• Genealogie

    V Paul (1867–1933), Pfarrer an d. Parochialkirche in B., S d. Hauptm. August u. d. Marie Amelong;
    M Lucie, T d. Rentiers Edmund Weber in B.

  • Leben

    Seine Ausbildung erhielt H. an der Berliner Akademie. 1930 ging er studienhalber nach|Paris, kehrte aber bald nach Berlin zurück, wo die Stadt in ihrem alten Kern mit ihren bescheidenen Wohnvierteln ihm die wichtigsten Anregungen zum eigenen Schaffen bot. Die Friedrichsgracht, die Straßen um die Nikolai- oder Parochialkirche, Häuser am Kanal, dunkle Abende in spärlichem Laternenschein, Kneipenecken oder auch die mageren Bäume und ärmlichen Häuser der Vorstadtgegenden faszinierten ihn; dagegen vermied er es, die einst viel geschilderten bekannten Ansichten der Stadt mit ihren bedeutenden Bauwerken und Monumenten wiederzugeben. Die graue, fast schemenhafte, bei ihm kaum bevölkerte Großstadt, das verborgene Schicksal hinter gleichgültigen Mauern sollte lebenslang sein Thema bleiben.

    1933 verließ H. Deutschland, ging für 4 Jahre nach Mallorca und lebte bis 1940 in Spanien. Gleichsam als Gegenpol zu Berlin wurde die südliche Landschaft unter der sengenden Sonne seine andere große Aufgabe. Hier wie dort suchte er in seiner Kunst nicht das Abbild, den schönen Schein, sondern das Wesen von Stadt und Landschaft zu erfassen. 1940 wurde er zur Wehrmacht einberufen. Erst nach Beendigung des Krieges griff er wieder zu Stift und Pinsel. Durch die 1946 und 1947 von der Berliner Galerie Rosen veranstalteten ersten Kollektiv-Ausstellungen wurde man erneut auf ihn aufmerksam. Weitere Ausstellungen in Hamburg und Hannover folgten. Das zerschundene Antlitz seiner Heimatstadt bot ihm ganz neue, eigene Gestaltungs- und Deutungsmöglichkeiten. So verwandelte sich ihm der gewaltige Eindruck des nördlichen Meeres in Bilder, in denen trostlose, wie auf Dünen stehende Häuser mit unheimlich schwarzen Fensterhöhlen und häßlichen Brandmauern in Gefahr schienen, von Sand- und Trümmerwogen ins Ungewisse hinweggespült zu werden. Er nannte das „Berlin am Meer“. Oft stellte er auch Häuser und Straßen mit dem Blick durch ein geöffnetes Fenster dar. Kleine Porträts, eine Frucht, Vase oder ein Totenkopf waren schwer deutbare Zeichen, geheimnisvolle Stilleben vor der stets lautlosen Stadt, deren Bild sich bei ihm allmählich der Abstraktion näherte, ohne sich jedoch völlig vom Gegenständlichen zu lösen. Seine Palette wurde zugleich heller, lebhafter, doch hatten seine Farben nichts mehr mit realistischer Wiedergabe zu tun. Auch Menschen gab es auf seinen späten Bildern nicht mehr. Bis zuletzt waren seine schwarzweißen Kreide- und Kohlezeichnungen im Hinblick auf das Thema Stadt am eindringlichsten. Obwohl H.s Erleben und Gestalten begrenzt war, bleibt er als Zeichner und Maler einer der letzten, der sich dieser Aufgabe fast ausschließlich widmenden Interpreten Berlins und darüberhinaus des Wesens „Großstadt“ überhaupt. Die Stadt war auch noch in fast allen seinen letzten freien Schöpfungen der eigentliche Anlaß und ein wesentliches Element der Aussage.|

  • Auszeichnungen

    Kunstpreis d. Stadt Berlin (1950).

  • Werke

    in: Berlin, Staatl. Museen, Preuß. Kulturbes., Nat.gal. (Gal. d. XX. Jh.) u. Kupf.kab.;
    Berlin-Mus.;
    Bezirksamt Wilmersdorf;
    Privatbes.;
    ferner in Museen Duisburg, Hamburg, Hannover, Wuppertal u. in Privatslgg.

  • Literatur

    Kat. d. H.-Ausstellungen in Berlin, Haus am Waldsee, 1954, u. d. Kestner-Ges., Hannover, 1957;
    Ausstellungen 1968 ebd. (mit Oeuvre-Kat. d. Bilder H.s 1920-54), im Mannheimer Kunstver., in Berlin (Dt. Ges. f. bildende Kunst u. Ak. d. Künste) sowie in Kunsthalle Düsseldorf;
    Vollmer (W, L);
    G. Tolzien, in: Kindlers Malerei Lex. III, 1966, S. 134-37 (W, L).

  • Autor/in

    Irmgard Wirth
  • Empfohlene Zitierweise

    Wirth, Irmgard, "Heldt, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 467 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11854876X.html#ndbcontent

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