Lebensdaten
1858 bis 1910
Geburtsort
Wieselburg (Ungarn)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118559389 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kainz, Josef
  • Kainz, Josef Gottfried Ignaz
  • Kainz, Joseph

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Zitierweise

Kainz, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118559389.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus niederösterr. Bauernfam.;
    V Joseph Alexander (1830–78), Leutnant a. D., Eisenbahnbeamter in Brünn, S d. Anton, Gemischtwarenkrämer u. Hausbes. (Weinbauern-S aus Mistelbach);
    M Mathilde ( 1884), T d. Volksschulvorstehers Joseph Bernhard;
    1) 1886 Sarah Hutzler geb. Valentine (1853–93), Schriftstellerin (s. Brümmer; Kosch, Lit.-Lex., W), 2) 1898 Margarete Nansen (geb. Nathanson) (1858-1950), Schauspielerin.

  • Leben

    Von seinem Vater, einem begeisterten Amateurschauspieler, wurde K. frühzeitig für seinen künftigen Beruf bestimmt. Als 15jähriger trat er am Sulkowski-Theater in Matzleinsdorf erstmals öffentlich auf. Vorbild waren ihm die Burgschauspieler F. Krastel und C. Wolter, die er seit seinem 10. Lebensjahr von der Galerie aus bewundert hatte. 1874 nahm K. Schauspielunterricht bei der Wiener Darstellerin Cesarine Kupfer-Gomansky. Nach einem erfolglosen Vorsprechen in Kassel fand er im Oktober 1875 sein erstes Engagement in Marburg (Steiermark). Anläßlich eines Probegastspiels am Burgtheater wurde K. mit dem Regisseur A. Förster bekannt, der ihn 1876/77 an das Neue Stadttheater in Leipzig verpflichtete. Noch konnte sich der etwas exzentrische jugendliche Liebhaber beim Publikum nicht durchsetzen, profilierte sich dann aber in der Truppe des Herzogs von Meiningen, der er 1877-80 angehörte. Als Ferdinand, Melchthal, Karl Moor, Mortimer und Prinz von Homburg errang er auf den Gastspielreisen der Meininger in ganz Deutschland Anerkennung und Bewunderung. Da sich ein Engagement ans Wiener Stadttheater wegen Laubes Rücktritt von der Direktion zerschlug, folgte K. 1880 einem Ruf Ernst von Possarts ans Hof- und Nationaltheater München. Hier begann ein schwärmerisches Freundschaftsverhältnis mit König Ludwig II., in dessen Separatvorstellungen K. wiederholt die Hauptrollen übernahm. 1883 gewann ihn L’Arronge für das neugegründete Deutsche Theater in Berlin. Dort feierte K. als Carlos, Romeo, Prinz von Homburg, Tasso, Hamlet, Franz Moor, Richard III., Cyrano, König Alfons und als Leon seine größten Triumphe. K., inzwischen als einer der bedeutendsten Schauspieler des deutschen Sprachraums anerkannt, hatte einen eigenen Darstellungsstil entwickelt, der sich in seiner Vitalität, Sensibilität und rhetorischen Musikalität keiner zeitgenössischen Schablone, weder konventionell-pathetischer noch naturalistischer Prägung, unterordnen ließ. 1889 folgte er, wohl der allzu sicheren Erfolge etwas müde, dem Regisseur Ludwig Barnay an dessen neueröffnetes Berliner Theater, überwarf sich aber bald darauf wegen künstlerischer Differenzen mit dem Direktor und versuchte, den eingegangenen Vertrag wieder rückgängig zu machen. Barnay verweigerte seine Zustimmung; K. wurde kontraktbrüchig, zu einer Konventionalstrafe verurteilt und vom Bühnenverein ausgeschlossen. Da ihm nun alle Kartellbühnen versperrt blieben, konnte er nur an kleineren Häusern spielen und mußte sich als Vorleser betätigen, bis er sich 1891 entschloß, eine Gastspielreise nach Amerika anzutreten. 1892 holte ihn L’Arronge, der seinetwegen den Kartellverband verlassen hatte, wieder ans Deutsche Theater in Berlin. Nach dem Tode Friedrich Mitterwurzers (1897) wurde K. an das Burgtheater berufen. Im Herbst 1899 trat er sein Engagement an, nach kurzer Zeit erfolgte die Ernennung zum Hofschauspieler. Der einstige Liebhaber- und Heldendarsteller wechselte nun langsam ins schwere Charakterfach. K. kreierte in zehn Jahren 28 neue Rollen, unter anderem den Orest, Richard II, Mephisto, Shylock, Tartuffe und Oswald. Insgesamt trat er in 67 Rollen auf. 1909 machten sich erste Anzeichen einer Erkrankung bemerkbar. Im Mai 1910 wurde der an Darmkrebs leidende Künstler operiert. K. starb kurz nach seiner Ernennung zum Hoftheaterregisseur.

  • Werke

    Krit. Blitze e. forschenden Zuschauers, 1887;
    Überss.: Byron, Sardanapal, 1897, u. Bearb.;
    Beaumarchais, Figaro, 1906;
    ders., Der Barbier v. Sevilla, 1907;
    - Fragmente dramat. Entwürfe: Absalom;
    Berenice;
    Saul;
    Themistokles.

  • Literatur

    F. Gregori, J. K., 1900, 21905;
    H. Bahr, J. K., 1906;
    ders., Briefe v. J. K., 1922;
    H. Kienzl, Die K.-Lit., in: Bühne u. Welt 13, 1911;
    J. Bab, K. u. Matkowsky, 1912;
    ders., Kränze dem Mimen, 1954;
    B. Deutsch, J. K. Gedenkbuch, 1924 (P);
    H. Richter, K., 1931;
    dies., in: NÖB VII, 1931 (W, L, P);
    P. Wiegler, J. K., 1941;
    B. Niederle, Der Nachlaß J. K., 1942 (P);
    M. Mautner-Kalbeck, K. Brevier, 1953;
    A. Kerr, Die Welt im Drama, 1954;
    F. Hadamowsky, Ausstellung z. Gedenken an J. K., Kat., 1958 (W, L);
    W. Noa, J. K. Briefe, 1966;
    J. Minor, in: BJ 15 (u. Tl. 1910, L);
    ÖBL (W, L).

  • Portraits

    Marmorbüste v. A. Járay, (Wien, Burgtheater), Bronzestatue (als Hamlet) v. dems. (Wien, Türkenschanzanlagen).

  • Autor/in

    Rainer Hartl
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartl, Rainer, "Kainz, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 33-34 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118559389.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA