Lebensdaten
1865 bis 1944
Geburtsort
Güttland bei Danzig
Sterbeort
Burg bei Neuötting (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118545043 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Halbe, Max

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Zitierweise

Halbe, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545043.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Robert (1838–1922), Gutsbes. in G., S d. Gutsbes. Georg, aus alter Bauernfam. im Danziger Werder, u. d. Bertha Amalia Turkowski;
    M Bertha (1845–1937), T d. Gutsbes. Gabriel Alex in Klein-Montau u. d. Anna Rompf;
    Ur-Gvm Iwan Alex, aus Rußland;
    - Berlin 1890 Luise (1867–1957), T d. Chrstn. Gottlieb Heck, Schmiedemeister in Derben/Elbe, u. d. Christiane König;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    H. wuchs auf dem Gut seiner Eltern in Westpreußen auf, besuchte das Gymnasium in Marienburg und studierte, nachdem er 1883 das Abitur bestanden hatte, in Heidelberg, Berlin und München. Anfangs hörte er juristische Vorlesungen, dann jedoch wandte er sich der Germanistik und Geschichte zu. Mit einer Arbeit über „Die Beziehungen zwischen Friedrich II. und dem päpstlichen Stuhl vom Tode Innocenz III. bis zum Goslarer Tage“ wurde er 1888 in München zum Dr. phil. promoviert. Danach betätigte er sich als freier Schriftsteller und hatte Anteil am literarischen Leben der Münchener und Berliner Kreise. Eng befreundet war er unter anderem mit Frank Wedekind, Otto Erich Hartleben, Lovis Corinth, Eduard Graf von Keyserling und Artur Kutscher. Seit 1895 lebte er ständig in München.

    H.s literarische Anfänge gemahnen an die Dramatik des 19. Jahrhunderts (Hebbel), doch sorgt schon ein erster Niederschlag naturalistischer Ideen für den Anstrich des Modernen. Entscheidenden Einfluß auf seinen Stil sollte Holz' und Schlafs „Papa Hamlet“ ausüben, was sich vor allem in dem Drama „Freie Liebe“ (1890) abzeichnet. Ein erster beachtlicher Erfolg war das Schauspiel „Eisgang“ (1892). Die Ideen des Sozialismus jener Tage gaben dem Stück Farbe, und es ist aus diesem Grunde in linksgerichteten Kreisen über die Maßen gepriesen worden. Das Werk jedoch, das ihn zu den Höhen unbestrittenen Ruhms emporheben und dem keines seiner weiteren Stücke an Wirkung gleichkommen sollte, war sein Liebesdrama „Jugend“ (1893, englisch 1916). Wie in Wedekinds „Frühlings Erwachen“, doch weit poetischer, wird hier die verhängnisvolle Begegnung zweier junger Menschen gestaltet, die auf einem Pfarrhof den stürmischen Regungen erster Liebe und dem Wirken des Frühlings überlassen sind. Eine Fülle von Einzelheiten wird gegeben, die Umwelt wird genau geschildert, Vererbung und Milieu werden als schicksalsbestimmende Faktoren gezeigt, und doch wird der Rahmen der naturalistischen Theorie bereits gesprengt durch den volksliedhaften Ton und die lyrische Stimmungskunst, die diesem Werk das besondere Gepräge geben und auch das Geheimnis des außerordentlichen Erfolgs, der diesem Stück beschieden war, bis zu einem gewissen Grade enthüllen. Die eigentliche Abkehr vom Naturalismus erfolgte kurz darauf mit dem mißglückten „Amerikafahrer“ (1894), einem in Knittelreimen geschriebenen Scherzspiel. Das erfolgreiche Drama „Mutter Erde“ (1897, englisch 1913), „das erste vernehmliche Nein gegen die verkleideten Walküren Ibsens“ (P. Fechter), bestätigte diese Abkehr.

    In der Folgezeit bekannte sich H. zu keiner neuen literarischen Theorie und gehörte auch keiner neuen literarischen Schule an; vielmehr zog er sich zurück und wurde ein unruhiger und eigenwilliger Einzelgänger, der bis an das Ende seines Lebens unermüdlich an seinem Werke schuf. Enttäuschungen blieben dabei nicht aus; nur einigen wenigen seiner späteren Werke war ein größerer Erfolg beschieden. Immer wieder versuchte H., in neue Richtungen vorzustoßen. Dem Realismus blieb er mehr oder weniger verhaftet, doch huldigte er Tendenzen, die oft mit den Absichten der herrschenden literarischen Strömungen (besonders denen des Impressionismus und der Neuromantik) zusammenfielen. Vor allem experimentierte er mit dem Irrationalen und suchte in der Geschichte neue Inspiration. Diese beiden Interessengebiete können denn auch als die bedeutsamen Entwicklungslinien seines weiteren literarischen Schaffens betrachtet werden.

    In den auf geschichtlichem Boden angesiedelten Stücken steht oft eine willensstarke Persönlichkeit im Mittelpunkt der Ereignisse, so in der Renaissancetragödie „Der Eroberer“|(1899), in dem während der frühen Barockzeit spielenden Drama „Das wahre Gesicht“ (1907) oder in dem Schauspiel von 1812 „Freiheit“ (1913). In diesen sowie auch den meisten anderen Werken bringt H. dem Tatmenschen, dessen zielgerichtetes Streben gewöhnlich dem problematischen Dasein des Geistesmenschen gegenübergestellt wird, eine unverhohlene Sympathie entgegen.

    H.s Experimentieren mit dem Irrationalen war mannigfaltig. Fast immer läßt er das Übernatürliche in das Leben seiner Gestalten eingreifen, sei es, daß der heimatliche Strom als Werkzeug der Vorsehung gesehen wird, wie in der wirkungsvollen Brudertragödie „Der Strom“ (1904), oder sei es, daß die menschliche Kreatur ihre in den Sternen geschriebene Rolle unabänderlich zu Ende spielen muß, wie in dem epischen Hauptwerk H.s, dem Roman „Die Tat des Dietrich Stobäus“ (1911), wo der letzte Sproß eines Danziger Patriziergeschlechts eine Art Lebensbeichte ablegt, nachdem er seine Geliebte ins Meer gestoßen zu haben glaubt. Wie in diesem Roman, so wird auch in anderen Werken die prekäre Linie, welche die Wirklichkeit vom Phantasiegeschehen scheidet, bisweilen überschritten.

    Überhaupt gab H. in der letzten Phase seines Schaffens in zunehmendem Maße dem ihm eigenen Hang zur Romantik (in der Prägung E. T. A. Hoffmanns) sowie seiner Neigung „zu einer naiven Mystik“ (A. Kutscher) nach. Auch versuchte er immer wieder, mittels metaphysischer Spekulation über den Bereich des Erfahrbaren hinauszukommen. Das Wissen um die Vergänglichkeit alles irdischen Daseins lastete dabei auf ihm und seinen Gestalten; diese leben zumeist im Schatten ihrer Vorherbestimmung und wissen um die Existenz transzendentaler Mächte, die der Welt Lauf und des Menschen Dasein bestimmen. – Den Nationalsozialisten galt H. mitunter als Vorläufer der offiziellen Literaturdoktrin, doch war er ihnen nicht geheuer, weil er immer wieder Liebes- und Familienkonflikte gestaltete, statt den erwünschten Problemen völkisch-heroischer Natur Tribut zu zollen.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Künste, Sektion Dichtkunst (1927); Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1932).

  • Werke

    Weitere W u. a. Frau Meseck, Dorfgesch., 1897;
    Die Heimatlosen, 1899. (Drama);
    Das tausendj. Reich, 1900. (Drama);
    Ein Meteor, Künstlergesch., 1901;
    Haus Rosenhagen, 1901, (Schausp.), engl. 1910;
    Der Ring d. Lebens, 1904, (Novellen);
    Die Insel d. Seligen, 1905, (Komödie);
    Schloß Zeitvorbei, 1917, (Dramat. Legende);
    Jo, 1917 (Roman);
    Ges. Werke, 7 Bde., 1917-23;
    Der Frühlingsgarten, 1922 (Märchen);
    Die Auferstehungsnacht d. Doktors Adalbert, 1928 u. 1929. (Novelle);
    Die Traumgesichte d. Adam Thor, 1929, (Schauspiel);
    Generalkonsul Stenzel u. s. gefährliches Ich, 1931, (Roman);
    Scholle u. Schicksal, Gesch. m. Jugend, 1933, überarb. Ausg. 1940 (P);
    Heinrich v. Plauen, 1933, (Schausp.);
    Jh.wende, Gesch. m. Lebens 1893-1914, 1935;
    Elixiere d. Glücks, 1936, (Roman);
    Kaiser Friedrich II., 1940, (Schausp.);
    Sämtl. Werke, 14 Bde., 1945.

  • Literatur

    H. Weder, Die Stimmungskunst in M. H.s Gegenwartsdramen, Diss. Halle 1932 (L);
    M.-H.-Heft, = Ostdt. Mhh. 16, 1935/36, Nr. 7;
    W. H. Root, New Light on M. H.s „Jugend“, in: The Germanic Review 10, New York 1935, S. 17-25;
    W. Kleine, M. H.s Stellung z. Naturalismus innerhalb d. ersten beiden Dezennien s. dramat. Schaffens, Diss. München 1937 (L);
    H. Kindermann, M. H. u. d. dt. Osten, 1941 (W u. P, Selbstbiogr. H.s);
    K. Martens, M. H., Dichter d. Bodenständigkeit, in: Die Neue Lit. 43, 1942, S. 2-6;
    E. Metelmann, M.-H.-Bibliogr., ebd., S. 6-8;
    E. Silzer, M. H.s naturalist. Dramen, Diss. Wien 1949 (W, L);
    Festschr. d. M.-H.-Ges. z. 90. Geb.tag d. Dichters, 1955 (P);
    H. Günther, Drehbühne d. Zeit, 1957 (P);
    P. Fechter, Das Europ. Drama II, 1957, S. 96-102;
    F. Erdmann, M. H. als Heimatdichter, in: Ostdt. Mhh. 24, 1957/58, S. 57-59;
    F. Zillmann, M. H., Wesen u. Werk, 1959 (W, L, P);
    W. Rudorff, Aspekte e. Typologie d. Personen im dramat. Werk M. H.s, Diss. Freiburg i. Br. 1961 (L);
    S. Hoefert, The Work of M. H., With Special Reference to Naturalism, Diss. Toronto 1962 (L);
    Soergel-Hohoff I, S. 212-16 (P);
    Kosch, Lit.-Lex. (W, L);
    Rhdb. (P).

  • Portraits

    v. A. Weisgerber, F. Staeger, P. A. Henneberger u. E. Würtenberger sowie Bronzebüste v. F. Claus (München, Stadtbibl., M.-H.-Archiv).

  • Autor/in

    Sigfrid Hoefert
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoefert, Sigfrid, "Halbe, Max" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 532-533 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545043.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA