Lebensdaten
1907 bis 1955
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Berlin (Ost)
Beruf/Funktion
Anhänger der Wandervogelbewegung
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118564153 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • tusk (Pseudonym)
  • Koebel, Eberhard
  • tusk (Pseudonym)
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Zitierweise

Koebel, Eberhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118564153.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1865–1927), Dr. iur., Oberlandesgerichtsrat, S d. Gerichtsaktuars Heinrich Otto (1838–78) aus Leutkirch u. d. Henriette Koebel, Apothekerstochter aus Sitten (Wallis);
    M Eugenie (1876–1956), T d. KR Rudolf Frdr. Schüle aus Kirchheim/Teck u. d. Kornelia Bekh;
    B Ulrich (1901–75), Dr. iur., Senatspräs, in St.;
    Berlin-Zehlendorf 1932 Gabriele Römer.

  • Leben

    Nach dem Abitur war K. als Graphiker im Verlagswesen tätig. 1927 lebte er einige Monate lang bei den Jokkmokk-Lappen, von denen er „tusk“ (= der Deutsche) genannt wurde; seine Lappland-Erlebnisse schildert er in „Große Umwege“ (1932). Aus einer Gruppe des Deutsch-Wandervogels kommend, wurde er 1928 Führer des Gaues Schwaben 2 in der Deutschen Freischar. Durch die Herausgabe der bündischen Zeitschriften „Briefe an die deutsche Jungenschaft“ (1928 ff.) und „Das Lagerfeuer“ (seit 1930, ging 1932 in der Zeitschrift „Der Eisbrecher“ auf) gewann er großen Einfluß innerhalb der Bünde. Der Programmschrift „Der gespannte Bogen“ (1931) folgte „Die Kiefer“, Blätter zur Führerausbildung; hierin werden Lehre und praktische Umsetzung des Zen dargestellt; „Die Heldenfibel“ (1933) will dem jungen Menschen in gleichem Geist eine Richtschnur aufzeigen. K. gab den Bünden immer wieder neue Impulse und erschloß für sie neue Gruppenpraktiken. Er wollte alle verwandten Bünde zur „Deutschen Jungenschaft“ zusammenschließen („deutsche jungenschaft vom 1.11.1929“ = „dj. 1.11.“). Er propagierte den „Jungenstaat“, in dem eine von Erwachsenenbestimmung freie „autonome“ Jugend sich selbst verwirklichen sollte. Seine Ideen fanden nicht zuletzt dank seines mitreißenden Temperaments und seiner persönlichen Ausstrahlungskraft lebhaftes Echo. Seine Gegner – auch in den Reihen der Bundesführungen – verglichen K. daher mit einem „Desperado“, der die Jungen ähnlich wie der sagenhafte Rattenfänger von Hameln mit dem erregenden Klang und Rhythmus seiner Lieder und Chöre verzaubere, mit einem Magier, der mit pseudokultischen Zeremonien in schwarzen Feuerzelten („Koten“) ihren Geist und ihre Sinne betöre, mit einem Demagogen, der die Jugend mit seinen zündenden Ideen ködere, um sie letztlich zur Illusion eines autonomen „Jungenstaates“ zu verführen. 1930 wurde K. daher aus der Deutschen Freischar ausgeschlossen. Zusammen mit Karl-Christian Müller („teut“) gründete er den Bund „Deutsche Jungenschaft – Fulda-Bund“, der sich noch 1930 mit dem „österreichischen jungenkorps“ (öjk) – dem ehemaligen Freischar-Gau Österreich – zur „deutschen autonomen jungenschaft dj. 1.11.“ zusammenschloß. Wenige Monate lang gehörte diese Gruppierung 1931 dem Deutschen Pfadfinderbund an. Im April 1932 trat K. selbst der KPD bei. Nach dem Verbot der bündischen Jugend im Juni 1933 empfahl er der „dj. 1.11.“, in die HJ beziehungsweise das „Jungvolk“ einzutreten, um sie von innen her zu unterwandern. Er selbst geriet Anfang 1934 in Gestapo-Haft und floh noch im gleichen Jahr über Schweden nach England. Dort gehörte er 1937 zu den Mitbegründern der Exil-FDJ, für deren „Freie Tribüne“ er gelegentlich schrieb. An der Londoner Universität erwarb er 1935 das Diplom in klassischem Chinesisch und unterzog sich 1939 dem Staatsexamen in Neuphilologie. 1948 ging er nach Ost-Berlin, wo er zunächst sehr willkommen war. Eine Anknüpfung an seine Tätigkeit vor 1933 gelang ihm jedoch nicht mehr. Horst Brasch war nunmehr der führende Mann in der Jugendbewegung der DDR. Anfang 1951 wurde K. aus der SED ausgeschlossen, 1953 befand er sich ein halbes Jahr in Haft, da man ihn als englischen Spion verdächtigt hatte. Seinen Plänen, die Deutsche Jungenschaft unter seiner Führung im Rahmen der FDJ in ganz Deutschland aufzubauen, war der Boden entzogen. Dennoch blieb die Erinnerung an eine der faszinierendsten Gestalten der Jugendbewegung wach, an die charismatische Führernatur, die die Wünsche und Sehnsüchte|eines großen Teils der Jugend um 1930 verkörperte: Ostern 1947 fand ein Lager von Jungenschaftshorten der britischen Zone statt, 1948 wurde die „Deutsche Jungenschaft“ gegründet, 1951 der Bund „dj. e. V.“, 1960 der „Bund deutscher Jungenschaften“; zwei jungenschaftliche Gruppierungen um Johannes Ernst Seiffert in Nordhessen und Fritz Heß in Nürnberg knüpften seit 1948 bewußt an K.s Werk an und gründeten Ende 1953 den Bund „dj. 1.11.“ neu.

  • Werke

    Weitere W u. a. Jungenbundkal. 1931, 1932;
    Lieder u. Soldatenchöre d. Eisbrechermannschaft, 1933 (Nachdr. 1970);
    Die Leonenrotte, 1933 (Erz. unter Ps. Arno Kansen);
    Pinx, der Buchfink, 1950;
    AEG: Energie-Profit-Verbrechen, 1958;
    tusk, Ges. Schrr. u. Dichtungen, hrsg. v. W. Helwig, 1960 (mit Beispielen v. K.s eigentüml. Publikationstechnik u. deren graph. Gestaltung).|

  • Nachlaß

    Nachlaß im tusk-Archiv auf Burg Ludwigstein (Archiv d. dt. Jugendbewegung).

  • Literatur

    K. Tjaden, Rebellion d. Jugend, Die Gesch. v. tusk u. v. dj. 1.11., 1958;
    F. Raabe, Die Bünd. Jugend, 1961;
    H. Pross, Jugend-Eros-Politik, Die Gesch. d. dt. Jugendverbände, 1964;
    B. Heister, Ein Kap. Tusk od. eigtl. zwei, Ein Zeitgenosse v. Tusk berichtet, in: Europ. Begegnung, 3. Jg., 1963, S. 404 f.;
    K. Seidelmann (Hrsg.), Die dt. Jugendbewegung, 1966;
    F. Borinski u. W. Milch, Jugendbewegung, 1967;
    E. Holler, Der Nachlaß v. E. K.-tusk, in: Jb. d. Archivs d. dt. Jugendbewegung 1, 1969, S. 64 ff.;
    H. Grau, Bünd. Jugend - Spielwiese d. „Bourgeoisie“? ebd. 4, 1972, S. 63 ff.;
    ders., E. K.-tusk in Gestapo-Haft u. auf d. Wege in d. Emigration, ebd. 7, 1975, S. 145 ff.;
    ders., dj. 1.11., Struktur u. Wandel eines subkulturellen jugendl. Milieus in 4 J.zehnten, 1976 (W, L, P);
    D. Baacke, Jugend u. Subkultur, 1972;
    R. Kneip, Jugend u. d. Weimarer Zeit, in: Hdb. Jugendverbände 1919–38, 1974;
    W. Kindt (Hrsg.), Dokumentation d. Jugendbewegung III, 1974, S. 1197-1219.

  • Autor/in

    Werner Helwig
  • Empfohlene Zitierweise

    Helwig, Werner, "Koebel, Eberhard" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 288-289 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118564153.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA