Lebensdaten
1849 bis 1926
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117063401 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jagemann, Eugen von
  • Jagemann, E. von
  • Jagemann, Eugen v.
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Quellen(nachweise)

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Jagemann, Eugen von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117063401.html [21.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1805–53), Dr. iur., Ministerialrat im bad. Justizmin., richtete d. Zuchthaus Bruchsal nach pennsylvan. System ein (s. ADB 13), S d. Philipp Anton (1780–1850), bad. GR u. Hofgerichtspräs., u. d. Theresia v. Stubenrauch;
    M Caroline (1820–59), T d. Christian Friedrich v. Boeckh (1777–1855), bad. Finanzmin. (s. ADB II), u. d. Elisabeth Spengel;
    Groß-Ov Franz (1776–1866), löwenstein. Geh. Justizrat;
    Groß-Om August Boeckh ( 1867), Altphilol, (s. NDB II);
    Om Friedrich v. Boeckh (1806–90), bad. Gen.-Lt., Richard Boeckh ( 1907), Statistiker (s. NDB II);
    - Ulm 1874 Marie (1850–1939), T d. württ. Obersten Konradin v. Sonntag u. d. Bertha Neidhart;
    1 S, 4 T, u. a. Clara ( Eberhard Frhr. Scheurl v. Defersdorf, 1873–1952, Prof. d. Rechte a. d. Hochschule f. Wirtsch.- u. Soz.wiss. Nürnberg), Lina ( Ulrich v. Schelling, 1862–1933, preuß. Wirkl. Geh. Kriegsrat); N d. Ehefrau Maria v. Sonntag ( Franz Horster, 1953, Metallindustrieller, s. NDB VIII).

  • Leben

    Nach dem frühen Tod beider Eltern erlebte J. seine „Vorstufenjahre“ bei dem Bruder des Vaters in Wertheim/Main. Er studierte Jura in Berlin, Brüssel und Heidelberg. In Berlin wuchs sein Interesse an den politischen Verhältnissen. In Brüssel beschäftigte ihn auch das Problem der Flamen in Belgien. Die Teilnahme am Feldzug 1870/71 verzögerte den Abschluß des Studiums (1. jur. Staatsprüfung, 1872; Promotion mit Diss. „Das Reuegeld“). Nach der 2. Staatsprüfung wirkte er seit 1874 als Amtsgehilfe, seit 1877 als Staatsanwalt in Mosbach. Seit 1881 arbeitete er im bad. Justizministerium in Karlsruhe auf den Gebieten des Gefängniswesens, der Mitbegutachtung aller legislativen Schritte und war an den juristischen Staatsprüfungen beteiligt. Als Anhänger der Einzelhaft förderte er im gesamten Vollzugssystem Badens den Bau von Einzelzellen, legte aber der Aus- und Fortbildung der Vollzugsbeamten noch größere Bedeutung bei und richtete z. B. Lehrkurse ein.|Aus dem Zusammenwirken mit den Vertretern der liberalen Strafvollzugsreform erwuchs 1888 das „Handbuch des Gefängniswesens“ (2 Bde.) mit F. v. Holtzendorff. Er bejahte die Grundsätze der Internationalen kriminalistischen Vereinigung, mitgegründet 1889 von Franz v. Liszt. Rege war seine Mitarbeit auf nationalen und internationalen Fachkongressen.

    1893 wurde J., „politisch zurückhaltend“, Gesandter von Baden am preuß. Hof und stellvertretender Bevollmächtigter zum Bundesrat. Hier spürte er noch die Nachwirkungen der Bismarckschen Ära und die Spannung zwischen den Gliedstaaten und dem Reich, die seine Arbeit erschwerte. 1898 wurde er, trotz allen diplomatischen Geschicks, aus einem geringfügigen Anlaß auf Wunsch Bülows abberufen. Dies hat wohl den 53jährigen zutiefst getroffen, er ließ sich zunächst beurlauben und nahm kurz danach den Abschied.

    Eine gewisse Genugtuung brachten während der folgenden „Heidelberger Zeit geistigen Freimuts“ 1903-26, die Ernennung zum Honorarprofessor in der dortigen Rechtsfakultät und zahlreiche Aufforderungen zur Mitwirkung in der Industrie und zur Hilfe in der Wohlfahrtspflege. Aus seinen ersten Vorlesungen ging die Schrift „Die deutsche Reichsverfassung“ (1904) hervor. J. las ferner über Kriminalpolitik und -anthropologie sowie über Gefängniswesen. Stets blieb er Anhänger der Einzelhaft und der Individualisierung, „weil nur erstere die Verschlechterung durch Dritte und nur letztere gegen den Schematismus schützen“. Während des 1. Weltkrieges wirkte J. als Vorsitzender des Roten Kreuzes in Baden.|

  • Auszeichnungen

    WGR (1898).

  • Werke

    Weitere W Die internat. criminalist. Vereinigung, in: Bll. f. Gefängniskde. 24, 1889, S. 1-22;
    Zur Reichsfinanzreform, 1906;
    Jugendschutz, Vortrag, 1911;
    75 J. d. Erlebens u. Erfahrens (1849–1924), 1925. -
    Mitarb.: Das Ghzgt. Baden in allg. wirtsch. u. staatl. Hinsicht dargest., 1885.

  • Literatur

    v. Engelberg, in: Bll. f. Gefängniskde. 57, 1926, S. 159-64 (P).

  • Autor/in

    Albert Krebs
  • Empfohlene Zitierweise

    Krebs, Albert, "Jagemann, Eugen von" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 293-294 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117063401.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA