Lebensdaten
gestorben 2. Hälfte 12. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Zisterzienser ; Chronist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118543652 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gunther
  • Ligurinus (Verfasser des)
  • Guntherus
  • mehr

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Zitierweise

Gunther von Pairis, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118543652.html [11.12.2018].

CC0

  • Leben

    Was über G.s Leben gesagt werden kann, hängt davon ab, wieviele der 4 ihm zugeschriebenen Werke tatsächlich von ihm stammen. Fest steht nur, daß G. vor dem Eintritt in den Orden scholasticus gewesen war; das besagt die Subskription zu dem einzigen beglaubigten Werk, der „Historia Constantinopolitana“, einer Darstellung des 4. Kreuzzuges bis zur Einnahme von Konstantinopel 1204, die G. auf Grund des Augenzeugenberichtes seines Abtes Martin in Form des Prosimetrums verfaßt hat. – Ein nur durch den Erstdruck von 1507 bekannter und in diesem einem Guntherus zugeschriebener Traktat „De oratione ieiunio et elemosina“ (Migne PL 212, Spalte 97-222) gilt allgemein als Werk des „Gunther von Pairis“, da auch sein Verfasser erst in späteren Jahren Mönch geworden ist; Beweise für die Identität liegen nicht vor. – Unter dem Namen „Gunther von Pairis“ geht vielfach auch der Ligurinus, das berühmte panegyrische Epos auf Friedrich Barbarossa, dessen Taten im wesentlichen nach den Gesta Friderici von Otto von Freising und Rahewin geschildert werden. Das Werk, von Konrad Celtis in einer Ebracher Handschrift aufgefunden, ist nur durch die editio princeps von 1504 erhalten. Wie der Dichter selbst angibt, hatte er vorher den Solimarius, ein Epos über den 1. Kreuzzug, verfaßt, das wir in Bruchstücken besitzen. Aus Solimarius und Ligurinus ergibt sich für den Dichter folgendes: er stammt wahrscheinlich aus dem deutschen Südwesten (Diözese Basel?), war Weltgeistlicher und vorzüglich gebildet, auch in der antiken Literatur belesen, der Gesinnung nach ein Humanist; zunächst am Hofe Friedrichs I. als Erzieher von dessen Sohn Konrad, scheint er (spätestens nach Abschluß des Solimarius) in Ungnade gefallen und in schwierige Lage gekommen zu sein; in dieser Zeit (1186/87) verfaßte er den Ligurinus. Vom weiteren Leben des Dichters wissen wir nichts. Im Erstdruck des Ligurinus wird dessen Verfasser „Guntherus“ genannt. Die oft behauptete Identität mit dem nachmaligen Mönch G. von Pairis wäre biographisch wohl möglich, stößt aber auf formale Bedenken: die Verschiedenheit des (gelegentlich gebrauchten) Reimes in Solimarius und Ligurinus einerseits, in Historia Constantinopolitana andererseits, sonst ein entscheidendes Kriterium gegen eine Gleichsetzung, müßte hier mit einer „Wandlung des Geschmackes“ erklärt werden.

  • Werke

    W Ausgaben: Hist. Constantinopolitana , Migne PL 212, Sp. 223-56 (ohne Verspartien);
    vollst. P. Comte Riant, Guntheri Alemanni De expugnatione urbis Constantinopolitanae, 1875;
    ders., Exuviae sacrae Constantinopolitanae I, 1877, S. 57 ff. Ligurinus: Guntheri poetae Ligurinus … rec. C. G. Dümgé, 1812, danach Migne PL 212, Sp. 255-476. - Solimarius: W. Wattenbach, in: Archives de l'orient latin 1, Paris 1881, S. 551-61. Übers.: G.s v. P. i. Els. „Ligurinus“, dt. v. Th. Vulpinus 1889;
    E. Aßmann, G. v. P., die Gesch. d. Eroberung v. Konstantinopel, 1956.

  • Literatur

    ADB X;
    A. Pannenborg, in: Forschungen z. dt. Gesch. 11, 1871, S. 161 ff., 13, 1873, S. 225 ff., 14, 1874, S. 185 ff., 19, 1879, S. 611 ff.;
    ders., Der Vf. d. „Ligurinus“, Progr. Göttingen 1883;
    W. Wattenbach, Die Ehrenrettung d. Ligurinus, in: Zs. f. dt. Altertum 26, 1871, S. 386 ff.;
    J. Sturm, Der „Ligurinus“, Ein dt. Heldengedicht z. Lobe Kaiser Frdr. Rotbarts, 1911;
    O. Drinkwelder, Ist G. v. P. d. Vf. d. Ligurinus, in: StMBO 35, 1914, S. 671 ff.;
    E. Aßmann, Bleibt d. Ligurinus anonym?, in: DA 12, 1956, S. 453-72;
    Manitius III, S. 698 ff.;
    Vf.-Lex. d. MA II (beste Übersicht).

  • Autor/in

    Franz Brunhölzl
  • Empfohlene Zitierweise

    Brunhölzl, Franz, "Gunther von Pairis" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 325 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118543652.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Guntherus ist der Name, welcher, wir wissen nicht mit welchem Recht, dem Verfasser des Epos Ligurinus in der ersten Ausgabe von 1507 gegeben ist. Dieses mit großer Formgewandtheit verfaßte Heldengedicht feiert die Thaten Friedrichs I. bis 1160; die Thatsachen sind ganz den Gesta. Friderici von Otto von Freising und Ragewin entnommen, doch finden sich hin und wieder Stellen, welche die Kenntniß des Verfassers von Land und Leuten zeigen und für die Zustände und Verhältnisse der Zeit Belehrung gewähren. Verfaßt ist das Werk 1187, um die Gunst des Kaisers und seiner Söhne zu gewinnen, als eben die Vermählung Heinrichs VI. mit Constanze von Sicilien neue glänzende Aussichten eröffnete. Schon vorher hatte der Verfasser dem Prinzen Konrad ein anderes Epos unter dem Titel Solymarius über den ersten Kreuzzug überreicht; von diesem haben sich nur Fragmente erhalten. Im Mittelalter nirgends erwähnt, zuerst von Conrad Celtis im Kloster Ebrach in Franken gefunden, wurde der früher hochgeschätzte Ligurinus 1737 von Senckenberg für unächt erklärt, und galt seitdem nach der herrschenden Ansicht für eine humanistische Fälschung. Erst in neuester Zeit wurde diese Ansicht siegreich widerlegt von A. Pannenborg in den Forschungen zur deutschen Geschichte XI, 161—300, und gleichzeitig von Gaston Paris in den Comptes Rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-lettres von 1871. Pannenborg hält den Verfasser für identisch mit Gunther, Mönch im Kloster Pairis im Elsaß, welcher auf den Wunsch seines Abtes Martin einen Bericht über den vierten Kreuzzug verfaßt hat und später noch ein ascetisches Werk „De oratione, jejunio et elemosyna“ geschrieben hat.

    • Literatur

      Vgl. Wattenbach, Deutscht. Geschichtsqu. (4. Aufl.) II, 218—21.

  • Autor/in

    W. Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Gunther von Pairis" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 145 unter Guntherus [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118543652.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA