Lebensdaten
1881 bis 1958
Geburtsort
Morshausen (Hunsrück)
Sterbeort
Mechernich (Eifel)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118563653 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kneip, Jakob

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kneip, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563653.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johs. Josef (1834–1915), Landwirt, S d. Landwirts Joh. Josef u. d. Anna Margarete Dietzler;
    M Elisabeth (1844–1909), T d. Landwirts Jakob Windhäuser in Beulich u. d. Elisabeth Schobl;
    Bonn 1922 Ida verw. Jung (1880–1961, ev.), T d. Kaufm. Richard Neukranz (1846–1914) u. d. Ida Schäfer; 1 Stief-T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Koblenz (1895–1902) studierte K. zunächst Theologie in Trier, dann Philosophie, Germanistik und Neuphilologie in Bonn, Paris und London (Staatsexamen 1908 in Bonn). Anschließend unterrichtete er an Gymnasien in Fulda, Hadamar, Wiesbaden, Limburg und Dietz. Während des 1. Weltkriegs war er zeitweise Dolmetscher im preußischen Kriegsministerium. Von der französischen Besatzungsmacht ausgewiesen, ging K. 1919 zu C. Sonnenschein nach Berlin und arbeitete als Korrespondent verschiedener Zeitungen. Von 1921 bis zu seiner Pensionierung 1929 unterrichtete er am Humboldt-Gymnasium in Köln. Mit seinem Lesebuch „Der Gefährte“ (141951) führte er in den 20er Jahren zeitgenössische Dichtung in den Schulen ein. Seit 1941 lebte er in Pesch (Eifel).

    1904 veröffentlichte K. zusammen mit Wilhelm Vershofen und Josef Windeier den Gedichtband „Wir Drei!“, 1912 gründete er mit ihnen den „Bund der Werkleute auf Haus Nyland“ und die Vierteljahrsschrift „Quadriga“ (später „Nyland“). Die Leitung des Bundes, dem unter anderem Richard Dehmel, Gerrit Engelke, Heinrich Lersch, Hans Franck und die Maler F. M. Jansen und Ernst Isselmann angehörten, lag bei K., Winckler und Albert Talhoff. Die Mitglieder des Bundes bejahten die technischen Errungenschaften und die Industrialisierung an Rhein und Ruhr, sorgten sich jedoch um den organischen Zusammenhang mit dem zentraleuropäischen Kulturboden am Rhein. Sie stellten daher Überlegungen an, wie man die Gefahren der Mechanisierung des Lebens und eines nur materiellen Industrialismus abwenden könne. Außerdem sollte durch die Gründung dieses Bundes den Schriftstellern breitere Resonanz im Volk verschafft werden. 1925 regte K. in Köln die erste rheinische Dichtertagung an. Im folgenden Jahr gründete er mit seinem Freund Alfons Paquet den Rheinischen Dichterbund zur Förderung junger Talente. 1945 wurde K. nach Koblenz geholt, um das kulturelle Leben in der französischen Besatzungszone zu beleben. 1946 gründete er das Rheinische Kulturinstitut, dessen Aufgabe er vornehmlich darin sah, das Gespräch mit dem französischen Nachbarn zu pflegen.

    Das Werk ist gekennzeichnet durch K.s Verbundenheit mit der bäuerlichen Welt, was ihn eine gewisse Naivität und Urtümlichkeit bewahren läßt, durch sein katholisches Erbe, das keine Engstirnigkeit und Prüderie kennt, und durch sein soziales Empfinden. K. war offen für alle Beiträge zur Erneuerung christlicher Denk- und Lebensart und hatte einen Blick für die Gefahren, die ihr von außen und innen her drohten. Die Landschaft zwischen Rhein und Mosel war für ihn nicht idyllischer Gefühls- und Erinnerungsbesitz, sondern eine geistige Wirklichkeit, ein Gleichnis innerer Beheimatung des Menschen. Seine Sprache sucht nicht nach neuen Formen; sie ist offen und ungekünstelt, kraftvoll und bildhaft. In den Heiligenlegenden „Der lebendige Gott“ (1919, erweiterte Auflagen 1937 u. 1956) stellt K. seine Fabulierkunst unter Beweis, seine Gemütstiefe und schlichte Frömmigkeit. Er will nicht Denkmäler bäuerlich-religiöser Kultur und naiven Glaubens konservieren, sondern die zeitlose Wirklichkeit des Heiligen auf der Erde offenbaren. Die Erzählungen der „Bergweihnacht (1937, = erweiterte Auflage von „Hunsrückweihnacht“, 1934; 21949) erinnern an die derbe Darstellung des Volkslebens bei Jeremias Gotthelf, die das Böse und Unheimliche mit frommer Festigkeit einschließt. Es ist K.s Drang in die Weite, seine Sehnsucht nach letzter Erfahrung von Welt und Überwelt, die „Hampit den Jäger“ (1927), den Helden seines erfolgreichsten Romans, zu sinnreichen Streichen und Abenteuern treiben, über deren Humor ein Schatten von Tragik liegt. Zweieinhalb Jahrzehnte hat K. an seiner Trilogie gearbeitet, deren Bände unter den Titeln „Porta Nigra“ (1932) – mit stark autobiographischen Zügen –, „Feuer vom Himmel“ (1936) und „Der Apostel“ (1955) erschienen sind. Er schuf damit einen weitgespannten Entwicklungsroman des vielfach angefochtenen, in die äußerste existentielle Bedrängnis getriebenen, aber von der unsichtbaren Gemeinschaft der Heiligen gehaltenen religiösen Menschen dieser Zeit. Eine Anzahl seiner Gedichte wurde von Josef Haas, Paul Hindemith und Jean Sibelius vertont.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Gedichte: Das brennende Volk, 1916 (mit J. Winckler u. W. Vershofen);
    Bekenntnis, 1917, erw. Aufl. 1927;
    Das Mirakel (mit Einführung v. D. H. Sarnetzki), 1923;
    Bauernbrot, 1934;
    Ein dt. Testament, 1934;
    Fülle d. Lebens, 1935;
    Gesammelte Gedichte, 1953;
    Der neue Morgen (mit Vorwort v. G. Oberkofler), 1958. -
    Erzz.: Barmherzigkeit, 1918;
    Hunsrückweihnacht, 1934;
    Johanna, e. Tochter unserer Zeit, 1954. -
    Frau Regine, Roman, 1942. -
    Essays: Das Reich Christi, 1935;
    Der Kölner Dom, 1939;
    Das Siebengebirge, 1941;
    Die geistige Aufgabe am Rhein, 1948;
    Licht in der Finsternis, Bilder u. Gleichnisse, 1949;
    Die Eifel, Bildband, 1956;
    Die Mosel, Bildband, 1956. -
    Manifeste: An Frankreich, 1922;
    Botschaft an d. Jugend, 1946;
    Weltentscheidung d. Geistes am Rhein, 1953. -
    Werkausgg.: Werke, hrsg. v. M. Rockenbach (mit Einführung v. A. F. Binz), 1924;
    Werke, Ausw. u. Einführung v. H. Saedler, 1924 (P: Kreidezeichnung v. Severin Jansen);
    Werke, 1935. -
    Hrsg.: Gerrit Engelke, Rhythmus d. neuen Europa, Gedichte, 1920, 21921;
    Dichter unserer Tage, o. J. (um 1930);
    Gerrit Engelke, Vermächtnis, 1937. |

  • Nachlaß

    Nachlaß im Bes. v. Ina Bresgen, Bad Münstereifel.

  • Literatur

    P. Staffel, Die Verslegenden J. K.s, Diss. Bonn 1948 (ungedr.);
    A. Gabele, in: Das literar. Deutschland v. 20.4.1951 (P);
    K. Rauch, in: Dt. Rdsch. 82, 1956, S. 643-47;
    Ch. Jenssen, in: Jb. 1958 d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung Darmstadt, 1959. S. 146-49;
    P. Wust, Aufsätze u. Briefe, 1906, S. 328-31.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Kneip, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 173 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563653.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA