Lebensdaten
1850 bis 1920
Geburtsort
München
Sterbeort
Ohlstadt bei Murnau
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118560743 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaulbach, Friedrich August (bis 1884)
  • Kaulbach, Friedrich August Ritter von
  • Kaulbach, Friedrich August (bis 1884)
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Zitierweise

Kaulbach, Friedrich August Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118560743.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1822–1903), Maler, nach 6j. Lehrzeit b. s. Vt Wilhelm arbeitete er in M. vorwiegend auf d. Gebiet d. Historienmalerei (Adam u. Eva an d. Leiche Abels, 1848; Krönung Karls d. Gr. f. d. Maximilianeum in M., 1850), 1856 berief ihn Kg. Georg V. als Hofmaler nach Hannover (gr. Gruppenbild d. Königsfam.; Julia Capulets Hochzeitsmorgen, 1862 begonnen, 1902 vollendet) (s. L), S d. Kunstschreiners Christian (1777–1847) in Arolsen u. d. Wilhelmine Welle;
    M Sophie Mathilde (1818–54), T d. württ. Kammerdieners Joh. Georg Knosp u. d. Rosine Magdalene Geisse;
    Ov Wilhelm (s. 2);
    Om Rudolf Knosp (1820–97), Großindustrieller, Mitbegründer d. BASF;
    Halb-B Anton (1864–1930), Maler, nach Ausbildung b. s. Vater u. b. K. schuf er in Hamburg, später in Berlin Bildnisse u. Genredarstellungen (s. ThB);
    Halb-Schw Antonie (1876–1958), Porträtmalerin (s. Vollmer);
    - 1) Hannover 1873 ( 1897) Wilhelmine (Mina, 1849–1934), T d. Lehrers u. Organisten Ernst Hermann Lahmeyer u. d. Auguste Charl. Beisner, 2) Kopenhagen 1897 Frida (1871–1948), Violinvirtuosin (als Frida Scotta, s. Riemann), T d. Gutsbes. Karl Friedrich Schytte u. d. Asa Höhling;
    3 T aus 2), u. a. Hedda ( Toni Stadler, * 1888, Bildhauer), Mathilde ( Max Beckmann, 1950, Maler, s. NDB I);
    N Friedrich (* 1912), Prof. d. Philos.

  • Leben

    K. übersiedelte mit 6 Jahren mit seinem Vater, der durch Georg V. zum Hofmaler berufen wurde, nach Hannover. Seinen ersten Malunterricht erhielt er bei seinem Vater und besuchte 1868-70 die Nürnberger Kunstschule, wo Karl Raupp und August von Kreling zu seinen Lehrern zählten. Vorübergehend kehrte er in das Atelier seines Vaters zurück, kopierte Gemälde in der Dresdener Galerie und ließ sich 1872 in München nieder. Hier fand er Kontakt zu Lorenz Gedon, Wilhelm Diez und seinem Kreis, zu Rudolf Seitz, Gabriel Seidl und Wilhelm Busch. Er nahm am geselligen Leben der 1873 gegründeten „Allotria“ teil, für deren Kneipzeitung er Karikaturen schuf. K. reiste seit 1873 mehrmals nach Italien, ging 1877 mit F. Lenbach, H. Makart, L. Gedon und W. Hecht zum Rubensfest in Antwerpen auf eine „Reise ins Niederland“ (Titel einer Kneipzeitung). Aus dem Künstlerfaschingsfest 1876, „Ein Hoffest Karls V.“, gingen zwei Kostümbilder hervor, in denen er sich mit Leibls „Frau Gedon“ (1870) auseinandersetzte; sie brachten K. in München und auf der Pariser Weltausstellung 1878 den ersten größeren Erfolg: das Porträt seiner Schwägerin Johanna Lahmeyer als Burgfräulein|und das Bildnis von Frau Gedon mit ihrem Sohn. Eine Reihe weiterer Gemälde in historischen Kostümen findet ihren Abschluß in einer Familienszene im Freien, „Ein Maientag“ (1879) und einen Nachklang in der „Lautenspielerin“ (1882).

    1883-85 verbrachte K. jeweils einige Wintermonate in Paris. Seine Beschäftigung mit der zeitgenössischen französischen Porträtmalerei wird in den seit 1883 entstandenen Gemälden sichtbar: „Geschwister Rangabé und „Frau M.“. Das Bildnis seiner Schwester Josepha Samelson brachte K. wegen der Brillanz der Wiedergabe des Atlasschleppenkleides in Berlin die Goldmedaille (1884) ein. Von nun an gehörte K. zu den gefragtesten Porträtisten in Deutschland – insbesondere für Damenbildnisse. Er bekam Verbindung zu Kreisen des Adels, lernte auf Jagdgesellschaften Prinz Luitpold von Bayern kennen, der ihn 1886 nach dem Tode Pilotys zum Direktor der Münchner Kunstakademie ernannte. Um sich mehr seiner eigenen Arbeit widmen zu können, reichte K. 1888 ein Entlassungsgesuch ein, dem jedoch erst 1891 stattgegeben wurde.

    Der Erfolg vor allem als Porträtmaler ermöglichte es K., sich 1887 von Gabriel von Seidl in der nach seinem Onkel Wilhelm von Kaulbach benannten Kaulbachstraße ein repräsentatives Haus errichten zu lassen, in dem eine Sammlung von Kunstwerken von der Antike bis zur Barockzeit entstand. 1893 baute er nach eigenen Plänen ein Landhaus in Ohlstadt bei Murnau. Seit Ende der 90er Jahre steigerte sich K.s Ruhm als Maler vor allem durch frei verkäufliche Bildnisse von Künstlerinnen (Geraldine Farrar, Rosario Guerrero, Isadora Duncan, Ruth St. Denis und anderen) sowie seiner 2. Frau, der Geigenvirtuosin Frida Scotta, und seiner drei Töchter (unter anderem „Spielzeug“ und „Kirschen“). Zum Kreise der Dargestellten gehörten jetzt Mitglieder von Herrscherhäusern und Adelsfamilien, der Wissenschaft und Hochfinanz. Die letzten Lebensjahre verbrachte K. größtenteils in Ohlstadt, wo er sich vorwiegend mit Landschaftsmalerei beschäftigte und auch eine Serie von Radierungen schuf.

    K.s besondere Stellung im Münchener Kunstleben in den drei Jahrzehnten um die Jahrhundertwende kommt unter anderem darin zum Ausdruck, daß ihm, ebenso wie Lenbach, auf den Kunstausstellungen im Glaspalast eine Art „Ehrensaal“ eingeräumt wurde. K. kam den Vorstellungen von „Kunst“ im traditionellen Sinne entgegen, indem er Bildformen und malerischen Duktus vergangener Kunstepochen aufgriff. Zu Beginn seiner Schaffenszeit setzte er sich in seinem Werk vor allem mit der Dürerzeit auseinander, später unter anderem mit Tizian und Tintoretto, mit Rubens, Van Dyck und den englischen Porträtisten des 18. Jahrhunderts. Nur in Ausnahmefällen läßt sich jedoch für ein Werk ein bestimmtes Vorbild angeben. Wie Lenbach und andere verband K. historische Bildformen mit photographisch-genauer Detailwiedergabe vor allem der Gesichtszüge, zum Teil unter tatsächlicher Verwendung von Photographien. Dies schloß nicht aus, daß er zu Beginn des Schaffensprozesses Farbstudien anfertigte, die bereits eine Vorform der späteren Farb- und Formkompositionen darstellen. K. modifizierte die photographisch erfaßten Gesichtszüge bei den Damenbildnissen in Richtung des Lieblichen, des Weltgewandt-Damenhaften oder auch – bei jüngeren Dargestellten – des Bescheidenen. Umständliche Toilette, großer Dekor oder weite Parklandschaften tragen zur Betonung der gesellschaftlichen Stellung der Dargestellten bei – hierin zeigt sich eine andere Tendenz als bei Lenbach, der die Dargestellten im Anklang an Tizian idealisierte. Bei Themen aus mythologischem, religiösem und allegorischem Bereich bevorzugte K. Frauengestalten, die als „Flora“, „Musica“, „Psyche“ oder „Madonna“ erscheinen. Auch bei diesen Gattungen, ebenso wie bei Stilleben und Landschaften, bewegte er sich meist innerhalb traditioneller Bildauffassungen.

    Die Wertschätzung des Publikums wurde weitgehend von der Kritik geteilt, die K.s solide, an den alten Meistern orientierte Maltechnik, seine „vornehme Zurückhaltung“ und seine „ungewöhnlich große koloristische Begabung“ (Friedrich Pecht) hervorhob. Dennoch wurden schon seit den 80er Jahren K.s Eklektizismus, der Liebreiz der Frauengestalten, der „Mangel an Psychologischem“ kritisiert. Uneingeschränkte Bewunderung fanden damals wie heute die Karikaturen. Sie überraschen durch die Distanz, in der K. seine Zeitgenossen, seine Malerfreunde, sich selbst und sein Werk sah.

  • Werke

    Weitere W u. a. Schützenlisl, 1881;
    Hl. Cäcilie, 1886;
    Beweinung Christi, 1892;
    - Bildnisse: Frau Munkakcsy;
    Friedrich Kaulbach (V);
    Prinzregent Luitpold v. Bayern (mehrere) u. a. Mitgll. d. Hauses Wittelsbach;
    Alice v. Hessen u. Mitgll. d. Zarenfam., M. v. Pettenkofer, J. Joachim, O. v. Miller, Mitgll. d. Familien Rockefeller, Mc-Cormick, Hearst;
    - Gruppenbildnisse: Geschwister Rangabé, 1883;
    Die Kinder d. Fam. Pringsheim („Pierrots“ 1889);
    d. Töchter d. Hzg. Alfred v. Sachsen-Coburg-Gotha;
    d. Prinzessinnen v. Cumberland;
    Kaiserin Auguste Viktoria, Prn. Victoria Luise;
    - Genrehafte Gemälde, u. a. Im|Sonnenschein, 1878;
    Beim Förster, 1880;
    Der Spaziergang, 1883;
    Quartett, 1886;
    diese u. e. T. d. hochbezahlten Damen- u. Kinderbildnisse befinden sich in Privatbes.

  • Literatur

    A. Rosenberg, F. A. v. K., 1900, 21910 (P);
    F. A. v. K., Gesamtwerk, eingel. v. F. v. Ostini, (1911) (Ausw. v. 138 Abb.);
    Bibliogr. d. Kunst in Bayern, bearb. v. H. Wichmann, 1961 ff., Nr. 59395-420, 24750 f., 3114 f.;
    K. Zimmermanns, F. A. v. K., Monogr. u. Werkverz. (in Vorbereitung);
    ThB;
    DBJ II.

  • Portraits

    Selbstbildnisse, 1899 (Ohlstadt, Kaulbachhaus), Abb. b. Rosenberg, s. L;
    1905 (Hannover, Landesgal.), Abb. in: Kat. d. Gem. d. 19. u. 20. Jh., 1973, Nr. 488.

  • Autor/in

    Klaus Zimmermanns
  • Empfohlene Zitierweise

    Zimmermanns, Klaus, "Kaulbach, Friedrich August Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 354-356 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118560743.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA