Lebensdaten
1869 bis 1948
Geburtsort
Erkelenz (Rheinland)
Sterbeort
Siegsdorf (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Philosoph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11853906X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Geyser, Gerhard Joseph Anton Maria
  • Geyser, Joseph
  • Geyser, Gerhard Joseph Anton Maria
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Zitierweise

Geyser, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11853906X.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1838–1904), Gymnasialoberlehrer, S d. Landwirts Abel in Karken u. d. Maria van den Driesch (beide aus Landwirtsfam.);
    M Franziska (1836–1923), T d. Büchsenmachers David Winter u. d. Eva Ahrens;
    Bonn-Poppelsdorf 1903 Elisabeth (1874–1942), T d. Carl Leonh. Becker (1843–1917), Kunstmaler u. Kupferstecher, u. d. Franziska Berke;
    2 T.

  • Leben

    G. habilitierte sich 1898 in Bonn für Philosophie. 1904 kam er als außerordentlicher Professor nach Münster (1911 ordentlicher Professor). 1917 wurde er nach Freiburg, 1924 als Nachfolger Clemens Baeumkers an die Universität München berufen. – G. stand in der Tradition der Philosophia Perennis, vor allem anknüpfend an Aristoteles und Thomas von Aquin. Für ihn war Philosophie nicht ein immer „von Neuem Beginnen“ ohne Verpflichtung gegenüber dem geistigen Erbe, sondern auch frühere Zeiten waren für ihn zu letzten Gültigkeiten vorgedrungen. Auf diesem geistigen Hintergrunde war er einer der logisch Folgerichtigsten, ein umfassender systematischer Denker der jüngsten Vergangenheit. Dazu erfreute er sich der besonderen Wertschätzung von Nicolai Hartmann, mit dem ihn seine realistische Erkenntnishaltung verband und mit dem er in besonderem geistigen Austausch stand. G. besaß einen internationalen Ruf (die Festgabe zum 60. Geburtstag, „Philosophia Perennis“ [2 Bände, 1930], enthält 68 Beiträge von Gelehrten des In- und Auslandes). G.s Philosophie stellt gewissermaßen die Mitte dar von einer Realität des Erfahrens und der Idealität eines schöpferischen Nachvollzuges der Geheimnisse des Daseins durch unser Denken. Er vertritt somit einen „kritischen Realismus“, wie er in seinen Tagen auch von O. Külpe vorgetragen worden ist. Programmatisch ist dieser Standpunkt von G. in seiner Schrift „Eidologie oder Philosophie als Formerkenntnis“ (1920) zum Ausdruck gebracht worden. Von dieser Position aus enthalten seine Werke (unter anderem Grundlegung der Logik und Erkenntnistheorie, 1919; Auf dem Kampffelde der Logik, 1926) eine außerordentlich scharfsinnige Aussprache mit der zeitgenössischen neukantisch-idealistischen Philosophie und der Phänomenologie Husserls. Die Voraussetzung für G.s philosophischen Aufbau ist eine sehr eindringliche Darlegung einer philosophischen Psychologie in Verbindung mit der modern-empirischen (Lehrbuch der Psychologie, 1908, 31920). Es kommt darauf an, die logisch objektive Sinnanalyse von dem psychologischen Realgeschehen abzuheben. Die logischen Gesetze sind aber nicht nur innere Denkbezüge, sondern erhalten ihren seinsbegründenden Charakter, so daß wir zur Ordnung im Realen vorstoßen können. Hierbei spricht G. dem rational diskursiven Verfahren den Hauptanteil zu, ohne eine Wesenserkenntnis im letzten übersehen zu wollen. Sehr hervorgetreten ist er und hat auch manche Kontroverse ausgelöst durch seine Erörterung des Kausalprinzips, das er nicht rein analytisch faßt, sondern dem er einen synthetischen Zug als das „Nachsichziehen des Entstehens“ zuspricht, ohne seinen Unbedingtheitscharakter in Frage zu stellen – ein Problem, das für die Gottesbegründung seit jeher eine entscheidende Bedeutung besaß. K. Huber hat diese Gedanken G.s mit großer Präzision wiedergegeben. Die induktiven und rationalen Erkenntniswege ermöglichen für G. eine Metaphysik, welche der Löwener Schule nahestand und seinem Denken eine letzte Abrundung und Erfüllung des geistigen Bemühens gab. Eine metaphysische Gotteserkenntnis ist für ihn nicht im Sinne apriorisch-intuitiver Gottesschau möglich, worüber er sich kritisch mit Max Scheler auseinandersetzte, sondern nur auf dem aposteriorischen Wege „durch Folgerungen aus geeigneten Erfahrungstatsachen“ erreichbar. Besonders charakteristisch für G.s ontologisches Denken ist auch seine Betonung des Menschen als konkret, individuell geistiges Wesen im Anschluß an Francisco Suarez. In diesem Punkt hebt er sich von der rein thomistischen Tradition ab. Wie wenigen Philosophen der Gegenwart war es ihm möglich, ein folgerichtig durchdachtes Weltbild zu entwickeln.

  • Werke

    Weitere W u. a. Grundlegung d. empir. Psychol., 1902;
    Naturerkenntnis u. Kausalerkenntnis, 1906;
    Allg. Philos. d. Seins u. d. Natur, 1915;
    Neue u. Alte Wege d. Philos., 1916;
    Die Erkenntnistheorie d. Aristoteles, 1917;
    Erkenntnistheorie, 1922;
    Einige Hauptprobleme d. Metaphysik, 1923;
    Max Schelers Phänomenol. d. Rel., 1924;
    Die ma. Philos., in: Lehrb. d. Gesch. d. Philos., hrsg. v. M. Dessoir, 1925;
    Das Prinzip v. zureichenden Grunde, 1930;
    Das Gesetz d. Ursache, 1933. W-Verz. in: Philosophia Perennis II, 1930, S. 1197 ff.

  • Literatur

    M. Ettlinger, J. G. als Psychologe, in: Philosophia Perennis II, 1930, S. 1131-40;
    K. Huber, J. G.s Stellung in Logik u. Erkenntnistheorie, ebd., S. 1141-72;
    L. Baur, I. G. als Metaphysiker, ebd., S. 1173-96;
    J. Rössli, Das Prinzip d. Ursache u. d. Grundes b. J. G., 1940;
    Ziegenfuß;
    Ueberweg.

  • Portraits

    Phot. in Philosophia Perennis I, 1930.

  • Autor/in

    Fritz-Joachim von Rintelen
  • Empfohlene Zitierweise

    Rintelen, Fritz-Joachim von, "Geyser, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 363 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11853906X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA