Lebensdaten
1854 bis 1904
Geburtsort
Erwitzen bei Paderborn
Sterbeort
Berlin-Lichterfelde
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118551108 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hille, Peter

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Zitierweise

Hille, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118551108.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (* 1827), Lehrer u. Rentmeister in E., S d. Ackermanns Franz in Erkeln u. d. Elisabeth Blume;
    M Helene (* 1828), T d. Ackermanns Dominicus Fuest in Germete u. d. Eva Marg. Menne; ledig.

  • Leben

    In der selbstsicheren Epoche des Gründer-Bürgertums war H. ein interessanter Außenseiter. Seine Berühmtheit wuchs früh in Legenden; er galt viel als dichtender Vagant, der quer zur Erfolgsgesellschaft dahintrieb. Als „Meerwunder der Erfolgslosigkeit“ (H.) zählte sein poetischer Ertrag schon zu Lebzeiten wenig. Das Urteil hat sich seit den 20er Jahren nur geringfügig verschoben, zugunsten des Einflusses auf seine literarische Umgebung. – Unrast und Widerwille gegen allen Zwang standen bereits einer geregelten Schulbildung und Berufsausbildung H.s entgegen. Nach dem Abbruch der Gymnasialzeit in Höxter, Marburg sowie auf dem Paulinum zu Münster, wo die lebenslange Freundschaft mit den Brüdern Hart begann, schickte ihn die vielköpfige Familie zu einem Höxterer Rechtsanwalt in die Lehre. Im Sog der Harts und ihrer sozialistischen Ideale zog es H. darauf zunächst nach Bremen, zur Mitarbeit an den „Deutschen Monatsblättern“ und in Redaktionsdienste beim „Bremer Tagblatt“ (1878/79), auf Umwegen immer wieder nach Berlin. Nach einem gescheiterten Versuch, sich in Leipzig als Korrektor, freier Schriftsteller und Gaststudent (der Philosophie und Literatur) zu halten, verschwand er 1880-82 in London, angeblich um in der Bibliothek des Britischen Museums zu studieren, lebte aber vorwiegend in den Slums von Whitechapel. Reisen, meist zu Fuß mit geschultertem Makulatursack, führten den „Literaturzigeuner“ bis Ungarn und Italien, in Holland brachte er den Rest seines mütterlichen Erbteils als „Intendant“ einer Schmierentruppe durch. Vollends zum geradezu populären Original, zum Prototyp des Bohemien, entwickelte sich H. ab 1891 in Berlin, vielredend und dauernd seine Einfälle auf alle erdenklichen Fetzen notierend: Was davon an ungedrucktem Wust den letzten Krieg überdauerte, dürfte editorische Mühen kaum lohnen. Freunde und Jünger unterstützten und beherbergten ihn, unter anderem Peter Baum (1869–1916, siehe 3Kosch. Literatur-Lexikon), Bierbaum, Erich Mühsam, Johannes Schlaf und Else Lasker-Schüler („Briefe Peter H.s an Else Lasker-Schüler 1921). Er gründete eine Zeitschrift („Völkermuse, ein kritisches Scheidemühl“, 1888), die D. von Liliencron zum einzigen Abonnenten hatte, sowie ein Kabarett im Ristorante Vesuvio (1902/03). Lange lungenkrank und rücksichtslos gegen die Gesundheit, starb er an den Folgen eines Blutsturzes>. – Den Autor H. machte wenig Gedrucktes bekannt: Stark autobiographisch, reflektieren der Roman „Die Sozialisten“ (1886) seine Reiseerlebnisse und die Erziehungstragödie „Des Platonikers Sohn“ (1896)|das früh gespannte Verhältnis zum Vater, der – Dorfschullehrer und Rentmeister – als prüder Petrarca erscheint. Miniaturromane wie „Semiramis“ (1902) oder „Cleopatra“ (1905), der Heimatroman „Die Hassenburg“ (1904) oder die (von Naused publizierten) Fragmente aus „Myrddhin und Vivyan“, einer Faust-Dichtung aus hymnischen Waldgeistmonologen, sind Zeichen für das Versagen der großen Form. Einzige Ausnahme ist das postum verlegte „Mysterium Jesu“ (1921, 1952), eine Art H.scher Evangelienharmonie. Mehr lag ihm, seiner quietistischen Gläubigkeit und seinem „Übermaß an Gehirn“, das Naturgedicht einerseits und der Aphorismus andererseits. Manches davon hat die neuromantische Gestimmtheit der Jahrhundertwende, die sich bei H. mit sozialer Aufbruchstimmung verband, überdauert.

  • Werke

    Weitere W Blätter vom 50jährigen Baum, Gedichte, 1904;
    Gestalten u. Aphorismen, 1904;
    Aus d. Heiligtum d. Schönheit, Gedichte u. Aphorismen, 1909;
    Leuchtende Tropfen, Gedichte, 1924;
    Ausgew. Dichtungen, hrsg. v. A. Vogedes, 1961. - Nachlaß verstreut
    , in Privatbes., Teile in kommunalem Bes. v. Dortmund u. Bielefeld.

  • Literatur

    E. Lasker-Schüler, Das P.-H.-Buch, 1906;
    G. Weigert, P. H., Unterss. u. Texte, 1931;
    E. Timmermann, P. H., Persönlichkeit u. Werk, Diss. Köln 1936;
    A. Vogedes, P. H., Ein Welt- u. Gottestrunkener (mit Texten aus d. Nachlaß), 1947;
    E. Naused, P. H., Eine Einführung in s. Werk (u. Werk-Auswahl), 1957, = Verschollene u. Vergessene;
    H. Kreuzer, Die Boheme, 1969;
    Soergel I (P);
    Soergel-Hohoff I;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Portraits

    Ölgem. v. L. Corinth, 1902 (Bremen, Kunsthalle), Abb. b. Naused, s. L, u. b. Soergel, s. L.

  • Autor/in

    Dietmar N. Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Dietmar N., "Hille, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 146 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118551108.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA