Lebensdaten
1881 bis 1968
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Verleger ; Lyriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118563173 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brazil, Felix
  • Klemm, Wilhelm
  • Brazil, Felix
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Zitierweise

Klemm, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563173.html [12.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf (1853–1908), Inh. d. Komm.buchhandlung Otto Klemm in L., S d. Otto (1821–79), Gründer d. Buchhandlung, u. d. Amalie Haupt;
    M Helene Scharff (1855–1917);
    Ur-Gvv Karl August (1769–1830), aus Plauen, Gründer e. Musikalienhandlung in L.;
    - 1) 1912 (⚮) Erna (* 1892), T d. Verlegers Alfred Kröner (1861–1921) in L., u. d. Julie v. Heymann, 2) Wiesbaden 1948 Ilse (* 1912), T d. Schriftsetzers Alexander Brandt in L. u. d. Marie Lange;
    4 S (2 ⚔) aus 1), u. a. Alfred (* 1913), Prof. d. physikal. Chemie, Arno (* 1914), Verleger, 1 T aus 2).

  • Leben

    Nach Abitur und Militärzeit (Verlängerung der Dienstzeit um 6 Monate wegen antimilitaristischer Äußerungen) studierte K. in München, Erlangen, Kiel und Leipzig Medizin und promovierte 1906. 1909 übernahm er die väterliche Kommissionsbuchhandlung und gab seinen Arztberuf auf. 1914-18 stand er als Militärarzt an der Westfront. 1920 erwarb sein Schwiegervater für ihn die Kommissionsbuchhandlung Carl Friedr. Fleischer in Leipzig. 1922, nach dem Tode seines Schwiegervaters, übernahm K. die Leitung des Alfred Kröner Verlages, 1927 auch der Dieterich'schen Verlagsbuchhandlung. 1937 wurde er wegen politischer Unzuverlässigkeit vorübergehend aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. 1943 wurden die Verlagsgebäude zerstört. 1945 gelangte er im Zuge der Verlagerung buchhändlerischer Betriebe aus der Sowjetischen Besatzungszone in den Westen nach Wiesbaden, wo er die Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung (Sammlung Dieterich) weiterführte.

    Erste Lyrik-Veröffentlichungen K.s erschienen bereits vor dem 1. Weltkrieg, unter anderem im „Simplicissimus“ (1908-24) und in der „Jugend“ (1911-14). Während die frühen Gedichte noch dem Jugendstil und der Neuromantik verhaftet sind, gehören jene, die seit 1914 unter anderem in Franz Pfemferts „Aktion“ veröffentlicht wurden, dem Expressionismus an. K. verzichtet nun immer häufiger auf Reim und traditionelle Versform; bevorzugt wird die vierzeilige Strophe in freien Rhythmen. Er bedient sich des Simultaneismus, der akausal, alogisch aneinandergereihten, weit auseinanderliegenden Bilder, Metaphern und Vergleiche. In der „Aktion“ erschienen bereits im September 1914 die ersten drei Antikriegsgedichte K.s, die 1915 in seinen ersten Lyrikband aufgenommen wurden: „Gloria! Kriegsgedichte aus dem Feld.“ Neben der Schilderung des Grauens des Kriegs durchzieht das Motiv der Auflösung und Zerrissenheit die Gedichte K.s, deren wertvollste in „Aufforderung“ (1917, Neudruck 1961 mit Nachwort von K. Pinthus) zusammengefaßt sind. Sehr bald mußte K. erkennen, daß seine Dichtung, obgleich sie nie wirklich politisch oder gar revolutionär war, den Geschäften seiner Verlage schadeten. 1922 veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Felix Brazil“ grotesk-phantastische Liebesgedichte „Die Satanspuppe“; danach schwieg er 40 Jahre, schrieb aber weiter. In seinem handschriftlichen Nachlaß befinden sich neben einer Vielzahl von Gedichten Fabeln, ein psychologisches Drama „Marfa“ und ein historischer Roman, der die Halsbandaffäre von 1785 um Marie Antoinette zum Inhalt hat. Erst mit dem Wiederaufleben des Interesses am Expressionismus nach dem Zweiten Weltkrieg wurde K.s Werk neu entdeckt.

  • Werke

    Weitere W Lyrik: Verse u. Bilder, mit eigenen Zeichnungen, 1916 (hrsg. v. Erna Klemm);
    Entfaltung, 1919;
    Ergriffenheit, 1919;
    Traumschutt, 1920;
    Verzauberte Ziele, 1921;
    Geflammte Ränder, 1964.

  • Literatur

    J. Brockmann, Unterss. z. Lyrik W. K.s, Diss. Kiel 1961;
    K. Pinthus, in: Jahresring 68/69, 1968, S. 313-22;
    F. Michael, in: Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel, Frankfurter Ausg., Nr. 17 v. 27.2.1968;
    s. a. Ausstellungskat. Expressionismus, Lit. u. Kunst 1910–23, 1960 (Marbach, Dt. Lit.archiv); Nachlaß
    ebd.

  • Portraits

    Gem. v. H. Barrenscheen (im Bes. v. Alfred Klemm, Mainz).

  • Autor/in

    Gerd Schulz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulz, Gerd, "Klemm, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 33 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563173.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA