Lebensdaten
1869 bis 1944
Geburtsort
Liegnitz (Schlesien)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117225924 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schian, Albert Ernst Richard Martin
  • Schian, Martin
  • Schian, Albert Ernst Richard Martin
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Zitierweise

Schian, Martin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117225924.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Robert (1828–76, 1] Auguste Lange, 1860, Vorsteherin d. Mädchenschule in L.), Dr. phil., Publ. in B., seit 1858 Pfarrer in L. (St. Bernhardin), Gründer d. „Kirchl. Wochenbl.“ (s. Breslau-Lex.; W), S d. Johann Karl, Ackerbürger u. Schuster in Löwen b. Brieg (Schlesien), u. d. Theresia Poche;
    M Marie (1842–1924), T d. Albert Merensky, kgl. Oberförster in Panten b. L., u. d. Clara v. Kessel; 5 Halb-Geschw, 6 Geschw;
    1898 Vally (1879–1963), T d. Friedrich Lincke (1839–1915), Oberstlt., u. d. Vally Arnd;
    2 K Ursula (1899–1976), Dr. rer., pol., Referentin im Centralausschuß f. Innere Mission in Berlin, später in B. u. Hamburg, Walter (1905–93, Marie v. Kegel, * 1913, aus Templin, Uckermark, später in Göttingen), Bankkaufm., 1935 Pfarrer in Schlesien, 1946 Sup., bis 1973 Kirchenrat in Berlin, engagiert im ev. Krankenhauswesen.

  • Leben

    S. wurde nachhaltig vom Vater geprägt, der ein v. a. publizistisch aktiver Protagonist der „positiven“, konservativ-orthodoxen kirchlichen Bewegung war und 1863 den Schles. Provinzialverein für Innere Mission mitgründete. Er studierte nach dem Abitur seit 1888 ev. Theologie in Greifswald und Breslau, seit 1890 in Halle, wo er v. a. von Hermann Gunkel (1862–1932) und Martin Kähler (1835–1912) beeinflußt wurde; wegweisend wurde auch die Theologie Wilhelm Herrmanns (1846–1922). Während seines Aufenthalts im Predigerseminar Wittenberg (1893–95) wurde S. mit einer Arbeit über „Die Ebed-Jahwe-Lieder in Jes 40-66“ (1894, gedr. 1895) in|Leipzig promoviert; mit einer Licenciatsarbeit über „Die Homiletik des Andreas Hyperius“ (1896) wandte er sich der Praktischen Theologie zu.

    Schon während der Pfarrtätigkeit in Dalkau (Schlesien, seit 1895) und in Görlitz (seit 1902) war S. sowohl publizistisch als auch wissenschaftlich produktiv (Die Sokratik im Za. d. Aufklärung, 1900; Das kirchl. Leben d. ev. Kirche d. Prov. Schlesien, 1903). Während seiner Zeit als Pfarrer in Breslau (1906–08) wurde er 1906 kumulativ habilitiert und verfaßte eine viel gelesene „Praktische Predigtlehre“ (1906 u. d. T. Die Predigt, 31923, Teilnachdr. 1971). 1908 wurde S. Professor für Praktische Theologie in Gießen (mehrfacher Dekan, 1916/17 Rektor). Aus seinen zahlreichen wissenschaftlichen und kirchenpolitischen Veröffentlichungen ragen Arbeiten zur Militärseelsorge, zur kirchlichen Verfassung und v. a. ein „Grundriß der Praktischen Theologie“ (1922, 31934) hervor, der rasch zum Standardwerk avancierte. In Gießen engagierte S. sich kirchlich wie politisch (1921-24 vertrat er die DVP im Hess. LT). 1924 kehrte S. als Generalsuperintendent für West-Schlesien nach Breslau zurück, wo er die diakonische und volksmissionarische Arbeit förderte und 1928 zum Honorarprofessor ernannt wurde. Sein öffentliches Eintreten für die kirchliche Eigenständigkeit führte 1934 zur Amtsenthebung durch den preuß. Kirchenkommissar.

    Mit zahlreichen Arbeiten u. a. zur Theorie und Geschichte der Predigt, des Pfarramts und der Gemeinde wurde S. neben Paul Drews. Otto Baumgarten und Friedrich Niebergall seit den 1890er Jahren zum Protagonisten einer programmatisch subjekt- und erfahrungsbezogenen, „modernen“ Praktischen Theologie, deren Einfluß erst mit der theol. Wende der 1920er Jahre zurücktrat. Dabei akzentuierte S. im Anschluß an Emil Sulze (1832–1914) die „selbsttätige“ Organisation der Kirchengemeinde sowie eine partizipationsoffene kirchliche Verfassung. Die von ihm nachhaltig geförderte „Gemeindebewegung“ gewann nach 1918 Einfluß auf die Neuordnung der ev. Landeskirchen. Seine historischen Arbeiten und v. a. sein „Grundriß“ sind bis heute lesenswert.|

  • Auszeichnungen

    Dr. theol. h. c. (Straßburg 1906).

  • Werke

    Weitere W Die ev. Kirchengde., 1907;
    Der ev. Pfarrer d. Gegenwart, wie er sein soll, 1914, 21920;
    Die dt. ev. Kirche im Weltkriege. 2 Bde., 1921/25;
    Hdb. f. d. kirchl. Amt, 1928 (hg. mit W. Buntzel);
    Der junge Pfarrer, Grundsätzliches u. Praktisches z. Führung d. Amtes, 1936;
    Kirchl. Erinnerungen e. Schlesiers, 1940 (Autobiogr., P); Hg.
    u. a. Preuß. Kirchenztg., 1905-08;
    Theol. J.ber. Gießen, 1909-15;
    Dt.-Ev. MbH. f. d. gesamten dt. Protestantismus, 1910-20;
    Ev. Kirchenkunde, 1910-19;
    Bibliogr.:
    W. Reinhardt, M. S.s Schr.tum, in: Jb. d. Ver. f. Schles. KGesch. 29, 1939, S. 93-100.

  • Literatur

    H. Posselt, in: Jb. f. Schles. KGesch. 48, 1968, S. 88-93;
    G. Ehrenforth, Die schles. Kirche im Kirchenkampf 1932-1945, 1968;
    J. Hermelink, in: Ch. Grethlein u. a. (Hg.), Gesch. d. Prakt. Theol., 1999, S. 279-330 (W, L);
    Wi. 1935;
    F. Hahn, in: Gießener Gel. (P);
    BBKL (W, L);
    RGG

  • Autor/in

    Jan Hermelink
  • Empfohlene Zitierweise

    Hermelink, Jan, "Schian, Martin" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 720-721 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117225924.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA