Lebensdaten
1862 bis 1932
Geburtsort
Springe bei Hannover
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Exeget des Alten Testaments
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118543636 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gunkel, Johann Friedrich Hermann
  • Gunkel, Hermann
  • Gunkel, Johann Friedrich Hermann

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Zitierweise

Gunkel, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118543636.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1829–97), Pfarrer, zuletzt auch Senior ministerii in Lüneburg, S d. Pastors Joh. Dietrich in Landolfshausen u. d. Carol. Emilie Zinserling;
    M Therese Wilh. (1826–1916), T d. Elias Frdr. Büchner, Steuerbeamter in Leipzig, u. d. Friederica Wilh. Reyher;
    B Karl (1864–1941), Reichsgerichtsrat, Rechtshistoriker;
    - Halle/Saale 1895 Elisabeth (1874–1955), T d. Gustav Beelitz (1845–1912), ref. Domprediger in H., u. d. Marie Rhenius;
    1 S Werner (* 1896), Senatspräs, am Landessozialgericht Celle, 3 T.

  • Leben

    Nach der Schulzeit auf dem Gymnasium Johanneum in Lüneburg (1869–81) und dem in Göttingen besonders von P. de Lagarde und J. Wellhausen, in Gießen von A. Harnack und B. Stade beeinflußten Studium (1881–84) hat sich G. auch nach seinem 1. Theologischen Examen (1885) in Leipzig und Göttingen (1885–88) weiter fördern lassen. Durch die Promotion in Göttingen habilitierte er sich für „biblische Theologie“ (1888). Die Lehrtätigkeit mußte er abbrechen und Göttingen und den um A. Eichhorn gesammelten Freundeskreis, die Keimzelle der religionsgeschichtlichen Schule, wegen Unstimmigkeiten mit der Fakultät, besonders mit A. Ritschl, verlassen und sich zu einer Umhabilitierung für „AT-Exegese“ in Halle (1889) entschließen, wo er, 1894 zum außerordentlichen Professor ernannt, bis 1895 gewirkt hat. Nachdem er 13 Jahre in Berlin außerordentlicher Professor gewesen war, wurde er als Nachfolger von Stade als ordentlicher Professor nach Gießen berufen (1907-20). Das Wohlwollen des Kultusministers Becker verschaffte ihm schließlich die ordentliche Professur an der größeren Fakultät Halle (1920–27), an der er auch über seine Emeritierung hinaus noch kleinere Vorlesungen und Übungen gehalten hat. Seine zugleich didaktisch klare und künstlerisch beschwingte Art des Vortrags wirkte stark auf seine Hörer. Ein großer Kreis von Schülern auf den bibelwissenschaftlichen Lehrstühlen verbreitete seine Anliegen. G. hat die neuere Auslegung des AT und NT dadurch aufs stärkste beeinflußt, daß er es verstand, neue Methoden der Forschung zu finden, sie klar zu formulieren und sie durch bis ins Detail durchgeführte und sprachlich schön gestaltete Beispiele der Wissenschaft und den Gebildeten einsichtig zu machen. Durch die „religionsgeschichtliche Methode“ wollte er wie A. Eichhorn, W. Bousset, W. Wrede und andere die isolierte Behandlung der Bibel beseitigen und die Beiträge der sich damals erschließenden altorientalischen Kultur und Literatur für das Werden des AT und die Beiträge der spätjüdischen und hellenistischen Umwelt für das Werden des NT zur Geltung bringen. Er hat dabei die im „Panbabylonismus“ weitgehend vollzogene Aufhebung der Eigenart der biblischen Religion vermieden durch sein starkos religiöses und ästhetisches Empfinden sowie durch klare historische Differenzierung. Durch die „formgeschichtliche Methode“ hat er die einseitige Betrachtung der jüdischen Bücher als literarische Produkte individueller Autoren ergänzt und modifiziert, indem er Anregungen von Herder aufnahm. Die im vorliterarischen Stadium mündlich aus den Antrieben des Gemeinschaftslebens hervorwachsenden Formen wie Sage, Spruch und Lied spürte er im literarischen Werk auf und rekonstruierte durch sie das ältere geistige und kulturelle Leben Israels und seine Gemeinschaftsgefüge. Dadurch fühlte er sich auch in der Lage, die spezifischen geistigen Leistungen des individuellen Autors richtiger zu würdigen. Die genaue Analyse der Formen und ihrer Entwicklung sollte dem Rückschlußverfahren ausreichende Sicherheit verleihen. Die Methoden G.s haben die historische Untersuchung der Bibel radikalisiert, und, während er selber im sich stetig wandelnden religiösen Erlebnis den Wert der biblischen Überlieferung sah, hat sein Werk zu einer noch anhaltenden Besinnung auf die wesentliche Eigenart des biblischen Offenbarungszeugnisses geführt.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Berlin 1902 u. Christiania 1911), Dr. phil. h. c. (Breslau 1911), Ehrenmitgl. d. engl. Society for OT Study, u. d. amerikan. Society for Biblical Literature (1927).

  • Werke

    W u. a. Die Wirkungen d. Hl. Geistes nach d. populären Anschauung d. apostol. Zeit u. nach d. Lehre d. Apostels Paulus, 1888, 31909;
    Schöpfung u. Chaos in Urzeit u. Endzeit, 1895, 21921;
    Das vierte Buch Esra, in: E. Kautzsch (Hrsg.), Apokryphen u. Pseudepigraphen d. AT II, 1900, 21921, S. 331-401;
    Der Prophet Esra (IV. Esra), 1900;
    Genesis-Handkommentar z. AT I, 1, 1901, 61963;
    Zum rel. geschichtl. Verständnis d. NT, = Forschungen z. Rel. u. Lit. d. AT u. NT 1, 1903, 21910;
    Ausgew. Psalmen, 1904, 41917;
    Elias. Jahve u. Baal, = Rel.geschichtl. Volksbücher II, 8, 1906;
    Esther, = dass. II, 19/20, 1916;
    Das Märchen im AT, = dass. II, 23/26, 1917;
    Der erste Brief d. Petrus, in: Schrr. d. NT II, 1906, S. 25-60, 31917, S. 248-92;
    Die isr. Lit., in: Kultur d. Gegenwart I, 7, 1906. S. 51-102, 21923, S. 53-112;
    Reden u. Aufsätze, 1913;
    Die Propheten, 1917;
    Ein Vorläufer Jesu, 1921;
    Meislerwerke hebr. Erz. kunst I: Geschichten v. Elisa, 1922;
    Der Michaschluß, in: Zs. f. Semitistik 2, 1923, S. 145-78;
    Jesaia 33, e. prophet. Liturgie, in: Zs. f. d. alttestamentl. Wiss. 42, 1924, S. 177-208;
    Die Psalmen, = Göttinger Handkommentar z. AT II, 2, 41926;
    Einl. in d. Psalmen, zu Ende geführt v. J. Begrich, = dass., Erg. bd. z. Abt. II, 1933;
    Psalm 149, in: Orient Studies, = Festschr. Paul Haupt, 1926, S. 47-57;
    Die alttestamentl. Lit. gesch. u. d. Ansetzung d. Psalmdichtung, in: Theol. Bll. 7, 1928, S. 85-97;
    What Remains of the Old Testament, And Other Essays, 1928. - Hrsg.:
    Forschungen z. Rel. u. Lit. d. Alten u. Neuen Testaments, 1903-32;
    RGG1 u. 2;
    Die Schrr. d. AT, 1910–15, 21920-25. - Verz.: J. Hempel, H. G.s Bücher u. Schrr., in: Eucharisterion, 1923, T. 2, S. 214-25.

  • Literatur

    W. Baumgartner, in: Zum AT u. s. Umwelt, 1959, S. 371-78;
    ders., in: Congress Volume Bonn, 1962 (Suppl. to VT 9), S. 1-18;
    ders., in: H. Gunkel, Genesis, 61963, S. CVI-CXXII;
    Christl. Welt 46, 1932, Sp. 386-92;
    P. Humbert, H. G., un maitre des études hebraiques 1862-1932, in: Revue de théol. et des philos. NS 20, Lausanne 1932, S. 5-19;
    H. Schmidt, in: Theol. Bll. 11, 1932, Sp. 97-103;
    E. G. Kraeling, The OT since the Ref., London 1955, S. 139-42;
    H.-J. Kraus, Gesch. d. hist.-krit. Erforschung d. AT, 1956, S. 309-34;
    RGG2 u. 3.

  • Portraits

    Phot. (Halle, Univ.-Archiv);
    Zeichnung v. E. Stumpp (Halle, Theol. Inst. d. Univ.);
    Büste v. G. Budde (Halle, Theol. Inst. d. Univ.).

  • Autor/in

    Konrad von Rabenau
  • Empfohlene Zitierweise

    Rabenau, Konrad von, "Gunkel, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 322-323 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118543636.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA