Lebensdaten
1896 bis 1971
Geburtsort
Potsdam
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118581988 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyerinck, Hubert von
  • Meyerinck, Hubert Georg Werner Harald von
  • Meyerinck, Hubert Georg von

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Zitierweise

Meyerinck, Hubert von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581988.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich-Karl (1858–1928), Hptm., Gutsbes., S d. Hubert (1827–1900, s. Gen. 1) u. d. Gertrud Dietze (1837–1908);
    M Karoline (1868–1940), T d.|Georg v. Hoppenstedt (1830–94), Landesökonomierat in Liebenburg, u. d. Anna Löbbecke (1836–1920);
    Ur-Gvv Heinrich (s. 1); – ledig.

  • Leben

    M. kam 1917, nach kurzer Militärdienstzeit, als Volontär und Statist an das Kgl. Schauspielhaus Berlin. 1918 wechselte er an E. Ziegels Hamburger Kammerspiele. Hier gab er kleine Rollen in Hasenclevers „Sohn“ und Wedekinds „Frühlings Erwachen“. Von Hamburg gelangte M. wiederum an eine neue Avantgarde-Bühne, die von K. H. Martin und R. Leonhard gegründete „Tribüne“ in Berlin. Hier wirkte er 1919 in den Uraufführungen von Hasenclevers Einaktern „Der Retter“ und „Die Entscheidung“ sowie in Tollers „Die Wandlung“ mit. M. fiel durch eine betont artifizielle Spielweise auf, die der Kritiker H. Jhering als vordergründigen, somit falsch verstandenen expressionistischen Darstellungsversuch kritisierte, da er „Körperspiel mit Akrobatik, seelische Explosion mit stimmlicher Affektion verwechselt“. Seine exaltierte Spielanlage fügte sich besser in Darstellungen grotesker Sternheimscher Chargenfiguren. So gab er 1920 den Prinzen in „1913“ und den Schippel in „Bürger Schippel“ (Lessing-Theater 1923). Eine seiner überzeugendsten Rollen war der Graf Pahlen in „Der Snob“, den er 1964 noch einmal im Berliner Renaissance-Theater spielte. Grotesk überzeichnete aristokratische oder großbürgerliche Figuren entsprachen besonders seinem Naturell, wie etwa der Minister in Shaws „Der Kaiser von Amerika“ (1929 am Deutschen Theater, 1958 am Renaissance-Theater). M. trat in den 20er und 30er Jahren an fast allen großen Bühnen Berlins und auch in Kabaretts der Stadt auf.

    Sein spezielles Rollenfach bevorzugte M. auch im Film. Bereits 1920 trat er in dem Serienfilm „Der Mann ohne Namen“ auf. In „Manon Lescaut“ (1925) spielte er den Marquis de Bli, in „Der alte Fritz“ (1927) den Grafen Cobenzl. M. hat in 275 Filmen mitgewirkt, die meisten davon rangieren im populären Unterhaltungsgenre. Zu seinen Chargenrollen gehörten komisch verquere Botschafter, Direktoren, Generäle und Kammerherren. Seine Gestaltungen verloren vor allem in den Filmen der 50er und 60er Jahre an überzeichnender Schärfe. An ihre Stelle trat eine manieristische Komik, die zuweilen die Grenze zur Albernheit streifte. Doch gerade diese Gestaltungen haben M. populär gemacht. Sein maliziöses Grinsen, seine schillernde Glatze und seine schnarrend-näselnde Überartikulation wurden zu Markenzeichen. Das Massenmedium machte sich popularisierend zu eigen, was der Kritiker Friedrich Luft als Wesenszug seiner Spielweise beschrieb: „Er turnte Ausdruck. Er strampelte Mitteilung mimisch, Er konnte umwerfend komisch sein, aber eigentlich immer nur im Überdruck“.

    Daß M. auch zur präzisen Dosierung seiner überpointierenden Spielweise fähig war, bewies er in seinem klassischen Rollenrepertoire auf dem Theater, wie etwa 1943 als Mephisto am Berliner Schillertheater, als Malvolio, Marinelli, Polonius oder Riccaut in seinen Engagements der Nachkriegszeit in Berlin, München, Göttingen, Wuppertal und Hamburg. Hier war er seit 1966 fest am Thalia-Theater engagiert. Am 5.3.1971 stand er als Agamemnon zum letzten Mal auf der Bühne.|

  • Auszeichnungen

    Darstellerpreis d. dt. Filmkritik (1960 u. 1961); Filmband in Gold d. Dt. Filmpreises (1968).

  • Werke

    Lieder im Abend (Gedichte), 1922;
    Meine berühmten Freundinnen, Erinnerungen, 1967 (P).

  • Literatur

    H. Jhering, in: Berliner Börsen-Courier v. 11.3.1921;
    100 Worte Lebenslauf, o. J. (1933), S. 18 f.;
    F. Luft, in: Die Welt v. 23.8.1961;
    ders., ebd. v. 14.5.1971;
    W. Drews, in: FAZ v. 23.8.1966;
    g. r. (G. Rühle), ebd. v. 14.5.71;
    G. Salmony, in: SZ v. 14.5.1971;
    W. Karsch, in: Der Tagesspiegel v. 14.5.1971;
    Stuttgarter Ztg. v. 14.5.1971;
    Dt. Bühnen-Jb. 80, 1972, S. 139 u. XXXI (P);
    H. M. Bock (Hrsg.), Cinegraph. Lex. z. dt.sprachigen Film, 1984 ff., Lfg. 13, S. D 1-D 10.

  • Autor/in

    Jürgen Kasten
  • Empfohlene Zitierweise

    Kasten, Jürgen, "Meyerinck, Hubert von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 396 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581988.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA