Lebensdaten
1874 bis 1949
Geburtsort
Hoerde bei Dortmund
Sterbeort
Beatenberg (Schweiz)
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Architekt ; Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118552260 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hoetger, Bernhard

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Hoetger, Bernhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118552260.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, Schmied, dann Schneider, dann Inh. e. Anzugsversandes;
    M Theodora Bahne aus Dortmund;
    1905 Helene („Lee“) Haken (* 1880).

  • Leben

    Nach einer Lehre als Stein- und Holzbildhauer (1888–92) in Detmold, einer Gesellenreise (bis 1894) durch Sachsen und nach Leitung einer Werkstatt für Kirchenmöbelschnitzerei in Wiedenbrück (seit 1895), studiert H. ab 1897 an der Akademie in Düsseldorf, wo er Meisterschüler bei Bildhauer Carl Janssen ist. 1900 bleibt er nach dem Besuch der Weltausstellung in Paris. Dort entstehen zunächst realistisch geformte Bronzefigürchen von Pariser Straßentypen, dann, durch die Begegnung mit der Kunst von Auguste Rodin, Gestalten und Tiere mit malerisch bewegter Oberfläche. Hauptwerk und Abschluß dieser Periode ist der weibliche Halbakt „Fécondité“ (1904). Danach wandelt sich die impressionistische Form zum tektonisch gebauten Körper im Sinne und in der Auseinandersetzung mit der Plastik des nur wenig älteren Aristide Maillol. Um seine Figuren zu entrücken und ihnen Monumentalität zu verleihen, gestaltet sie H. in Anlehnung an ägyptische oder indische Kunst bewegungslos starr und verwendet auch negroide Formen. In Paris begegnet er 1906 Paula Becker-Modersohn sowie August Freiherr von der Heydt, der sein erster Mäzen wird. Durch ihn wird Großherzog Ernst Ludwig von Hessen auf H. aufmerksam und beruft ihn 1910 an seine Künstlerkolonie nach Darmstadt. Bei der großen Ausstellung auf der Mathildenhöhe 1914 hebt sich H.s Anteil durch Umfang und Bedeutung hervor. Im selben Jahr siedelt er nach Worpswede über, wo er sich nach eigenen Plänen den „Brunnenhof“ baut und einrichtet. 1916 entwirft er für Hermann Bahlsen in Hannover die TET-Stadt (deren Verwirklichung an dem Kriegsausgang 1918 und dem frühen Tod des Auftraggebers scheitert), daneben entstehen stark ägyptisierende Bildwerke. Die Freundschaft (1918) mit dem Großunternehmer Ludwig Roselius läßt H. an der Ausgestaltung der Böttcherstraße in Bremen teilnehmen, wo er sich auch als Architekt betätigt. 1931 und 1937 reist er nach Portugal und malt dort eine Folge von Landschaftsaquarellen. Im Dritten Reich angeprangert, zieht sich H., der inzwischen nach Berlin-Frohnau übersiedelt war, 1934 aus der Öffentlichkeit zurück und wendet sich vornehmlich der Graphik und Ölmalerei zu. Weil er in seinem Werk nacheinander auf verschiedene historische Kunstrichtungen zurückgriff, nannten ihn Kritiker oft einen Eklektiker. Doch hat er, wie schon seine Zeitgenossen (Kasimir Edschmid, Georg Biermann, Heinrich Vogeler, Hans Hildebrandt) sahen, das historische Formengut den jeweils gültigen modernen Gestaltungsprinzipien untergeordnet, die sich vom Impressionismus über den Jugendstil zum Expressionismus, über den Kubismus bis zur Neuen Sachlichkeit wandelten.

  • Werke

    Weitere W Skulpturen, Gem. u. Graphiken hauptsächl. im Bes. d. Mus. Böttcherstraße Bremen;
    in d. Slg. Lee Hoetger, Berlin;
    im Hess. Landesmus., Darmstadt;
    auf d. Mathildenhöhe, ebd. (Reliefs im Platanenhain: Brunnenfiguren;
    Eingangstor z. Ausstellung 1914 v. Albin Müller u. -
    nachgegossene - Reliefs v. H., d. sog. Löwentor, heute an d. Rosenhöhe versetzt) u. am Volkshaus in Bern. Bauten: Bremen, Paula Bekkers-Modersohn-Haus, 1926/27;
    Köln-Deutz, Kaffee HAG-Turm auf d. Pressegelände, 1928;
    Bremen, Haus Atlantik, 1931/32. -
    Vgl. W-Verz. im Ausstellungskat. B. H., Mus. Böttcherstraße Bremen u. Westfäl. Kunstver. Münster, 1964 (P).

  • Literatur

    G. Biermann, B. H., Der Künstler u. s. Werk, 1913;
    ders. u. a., B. H., Bildhauer, 1930;
    H. Hildebrandt, Der Platanenhain in Darmstadt, Ein|Monumentalwerk B. H.s, 1915;
    ders., Die neue Tet-Fabrik, in: Cicerone IX, 1917;
    M. Creutz, Majolikagruppen v. B. H., in: Die Kunst 33, 1916;
    H. G. Evers, B. H., d. Bildhauer u. Plastiker, in: Vom Geist e. Stadt, 1956, S. 337-44;
    ThB;
    Vollmer (L). - Ausstellungskat., s. W.

  • Portraits

    Skulptur (Bronze) Selbstbildnis a. d. J. 1936 (Slg. Carl Hoetger, Essen), Abb. im Ausst.kat. Paula Becker-Modersohn, B. H., Stadt. Mus. Wuppertal, 1954.

  • Autor/in

    Wolfgang Beeh
  • Empfohlene Zitierweise

    Beeh, Wolfgang, "Hoetger, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 370 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118552260.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA