Lebensdaten
1866 bis 1953
Geburtsort
Greene bei Kreiensen (Hannover)
Sterbeort
Bremen
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118575910 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mackensen, Fritz

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Zitierweise

Mackensen, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118575910.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1836–71), Bäckermeister in G., S d. Anton in Gandersheim u. d. Konradine Niederberg aus Braunschweig;
    M Luise (1839–1919), T d. Konrektors Heinrich Meyer in Bodenwerder u. d. Hanna Caroline Kemper;
    B Otto (s. 2);
    - 1907 Hertha (1884–1949), Malerin, Schülerin M.s, T d. Hermann Stahlschmidt in Bonn u. d. Louise Ottilie Brand;
    1 T.

  • Leben

    M. studierte seit 1884 an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er eine gründliche Ausbildung bei dem Historienmaler Peter Janssen erhielt. Otto Modersohn und Fritz Overbeck zählten zu seinen Studienfreunden. Im Winter 1888/89 setzte er seine Studien in München bei F. A. v. Kaulbach und W. v. Diez fort. Die alten und neueren Meister in den Münchener Museen, insbesondere Rembrandt, Böcklin und Feuerbach, übten starken Einfluß auf ihn aus. Im Herbst 1888 fanden die auf der 3. Internationalen Kunstausstellung vertretenen Franzosen Corot, Daubigny, Dupré und Rousseau großen Anklang bei M. und seinen Freunden. J. Langbehns programmatische Schrift „Rembrandt als Erzieher“ gab entscheidende Anregungen für M.s Schaffen. 1884 hatte er das Moordorf Worpswede für die Künstler entdeckt, seitdem hielt er sich regelmäßig in dieser Gegend mit ihrer flachen Landschaft auf, deren Naturschauspiel ihn ebenso beeindruckte wie das einfache, naturverbundene Leben der Dorfbewohner. 1889 folgten ihm Modersohn und Hans am Ende, den er aus der Münchener Zeit kannte, nach Worpswede. Sie verlebten dort zusammen die Sommermonate; mit ihrer Malerei wandten sie sich den alltäglichen Dingen in Natur und Landschaft zu, womit sie gegen den an den Akademien vorherrschenden Historismus antraten. Die Schule von Barbizon und speziell Millet mit seinem Kreis wurden zum Vorbild. In den Wintermonaten vertieften die drei Maler ihre Studien bei verschiedenen Lehrern. M. nahm 1892 im Meisteratelier von Chr. L. Bokelmann in Karlsruhe die Arbeit an seinem Hauptwerk der Frühzeit, dem „Gottesdienst im Freien“ (1886-95, Hannover, Hist. Museum) wieder auf. 1893 folgte er Bokelmann nach Berlin und beendete dort schließlich auch sein Gemälde. 1893/94 kamen Overbeck und dessen Freund Heinrich Vogeler nach Worpswede. Carl Vinnen, ebenfalls früher ein Schüler von Janssen in Düsseldorf, hielt von seinem Gut Ostendorf aus regen Kontakt zu den Worpswedern.

    Zu Beginn der 90er Jahre beschäftigte sich M. zunehmend mit großformatigen figürlichen Darstellungen des einfachen bäuerlichen Lebens, wie in dem Bild „Der Säugling“ (1892, Bremen, Kunsthalle), auch „Moormadonna“|genannt, womit sein früher Ruhm begründet wurde. Nachdem die erste Gruppenausstellung in Bremen zur Teilnahme an der internationalen Kunstausstellung im Münchener Glaspalast führte, wurde 1897 die „Künstlervereinigung Worpswede“ gegründet. M. war neben Modersohn das erfolgreichste Mitglied der Gruppe. 1895 erhielt er für seinen „Gottesdienst im Freien“ die goldene Medaille der Münchener Künstlergenossenschaft. Zu dieser Zeit entstand eine Anzahl realistischer Studien mittleren Formats, die M. als bedeutenden Landschaftsmaler ausweisen und seine Nähe zum deutschen Impressionismus zeigen. 1895-1904 lebte M. ständig in Worpswede. Anhaltender Erfolg, vielfältige Auszeichnungen und verschiedene Ämter ermöglichten ihm ein materiell gesichertes Leben, was auch in der Errichtung einer Villa am Weyerberg (1900) seinen Ausdruck fand. Als gesuchter Lehrer unterrichtete er unter anderem 1898 auch die junge Paula Becker, die spätere Gemahlin Otto Modersohns. Clara Westhoff wurde von ihm zur plastischen Arbeit angeregt. Persönliche Konflikte innerhalb der Gruppe hinderten M. an der Teilnahme am regen Gedankenaustausch auf Vogelers Barkenhoff, der um die Jahrhundertwende zum geistigen Mittelpunkt des Dorfes wurde. Zur schließlichen Auflösung der Künstlervereinigung trug auch bei, daß bereits 1899 zuerst Modersohn, dann Overbeck und Vogeler austraten.

    Seit der Jahrhundertwende fühlte M. sich verstärkt der malerischen Tradition des 19. Jh. verpflichtet. Es entstanden Bilder wie „Die Scholle“ (1898, Weimar, Schloßmuseum), oder „Die Bergpredigt“ (1907, Heidelberg, Peterskirche), die ihn aus heutiger Sicht als Maler verharmlosender Idealisierung eines banalen Heimatbegriffs erscheinen lassen. In Weimar erhielt M. eine Professur an der Hochschule für bildende Kunst, deren Direktor er 1910 wurde; 1918 kehrte er nach Worpswede zurück. 1933 wurde M. nach Bremen an die Nordische Kunsthochschule zu deren Aufbau und Leitung berufen, jedoch schon nach zwei Jahren entlassen. In seiner Spätzeit schuf er vor allem Porträts, die sich am Realismus früherer Jahre orientieren.

  • Werke

    Weitere W Landschaften mit Moorkanal, 1887 (Hamburg, Privatbes.);
    Trauernde Fam., 1896 (Bremen, Slg. Roselius);
    Mädchen am Gartenzaun, 1897 (Worpswede, Slg. Kaufmann);
    Der Holzschuhmacher, 1898 (ebd.);
    Abend im Moor, 1898 (ebd.);
    Doodenbeer, 1900 (Bremen, Kunsthalle). - Schrr.:
    Gerd Klindworth - Betas Sohn, 1947 (Roman);
    Worpswede u. s. ersten Maler, 1940

  • Literatur

    R. M. Rilke, Worpswede, Monogr. e. Landschaft, 31910 (P);
    H. Bethge, Worpswede, 1907 (P);
    Stader Archiv NF 30, 1940, S. 5 ff. (P);
    H. Wohltmann, Leben u. Werk d. Malers F. M., ebd., H. 43, 1953, S. 59 ff. (P);
    L. Schüßler, Die Worpsweder Malerei um 1900, Diss. Marburg 1951;
    G. Wietek (Hrsg.), Dt. Künstlerkolonien, 1976 (P);
    Ausst.kat. Worpswede, Aus d. Frühzeit d. Künstlerkolonie, Bremen, 1970 (P);
    U. Hamm, Studien z. Künstlerkolonie Worpswede 1889-1908, unter bes. Berücksichtigung von F. M., Diss. München 1978 (P);
    Ausst.kat. Worpswede, Eine dt. Künstlerkolonie um 1900, Bremen 1980 (P);
    Ausst.kat. Worpswede, Eine dt. Künstlerkolonie um 1900, Fischerhude 1986 (P);
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Antje Noeres
  • Empfohlene Zitierweise

    Noeres, Antje, "Mackensen, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 621 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118575910.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA