Lebensdaten
1777 bis 1848
Geburtsort
Weimar
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Sängerin ; Schauspielerin ; Mätresse Karl Augusts von Sachsen-Weimar
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118550675 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jagemann von Heygendorff, Henriette Karoline Friederike
  • Heygendorf, Karoline von (seit 1809)
  • Heygersdorff, Karoline von (seit 1809)
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Zitierweise

Jagemann von Heygendorff, Karoline, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118550675.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Joseph (1735–1804), ging nach Flucht a. d. Noviziat d. Augustinerklosters in Erfurt 1753 als Hauslehrer nach Dänemark, dann auf Pilgerfahrt nach Rom, war Beichtvater d. Deutschen in Florenz u. wurde 1774 Dir. d. kath. Gymnasiums in Erfurt, 1775 Bibliothekar d. Hzgn. Anna Amalia in Weimar (Konversion z. Protestantismus), 1785 hzgl. Rat, schrieb „Gesch. d. freien Künste u. Wiss. in Italien“ (3 Bde., 1777–81), gab versch. Wb. u. d. „Mgz. d. ital. Lit. u. Kunst“ (8 Bde., 1780–85) heraus, verdient um Kenntnis d. ital. Sprache u. Lit. in Dtld. (s. ADB 13), S d. Postmeisters Georg Adam in Dingelstedt/Eichsfeld u. d. Dorothea Keppler;
    M Maria Barbara (* 1748), T d. Joh. Caspar Spörrer ( 1750), Stadtphysikus in Schwabach, u. d. Elisabeth Ernestine Greiner;
    Ur-Gvm Friedrich Siegmund Greiner ( 1754), Stadtrichter zu Schwabach;
    B Ferdinand (1780–1820), Porträt- u. Historienmaler, 1796 in Kassel unter F. A. Tischbein, 1797 in Wien unter H. F. Füger ausgebildet (vgl. Goethes „Gutachten üb. d. Ausbildung e. jungen Malers“, 1798), lebte 1802-05 in Paris, 1806-10 in Rom, nahm 1813 am Befreiungskrieg teil, v. ihm stammen mehrere Bildnisse Goethes (s. L);
    Schw Marianne ( 1806 [ 1815] Adolf Albert Frdr. Frhr. v. Danckelmann, 1779–1820, Abenteurer, s. Goethe-Hdb. I, 1961, Sp. 1741 f.);
    Vt Philipp Anton (s. Gen. 1); - 2 natürl. S, 1 natürl. T (v. Heygendorff) v. Ghzg. Carl August v. Sachsen-Weimar ( 1828), u. a. Karl v. Heygendorff (1806–95), sächs. Gen.-Major.

  • Leben

    Auf Grund der Scheidung der Eltern verbrachte J. eine bedrückte Kindheit in Weimar. Sie ging 1790 nach Mannheim zur Schauspielausbildung (Iffland) und debütierte dort am 6.10.1792 als Oberon in der Oper von Wranitzky (nach Wieland) am National-Theater. J.s Vater hätte sie gern als Primadonna in Venedig oder in Mailand gesehen, doch wurde sie 1796 durch die kriegerischen Ereignisse gezwungen, nach Weimar zurückzukehren. Im Jan. 1797 wurde J. „als Hofsängerin angenommen…, wodurch dann unsere Bühne ein ganz neues Leben erhält“ (Goethe an Schiller 29.1.1797). Sie trat am 18.2.1797 zum ersten Male, wieder als Oberon, auf. Ihr Intendant war Goethe, über den sie in ihren „Erinnerungen“ kritisch urteilt und von dem sie sich „mehr abgestoßen als angezogen“ fühlte. 1798 gastierte J. unter Ifflands Direktion in Berlin (u. a. als Oberon, Erast in „Helena und Paris“ von Winter, Cyrille in „Kästchen mit der Chiffre“), wo sie nach Ifflands Zeugnis „alles zum Entzücken hingerissen“ hat und „der Gott des Tages“ war, 1800 in Wien (u. a. als Susanne im „Figaro“ und als Kleopatra in der „Oktavia“ von R. Keiser). Später gab sie Gastspiele in Stuttgart, Frankfurt/Main und abermals Berlin, Leipzig und anderen Orten.

    Nach Goethe war J. „auf den Brettern wie geboren und gleich in allem sicher und entschieden, gewandt und fertig wie die Ente auf dem Wasser“. Ihr Spiel wird mit Begeisterung gepriesen: Sie stelle ihre Rollen zart und voll Anmut und mit einer edlen Simplizität in Spiel und Sprache dar, sie tue auf|der Bühne instinktmäßig das Rechte, ohne es selber zu wissen, so daß sie sich im Schauspiel allen Beifall erwerbe. Auf einem Gastspiel in Göttingen gedachten die Ehemänner „ihrer Vorzüge mit mehr Enthusiasmus als den Frauen lieb war, und gleicherweise sah man eine erregbare Jugend hingerissen“ (Goethe, Tag- und Jahreshefte, 1801). Eine solche Natur mußte zu Goethe in passioniertem Kontrast stehen, zumal das Weimarer Theater damals noch nicht das Niveau der Mannheimer oder das natürliche Spiel der Berliner Bühne erreichte. Dem Theater zu geben, was des Theaters ist, war die J. eher imstande als der mehr dramaturgisch denkende und „bildhaft“ Regie führende Goethe. So ist die persönliche Diskrepanz als grundsätzliches Problem und nicht als Ergebnis von Intrigen durch J. zu sehen. Obgleich Goethe die Hoffnung auf einen Ausgleich nicht aufgab, war er enttäuscht, „wie der Umgang der Weimarer herabzieht… Da sie aber ohne alle Konsequenzen und Plan sei, nur eine Rolle spielen, leben, genießen wolle, so ruinierte sie jedes Verhältnis“ (Goethe zu F. von Müller, 1808). 1809 ist jedoch das Einvernehmen wiederhergestellt, nachdem J. Operndirektorin geworden war.

    Der ersten Aufforderung Hzg. Karl Augusts von Sachsen-Weimar, seine Geliebte zu werden, widerstand J., doch nachhaltiges Werben ließ alle Bedenken in den Hintergrund treten, 1802 war sie seine Mätresse. Die Weimarer Gesellschaft war über das Verhältnis geteilter Ansicht. Goethe besuchte wie andere Weimaraner ihre Abend- und Konzertassembleen (meist war der Herzog zugegen), redete sie mit „schöne, liebe Dame“ an und wünschte „der schönen Gevatterin und Freundin Heil und Heiterkeit“ (24.9.1815), aber Gassenschmierereien schmähten J. auf schimpfliche Weise.

    Goethes Interesse am Theater ließ seit 1815 merklich nach, und J. gewann Einfluß auf das Bühnenensemble. Daß dann „Der Hund des Aubri de Mont-Didier“, das Gastspiel des Wiener Schauspielers Karsten, der mit seinem dressierten Hund am 12.4.1817 auftrat, Goethe veranlaßte, seine Intendanz niederzulegen, ist kaum der J. anzulasten, obgleich sie die Lage durch ihre Beziehungen zu Karl August auszunutzen verstand. J. und Goethe entfremdeten sich, als aber 1823 zur Feier der Genesung des greisen Dichters „Tasso“ aufgeführt wurde, in der sie die Leonore gespielt hatte, brachte J. den Lorbeerkranz des Tasso in das Haus am Frauenplan.

    1824 wird K. Strohmeyer Oberdirektor des Theaters. „Ihm zur Seite steht Frau von Heygendorff, die mit 50 Jahren noch immer die erste Sängerin und die jugendliche Schauspielerin sein will“ (J. Schopenhauer an L. Tieck). Witzbolde nannten dieses Paar „Kompagnie Jagemeier und Strohmann“. J. konnte sich nicht bequemen, ins sog. Alte Fach überzugehen. Doch im Übergang von der heiteren Oper des Rokoko zu Gluck, in den Opern von Mozart bis Rossini und in den Dramen von Goethe und Schiller bis zu denen von Kotzebue, von Kleist bis Grillparzer hat J. in ihren Rollen deutsche Theater- und Schauspielergeschichte mitgemacht und mitgestaltet. 1824 gastierte sie noch einmal in Wien (u. a. als Sappho, Preziosa und Maria Stuart), stellte jedoch am 17.3.1827 ihre Tätigkeit als Sängerin ein und trat zum letzten Mal am 11.6.1828 als Lady Macbeth auf. Wenige Tage später starb Karl August. Sie verließ kurz darauf Weimar, lebte in Berlin und Mannheim oder auf ihrem Gute in der Nähe von Dresden. 1852 schrieb Arthur Schopenhauer an J. Frauenstädt: „Sie und ich waren die letzten aus der glorreichen Weimarer Periode.“

  • Rollen

    Rollen in Weimarer Erstaufführungen: Erifile in Prn. v. Amalfi (Weigl), 1798; Ariadne (Benda), 1738; Gfn. Thekla in d. Uraufführung d. „Piccolomini“, 1799; Sextus in „Titus“ (Mozart), 1799; Astasia in „Tarare“ (Salieri), 1800; Blanko in „Bayard“ (Kotzebue), 1800; Lady Macbeth (Shakespeare, in d. Bearb. Schillers), 1800; Almenaida in „Tancred“ (Voltaire, in d. Bearb. Goethes), 1801; Eugenie in „Die natürl. Tochter“ (Goethe), 1803; Donna Anna in „Don Giovanni“, 1813; Leonore in „Fidelio“, 1816; Sappho (Grillparzer), 1816; Klytämnestra in „Iphigenie in Aulis“ (Gluck), 1821; Preziosa (C. M. v. Weber), 1323; Phaedra (Racine, in d. Bearb. Schillers), 1823; Prn. in „Prinz v. Homburg“, 1823; Dorothea in „Hermann u. Dorothea“ (Umbearb d. Goetheschen Epos durch J. G. Töpfer), 1824; Medea in „Das Goldene Vlies“ (Grillparzer), 1825; Semiramis (Rossini), 1825 zur Einweihung d. n. d. Brand neuerrichteten Theaters in Weimar; Priesterin in „Iphigenie“ (Goethe), 1825.

  • Literatur

    ADB 13;
    Die Erinnerungen d. K. J., nebst zahlr. unveröff. Dokumenten a. d. Goethezeit, hrsg. v. E. v. Bamberg, 2 Bde., 1926 (auch zu B Ferdinand, P);
    Journal d. Luxus u. d. Moden, 1804, S. 497 f.;
    Nagler, Neues Allg. Künstlerlex., 1836;
    ThB;
    Eisenberg;
    Kosch, Theater-Lex.

  • Portraits

    Gem. J. W. Ch. Roux, 1803, Abb. in: H. Knudsen, Goethes Welt d. Theaters, 1949;
    v. F. Jagemann (B) (Dresden, Privatbes.);
    v. J. K. Stieler, als Porzia im „Kaufmann v. Venedig“, 1828, Abb. b. E. v. Bamberg, s. L;
    Pastellgem. v. C. L. Seidler, um 1810 (Weimar, Goethe-Nat.mus.), Abb. in: H. Holtzhauer, Goethe-Mus., 1960;
    Silberstiftzeichnung v. Ch. Hornemann, Abb. in: G. Biermann, Dt. Barock u. Rokoko, 1914.

  • Autor/in

    Wolfgang Freiherr von Löhneysen
  • Empfohlene Zitierweise

    Löhneysen, Wolfgang Freiherr von, "Jagemann von Heygendorff, Karoline" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 294-296 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118550675.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jagemann: Henriette Karoline Friederike J., nachmals Frau v. Heygendorf, ausgezeichnete Schauspielerin und Sängerin, geb. am 25. Januar 1777 zu Weimar, am 10. Juli 1848 zu Dresden, war eine Tochter des Bibliothekars Jagemann. Von der Herzogin Anna Amalia wurde sie wegen ihres sich früh kundgebenden Talents für Musik, Gesang und Darstellung nach Mannheim geschickt, um sich dort unter Iffland und Beck auszubilden. Mit Iffland verließ sie Mannheim und kehrte nach Weimar zurück, wo sie am 8. Februar 1797 als Oberon in der gleichnamigen Oper von Wranitzky debütirte und bald eine der größten Zierden des Theaters wurde. Nach dem einstimmenden Urtheil der Zeitgenossen war sie eine der schönsten und begabtesten Künstlerinnen Deutschlands, ebenso ausgezeichnet in der Oper wie im Trauerspiel, im Schauspiel und im Lustspiel. Herzog Karl August, dessen Geliebte sie wurde, erhob sie in den Adelstand als Frau v. Heygendorf und belehnte sie mit dem Rittergute Heygendorf, sie blieb aber bis zu seinem Tode Mitglied des weimarischen Theaters. Leider fällt ihr vorzüglich Goethe's bedauerlicher Rücktritt von der Leitung des weimarischen Theaters (1817) zur Last. Sofort nach dem Eintreffen der Nachricht von dem Tode Karl Augusts (Juni 1828) verließ sie Weimar und lebte nun abwechselnd in Mannheim, Berlin und Dresden.

    • Literatur

      Vgl. E. Pasqué, Goethe's Theaterleitung in Weimar, Bd. II S. 169 ff. A. Stahr, Weimar u. Jena, 2. verm. Aufl., Bd. I S. 230 ff.

  • Autor/in

    R. Köhler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Köhler, R., "Jagemann von Heygendorff, Karoline" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 643 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118550675.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA