Lebensdaten
1880 bis 1935
Geburtsort
Triest
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
griechisch-katholisch
Normdaten
GND: 118583271 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moissi, Alexander
  • Moisiu, Aleksandër
  • Moissy, Alexander

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Zitierweise

Moissi, Alexander, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118583271.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Konstantin ( v. 1900) aus Kavaja (Albanien), Kaufm. u. Landbes., S d. Bgm. v. Durazzo;
    M Amalia (kath.), T d. Florentiner Arztes Carlo Radio de Radiis;
    9 Geschw;
    1) Teplitz-Schönau 1910|(⚮) Marie (* 1877), Schausp., Dir. e. Schauspielschule in Berlin (s. Kosch, Theater-Lex.), T d. Finanzrats Zdenko Urfus in W., 2) 1919 Johanna Winter (Ps. Terwin, 1884–1962) aus Kaiserslautern, Schausp. (s. Kosch, Theater-Lex.), T e. Gymnasialprof. in München;
    1 T Beate (* 1906, 2] Conrad (Kurt) v. Molo, * 1906, Regisseur), Tänzerin, Regisseurin.

  • Leben

    M., der seine Jugend in Triest und Durazzo verbrachte und das Realgymnasium in Graz besuchte, kam 1898 mit noch mangelhaften Deutschkenntnissen nach Wien, wo er versuchte, mit Italienisch-Stunden seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Da er ursprünglich Sänger werden wollte, nahm er vorübergehend Gesangsunterricht am Konservatorium. Durch Vermittlung des Hofschauspielers F. Kracher erhielt er 1898 einen Statistenvertrag am Burgtheater, wo er nach einem Jahr den Diener Lorenzo in Molières „Tartuffe“ spielen durfte. Josef Kainz, der die Titelrolle spielte, wurde auf M. aufmerksam und empfahl ihn dem damaligen Burgtheaterdirektor P. Schlenther. Ein Vorsprechen Ende 1899 geriet zum Mißerfolg. M. nahm nun intensiven Schauspielunterricht bei Kainz und Alexander Strakosch. Von Kainz und Schlenther empfohlen, wurde er 1901 als Vertreter des Heldenfaches an das Neue Deutsche Theater in Prag engagiert, wo er als Ardeuil in Brieux' „Rote Robe“ debütierte und in den nächsten zwei Jahren in den unterschiedlichsten Rollen auftrat. 1903 wandte sich M. an Max Reinhardt, der ihn 1904 erstmals die Rolle des Wurm in „Kabale und Liebe“ am Neuen Theater in Berlin spielen ließ. Da es bei diesem Auftritt blieb, verließ M. das Reinhardt-Ensemble wieder und ging im Herbst zur neugegründeten „Deutschen Volksbühne“ in Berlin, wo er als Golo in Hebbels „Genoveva“ erstmals auch Kritiker für sich interessierte. Reinhardt holte ihn in der Rolle des Schauspielers in Gorkis „Nachtasyl“ im November 1904 in sein Ensemble zurück, dem M. nun bis 1921 angehörte. Reinhardt, der von M. überzeugt war, gelang es nur langsam, den jungen, bei Publikum und Kritik umstrittenen Schauspieler durchzusetzen. Erst im Februar 1906 schaffte M. mit dem Kreon in Hofmannsthals „Ödipus und die Sphinx“ den endgültigen Durchbruch. Seine künstlerischen Leistungen in Berlin und auf zahlreichen Gastspielen mit dem Reinhardt-Ensemble (München, Prag, Wien, Budapest, Rom, Triest, St. Petersburg) ließen ihn noch vor Ausbruch des 1. Weltkrieges zu einem Begriff im europ. Theater werden. Wesentlich für seine künstlerische Entwicklung wurde das St. Petersburger Gastspiel 1911, das seine Beziehungen zur slaw. Mentalität und zur russ. Dichtung vertiefte. Der 1913 erstmals am Deutschen Theater in Berlin gespielte Fedja in Tolstois „Der lebende Leichnam“ zählte auch später zu seinen eindringlichsten Leistungen.

    Im September 1915 geriet M., der sich als Kriegsfreiwilliger gemeldet hatte, in franz. Gefangenschaft, die er wegen einer akuten Tuberkulose in Arosa verbrachte. Im Juli 1917 als Austauschgefangener entlassen, trat er wenig später als Danton wieder in Berlin an Reinhardts Deutschem Theater auf. Nach dem Auslaufen seines Vertrages mit Reinhardt im Januar 1921 gehörte M. vertraglich keinem Theater bzw. Ensemble mehr an, sondern gab allein und auch mit eigenen Schauspieltruppen, bei denen er auch Regie führte, Gastspiele in der ganzen Welt. Neben seinen Vorstellungen in Deutschland (Dresden, Breslau, München, Frankfurt, Berlin, Hamburg) und Holland, in der Schweiz (Bern, Zürich) und Italien (Rom, Triest, Mailand), in Prag, Budapest, London, St. Petersburg, Moskau und Stockholm ragen vor allem drei große Gastspiele heraus: im Oktober 1927 in Paris, 1927/28 mit einem Reinhardt-Ensemble in New York und 1931 in Argentinien, Uruguay und Brasilien. In Wien trat M. an fast allen Bühnen auf. Verhandlungen mit dem Burgtheater, die 1910 nach dem Tode von Kainz begonnen hatten, führten nie zu einem Engagement. Bei der Gründung der Salzburger Festspiele 1920 übernahm er die Titelrolle in Hofmannsthals „Jedermann“, die er durch viele Jahre mit großem Erfolg spielte. M. war unzweifelhaft einer der größten Schauspieler seiner Zeit, wenn auch sein Spiel zuweilen umstritten war. Hofmannsthal schrieb über ihn: „M. ist ein Schauspieler von so großer Eigentümlichkeit als nur je einer war. Er gehört nicht zu den Schauspielern, deren Stärke die Verwandlung ist. Gerade im Gegenteil liegt seine Macht darin, daß er seine Natur rein und zart zum Ausdruck bringt.“ Nie sah man M. in einer wirklich heiteren oder wenigstens psychisch unkomplizierten Rolle, und auch die Darstellung großer heroischer Gestalten gelang ihm nicht so überzeugend wie beispielsweise die Rollen von Romeo, Hamlet, Torquato Tasso, Franz Moor, Danton in Büchners „Dantons Tod“, des Oswald in Ibsens „Gespenstern“ und des Dubedat in Shaws „Arzt am Scheideweg“. Er war der großartigste Interpret russ. Dichtung auf dem deutschen Theater: Fedja, Nikolai in Tolstois „Und das Licht leuchtet in der Finsternis“ und Nikita in dessen „Macht der Finsternis“ gehörten zu seinen eindringlichsten Leistungen. Seine fast magische Bühnenausstrahlung wurde wirkungsvoll ergänzt durch eine weiche, volle, unzählige Male mit einem Cello verglichene Stimme, die durch ihren fremden Klang faszinierte. 1913 hatte M. erstmals in einem Stummfilm mitgewirkt. Zu seinen besten und bekanntesten zählen: „Kulissenzauber“ (1915), „Pique Dame“ (1918), „Der Sohn der Götter (1920)“, „Figaros Hochzeit“ (1920) und „Zwischen Himmel und Erde“ (1920). Seinen ersten Tonfilm „Kean oder die Königsloge“ drehte M. 1929 in den USA.|

  • Auszeichnungen

    Ifflandring (1935 postum).

  • Werke

    Der Gefangene (Napoleon-Drama), 1932.

  • Literatur

    J. Bab, Dt. Schauspieler, 1908;
    ders., in: Kränze dem Mimen, 1954;
    H. Ihering, in: Theaterkal. auf d. J. 1912, 1912;
    H. Stümcke, Vor d. Rampe, 1915;
    E. Faktor, A. M., 1920;
    F. Kreuzig, Ein M.-Brevier, 1921;
    L. Ullmann, M., 1922;
    M. Brod, Sternenhimmel, 1923;
    H. Böhm, A. M., Der Mensch u. d. Künstler, in Worten u. Bildern, 1927 (P);
    A. Kahane, in: Berliner Börsen-Courier v. 8.4.1930;
    O. M. Fontana, Wiener Schausp., 1948;
    I. Rohracher, Leben u. Wirken d. Schausp. A. M., Diss. Wien 1951;
    T. Durieux, Eine Tür steht offen (Erinnerungen), 1954;
    Enc. dello spettacolo;
    Kosch, Theaterlex.;
    ÖBL;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Edith Marktl
  • Empfohlene Zitierweise

    Marktl, Edith, "Moissi, Alexander" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 716-718 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118583271.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA