer, 31 Bde., 1927-39 (Neuaufl. 1965);
    P. de M., Opera, New Complete Edition, hrsg. v. R. Lenaerts u. I. Bossuyt, 1975 ff.

  • Literatur

    ADB 22;
    A. Smijers, Die Kaiserl. Hofmusik-Kapelle v. 1546 bis 1618, in: Stud. z. Musikwiss., 1919-22;
    G. van Doorslaer, La vie et les œuvres de P. de M., 1921;
    A. Einstein, The Italian Madrigal, 1949;
    P. Nuten, De „Madrigali Spirituali“ de F. di M., 1957;
    R. Lindell, Stud. zu d. sechs- u. siebenstimmigen Madrigalen v. F. di M., Diss. Wien 1980;
    ders., F. di M.s Widmungen an Kaiser Rudolf II., Dokumente e. Krise?, in: FS f. O. Wessely, 1982;
    ders., Die Neubesetzung d. Hofkapellmeisterstelle am Kaiserhof in d. Jahren 1567/68, Palestrina od. Monte?, 1986;
    ders., Die Briefe F. di M.s, Eine Bestandsaufnahme, 1989;
    B. Mann, The Secular Madrigals of F. di M., 1521-1603, 1982;
    MGG (P);
    Riemann;
    New Grove (P).

  • Portraits

    Gedenkmünze, 1584, Abb. in New Grove;
    Stich v. R. Sadeler, 1594, Abb. in MGG.

  • Autor/in

    Robert Lindell
  • Empfohlene Zitierweise

    Lindell, Robert, "Monte, Filippo di" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 42 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858362X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Monte: Philippe van M., auch de M., einer der bedeutendsten Componisten des 16. Jahrhunderts und von Geburt ein Belgier. Ob in Mons oder Mecheln geboren, ist bis jetzt trotz vieler Schreiberei unentschieden. Daß er ein Schüler des Orlandus de Lassus sei, ist sehr wenig wahrscheinlich, denn er ist sein Altersgenosse. Sein in photolithographischer Manier hergestelltes von Sadeler einst gestochenes Portrait, welches van der Straeten im V. Bande seiner Musique aux Pay-Bas mittheilt, trägt die Inschrift: suae astatis LXXIII an. 1594; das würde das Geburtsjahr 1521 ergeben, und bezeichnet ihn ferner als einen Belgier. Vom 1. Mai 1568 war er bis an sein Lebensende oberster Capellmeister unter den Kaisern Maximilian II. und Rudolph II. und hatte seinen Wohnsitz in Prag, wie Ambros nachgewiesen hat, er starb daselbst am 4. Juli 1603, also in einem Alter von 82 Jahren. Er muß sich oft in Italien aufgehalten haben, denn mehrere seiner Drucke tragen die Dedications-Unterschrift aus Venedig, auch bedient er sich gern der italienischen Sprache. Er war ein ungemein fruchtbarer Componist und viele seiner Drucke sind uns erhalten. So 19 Bücher fünfstimmige Madrigale. 8 Bücher sechsstimmige Madrigale, 6 Bücher fünfstimmige Motetten, 2 Bücher Messen u. a. Seine Zeitgenossen müssen ihn hochgeschätzt haben, was aus dem Gedicht auf M. von der Dichterin Elisabeth Weston, die in Prag lebte, und aus den damaligein Sammelwerken hervorgeht, die in mehrfacher Wiederholung 85 Gesänge von ihm mittheilen. Seine Drucke erscheinen in der ganzen damaligen civilisirten Welt, von Antwerpen bis nach Venedig. Wie rege das damalige Musikleben in ganz Europa pulsirt hat, erkennt man so recht, wenn man sich vergegenwärtigt, daß in derselben Zeit ein Lassus, Palestrina, Ciprian de Rore, Jacob van Wert, die beiden Gabrieli, Luca Marenzio, die beiden Anerio, Nanino und eine Unzahl|Componisten aller Länder zweiten und dritten Ranges wirkten, die alle in gleicher Manier schrieben und ihre zahlreichen Werke in ein und mehreren Auflagen in die Welt sandten. — Monte's Schreibweise hat jene milde und gesättigte Klangfarbe, die der späteren Zeit des 16. Jahrhunderts in so hohem Maße eigen ist; ohne auf die wunderbare Kunstfertigkeit im Contrapunktiren zu verzichten, welche er als Erbtheil seines Geburtslandes mit in die neue Heimath nahm, stellte er doch die Fertigkeit nur selten über die musikalische Ausdrucksweise. In seinen Madrigalen und Canzonen blickt oft schon das Homophon-Liedhafte, wie Ambros sehr richtig sagt, durch und kündigt wie in Vorahnung die spätere Zeit an, die so großes einst darin leisten sollte. Die Neuzeit hat zwar bereits eine Reihe seiner besten Werke veröffentlicht, doch ist es noch lange nicht genügend, um ihn nach allen Seiten hin beurtheilen zu können. Besonders der Belgier Maldeghem hat in seinem großen Sammelwerke alter Componisten „Trésor musical“, gar manche Perle aus den alten Stimmbüchern ans Tageslicht gezogen. Eine Beschreibung nebst Inhaltsanzeige dieses letztern Sammelwerkes findet man in den Monatsheften für Musikgeschichte, Bd. VI, 74 und IX, 118.

  • Autor/in

    Rob. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Monte, Filippo di" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 182-183 unter Monte, Philippe van [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858362X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA