Lebensdaten
vor 1480 bis 1522
Geburtsort
Kulmbach (?)
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118567993 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kulmbach, Hans von
  • Wagner, Hans (eigentlich)
  • Hans von Kulmbach
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Zitierweise

Kulmbach, Hans Suess von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118567993.html [13.12.2018].

CC0

  • Leben

    Der Zeitgenosse Johann Neudörfer nennt K. einen Lehrjungen des Jacopo de'Barbari, der sich von 1500 bis gegen Mitte 1503 in Nürnberg aufhielt, wogegen ein Jahrhundert später Joachim v. Sandrart ausführlich über eine Schülerschaft bei Albrecht Dürer spricht. Mit diesem läßt sich eine Zusammenarbeit bereits für die 1501 erschienene Ausgabe der Komödien der Roswitha von Gandersheim erweisen, deren Holzschnittillustrationen von beiden Künstlern gemeinsam besorgt wurden. Ebenso für die 1502 veröffentlichten „Quatuor libri amorum“ des Konrad Celtis. Quellen und stilistischer Befund ergeben, daß K. bereits um 1500/01 in Nürnberg ansässig war und mit Dürer in Verbindung trat. In dieser Zeit lernt er auch Jacopo de'Barbari kennen und nimmt von ihm Anregungen in seinen fortschreitend von Dürer bestimmten Stil auf. 1505 arbeitet K. zusammen mit anderen Dürer nahestehenden Künstlern am Holzschnittschmuck von Ulrich Pinders „beschlossen gart des Rosenkranz Mariae“ und beteiligt sich 1507 mit der Darstellung des Ganges Christi und der Apostel zum Ölberg an den ganzseitigen Illustrationen des „speculum passionis domini nostri Ihesu christi“ des gleichen Autors. Mit diesem Holzschnitt und dem Kanonblatt|eines Würzburger Missale von 1509 ist sein Stil voll ausgebildet. Der Charakter der Persönlichkeit, die hinter dem Werk steht, wird erkennbar. Große dramatische Akzente fehlen. Verhaltene Ruhe kennzeichnet die meisten seiner Figuren. Etwas von jünglingshafter Frische und Unbeschwertheit, die den Maler bis zu seinem frühen Tod begleitet haben mögen, ist in seine Bildnisse junger Männer eingegangen, die zu seinen ansprechendsten Werken zählen.

    Die eigentliche Domäne K.s ist die Farbe. Er ist der Künstler des Dürerkreises, der die traditionsgebundenen Aufträge für die Altarflügel übernimmt, die einen Schrein mit geschnitzten Figuren zu flankieren haben. Sieht man von einem 1505 datierten, mit Vorsicht K. zugeschriebenen Porträt ab, das möglicherweise Albrecht Dürer darstellt (Kremsier, Südmähren, Gal. d. alten Kunst), dann ist als erstes Malwerk ein Altarflügel mit dem Tempelgang Mariens und der Darstellung des Jesusknaben im Tempel durch Inschrift 1508 datiert (1945 auf der Cadolzburg b. Fürth verbrannt). Vorausgegangen sind wohl die stilistisch dem Titelblatt zum „beschlossen gart“ verwandten Flügel des Nikolausaltars in St. Lorenz (Standflügel im German. Nat.mus. Nürnberg), die, einer Nürnberger Tradition folgend, lebensgroße Einzelfiguren von Heiligen zeigen. In der farbigen Zusammenfassung ist auf eine Belebung durch intensive, sich im Nebeneinander durch Kontraste steigernde Werte verzichtet. Dem Vorbild des Nikolausaltars folgt der Annenaltar in St. Lorenz (abgetrennte Innenseiten der Flügel und Standflügel, Bamberg, Staatsgal.). Gegen 1510 ergeht ein weiterer repräsentativer Altarauftrag, bei dem nun auch das Zentrum dem Maler zur Verfügung steht. In acht Bildern werden Ereignisse aus dem Leben der hll. Petrus und Paulus geschildert. In den dramatischen Szenen der lebhaft erzählenden Bilder zeigen sich die Schwächen K.s. Um so eindringlicher sind jene Ereignisse der Apostelleben gelungen, in denen sich der Maler als gemütvoller Schilderer bewähren kann. Die See- und Berglandschaft am See Genezareth läßt ein enges Verhältnis des Malers zur Natur und sein Talent zu deren Wiedergabe erstmals erkennen (Florenz, Uffizien). Der ursprüngliche Standort des bedeutenden Werkes ist nicht bekannt. Als Aufträge für Kirchen in Krakau sind dagegen drei Altäre gesichert, die sich wenigstens in Teilen am alten Ort befinden oder bis zum 2. Weltkrieg dort aufbewahrt wurden. Das früheste ler Retabel war für das Kloster der Pauliner auf der Skalka bestimmt, wo sich die Flügel bis 1939 befanden. Die Mitteltafel mit der Anbetung der Hl. Drei Könige ist 1511 datiert; die erstmals auftretende Signierung mit dem Monogramm HK setzte wohl den Erwerb des Nürnberger Bürgerrechts im gleichen Jahr voraus (Berlin, Staatl.Mus., Preuß. Kulturbes., Gem.gal.). Flügelbilder mit Szenen aus dem Leben der hl. Katharina von Alexandria tragen die Daten 1514 und 1515 als Anfang und Ende der Arbeit (Krakau, St.-Marien-Kirche). Der Altar wurde von Bürgermeister Jan Boner, der einer aus Nürnberg zugewanderten Familie angehörte, für die Kapelle seiner Familie in der Marienkirche, dem Gotteshaus der deutschen Gemeinde, gestiftet. Bereits ein Jahr später war auch das zweite für die Marienkirche bestimmte Werk, die Flügel eines dem Apostel Johannes geweihten Altars, vollendet (Predella: Warschau, Nat.mus.; Flügel: bis 1939 Krakau, Kloster St. Florian, verschollen). In lat. Inschriften bezeichnet sich der Maler jeweils als Johannes Sues Norimbergensis civis. Die Bilder zeigen deutlich eine Weiterentwicklung der Natursicht des Künstlers. Das Bildgeschehen wird in einer der Nürnberger Malerei sonst unbekannten Synthese mit dem Stimmungsgehalt von Wald- und Gebirgslandschaften verschmolzen.

    In diesen fruchtbarsten Jahren entsteht zwischen den Arbeiten für Krakau 1513 das dreiteilige Gedächtnisbild für Propst Lorenz Tucher (Nürnberg, St. Sebald). Bereits Neudörfer und Sandrart, der den von Dürer gezeichneten, 1511 datierten Entwurf besaß (Berlin, Staatl. Mus., Preuß. Kulturbes., Kupf.kab.), heben die Tafel als ein Hauptwerk des Künstlers hervor. Die Farben strahlen in südlicher Schönheit, so daß mit Recht vom „italienischsten Malwerk der Dürerzeit“ gesprochen werden konnte. Ein persönliches Erleben ital. Malerei läßt sich nicht ausschließen. Aus den späteren Jahren hat sich ein den heiligen Rittern geweihter Altar in der Kirche von Limbach b. Pommersfelden vollständig erhalten. Die manieristisch gelängten Proportionen der Gestalten haben zu einer Einordnung um 1518 geführt, dem Jahr, in dem auch das letzte durch Inschrift datierte, für eine Kirche bestimmte Werk entsteht, die Stiftung eines Mitglieds der in Nürnberg ansässigen Kaufmannsfamilie Stöckel, geweiht den Pestheiligen Sebastian und Rochus (Hannover, Niedersächs. Landesgal.).

    Die gesicherte Tätigkeit K.s als Porträtist beginnt 1511 mit einem Bildnis des Mgf. Kasimir von Brandenburg, doch fallen seine ansprechendsten Leistungen auf diesem Gebiet in die letzten Lebensjahre, in denen zwei Bildnisse junger Männer entstehen (Nürnberg, German. Nat.mus.; Berlin, Staatl. Mus., Preuß. Kulturbes., Gem.gal., datiert 1520). Es ist nicht allein Dürers Porträtstil, auf dem K. aufbaut, der weichere, verbindlichere des Jacopo de'Barbari kam seinem Charakter entgegen. Die Anziehungskraft seiner Bildnisse beruht weniger auf einer physiognomischen Deutung der Dargestellten als auf der feinen Kultur ihrer Haltung. Auch in den monumentalen Formen der Wand- und Glasmalerei hat sich K. bewährt. Noch in der Mitte des 19. Jh. befand sich an der Mauer des ehemaligen Klosters der Klarissinnen in Nürnberg eine ihm zugeschriebene Darstellung des auferstandenen Christus als Gärtner vor Magdalena. Nachzeichnungen (Nürnberg, v. Tuchersches Familienarchiv) der Wanddekoration der Familienkapelle der Tucher im ehemaligen Haus zur Krone mit Szenen aus der Katharinenlegende geben einen Eindruck dieses 1517 entstandenen, auf den Krakauer Katharinenaltar zurückgreifenden Werks. Entwürfe für Glasgemälde spielen in K.s Werk auch zahlenmäßig eine bedeutende Rolle. Einen neuen Typus des Glasfensters vertreten in St. Sebald das Kaiserfenster von 1514/15 und das im gleichen Jahr entstandene Markgrafenfenster. Auch für die aufkommende Gattung der kleinformatigen Kabinettscheiben liegen Entwürfe K.s vor. Eine ganze Reihe erhaltener Scheiben kann ihm zugeschrieben werden.

    Der größte Teil der ca. 150 überkommenen Zeichnungen entstand als Vorarbeit für Altargemälde oder als Scheibenriß für Glasmalerwerkstätten, doch besitzen viele dieser Blätter Eigenwert als selbständige Kunstwerke. Feder und Pinsel, Kohle und Kreide waren die Werkzeuge und Medien, die der Künstler für seine Zeichnungen, die er in vielen Fällen auch mit einer leichten Kolorierung versah, gleich gewandt benützte.

  • Werke

    Ein gr. Teil d. maler. u. graph. Werks ist im Kat. d. Ausstellung „Meister um Albrecht Dürer“, Nürnberg 1961, Nr. 149-223, beschrieben. Die Zeichnungen wurden v. F. Winkler vollst. veröff. Aufstellung d. Gemälde in: Kindlers Malerei Lex. III.

  • Literatur

    ADB 17 (überholt);
    Des Joh. Neudörfer … Nachrr. v. Künstlern u. Werkleuten … a. d. J. 1547, hrsg. v. G. W. K. Lochner, 1875, S. 134 f.;
    J. v. Sandrart, Ac. d. Bau-Bild- u. Mahlerey- Künste v. 1675, hrsg. v. A. R. Peltzer, 1925, S. 76 f.;
    J. G. Doppelmayr, Hist. Nachrr. v. d. Nürnberg. Mathematicis u. Künstlern …, 1730, S. 192;
    K. Koelitz, H. S. v. K. u. s. Werke, 1891;
    E. Bock, Zeichnungen v. H. v. K. f. e. Kaiserfenster, in: Mhh. f. Kunstwiss. 2, 1909;
    H. Röttinger, Handzeichnungen d. H. S. v. K., in: Münchner Jb. NF 4, 1927;
    E. Buchner, H. v. K. als Bildnismaler, in: Pantheon 1, 1928;
    W. Hugelshofer, Bildnisse v. K. u. Schäufelein, ebd. 3, 1929;
    E. Schilling, Zwei Porträtzeichnungen d. H. v. K., ebd. 9, 1932;
    O. Benesch, Nochmals d. Kremsier Dürerbildnis, ebd. 14, 1934;
    H. Tietze u. E. Tietze-Conrat, Der Entwurf zu H. v. K.s Tucherbild, in: Anz. d. German. Nat.mus. 1934/35;
    F. Stadler, H. v. K., 1936;
    F. Winkler, H. v. K., in: Pantheon 1937;
    ders., Die Holzschnitte d. H. S. v. K., in: Jb. d. preuß. Kunstslgg. 62, 1943 (W, L);
    ders., Die Zeichnungen H. S. v. K.s u. H. L. Schäufeleins, 1942;
    ders., H. v. K., 1959;
    W. Drecka, K., 1957;
    Meister um Albrecht Dürer, Ausstellung im German. Nat.mus, 1961 (W, L, auch poln.);
    W. Holl, H. v. K., 1972;
    Kindlers Malerei Lex. III;
    ThB.

  • Autor/in

    Peter Strieder
  • Empfohlene Zitierweise

    Strieder, Peter, "Kulmbach, Hans Suess von" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 277-279 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118567993.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kulmbach: Hans v. K., eigentlich Wagner nach seinem Familiennamen geheißen, geb. zu Kulmbach in Franken, zu Nürnberg um 1522, berühmter Maler. Er wird ein Schüler des Venetianer Malers Jacopo Barbarj genannt, als dieser sich eine Zeit lang (um 1495) in Nürnberg aufhielt. In seinem Gemälde der Anbetung der Könige läßt sich einigermaßen italienische Reminiscenz wahrnehmen. Im Ganzen war aber der Einfluß des Jacopo auf Kulmbach doch nur vorübergehend und der Künstler hielt sich mehr an Dürer, dem er sehr Verwandt ist. Obwol er ihn nicht in der Zeichnung erreicht, so steht er ihm doch in der Wärme des Colorits wie im Naturgefühl sehr nahe. Der Umfang seiner Kunst ist eng begrenzt, es sind kirchliche Darstellungen, mit denen er sich ausschließlich befaßt. Zu seinen Hauptwerken gehört der Tucher'sche Altar im Chor der Sebalduskirche zu Nürnberg. Man sieht die thronende Maria mit dem Kinde, von Engeln gekrönt und besungen, von den Heiligen Katharina und Barbara, umgeben. Auf den Flügeln sieht man neben Petrus, Laurenz. Johannes Bapt. und Hieronym den Stifter des Altarwerkes. Lorenz Tucher. Die Zeichnung dazu vom J. 1513 befindet sich im Berliner Museum. In demselben, in der Gallerie, ist ein zweites Hauptwerk des Meisters, die oben erwähnte Anbetung der Könige, mit dem Monogramm und 1511 bezeichnet. Das leuchtende Colorit des Bildes ist bemerkenswerth. Ein gleicher Gegenstand befindet sich in der Pinakothek zu München, ebenda eine Sendung des heiligen Geistes, eine Auferstehung und eine Krönung der Maria. Hier hatte K. sogar Dürer'sche Motive verwendet. Das Bild in der Moritzkapelle zu Nürnberg mit Joachim und Anna auf Goldgrund weist frühere Auffassung auf. Man hatte ihm früher auch Kupferstiche mit I. C. und dem Wappen von Köln zuschreiben wollen, sie gehören ihm aber keineswegs an.

    • Literatur

      Waagen. Parthey.

  • Autor/in

    Wessely.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Joseph Eduard, "Kulmbach, Hans Suess von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 363-364 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118567993.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA