Lebensdaten
1848 bis 1915
Geburtsort
Wissen/Sieg
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Maler ; Illustrator ; Kunsthistoriker ; Historienmaler ; Professor an der Kunstakademie in Kassel
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118563599 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knackfuß, Hermann

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Knackfuß, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563599.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard (1823–93), landwirtsch. Beamter, zuletzt Rentmeister auf Burg Eltz, S d. preuß. Gen.-Majors Frdr. Ludw. Karl (1772–1842, s. Priesdorff VI, S. 65 f.) u. d. Walpurgis Settegast;
    M Bernhardine (1823–83), T d. Carl Georg Alois Frhr. v. Martial u. d. Maria Theresia Heuschneider;
    Om Joseph Anton Settegast (1813–90), Historien- u. Kirchenmaler (s. ADB 34; ThB);
    B Hubert (s. 2), Eduard (P. Lucas, * 1855) seit 1888 Dominikaner, als Maler tätig f. Dominikanerkirche u. -kloster in Köln u. f. Dominikanerkloster in Düsseldorf (s. ThB);
    - Rom 1878 Angela (1858–1940), T d. Bildhauers Heinr. Max Imhof ( 1869, s. NDB X);
    6 S, 1 T.

  • Leben

    K. studierte seit 1865 an der Düsseldorfer Akademie, wurde 1869 Schüler E. von Bendemanns und 1870/71 E. von Gebhardts. Auf Grund seiner Erlebnisse im deutsch.-französischen Krieg, an dem er als Freiwilliger teilnahm, erschienen 1870 in der „Gartenlaube“ Zeichnungen von Kriegsszenen. Im darauffolgenden Jahrzehnt hat sich K. häufig als Illustrator betätigt. Er zeichnete für fast alle bedeutenden illustrerten Zeitschriften Deutschlands. Seine fundierten historischen Kenntnisse, die Kaiser Wilhelm II. schätzte, ließen K. als den idealen Illustrator historischer Schriften erscheinen. Seine Zeichnungen bereicherten diese Schriften durch die Treue in der Behandlung der Kostüme und durch das Nachempfinden des Zeitcharakters. 1874 erhielt K. den Großen Staatspreis für die beiden Gemälde „Eine byzantinische Gesandtschaft überreicht der Gemahlin Attilas Geschenke“ und „Odysseus und die Sirenen“; damit war ein Stipendium des preußischen Staates für einen Romaufenthalt 1875-78 verbunden. Nach der Reorganisation der Kasseler Akademie holte man sich neue Lehrer aus der Düsseldorfer Schule, darunter K., der seit 1880 Anatomie und seit 1890 Kunstgeschichte lehrte. Ausgedehnte Reisen führten ihn nach Italien, Griechenland, Spanien, Kleinasien, Ägypten und 1898 im Gefolge Wilhelms II. nach Palästina.

    K. mittlere Schaffensperiode ist geprägt von der Historienmalerei, der er sich nach der anfänglichen Interpretation mythologischer Themen bald nach 1870 zuwandte. Das entsprach auch dem damaligen nationalen Hochgefühl. Zahlreiche offizielle Aufträge für Wandgemälde haben seinen Ruhm in diesem Genre begründet (zum Beispiel 2 Fresken in der Eingangshalle des Straßburger Bahnhofs: „Die Übertragung der Reichskleinodien nach Hagenau durch Kaiser Friedrich I.“, „Die Begrüßung Kaiser Wilhelms I. durch die Elsässer Landbevölkerung bei Niederhausbergen“, 1883; Deckengemälde im Gerichtsgebäude zu Kassel: „Die Überreichung der Pandektensammlung an Kaiser Justinian“, um 1880). K. historische Staffeleibilder entstanden größtenteils im Auftrag Wilhelms II. Neben religiösen Gemälden (Altarbilder für den Fuldaer Dom und für das Elisabeth-Kloster in Kassel, 1888) versuchte K. sich auch im Porträt (unter anderem K. Gattin, 1877, 1896; Graf zu Eltz; Freifrau von Richthofen; Herzogin von Ossuna, 1871). Naturstudien und seit den 90er Jahren sogar Zugeständnisse an die impressionistische Gestaltungsweise, in deren Folge sich das Kolorit aufhellte, ergänzen die vielfältigen thematischen und formalen Experimente in seinem künstlerischen Schaffen, das in hohem Maße die Zeitströmungen rezipierte und adaptierte.

    K. Ruhm gründet sich heute weniger auf seine künstlerische Hinterlassenschaft als auf seine kunsthistorischen Leistungen. In der Nachfolge K. Justis und H. Grimms gab K. bei Velhagen & Klasing 12 populäre Künstlermonographien heraus (Michelangelo, Raffael, Tizian, Velasquez, Murillo, Rubens, van Dyck, Rembrandt, F. Hals, Holbein der Ältere, Holbein der Jüngere, Dürer). Wenn er auch der Kulturhistoriographie im Sinne Grimms folgte, so ging er doch über dessen klassisch-idealistisches Verständnis von Kunst, das nur eine Beschäftigung mit italienischen Künstlern der Renaissance zuließ, hinaus; er berichtete über Künstler verschiedener Länder und Kunstperioden. Entsprechend der neuen positiven Bewertung des Barock zu Ende des 19. Jahrhunderts zählten dazu auch Monographien über Künstler dieser Epoche. K. kunstgeschichtliches Verständnis, das der Geniegeschichte Vasaris folgt, mündete ein in eine Gesamtdarstellung der Geschichte der Kunst. (Allgemeine Kunstgeschichte, 3 Bände, 1897 ff., mit M. G. Zimmermann u. W. Gensel; Deutsche Kunstgeschichte, 2 Bände, 1888).

  • Werke

    Weitere W u. a. Wandgem. in Wohlau, Aula d. Gymnasiums, 1878 f.;
    Kassel, Reg.gebäude;
    Berlin, Ruhmeshalle d. Zeughauses, 1884;
    Deckengem. in Kassel, Neues Rathaus;
    „Gefangennahme Friedrichs d. Schönen in d. Schlacht b. Ampfing 1332“, 1883 (Berlin, Nat.gal.);
    Deckengem, u. Bühnenvorhang im Stadttheater Barmen, um 1888. -
    Beteiligung an d. Konkurrenz um d. Ausschmückung d. Kaiserhauses in Goslar, 1877 Entwürfe in Berlin, Nat.gal.). -
    Staffeleibilder: Gefangennahme Friedrichs v. Österreich in d. Schlacht b. Mühldorf, 1882;
    Friedrich III. v. Zollern überbringt Rudolf v. Habsburg d. Nachr. v. dessen Wahl z. König, 1891;
    Friedrich IV., Burggf. v. Nürnberg, empfängt d. Ritterschlag. -
    Entwürfe f. Kirchenfenster f. d. Kirche d. Hl. Fam. in Kassel, um 1888. -
    Illustrationen zu: G. Hiltel, Der franz. Krieg, 1872;
    ders., Der Gr. Kurfürst, 1877/79;
    Zimmermann. Dt. Gesch.;
    O. Höcker, Gen. v. Werder, 1873;
    O. Schwelbel, Dt. Kaisergeschichten, 1874;
    A. Schmelzer, Erzz. aus Sage u. Gesch. d. MA, 1874-79;
    Schiller, Abfall d. Niederlande, 1877/78. - Schr.:
    Gesch. d. Kgl. Kunstak. zu Cassel, 1908.

  • Literatur

    F. v. Boetticher, Malerwerke d. 19. Jh. I/2, 1895;
    Th. Kutschmann, Gesch. d. dt. Ill., 1899;
    P. Heidelbach, Kassel - Ein J.tausend hess. Stadtkultur, 1957;
    U. Kultermann, Gesch. d. Kunstgesch., 1966;
    Ch. Stolz, H. K., 1975 (P);
    H. W. Singer, Allg. Künstlerlex. II, 31896;
    W. Spemann, Kunstlex., 1905;
    K. Fuchs, in: Heimat-Jb. d. Kr. Altenkirchen, 1974 (P);
    ThB.

  • Portraits

    F. Jansa, Dt. bildende Künstler in Wort u. Bild, 1912.

  • Autor/in

    Brigitte Lohkamp
  • Empfohlene Zitierweise

    Lohkamp, Brigitte, "Knackfuß, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 149 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563599.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA