Lebensdaten
1457 bis 1482
Geburtsort
Brüssel
Sterbeort
Brügge
Beruf/Funktion
Erzherzogin von Österreich ; Herzogin von Burgund
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11857776X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maria von Burgund (geborene)
  • Maria
  • Maria von Burgund (geborene)
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Maria, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11857776X.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Hause Valois;
    V Hzg. Karl d. Kühne v. Burgund (1433–77), S d. Hzg. Philipp d. Guten v. Burgund (1396–1467) u. d. Isabella v. Portugal (1397–1472);
    M Isabella (1435/37-65), T d. Hzg. Karl v. Bourbon (1401–56) u. d. Agnes v. Burgund (1407–76);
    Stief-M (seit 1468) Margarethe v. York (1446–1503, Schw Kg. Eduards IV. v. England, 1442–83);
    - Brügge/Gent 1477 Erzhzg. (seit 1508 Kaiser) Maximilian I. ( 1519, s. NDB 16);
    2 S (1 früh †), 1 T, u. a. Erzhzg. Philipp d. Schöne (1478–1506, Hzg. v. Burgund 1493, Kg. v. Kastilien 1504, ⚭ Johanna d. Wahnsinnige, Infantin v. Spanien, 1479–1555), Margarethe ( 1530, s. NDB 16);
    E Kaiser Karl V. ( 1558, s. NDB XI).

  • Leben

    M. verbrachte ihre Kinder- und Jugendjahre mit gleichaltrigen Kindern aus Adelsfamilien vorwiegend in Quesnoy und Gent. Mit acht Jahren verlor sie ihre Mutter und kam in die Obhut der Kammerfrau Johanna von Halewin und nach der neuerlichen Heirat des Vaters zu ihrer Stiefmutter Margarethe von York, mit der sie ein inniges Verhältnis verband. Sie genoß eine äußerst sorgfältige Erziehung, wie sie dem kulturell hochstehenden burgund. Hof entsprach. Alle Zeitgenossen rühmten M.s besonderen Liebreiz.

    Nachdem sich die Hoffnung auf einen Sohn nicht erfüllte, führte Karl der Kühne mit vielen Bewerbern Heiratsverhandlungen für M., die künftige Erbin der burgund. Länder (diese waren teils Reichslehen, teils Lehen der franz. Krone und von der burgund. Dynastie geeint, in der männliches und weibliches Erbrecht galt). Die ernstzunehmenden Kandidaten waren Hzg. Karl von Guyenne, Bruder Ludwigs XI. von Frankreich, Nikolaus von Kalabrien, Hzg. von Lothringen, und Hzg. Philibert von Savoyen. 1463 hatte Papst Pius II. eine Heirat zwischen Maria und dem Kaisersohn Maximilian angeregt; 1469 wurde dieser Plan zwischen Karl dem Kühnen und Erzhzg. Sigmund von Tirol besprochen. Die darauffolgenden Verhandlungen zwischen Kaiser Friedrich III. und dem Herzog von Burgund auf dem Hoftag zu Trier (1473) scheiterten jedoch an den allzu hohen politischen Forderungen Karls des Kühnen. Erst nachdem er schwere diplomatische und militärische Niederlagen hatte hinnehmen müssen, gab Karl seine Zustimmung zur Heirat: zunächst mündlich, dann schriftlich und im Mai 1476 in Lausanne in feierlicher Form ohne alle Bedingungen. Auch M. anerkannte Maximilian als künftigen Gemahl. Dagegen suchte Frankreich nach dem Tode Karls des Kühnen in der Schlacht vor Nancy (5.1.1477) den burgund. Staat zu zerschlagen und besetzte sofort das Herzogtum, die Freigrafschaft Burgund sowie die südlichen Grenzgebiete der Niederlande. Die niederländ. Stände erkannten M. zwar als ihre „natürliche Erbherrin“ an, waren aber zur Verteidigung gegen Frankreich zunächst nicht bereit; in einer allgemeinen Erhebung erzwangen sie von ihr am 11.2.1477 in Gent das große Privileg für Flandern mit weitgehenden Freiheiten und ständischen Mitregierungsrechten, dem ähnliche Privilegien für die anderen Länder folgten. Trotz größter Bedrängnis widersetzte sich M. den Werbungen Kg. Ludwigs XI. für den Dauphin Karl (VIII.), Hzg. Georgs von Clarence, eines Bruders der Stiefmutter, und auch der niederländ. Herren Johann und Philipp von Kleve sowie Adolfs von Geldern und hielt an der Verlobung mit Maximilian fest. Als dieser im August in die Niederlande kam, wurde er auch von den Ständen als Retter begrüßt. Am 19.8.1477 wurde in Gent die Hochzeit gefeiert. Der Ehevertrag gestand nur den Kindern ein Erbrecht zu; aber schon am 17. September setzte M. ihren Gemahl für den Fall ihres kinderlosen Todes zu ihrem Alleinerben ein. Maximilian wurde Oberhaupt des Ordens vom Goldenen Vlies. Er übernahm sofort die Führung des Verteidigungskrieges gegen Frankreich, der 15 fahre dauern und den Niederlanden härteste Opfer abverlangen sollte. Die Ehe selbst, geschlossen zunächst aus rein politischem Kalkül, um den Häusern Österreich und Burgund den Aufstieg zur Weltmacht zu eröffnen, wurde eine überaus glückliche Verbindung; Maximilian berichtet davon in Briefen und später im „Weißkunig“ und im „Theuerdank“. Doch bereits Anfang März 1482 stürzte M., eine leidenschaftliche Jägerin, bei der Vogelbeize vom Pferd und erlag drei Wochen darauf in Brügge ihren schweren Verletzungen. In ihrem Testament setzte sie ihre beiden Kinder zu Erben ein und Maximilian zu deren Vormund; kurz vor ihrem Tod verpflichtete sie die Ritter vom Goldenen Vlies zum besonderen Gehorsam gegenüber Maximilian. Der Tod M.s verschärfte die schwelende burgund. Staatskrise, doch war der Fortbestand der Dynastie durch die beiden Kinder gesichert.

  • Literatur

    ADB 20;
    Briefe Maximilians, Theuerdank u. Weißkunig, s. Art. „Maximilian“;
    G.-H. Dumont, M. de Bourgogne, 1943;
    P. Van Ussel, De Regeering van M. van Bourgondie over de Nederlanden, 1943;
    ders., M. van Bourgondie, 1944;
    L. Hommel, Marie de Bourgogne ou le grand héritage, 1951;
    Y. Cazaux, Marie de Bourgogne, 1987;
    H. Wiesflekker, Kaiser Maximilian I., Das Reich, Österreich u. Europa an d. Wende z. Neuzeit, Bd. 1: Jugend, burgund. Erbe u. Röm. Königtum bis z. Alleinherrschaft 1459–93, 1971;
    F. Unterkircher. Burgund. Brevier, 1974;
    C. Vossen, M. v. B., 1982;
    B. Hamann (Hrsg.), Die Habsburger, 1988 (P);
    Wurzbach VII.

  • Autor/in

    Inge Wiesflecker-Friedhuber
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiesflecker-Friedhuber, Inge, "Maria" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 188 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11857776X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Maria von Burgund, Tochter Karl's des Kühnen und Isabellas von Burgund, geboren am 13. Februar 1457 in Brüssel. Kaum war ihr Vater bei Nancy gefallen, als sofort die Stände von Brabant, Flandern, Holland und Hennegau nach Gent zusammenberufen wurden, um über die Erbfolge zu berathen (3. Februar 1477). M. wurde als die rechtmäßige Erbin der genannten Länder anerkannt, aber die Städte ließen diese Gelegenheit nicht vorbeigehen, ohne auf die Wiederherstellung ihrer von Karl dem Kühnen größtentheils vernichteten Privilegien zu dringen und die Freiheiten, welche M. jetzt nothgedrungen zugestehen mußte, bildeten das sogenannte Großprivilegium (März 1477). Ludwig XI. hatte nach dem Tode ihres Vaters das Herzogthum Burgund widerstandslos an sich gerissen und um seine Ansprüche auf Flandern zu paralysiren, schickte sie eine Gesandtschaft nach Paris, um dem König für Flandern, als französisches Lehen, den Lehenseid zu leisten und um einen endgiltigen Frieden mit ihm abzuschließen; der König verlangte aber außerdem noch die Hand Maria's für den erst siebenjährigen Dauphin. Die beiden hervorragendsten Mitglieder der Gesandtschaft, Hugonet und Humbercourt, die selbst französisch gesinnt waren, wußten die widerwillige M. schließlich dahin zu bringen, auf die von Ludwig XI. gestellte Bedingung einzugehen und schon hatte sie eingewilligt, mit Hugonet heimlich Gent zu verlassen und sich an den französischen Hof zu begeben, aber der Plan wurde entdeckt und Hugonet sowol wie Humbercourt trotz der persönlichen Fürbitte Maria's verurtheilt und enthauptet (3. April 1477). Indessen waren von allen Seiten Freier um „die reichste Erbin der Christenheit“ auf dem Schauplatz erschienen; außer Ludwig XI., der sie für seinen Sohn begehrte, kamen noch weiter in Betracht: Carl, Herzog von Guyenne, Ludwig's XI. Bruder; Philibert, Herzog von Savoyen; Nocolaus, der Herzog von Calabrien und Adolf von Gelder, der langjährige Gefangene Karl's des Kühnen; ferner begehrte sie Margaretha von York, ihre Stiefmutter, für ihren Bruder, den Herzog von Clarence, den Bruder Eduards VI. und endlich der|Herzog von Cleve für Adolf von Cleve, den Herrn von Ravestein, den Vertrauten Maria's, der Hugonet und Humbercourt kurz vorher aufs Schaffot gebracht hatte. Der Bevorzugte war aber Maximilian, der Sohn des deutschen Kaisers Friedrichs III. Schon früher bei der Zusammenkunft, welche der Kaiser mit Karl dem Kühnen in Trier (1473) gehabt hatte, war von einem Heirathsproject zwischen dem Erzherzog und M. die Rede gewesen und jetzt schrieb M. selbst an Maximilian und lud ihn ein, in die Niederlande zu kommen. Der Kaiser ließ durch eine Gesandtschaft für seinen Sohn um M. werben, die Stände gaben ihre Zustimmung und am 18. August 1477 wurde die Hochzeit in Brügge gefeiert und dadurch ging die Herrschaft über die Niederlande auf das Haus Oesterreich über. — Ludwig XI., erbittert über diese Heirath, fiel in die Niederlande ein, ein am 18. September 1477 abgeschlossener Waffenstillstand lief resultatlos ab, im April des folgenden Jahres eröffnete Ludwig aufs Neue die Feindseligkeiten, verwüstete Artois und Flandern, wurde aber bei Guinegate von Maximilian, der sein Heer persönlich anführte, geschlagen. M. starb schon am 27. März 1482, erst 25 Jahre alt, in Brügge in Folge einer verwahrlosten Wunde, die sie auf der Jagd durch einen Sturz vom Pferde erhalten; sie hinterließ zwei Kinder, Philipp den Schönen und Margaretha.

  • Autor/in

    Wenzelburger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wenzelburger, Theodor, "Maria" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 366-367 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11857776X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA